„Berliner thierärztlicheu Wochenschrift". Er schreibt, da- t erste und wirksamste Mittel, der einheimischen Schweinezucht wieder aufzuhelfeu, bestehe in der dauernden Schließung der Grenzen gegen jede Zufuhr von Schweinen und Schweine» I fletsch. Nlle Thierärzte seien sich darüber klar, daß die Schweineseuchen vom AuSlaude nach Deutschland verschleppt | worden seien. Ein eingeführtes krankes Schwein könne uu- | füglich viel Schaden unter den Beständen einer bis dahin von der Seuche verschonten Gegend anrichteu. Die eingehendste I Untersuchung durch den erfahrensten und gew ssenhaftesten I Sachverständigen bei der Einfuhr könne gegen die Seuchen» I Einschleppung nicht schützen, da die Thiere beim Ueberschreiten der Grenze noch ganz gesund erscheinen, und vielleicht schon I nach einer Stunde die ersten Kraukheitserscheinuugen eiutreteu könnten und zwischen dem Moment der Ansteckung und dem I Ausbruch der Krankheit ein Zeitraum vou 1 bis 3 Tagen liege, während dem die Thiere ganz gesund erschienen. Die Beteriuärpolizei müffe daher die dringliche Forderung stellen, die Grenze gegen jede Einfuhr abzuschließen.
Ars-Unrd.
Wie», 4. Oktober. Die Verhandlungen der Regierung mit den Club'Obmänneru der Rechten wegen Bildung einer coutacteu RegieruugS'Majorität dauern fort. Die Regierung beabsichtigt, einen tschechischen und einen slowenischen Landwanumioister zu ernennen.
Wien, 4. October. An der Börse erregte heute die von der Börseukawmer bekauutgegebeue Insolvenz der Baufirma Bouchal große- Aufsehen.
Wie», 4. October. Der Bauunternehmer Leopold Koritschöner hat sich wegen zerrütteter VermögeuS-Ber» hältnisie ersckofleu.
Warschau, 4. October. Der Schriftsteller Potocki ist plötzlich verschwunden. Man befürchtet, daß er aus Bersehen bet den in den letzten Tagen zahlreich vorgeuom» menen Verhaftungen vou Studenten mit in- Gefängntß ge» kommen ist.
— Die Ausbildung der russischen Feldar» tillerie. Wir haben unlängst einige Beispiele sür die ' Leitung und Durchführung des gefechtsmäßigen Schießens von Feldbatterieu im Bezirk Wilna gegeben, heute wögen einige Belege für die Schulung größerer Artilleriemaffeu in demselben Bezirke folgen. Sie bekunden, daß die Schulung im Schießen dort durchaus kriegSgemäß erfolgt uud au die Feuerleitung dem Ernstfälle entsprechende Anforderungen ge» stellt werden. Auf dem Schießplatz von Orauy sormirte mau eine Division, der man zwei Artillerie Brigaden mit elf Batterien, al- Artillerie eine- ArmeecorpS, zutheilte. Ander Versammlung beim Dorse MoSkowkt, 6 Kilometer vom UebungSlager, trat man die Vorbewegung in einer Marsch» ordnuug au, die den beiden ersten Infanterie-Bataillonen gleich neun Batterien folgen ließ, während eine Abtheiluug za zwei Batterien weiter zurück gehalten wurde. Der Corn« mandeur der Division uud derjenige der Artillerie ritten, 2 Kilometer vom UebungSlager entfernt vor, um den Gegner zu erkunden, während die Division Halt machte. Die Erkundung ergab, daß der Gegner auf seinem rechten Flügel etwa 18 Geschütze in Stellung, im Centrum eine von Infanterie besetzte Redoute, vor einem Dorfe, hinter dem man Truppeuausammlungen bemerkte, auf dem linken Flügel zwei Artillerie-Linien von 18, bezw. 12 Geschützen hatte. Bor der Artillerie beider Flügel war Infanterie vorgeschoben. Die Artillerie erhielt den Auftrag, zunächst die feindliche Artillerie uiederzukämpfen, einer Brigade (6 Batterien) wurde die Artillerie de- feindlichen linken Flügel- zugewiesev, der andern, die zunächst noch eine Abtheiluug in Reserve behielt, die deS feindlichen rechten Flügel-. Die Artillerie der Division ging in zwei Colonnen vor, überschritt die Brücke deS OrankoflusieS und nahm zunächst gedeckt eine Bereitschaftsstellung, bis je zwei Bataillone sich vorwärts des rechten und linken Flügels der eiuzunehmenden Artilleriestellung entwickelt hatten, der Rest der Infanterie sollte rückwärts der rechten Flügels der eigenen Artillerie aufmarschtren. Daun ging die Artillerie in starker Gangart in die erkundete Stellung. Das Etn- schließeu erfolgte durch Salven von halben Batterieen nab Zügen. Auf Entfernungen vou 2300 Meter wurden von einer Abtheiluug in 7 Minuten 10 pCt. Treffer (wa- recht wenig ist), von 2150 Meter von einer anderen in derselben Zeit 63 pCt. (was au-reichend ist), von rlner dritten 66 pCt. Treffer erzielt. Die Artillerie erhielt dann den Befehl, ihr Feuer auf die Truppeuansammlung hinter .der Redoute zu couceutriren, gleichzeitig die in Reserve behaltene Abtheilung in die im Feuer stehende Artillerieltute einzuschtebeu und dte Jufanterte-Augrtffe durch Borgeheu deS rechten Flügels zu I unterstützen. Die Befehle erfolgten schnell, ebenso daS Neu» abtheilen vou BefehlSverbäuden, nachdem dte Reserve«Abtheilung >.m Galopp etugerückt war und sofort eine Cavallerie-Attacke durch Feuer abgewtesen hatte. Ein Thetl der Artillerie beschoß dte Truppeuansammlung, fünf Batterieen, aus den noch als kampffähig bezeichneten Geschützen gebildet, gingen zur Unterstützung des Infanterie-Angriffs vor. Die Truppen» | ansamwlung, ein großes Ziel, hatte in 4 Minuten 84 pCt. ihrer Leute außer Gefecht, die Artillerie des Gegners 62 pCt., die Infanterie des feindlichen rechten Flügel-, knieende Schützen, 38 pCt. Für eine Entfernung vou 2300 bis 2500 Meter war dte Wirkung nicht übertrieben. Dte Uebung bekundet aber, daß dte große Arttlleriemaffr lenkbar uud dte Feuerleitung zweckmäßig war sowie daß die verschiedenen Führer eS verstanden, sich in den wirklichen ähnlichen Fällen rasch zu entschließen und zweckentsprechend zu handeln. Dieses Ergebuiß tft aber sür russische Verhältnisse beachteuSwerth.
— D t e K r e t a»F r a g e. Die Lösung der Kreta-Frage rückt mit Riesenschritten heran, die Situation wird immer bedenklicher, und der Sultan wird dem Ernste, den dte vier iuteressirten Mächte zeigen, utcht mehr lange Widerstand leisten können. Diesmal ist eS russischer Politik zu danken, wenn nicht dte äußersten Mittel gegen dte Pforte bereits zur Anwendung gebracht wurden, während das Verhalten, beson
ders Englands, den Anschein erweckt, als wolle man von dem Umstande der bevorstehenden Katserreise profittreu, vorauS- setzend, daß der Sultan fich den Forderungen der Mächte jetzt eher fügen werde, um nicht eine Blockade der Dardanellen zu riSktren, welche die Herkunft des deutschen Kaiserpaares in Frage stellen könnte. Wie dem Reuter'scheu Bureau beute auS Rom gemeldet wird, ist noch kein Beschluß der Kreta-Mächte über etwaige behufs Entfernung der türkischen Truppen aus Kreta zu ergreifende Maßnahmen gefaßt worden. Zunächst hat man ein Berzetchniß solcher Maßnahmen ausgestellt. Italien und Frankreich haben fich zu Allem bereit erklärt,- schließlich sei mau übereiugekommeu, die Zurückziehung der türkischen Truppen zu verlangen,' als aber England das Berlangen stellte, mau solle im Weigerungsfälle auf diese Truppen schießen, hatte Rußland Widerspruch erhoben. Nach einer Konstantinopler Meldung haben inzwischen die Botschafter Englands, FraukreichS und Italiens die Zustimmung ihrer Regierungen zu dem Inhalte wie zur Ueberreichung der Note betreffs Kretas an die Pforte bereit- erhalten, während dem ruffischeu Botschafter die Zustimmung seiner Regierung noch nicht zugegangen ist. Die Note enthält zunächst einen Rückblick über die Ereigniffe auf Kreta und besagt dann: die Einsührung der nothwendigen neuen Verwaltung aus Kreta sei ohne die Zurückziehung der türkischen Truppen unmöglich. Die vier Mächte ersuchen daher den Sultan, die- zu ver» anlaffen, indem sie ihm die Wahrung seiner Souvrranetat versprechen und sich sür die Sicherung der Jutereffen der Mohammedaner auf Kreta verbürgen. Sollte der Sultan aber den Befehl zur Zurückziehung der Truppen nicht geben, so bleibe den Mächten nichts übrig, aU entschiedene Maßnahmen zu ergreifen- in diesem Falle könne jedoch die Souveränetät des Sultan- nicht berücksichtigt werden, und es müßte die Verwaltung Kreta- in einem seiner überwiegend christlichen Bevölkerung entsprechenden Sinne durchgeführt werden.
CocaUs provinzielle».
Hungen, 4.October. Herr Stationsvorsteher Jost verläßt uns heute wieder. Von Königl. Direktion wurden demselben zur Wahl eine Stelle als Stationsvorsteher 2. Klaffe in Bensheim oder Mainz angeboten und hat fich Herr Jost sür BenSbeim eutschloffeu. Herr Jost ist bet seiner vor- gesetzten Behörde sehr angesehen, waS das rasche, für Herrn Jost sehr ehrende Avancement beweist.
Trais-Horloff, 3. October. Bon Seiten der Verwaltung der Grube „Friedrich" wird gegenwärtig ein größeres Gebäude ausgesührt, in welchem ein bedeutender Umschwung aus dem Gebiet der Braunkohle durchgeführt werden soll. Die BriqaettS haben den Nachtheil, daß fie beim Verbrennen einen theerartigen Geruch ausströmen. Man will deßhalb jetzt durch geeignete Behandlung den Theer aus der Braunkohle ausscheiden und dte LokeS al- Brennmatertal verwerthen. Bei entsprechender Rentabilität diese- Unternehmen- wird diese neue Einrichtung um da- Vierfache vergrößert werden. ES steht- also auch hier eine neue großartige industrielle Ein* richtung bevor.
Laubach, 2. Oktober. Da Herr Gymnasiallehrer Pro- ftffor Dr. Mohr au- verschiedenen Gründen eine allgemeine osfictelle AbschiedSscler, auch einen Seitens der Schüler des Ghmuafiums geplanten Fackelzng, abgelehnt hatte, versammelte fich, ohne daß eine sprcielle Einladung erfolgt wäre, am Freitag Abend im hiesigen Lafinolocal zum Abschied-trnnk eine größere Gesellschaft. Herr Ghmnafialdireetor Hensell widmete dem Scheidenden, deffen Verdienste als Lehrer und College hervorhebend, warm empfundene Abschiedsworte. Herr Kaufmann Ritter sprach im Namen de- Stadtvorstandes, Herr Amtsrichter Zimmermann im Namen des Casinos, deffen Direktor Profeffor Mohr von 1891—1897 gewesen. In bewegten Worten erwiderte der Gefeierte, indem er betonte, daß es ihm schwer falle, au- Laubach, wo er 18‘/2 Jahre verweilt habe, wegzugehen. Sein Hoch galt dem Gedeihen und Blühen der Stadt, sowie de» mit ihr eng verknüpften Gymnasiums. — Die besten Wünsche für sein Wohlergehen begleiten ihn, der fich hier allgemeiner Beliebtheit erfreute, nach seinem neuen Wirkungskreis, der Refidenz Darmstadt.
Rockenberg, 1. Oktober. Herr Apotheker L. Späth, welcher seit mehreren Jahren die Apotheke zu Rockenberg verwaltete, ist behufs Ueberuahme der Apotheke zu Butzbach nach dorten übergefiedelt. Au seine hiefige Stelle tritt Herr Apotheker A. Haffelkamp vou Wildnngen.
Bad-Rauhetm, 2. Oktober. Im Allgemeinen kann die abgelaufene Kur Periode al- eine gute bezeichnet werden, wenn auch eine Steigerung der Friquenzziffer gegen das Borjahr, wie dieselbe 1897 gegen 1896 zu verzeichnen war, nicht eingetreten ist. Angekommen waren von Beginn der Saison bi- zum 30. September:
1896 1897 1898
15310 17 929 19 398 Kurgäste.
Für die in der letzten Zeit am hiesigen Platze entfaltete Bauthätigkeit, welche aller Wahrscheinlichkeit nach mit einem l größeren Zuwachs in diesrm Jahr gerechnet hatte, dürste der Vergleich vorstehender Zahlen immerhin etwa- Bedenkliche- haben.
-3 Groß-Felda, 4. Oktober. Bei einer unter den Burschen am SamStag Abend auSgebrocheneu Streitigkeit erhielt der Sohn deS Straßenwärters Daubert einen lebensgefährlichen Stich in die Seite. Der Schwerverletzte wurde Sonntag Nacht in die Klinik nach Gießen tranSportirt und I alsbald operirt. __________________________________________
Vermischtes.
I * Wetzlar, 4. Oktober. In daS hiefige katholische Pfarr- I hauS ist in vergangener Nacht ein Einbruch versucht worden. I Die Einbrecher hatten bereüs die Eisenstäbe eines der im | Parterre befindlichen Fenster durchsägt, als die auf demselben I Flur schlafenden Personen erwachten und Lärm schlugen. Die I Einbrecher machten fich darauf eilends auS dem Staube.
• Hamburg, 3. October. DaS Schwurgericht verurtheilte den Commis Kruse ans Linden-Haunover und den Maurer Wohlers auS Hamburg wegen Falschmünzerei und Anfertigung falscher Fünfmarkscheine zu vierjährigem Zuchthaus und zweijähriger Gefänguißstrafe. Die Wlttwe Pscherer, die da- falsche Geld in Umlauf setzte, erhielt eine einjährige Ge- fängntßstrafr. JuSgeiammt find mehrere hundert falsche Scheine hergestellt worden. — In der vergangenen Nackt ertränkten drei Individuen ein zwanzigjährige FährmannS- tochter in Jsebeck. Die Thäter find entflohen. — In Altona * erschlug der Seemann Ripphardt seine Ehefrau. Der Gattenmörder wurde verhaftet.
♦ Der russische vorfig ist tobt. Dieser Tage bat aus seinem Gute Auuino in der Nähe der großen Kolomua'schen Fabriken Ingenieur General-Lieutenant Armand Gegorowitsch Struwe nach langer schwerer Krankheit seine Augen für immer geschloffen. Struwe war der Pionier deS Locomotiven- und Waggonbaues in Rußland. Er begann seine Thätizk-.it als MllitäreJngenieur und endigte fie als „anordnender Director" der größten MaschinenbaU'Fabrik Rußlands, der Kolomna'schen Werke, welche gegenwärtig 9000 Arbeiter beschäftigen. Seine ersten Sporen hatte sich Strnwe als Erbauer großer Brücken verdient, der Dnieperbrücke bei Kiew, der Alexanderbrücke über die Newa und der Brücke über die Okka bei Kolomna. Mit dem Bau der lltztgenannten Brücke ist auch das Entstehen der Kolomna'schen Werke eng verknüpft. Struwe legte eine Anzahl von Werkstätten nnd Schmieden für den Brückenbau an, aus denen allmählich daS große Unternehmen emporwuchs- 1872 verwandelte er dasselbe in eine Actieu-Gesellschaft, blieb aber an der Spitze derselben als anorduender Direktor. Struwe gehörte zu deu wenigen rusfischeu Industriellen, denen auch da« Wohl der Arbeiter am Herzen lag. Dank ihm find auf den Werken Kranken- Häuser und Schulen, bequeme Arbeiterwohnungen, L:sehallru sür die Arbeiter, gemeinsame Speisetische sür die Unverhei- ratheten u. s. w. geschaffen.
♦ Die Großherzogin vou Sachsen-Weimar und da» Goethe- Schiller Archiv. Unter diesem Titel hat der Secretär der verstorbenen Großherzogin Sophie von Sachsen, Capitän a. D. Vinkhuyzen in niederländischer Sprache ein kleine» Schrift» chen veröffentlicht, in dem die von der Großherzogin an den Verfaffer gerichteten Briefe über da» ihr zugefallene Erbe der literarischen Nachlaffenschaft de» Dichters zum Abdruck gebracht werden. Die Briefe, aus dem April und Juni 1885 stammend, legen die Pläne, die die Großherzogin mit dem literarischen Nachlaß Goethes hatte und schließlich zur Aus- führung brachte, dar. Der eine Brief vom 13. Ium lautet: „Die Goethe-Gesellschaft wird am 20. Juni gebildet werden; der 20. und 21. sind für die Versammlung bestimmt; sie wird, wie ich hoffe, den Grund für Dinge legen, die in Gegenwatt und Zukunft Weimar nützlich fein sollen. Herr v. Loeper und andere maßgebende Persönlichkeiten haben meinen Plan einer Biographie und einer mustergültigen, ab- schließenden Ausgabe der Werke Goethes, die sich auf dir Documente in meinem Archive stützt, sehr warm begrüßt. Herr v. Loeper ist hier, um es wiffenschaftlich zu durchforschen. Er findet viele werthvolle und intereffante Stücke, die eine solide Basis für eine solche Ausgabe, die noch völlig fehlt, abgeben. Die Vorfragen gehen ihrer Erledigung entgegen. Man wird den hervorragenden Persönlichkeiten, die von den Plänen für den 20. unterrichtet sind, sagen können, daß mustergilttge Ausgabe und Biographie die beiden großen gesicherten Unternehmungen sind, dte dem deutschen Volke geben werden, was bis jetzt fehlt. Mein Plan steht fest, nach Weimar einen bedeutenden Mann zu berufen, der an der Spitze des Archivs und deffen, was sich damit verbinden läßt, stehen würde .... Glauben Sie, daß ich mich nicht durch mich selbst, noch durch Andere sortreißen laffe. Ich weiß klar, was rch verpflichtet bin zu thun in Folge der mir von Herrn v. Goethe anvertrauten Erbschaft. Ich habe meinen Plan gemacht, der eine Ehrensache für mich ist. Ich habe reiflich nachgedacht, bevor ich ein Wort darüber verlauten ließ. Mein ganzes Leben hindurch habe ich mich bestrebt, ernsthaft zu handeln, nicht nach Zufall, und was ich that, auf die Wirklichkeit und auf meine Uederzeugung zu gründen. Ich habe keine Eitelkeit, dazu kenne ich mich zu genau und kenne die Welt zu genau. Ich lege ernstlichen Werth auf das, was heute gethan werden kann, zeitgemäß und auf realer Grundlage, weil das geistige und moralische Gebiet das den kleinen Staaten ^verbliebene ist. Auf dem politischen Gebiet können wir nicht den Wettkampf aufnehmen. Aber für Dauer und Nützlichkeit unserer Existenz als unabhängiger Staat bieten sich günstige Absichten, wenn geiftrg und moralisch der kleine Mittelpunkt etwas thatsächlich bedeutet, nicht nur durch die Erinnerungen, sondern durch das, was lebt und leben wird und von diesem kleinen Mittelpunkt au»geht. Ich erfasse meine Aufgabe unter dem patriotischen Gesichts- punkt und betrachte mich als das Werkzeug, durch das da» geistige Leben in Weimar eine neue Bedeutung gewinnen kann. Ich werde meinen Weg entschlossen zurücklegen und das Steuer energisch führen, damit jede ThätigkeitS- Ausstrahlung, die mir obliegt, ihren bestimmten Platz erhält, ohne daß die eine durch die andere leidet. In meinem Alter blickt man prüfend auf sich und auf den zurückgelegten Lebensabschnitt. Ich habe daraus gelernt, meinen Augenpunkt hoch zu nehmen, und das hat mir Befriedigung gegeben durch das Gefühl, daß die göttliche Güte ihren Segen den aufrichtigen, selbstlosen Bestrebungen und der Hingebung im Dienste bet Wahren und Guten spendet."
• Zu Hedbesdors bei Neuwied wurde ein bisher vnbe« kannte- römisches Castell von dem LmeScornrniffar Dr. Bodewig entdeckt. Da es unter Gärten und Häusern liegt, können die Jnnenbauten nicht untersucht werden. Ein außerhalb deS Castells gelegenes Militärbad ist saft ganz aus- gedeckt. Bekanntlich wurden im vorigen Jahre in dem eine halbe Stunde entfetnt liegenden Dorse Niederbieber umfangreiche Arbeiten zur Aufdeckung und Abzeichnung des dort liegenden Castells mit Erfolg vorgenommen.


