frische hiesige Gier, und wo sie iwportirte Maare kaufen konnten. Damit ist der Täuschung, welche mit dem Artikel Eier bisher auf unseren Märkten möglich war, ein wirksamer Riegel vorgeschoben.
•*p. Stadttheaier. In der zweiten Vorstellung wurde uni von der Direktion ein altbewährte! französische! Lustspiel geboten, „Frauenkampf" von Tcribe. Im Mittelpunkt der Handlung steht die dreißigjährige, geistvolle Gräfin Autreval. Sie hat einen doppelten Kampf zu führen, denn sie will ihrem Schützling, dem verfolgten, jungen und wuthigen Henry von Flavigneul, da! Leben retten und zugleich sein Herz für fich gewinnen. Jene! gelingt ihr dadurch, daß sie den verschlagenen, jeder Rrgiernnglform gefügig fich aupassru- den Präfecten von Monrichard durch eine fortgesetzte Kette von Listen zu verhindern weiß, den eigentlichen Schuldigen zu verhaften. In dem zweiten Kampfe dagegen unterliegt sie, denn die Liebe de! Verfolgten wendet fich der 16jährigen, anmuthigen Leonie von Villegontier zu, obgleich dieselbe mehrmals durch ihre Aengstltchkett und Unbedachtsamkeit die klug angelegten Rettungsplane ihrer Tante fast zu Schanden macht. Frl. Würdig gab die characteristischen Eigenschaften der Gräfin Autreval mit Derständniß wieder und stand ihrem Partner, Baron von Monrichard, dem die Regie führenden Herrn Liebscher, nur wenig nach. Frl. Meta Schumann, durch eine vortheilhafte Erscheinung unterstützt, brachte die aufketmende Liebe und zärtliche Besorgniß für den armen Verfolgten recht natürlich zum Ausdruck. Dieser selbst, durch Herrn Dietz sch dargestellt, zeigte fich in beredtem wie in stummem Spiel seiner Rolle ziemlich gewachsen. Nicht ganz dasselbe läßt fich von Herrn Wtlhelmi sagen. Er brachte für seinen zwischen Angst und Beherztheit schwankenden Gustav von Grtgnou zwar die nöthige Komik mit, aber der Ton, den er anschlug, wollte doch nicht tu den Rahmen des feinen Lustspiel! hineinpaffen. Auch sein Eostüm erschien nicht ganz staube»- und zeitgemäß. Letztere! gilt auch für die Zimmereinrichtung, die uns nicht zu überzeugen vermochte, daß die Handlung im Jahre 1817 auf einem französischen Schlöffe spielt. — Boran ging der harmlose Putlttz'sche Eiuacter „Badekuren". Die überzärtliche, besorgte und stet! aufgeregte Mutter, Frau von Wangen, fand in Frau Helm eine tüchtige Vertreterin. Ihr Sohn RUuholb (Herr Merker) vermochte uns Gießenern den hier recht geläufigen Begriff eine! flotten Touleurstudenten nicht völlig beizubrtngrn. Besser gelang ihm die zweite Hälfte seiner Rolle, nachdem er fich äußerlich und innerlich zum Liebhaber seiner hübschen Loufine (Frl. Ellen Bartholdy) umgewandelt hatte, die ihm allerdings durch ihr lebenswarmes und neckische! Spiel seine Aufgabe wesentlich erleichterte. Ueberaus getreu gab Herr Karl Walter den biederen Diener Valentin, dessen alre! Herz noch so ver- ständnißinntg mit der Jugend empfindet. Vielleicht verstrht fich die Direktion dazu, da! doppelfinnige Lustspiel „Badekuren" zu wiederholen, wenn unsere Musensöhne zur Fortsetzung ihrer Studien wieder angelangt find.
* • Zur Handwerker Organisattou. Die hessische Regierung scheint neuerdings ihr Augenmerk auf dir Bildung fachlicher Vereinigungen zu richten. Die Nr. 38 des „Gewerbeblattes" bringt den Anfang eine! Verzeichnisses der Gewerbetreibenden in Hessen, dem folgende Worte vorausge-ch ckt find: „Um die Möglichkeiten de! fachlichen Zusammenschlusses der Handwerker de! Großherzogthum! beurtheilen zu können und Anhaltspunkte zu gewinnen über die Btldungfähigkeit vo« Bereinigungen zum Zwrck der Wahlen für die Handwerker- kammern, hat auf Antrag der Centralstelle für die Gewerbe die Großh. Regierung nachfolgende Zusammenstellung aul- arbeiten lassen. Um die für derartige umfangreiche Arbeiten nothweudige Zett möglichst zu verkürzen, wurden in den 18 Kreisen des Lande! nur die Gemeinden von 1000 und mehr Einwohnern in Betracht gezogen, und e! muß den bestehenden örtlichen Gewerbe- uad Handwrrk.rvereinigungrn überlassen werden, an einzelnen kleineren in Betracht kommenden Ortschaften wettere Erhebungen vorzunehmen auf Grund der Gewerbetagedücher der Gemeindevorsteher. In jedem Fall bieten die nachfolgenden Tabellen hinreichende Ueberficht, um festzustellen, wo die Verhältnisse zur Bildung von Gewerbevereinen und reinen Fachtnnungeu günstig find und wo fich anderseits der Zusammenschluß verschiedener Gewerbegruppeu zu Vereinen empfehlen würde. Wir veröffentlichen diese Zusammenstellung, damit die bestehenden Gewerdeveretne, Innungen und Handwerkervereine darauf htuzuwirken versuchen, für die im nächsten Jahre bevorstehenden Wahlen zur Handwerkerkawmer möglichst alle Handwerker de! Landes zum Anschluß an die ihnen zusagenden vorhandenen Bereinigungen zu veraulaffen oder neue Vereine dem BedÜrfniß euisprechend ins Leben zu rufen." — Nach diesen einleitenden Worten folgen die Ver- zetchn'ffe von 133 (!) Berufen einstweilen ans acht Kreisen de! Großherzogthum!.
Kaufmännische Stellenvermittlung. In den abgelaufenen neun Monaten diese! Jahre! wurden durch Vermittlung de! über ganz Deutschland verbreiteten, jetzt 50 000 Mitglieder zählenden Verbände! Deutscher Handlungsgehülfen 3185 Stellen besetzt, gegen 2743 im gleichen Zeitraum de! Vorjahres. Am 14. September cr. kam die 26000. Stellen- besetzung (seit Gründung de! Verbandel im Jahre 1881) zu Staude. Diese Erfolge zeigen deutlich, daß die Berbandl- leitung die Hände nicht tu den Schooß legt, sondern fortgesetzt emfig weiter arbeitet am Ausbau der wohlthätigen, gemeinnützigen Verbaudseinrichtungen, insbesondere der Stellen- Vermittlung, die bekanntlich für Prinzipr.le wie Gehülfeu völlig kostenfrei ist und der die Firmen Deutschland! ein von Jahr wachsende! Interesse entgegenbringen. So wurden im Jahre 1897 10566 offene Stellen zur Besetzung gemeldet, im laufenden Jahre ist diese Ziffer schon bis Ende September erreicht worden. Zur Erleichterung de! Verkehr! wurden au fast allen größeren Plätzen de! Reiches Geschäftsstellen errichtet, während der gesammte Stellenvermittlungsbetrieb in Leipzig centralistrt ist. Da jederzeit ein durchschnittlicher Be- stand von 2000 Bewerbern au! sämmtlichen Geschäftszweigen ond aul allen Gegenden Deutschlandl vorhanden, können dem
B. D. H. an! Prinzipalüreisen zugehende Auftrage sofort in fach- und fachgemäßer Weise Erledigung finden. Wie sehr der Verband seine Stellenvermittlung fördert, geht ans der Thatsache hervor, daß er seit 1891 ungefähr 150000 Mk. dafür aufgewendet hat. E! ist somit jeder Firma, die einen offenen Posten zu besetzen hat, und einem jedem Kaufmann, der Stellung sucht, zu empfehlen, fich an den Verband Deutscher Handlunglgehülfen zu wenden. Die übrigen Einrichtungen im B. D. H., wie Gewährung von Rechtsschutz tu streitigen Fällen, Unterstützung bet Stellenlofigkeit (bi! Ende 1897 gelangten rd. 38 000 Mk. zur Auszahlung), Kranken- und Begräbnißkaffe, der über 17000 Mitglieder angehören, und die Leistungen aufweist, denen zufolge fie al! die größte und leistungsfähigste kaufmännische HÜlfskaffe im Deutschen Reiche bezeichnet werden kann, ferner Penfionskassen für Wittwen und Waisen wie für Altersschwache und Invaliden, endlich Genesungsheime, wovon ein! im sächsischen Erzgebtrg schon nächste! Frühjahr seine Pforten öffnen wird, alle diese Einrichtungen finden in den weitesten Kreisen größte Beachtung und schaffen dem V. D. H. fortgesetzt neue Freunde im Kaufmannsstand.
Für Militärpflichtige und bereu Familie». Mit Rück- ficht auf die nahe bevorstehende Einziehung der dte!jährtgen Rekruten machen wir auf die nachstehende Bestimmung des Milttärgksetzr! aufmerksam. Fall! gegen einen Militärpflichtigen in der Zeit, in welcher seine Einziehung zur Er- ledtgung de! Militärdienstes erfolgen soll, ein gerichtliche! Strafverfahren schwebt, ist derselbe verpflichtet, hiervon der Militärbehörde — durch den zuständigen Bezirksfeldwebel — Anzeige zu erstatten. Rekruten, gegen welche ein Strafverfahren eingtlritet ist, werden nicht eher eingezogen, bevor dasselbe erledigt ist. Wenn ein Rekrut eS versäumt, gegebenen Falls die betr. Anzeige zu machen, wird er, sobald die Militärde^örde hiervon Kenntniß erlangt, ohne Rücksicht darauf, wie lange er bereit» gedient hat, aus dem Militär- stand ausgestoßen. Wenn aber die Strafsache im gerichtlichen Verfahren ihre Erledigung gefunden hat, wird der betr. Militärpflichtige von Neuem eingezogen, ohne daß ihm die vor Ausweisung bereit! erledigte Dienstzeit angerechnet wird. Hierdurch erleidet mich n die Dienstzeit be! Mltträrpfllchtigen, welcher die oben gedachte Anzeige verabsäumt, eine oft un» liebsame Verlängerung.
* • Ei» Bortheil des „KlebegesetzeS", der noch immer nicht genügend gekannt und benützt wird, ist die Rückerstattung der Beiträge an die Hinterbliebenen der Vcrficherten. Stirbt nämlich der Versicherte, ohne in den Genuß einer Rente gelangt zu sein — und da« ist meistens der Fall — so erhalten die H nterbltebenen die Hälfte der für den Versicherten entrichteten Beiträge zurück. Es wird dal zumeist so viel sein, als der Arbeiter oder Dienstbote selbst hinein- bezahlt hat. Bei einem Arbeiter, bet dem z. B. seit 1891 in der dritten Klaffe Marken verwendet wurden, macht die Rückerstattung etwa 45 Mk. au!. Bi» Ende de! Jahre! 1897 find im Deutschen Reiche bereit! 41391 Rückerstattungen ausbezahlt worden. Diese Gelder werden aber nur auf Antrag ausbezahlt. Wer fich nicht rührt, der kriegt uichtSi
• • Der Mangel einer schönen Handschrift wird von Jedem, der ihn zu bebaurn hat, schwer empfunden, denn eine schöne Handschrift bedeutet eine Empfehlung in allen Lrbeusverhält- niffen. «tue schöne Handschrift erwirbt Sympathie, und oft wird die Erfüllung mancher Wünsche durch fie erfolgreich gefördert. Namentlich der Kaufmann, al» Buchhalter oder Eorrespondent, kann seinem Berufe nut mir einer schönen Handschrift obliegen. Schöne Handschrift, edle Kunst fichert de» Leben» Gunst. Solche zu erlangen, bietet fich jetzt die Gelegenheit durch den hier seit vielen Jahren wohlbekannten Herrn Kalligraph O. Gottlieb au! Leipzig, welcher in den nächsten Tagen einen Cursn» eröffnet. (S. Inserat )
• • Wetterbericht. Der hohe Druck beherrscht nunmehr den größten Theil Europas. Sein Kern hat fich noch weiter auSgebreitet. Die Depression im Nordosten zieht in da» Innere von Rußland ab. Ebenso verflacht fich da» Minimum über dem Mittelmeergebiet immer mehr. Am Morgen war heute die Witterung in Lentrol-Europa vielfach nebelig, iudeß trat im Laufe be! Tage» meisten» Aufklärung ein. — Voraussichtliche Witterung: Abgesehen von Morgennebeln meist heitere» unter Tag! ziemlich wilde» Witter.
Darmstadt, 4. October. In den Grundstein de» LudwigSdenkmal! wurden bei der kürzlich stattgehabten Feier folgende Gegenstände eingelegt: 1) GrundsteinlegnngS- urkunde; 2) Verzeichnisse der Mitglieder: a des vorbereitenden Eomitä», b. de» Vorstände! des Lande»au»schnffes, c. de» geschäft»führenden AuSschnffe!, d. deS LandeSaulschuffe», e. der Kunstcommisfion, f. be! Preisgerichts, g. des Festausschusses für die Enthüllnngsfeier; 3) ein Exemplar des Aufruf» an da» hesfische Volk zur Leistung von Beiträgen- 4) eine Ucbe,ficht der geleisteten Beiträge- 5) je zwei Exemplare der zur Zeit in Geltung befindlichen Reichsmünzen hessischen Gepräge», insoweit die Münzen damit versehen sind, mit den Porträt» Sr. Königlichen Hoheit de» Großherzog» Ludwig IV. und Sr. Königlichen Hoheit des Großherzog» Ernst Ludwig- 6) eine Nummer der in den fünf großen Städten be! Laube! erscheinenden Tagelzeitnngen- 7) der jüngste Jahrgang a. de! Gothaer Hofkalenderl, b. bei Darmstädter Adreßbuche! - 8) Anfichten von Darmstadt. — An die Zweite Kammer der Stände richtet fich eine Vor- läge bei Justizministerium!, die verfaffnnglmäßige Zustimmung dazu zu ertheilen, daß zu Lasten von UeberfchÜffen nachträg- lich, mit Wirkung vom 1. April 1898 an, in Lapttel 91, Titel 2 Ziffer 3 de! Hauptvoranschlag! für 1897/1900 (Schreibhtlfe bei den Staatlanwaltschaften und Amtlanwälten) einen weiteren Betrag von 7600 Mk. jährlich, und in Lapitel91, Titel 2 Ziffer 5 bei Hauptvoranschlag! für 1897/1900 (Schreibhülfe bei den Amtigerichten) ein weiterer Betrag von 46900 Mk. jährlich eingestellt werde.
Aus bete Leit fftr -ett.
Vor 73 Jahren, am 6. October 1825, trat Stephensons erste Locomotive auf der Bahn Stocklon und Darlington in Thätigkeit, worauf bald die Eröffnung der Bahnlinien zwischen Manchester und Liverpool folgte. In Deutschland wurde im Jahre 1835 die kurze Strecke zwischen Nürnberg und Furch und im Jahre 1839 die Bahn von Leipzig nach Dresden eröffnet. Von da an entwickelte stch dieses Beförderungsmittel zu einer kolossalen Ausdehnung.
Dertnifdpte*»
• Der KöaigSweiu von Fontaineblean. Aus Paris, 1. October, schreibt man: In der alten Residenz Fontainebleau herrschte gestern fröhliches Treiben und festliche Stimmung; der „Königswein" wurde verkauft, d. h. die Ernte der Weinstöcke, die eine Mauer von 1500 Meter Länge im Schloßparke bedecken. Der „chasselaa“ von Fontainebleau ist als Tafelfrucht in ganz Frankreich berühmt; aber die Preise, die er zu erzielen pflegt, dankt er weniger seiner Vortrefflichkeit, als dem Snobismus gewisser Leute, die sich beim Genüsse dieser ehemals den französischen Herrschern vorbehaltenen Früchte etwas Besonderes dünken. Die Ernte war in 128 Loose getheilt, deren jedes ungefähr 25 Kilogramm Trauben umfaßte. Einzelne der Loose brachten es bis auf 59 Francs; der Durchschnittspreis belief sich abrt nur auf 35 Francs. . . Die einfachen Bürger können ein Lächeln nicht verbergen, Leute 2 Francs 35 Cts. für ein Kilogramm „Königstrauben" ausgeben zu sehen, während man für 75 bis 80 Cts. überall auf den Straßen ebenso gute Trauben kaufen kann.
* Die größte Nöatgen-Aulage der Welt. Einen Apparat zu versuchen mit electrtscher Kraft von unerhörter Stärke hat Professor Trowbridge an der Harvard Uuwrrfiiät in New York hergestellt, der hauptsächlich dazu benutzt werben soll, die burchbringenbe Kraft der X Strahlen w-irer, all e! bisher möglich war, zu prüfen. Der Apparat besteht aul einer Reihe von 120 Leydener Flaschen, bte von einer Accumulatoren-Batterie von 10000 Plantä Zellen gespeist werben. Die für bte Versuche erforberliche Spannung soll 2V2 Millionen Volt erreichen. Es wirb berichtet, baß mit bietet Riesenanlage bereit! Röntgen'sche Strahlen erzeugt würben, bie so außerorbentlich waren, daß fie nicht nur bas Fleisch, sondern auch bte Knochen und Bänder be» menschlichen Körper» burchbrangen. Wahrscheinlich werben mit solchen, allerding! ziemlich kostspieligen Anlagen bet Anatomie und Medicin noch ganz neue Enthüllungen durch die Strahlen- a t bevorstehen.
* Die verteufelte Geschichte. Die allgemeine Gereiztheit, die der Fall Dreyfus in den Köpfen der französischen Bürger allmählich erzeugt hat, wird von dem bekannten humoristischen Mitarbeiter des „Figaro" Alfred Capus, in folgendem Gespräch zweier französischer Biedermänner Über den Fall wiedergegeben: „Das beweist nur, daß Sie einfach ein merkwürdiger Kauz find." — „Und Sie, Sie sind ein gewissenloses Geschöpf, ein Schuft!" — «Sie Bestochener!" — „Verräther!" — Verächtlicher Hundsfott!" — „Spions — „Arger Lump!" — „Verachtungswürdiges Gesindel!" — „Gemeiner Spitzel!" — „Feigling! Sklave!" — „Mordbube!" - „Schurke!" — „Spitzbube!" — „Sie Muster eines . . . eines ..." — „Und Sie schmutziger .. Ae. . schmutziger ..." — „Was, schmutzig? Sie sind nicht sehr höflich, wissen Sie. . ." (wischt sich den Schweiß von der Stirn) — „Ich bin immer noch so höflich wie Sie!"(Hoch- roth und keuchend.) — (Ruhiger) „Na, ich sage nicht. . — (Freundlicher) „Al o?" — „Sehen Sie, wenn ich Jemanden treffe, der nicht meiner Meinung ist in dieser verteufelten Geschichte, dar bringt mich ganz außer mich!" —. „Ganz wie bei mir . . . Hm! Mir füllt da etwas ein. . . Wie wäre es, wenn man das Ende der Revision abwartcte, um zu wissen, wer Recht und wer Unrecht hat?" — „Ein vorzüglicher Einfall! Man brauchte sich dann nicht mehr herumzuschimpfen!" — „Das bringt einen noch um! Ich bin ganz außer Athem ..." — „Und dann, man weiß ja schließlich gar nicht mehr, was man schimpfen soll — „Man muß am Ende immer wieder da« Nämliche sagen!" — „Und da« macht einen lächerlich . . ." (nach einer Pause) „Wo speisen Sie?" — „Den Teufel auch, ich bin zu unbekannt hier ... ich bin allein in Paris ..." — „Wenn man zusammen speiste?" — „Mit dem größten Vergnügen." (Lächelnd) „Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, daß ich nicht die Absicht gehabt habe, Sie zu beleidigen . . ." — „Auch ich nicht, Sie könnens glauben . . ." (Ziehen Arm in Arm von bannen.) Der Anfang dieses Phantasiegespraches ist so echt, daß der Leser unwillkürlich sagt: „Wenn das nicht wirklich so pasfirt ist, so hätte es doch ganz gut so pasfircn können!" Möchte auch das Ende sich als ebenso gut Herausstellen 1
♦ Wie schützt man die nützlichen Singvögel gegen bie Nachstellungen bet Katze»? Sobald im Frühjahr die Sing- vögel bei mir im Garten einziehen, ist es bei meinem Kater mit dem Mäusefangen vorbei. Er treibt fich dann den ganze» Tag im Garten herum und stellt den Vögeln nach. Vergangenes Jahr hatte er es ganz besonders auf ein Nachtigallpärchen abgesehen. Jedesmal, wenn ich in den Garten kam, stand mein Kater auf der Lauer, die Mietze hilft natürlich mit, ober er ging der Nachtigall nach, die war nämlich so schlau, setzte fich 50 Schritt und weiter von dem Kater entfernt auf den Boden und gab einen eigenthümlichen, schnurrenden Ton ab. Mein Kater schlich dabei jedesmal mit der größten Vorficht näher, aber sobald die Nachtigall Gefahr witterte, flog fie weiter, soweit bis für das brütende Weibchen keine Gefahr mehr drohte, flog dann wieder zurück hoch auf den Baum. Der Kater war nun der Gefoppte. Aber er fand immer wieder zu dem Baum, und das Spiel begann I von Neuem, und zwar täglich. Ich habe zu wiederholten Malen den Kater mit Steinwürfen verscheucht, aber es nützte Alles nicht». Da ich es satt harte, wollte ich den Unser-


