Ausgabe 
7.8.1898 Viertes Blatt
 
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Sonntag den 7. August

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Viertes BlM.

Nr. 183

Mehener Anzeiger

E-eneral-Anzeiger

Zlints- und Zlnzeigeblutt für den Tireis Giefzen

3St|Bfli|ircU vtkrlkljLbrlich

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Amtlichem Theil.

Nr. 33 bei Retch--Gesetzblatt«, auSgegebeu ben 2. b. M., enthält:

(Nr. 2501.) Internationale Sanität-Convention. Born 3. April 1894. Zuiotzerklärung zu btcfer Übereinkunft. Som 30. October 1897.

Nr. 34 bei ReichS-Gefetzblatt-, aulgegebeu ben 3. b. M, enthält:

(Nr. 2502.) Bekanntmachung, betreffenb Schiffsver- meffang tu Ostafien. Vom 15. Juli 1898.

(Nr. 2503.) Bekanntmachung, betrtffenb bal Jvkraft treten bet Artikel I unb II bei Gesetzes vom 4. April 1898 über bte anberweite Feststellung bei Gesammtcontingentl bet Srenueteien. Bom 28. Jult 1898.

Nr. 35 bei Reichl-Gesetzblatts, ausgegeben ben 4. b. M., enthält:

(Nr. 2504.) Bekanntmachung, betrtffenb bas Avßer» krasttreten bei Hanbelsvertrags zwischen bem Deutschen Zoll- deretu unb Großbritauien. Bom 31. Juli 1898.

Gießen, ben 6. August 1898.

Großherzogltches Kreilamt Gießen, v. Bechrolb.

Gesunden: 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 silberner Hing, 2 Artnbänber, 1 Rosenkranz, 1 Portemonnaie ohne Inhalt, 1 Notevhalter, 1 Strohhut, 1 Rolle Zeicheopapier, 1 Kinberschuh, 1 Hanbschuh, 1 Ftlzhut, 1 Stück Spitze, 1 Gumm ball mit Netz, 1 Feberhalter, 1 Theil eines Fahr- radS, 1 Pinsel, 1 Hammer, 1 Wagenkapsel, 1 Huubehals- band unb 1 Schinken.

Gießen, ben 6. August 1898.

Großherzogltches Polizeiamt Gießen.

I. 93.: Roth.

Bekanntmachung.

Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kevutniß, baß von morgen an, bte Bismarckstratze dem öffentlichen Verkehr wieder übergeben ist.

Gießen, ben 6. August 1898.

Großherzogltches Polizeiamt Gießen.

I. 93.: Roth.

Deutsches Reich.

Berlin, 5. August. DemBerliner Tageblatt" wirb aus Kopenhagen gemelbet, baß bet bet Königin von Däne­mark eine Anschwellung bet Beine eingetteten ist. Die all­gemeine Schwäche schreite gefährlich fort unb die Herzlhätigkeit sei sebr unregelmäßig geworben.

Berlin, 5. August. Gegenüber ben Mittheilungen, wo­nach bte Memoiren beS Fürsten Bismarck tm Ber­lage bet Union in Stuttgart erscheinen würben, erfährt bfe Nationa'zeitnng" von zuverläffiger Sette, baß diese Melbung unzuireff-nb tst.

Friedrichsruhe, 5. August. Bon einer Ueberfllhrung bet Leiche in e>ne vorläufige Begräbvißstätte ist nicht mehr bte Rede, bie entseelte Hülle Bismarcks bleibt v'elmeht bis zur Erbauung beS Mausoleums tm Sterbeztmmer. Wie Profeffor Lenbach aussührte, tst ber Platz für bte letzte Ruhe- ftätte ber vorüberbranlenben Züge wegen nicht günstig ge­wählt, ba ber tiefe WalbeSfrieben, nach bem sich ber große Frennb ber Natur sehnte, bort nicht gewahrt bleibt. Diese Empfinbung haben auch mehrere in ber Umgebung ansässige Verehrer bei Fürsten. Es fiub baher Berhanblnngen im Gange, um bem Fürsten Herbert einen Vorschlag zu machen, baß ber Bau mehr in ben Walb zurückgerückt unb ein Durch- blick nach bem Schlöffe geschaffen werbe. Der Erfolg bieseS Planes, bet sich noch im ersten Stabinrn ber Erwägung be- finbet, bleibt abzuwarten. Von einigen Hamburger Bismarck- Verehrern wirb bie Ausbringung eines Capitals von 300 000 Mk.

geplant. Es tst abzuwarten, ob bte Familie bem Drängen ber verebter nachgeben unb den Voriwlag annehmen wtrb.

Attsland.

Paris, 5. August. Der Cassationshof hat ben CaffattonSantrag Zolas verworfen. Die Frage ber Covn'xüät ber Sffiire Dreyfus unb Esterhach wurde nicht erörtert, sondern nur die foi malen Einwände.

Die FriebenSfrage beflnbet sich noch in ber Schwebe. Die span sche R-gierurg hat sich, laut Madriber Meldung, noch in feiner Weile gebunden hinsichtlich ber FriebenSbebingungen. Alle um ihre Anstcht befragten Per­sonen beobachten Zurückhaltung bis auf Roblebo, ber sich für bie Fortsetzung deS Krieges eit ärte. Aus Washington be­richtet man indeß, sei sicher, daß bie entgiltige Antwort Spaniens vor Samstag Nachmittag Mac Koley ofsiciell mit- gttheilt werben würbe. Man erwarte leben Augenblick, daß ber französische Botschafter Cambon eine Untertebung mit bem Präsidenten nachsuche. Jedenfalls befänben sich bte Unterhandlungen in btfttm Gange. Auch sei es that'ächlich bereit- entschieden, baß ber gemischte Ausschuß, ber bie Einzelfragen über bie Ausführung des Friedens regeln solle, in Parts zusammentteten werbe.

Bei Todesfällen

übernimmt die Buchdruckerei des Giessener Anzeigers, Schulstrasse 7, die schnellste Anfertigung von Trauer­briefen und DanksagungMkarten, welche auf Wunsch couvertlrt geliefert werden.

FeaMeto«.

Winke für die Weisezeit.^

*93on Dr. med. L. Ebing.

(Nachdruck oerboten.) O

Eine Erholung!- ober Vergnügungsreise ist ohae Frage eine» ber angenehmsten Mittel, um ben Körper zu stärken unb ben Geist zu erfrischen. Jedoch bas Reisen ist eine Kunst unb will erlernt sein.

Soll eine Reise sich vergnüglich unb ersprießlich gestalten, so ist es vor allen Dingen nothweudig, daß der Körper gesund unb leistungSsähig bleibt, benn selbst bie interessanteste Reise verliert allen Reiz, wenn ber Körper durch Utberanstrengung oder gar Entbehrung krank unb schwach wirb.

Das erste bet Geheimniffe beS angenehmen Reisens ist bas Maßhalten. Die Erholungsreise muß stet» ben Eharacter be« Vergnügen- haben- baß aber schließt alle Borgen, jebeß Hasten unb UtberstÜrzen aus. Wern finb nicht schon jene unpractischen vergnügung-reisenden begegnet, bte, kaum dem Etsenbahrtzuge entstiegen, mit einem wahren Feuer­eifer ihren Weg vorwärts stürzten? Wenn man zufällig diese Wettrenner nach drei ober vier Tagen wieder traf, so waren sie überanstrengt, kopfhängerisch oder krank. Nicht« ist beispielsweise untuger, al« sich in den ersten Tagen einer GebirgSreise zu übereilen. Wer zu Hause wen g Gelegenheit und Zeit zu längeren Fußtouren hatte, bet sollie am Tage seiner Ankunft io seiner Aofang-statiou weitet nicht« im Auge haben, al« seine Gelenke geschmeidig zu machen. Eine Fußwanderung von zwei bi« drei Stunden höchsten« würde für ben ersten Tag vollauf genügen. Such am zweiten Tage soll diese Wanderzeit nicht um viele« überschritten werden. In den nächsten Tagen kann man dann größere Strecken ohne Schaden unb Ueberwinbung zurücklegen.

Ein -weite« Geheirnniß ber Kunst beS Reisen! ist eine richtige Matscheinthe:lung. Im Gebirge etwa muß bet Siädtet seine Gewohnheit, biS in ben Vormittag hinein zu schlafen, ablegen, w ll et nicht seinen Weg in ben heißesten Tagesstunden zurücklegen. Da« Marschtempo muß ein mäßige« sein, je nach ber Kraft. Beim Bergsteigen, wo die Lunge ungewöhnlich in Anspruch genommen wirb, soll man ba« Sprechen nach Möglichkeit vermeiden, denn auch -um Sprechen gehört Kraft. Selbstverständlich unterläßt man baß Rauchen.

Beim Abstieg, bet an die Lunge viel geringere Aofor-

berungen stellt, rebe unb rauche man nach Belieben.

Allzu oft zu rasten, ist nicht zu empfehlen, benn nach jeber Rast ist erst ein gewiffet Widerstand zu überwtnben, maß schließlich zu einer frühzeitigen Ermüdung führt.

Wer an Athembeschwerden leidet, ber vermeibe, sich während der Erholungspausen zu setzen, denn durch die Körper­haltung beim Sitzen wird baß Zwerchfell bnrch die Bauch- eingeweibe höher hinaufgebrängt, wodurch bie Athembeschwerben nur noch vergrößert werben. Ist mau am Ziele angelangt, so überlaste man sich nicht sogleich der unbedingten Ruhe, sondern verschaffe sich noch einige B-wegung, ba man sich dadurch vor dem unbehaglichen Steiswerden ber Beine bewahrt.

Ein Gegenstavb ber größten Fürsorge beß Wanderer« muß der Fuß unb beffen Bekleidung sein.

Große Augst hat ber noch unerfahrene Reisende vor Erkältungen auf der Reise. Die Gefahr ist allerbing« im Gebirge groß und häufig, da bet-pet durch die unge­wohnte Anstrengung zu einer größeren Au«dünstung angeregt wird (eines der gesündesten Moment') unb bann die T-rnpe- ratur int Gebirge gegen Abend plötzlich finkt. Doch die Sache ist nicht so schlimm, denn wer sich in den ersten Tagen nur etwas in Acht nimmt, ber wird sich späterhin kaum noch erkälten. Daher suche man fich im Anfang vor einer Er­kältung zu schützen, indem man ben Fuß warm und trocken hält unb ben Overkörper durch e nen P.aid schützt. Der Plaid ist ohne Frage das einfachste unb beq »ernste Bekleidungsstück auf ber Reise, weit bequemer als der Ueberzlehet.

E n vorzügliches Mittel gegen Erkaltungen »st auch bie Hautpflege, viele P tsoneu, welche sonst zu Hause auf eine sorgsame Hautpflege bedacht find, glauben auf der Retse bte- ftlbe vernachlässigen zu dürfen. Da« ist aber sehr falsch - man nehme ehrt ein Bad mehr als weniger. Biele Menschen, bie selten reisen, befinden sich gleich nach ber Abreise nicht ganz wohl. Das hat zwei natürliche Ursachen, die einerseits im Organismus selbst, andererseits in der Art unb Weise des Helfen« liegen. Da« längere Derweilen tm Freien, die veränderte Nah ung, da« ungewohnt« Klima, der Verkehr mit Fremden, alle- diese« und Aehnl che« regt auf und verursacht bei Manchen Ad'pannung, Kopsschmerz, Appetitlofigkeit. Solche Zustände aber sind nicht gefährlich und gehen schnell vorüber. Sie verschwinden in dem Grade, als die neue Lebensweise zur Gewohnheit wird, woraus dann das Gesühl be« Wohlsein« merklicher eintritt und der Zweck de« Reisen« um so intensiver erreicht wird.

Nicht nur der Körper, auch ber Geist wirb burch eine Reise erfrischt. Auch wirb ein leibendes Gewüth durch nicht­schneller unb sicherer erheitert, al- burch eine Erholungsreise.

Ein berühmter Pädagoge, ber seine durch breibiertel- jährige Arbeit in ber Schule und im Studirzimmer an­gegriffene Gesundheit alljährlich durch eine Reise neu erfrischte und kräftigte und bann froh unb stark wieder heimkehrte, pflegte zu sagen:

O, ich möchte ben Schädel des Mannes tüffen, ber bie Ferien erfanb. Er war ein Wohlthä'er ber Menschheit."

Auch bte Magenfrage ist auf ber Reife von großer Wich­tigkeit. Die meisten Reifenden erwarten auf Reisen ein ge­steigertes Nahrungsbedürfniß. Dann aber quäle man fich nicht burch Effen - man esse niemals zu viel auf einmal, benn mit übeilabenem Magen gehen ober fahren, ist nicht gut unb bewirkt sowohl Trägheit nlS auch Verdauungsstörung. Man effe häufig, aber jedesmal nur wenig unb nahrhaft. Auch mit bim Trinken muß man vorsichtig fein, besonders bet Fußtouren. Durstige Seelen können keine Gelegenheit vor­übergehen laffeu, ohne sich an ber verlockenben Gambrtnus- gabe zu laden. Diese werben schwerlich rüstige Fußgänger sein, benn viele- Trinken erschlafft und macht immer mehr bursttger, währenb ein kurze- Ertragen des Durstes schon zeigt, baß daS Durstgesühl nicht so schlimm ist, wie e« An- fang« ben Anschein hat.

Da« beste Getränk tst ba« Brunnenwaffer. Gewöhnlich hält man ba« Trir-ken von kaltem Waffer für geiährlich. Da« tst eine Uebertreibung. So wenig e« ben, Fieberkranken schadet, wenn er seinen überhitzten Gaumen und brennenden Magen durch Eisstückchen kühlt, ebensow'ntg schadet dem Wanderer ber Genuß be« erquickenden Woss'.rs, natürlich vorausgesetzt, baß er e« nicht tm Utbermafj trinke. Unsere Heeresleitung tst auch schon längst von ber alten Anschauung abgekommen, baß den ermüdeten unb schweißgebadeten Sol­daten auf dem Marsche bas Wc. ff ertrinken schaden tönnte; sie sorgt vielmehr basür, daß ben Leuten bas küh!enbe ®e« tiai t so oft als möglich geboten wird. Ist der Wunderer ängstlicher Natur, fo vehme er nur kleine Schlucke Wasser- und halte fie einige Secunden tm Munde, bevor er sie hinab« gbiten läßt. Sobald ber Vergnügung-- ober Erholung«« reisende ErmDung unb E-schöpsung verspürt, soll er Halt machen und tm nächsten Quartier rasten. Würde er gegen seine Natur handeln, könnte der Zweck seiner Riise leicht io« Gegentheil Umschlagen.