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Nr. 234
Erstes Blatt
Donnerstag den 6. Cclobcr
1808
Anrts- und Zlnzeigeblatt für d«n Kreis Giefzen
Gratisbeilage: Gießener Familienblätter.
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Stalen ohne jeben Inhalt und Werth.
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Nl«mete erfchnaende» Nummer bi« Benn. 10 Uhr.
General-Sekretariats und bei Militär Staates ber Präsident- schäft ernannt. Er tritt an bie Stelle bei znm Lommaudeur ber 14. Dtvtfion ernannten Generali Hagron.
Kopenhagen, 2. Oktober. Auf Schloß Bernstorff beginnt bal tägliche Leben mit feinen Arbeiten unb Verpflichtungen seine Forderungen wieder geltenb zu wachen. Dal weiße Schloß, bal tu ben ersten Tagen nach bem Tobe ber Königin still wie aulgestorbeu lag — nicht einmal tzte königlichen Herrschaften ließen ihre Wagen vor bem Portal auffahren, sondern gingen bal letzte Stück bei Wegei trotz strörnenben Regens zu Fuß, unb bie schaulustige Menge, die sich sonst auf bem Schloßplatze zu versammeln pflegte, hielt fich tu taktvoller Ehrerbietung fern —, nimmt nach unb nach seinen gewohnten Auibrnck an. In langer Reihe fahren die Herren unb Damen ber Hofgesellschaft unb bei Adeli vor, um ihre Namen in bie aufgelegten Listen einzutragen- ber ersten einer kam Estrup, unb er war ber einzige, ben ber König tu bal Sterbezimmer führte, bamit er bie Ber- schtebene noch einmal sähe, von nah unb fern, von Privaten, Vereinen unb Fürstlichkeiten treffen Kränze unb prächtige Blumenspenben ein, bie kleinen Gemächer ber Königin vermögen bie buftenben Gaben kaum mehr zu fassen. Strahlen- ber Sonnenschein folgte ben Regengüssen bei Lobeitagei. unb lockt nun wieder ganze Schaar en von Kopenhagenern hinein in ben in herbstlicher Pracht leuchtenden Park. Fast alle, Herren unb Damen, unb nicht zum wenigsten einfachere Leute, geben burch tiefe Trauerkleibung ihrer Theilnahme an bem Verluste, beu ber König unb sein Hau» erlitten haben, Auibrnck. Der König selbst kam gestern zum ersten Male seit bem Todeitage nach ber Stabt, um Staatirath zu halten, »r sah ernst, aber gefaßt aui. In ber lusslschen Alexander- Newskykirche fand gestern vormittag ein Tranergottesdienft |
bemotratie.
Den Beweti hierfür ist Herr Liebknecht schuldig ge- blieben, unb er bürste ihn auch kaum zu erbringen in ber Lrge fein, vielleicht hat ihm vorgeschwebt, baß seine Partei mit den Anarchisten die meisten Berührungipunkte hat und deihalb im Stande ist, viele derselben zu fich herüber zu ziehen. Dai mag auch z. B. bei ben Wahlen wohl ber Fall sein, wo bie meisten Anarchisten jebenfalli für ben Laudidaten ber .Genossen* eintreten. Aber von ihrer unheilvollen Lehre bekehren lassen sich bie Anarchisten nicht bnrch bie Socialdemo- Tratte, im Segentheil dürften immer mehr Anhänger ber letzteren in bal Lager ber ersteren htnüdergezogen werben. Wal Herr Liebknecht meint, hieße ben Teufel burch Beelzebub vertreiben, was ein Ding ber Unmöglichkeit ist.
.Dem Volke muß bie Religion erhalten bleiben*, bal ist die Quintessenz aller Weilheit unb aller Erfahrung. Der Glaube au Sott, an Sottel Weltordnung ist allein bie Schranke, welche bem Umsichgreifen verbrecherischer Lehren wirksam Einhalt thuu kann. Diese Sentenz sollte fich wie ei« rother Faden burch bie verhaudlungeu bei Stuttgarter Parteitage! ziehen, bann würbe er Früchte zeitigen unb nicht
Der socialdemokratische Parteitag.
Unb »teber find bie Genossen versammelt, um nicht allein zu berathen über Gegenstände, welche direkt ihre Partei berühre», sondern — wie el ihre Gewohnheit ist — über bas Wohl unb wehe der ganzen Welt. In Württemberg! schöner Hauptstadt tagen fie dtelmal, nachdem fich iw vorigen Jahre hoch oben im Norden in der Freien- und Hansestadt Hamburg die Koryphäen ber Partei ein Strllbicheiu gegeben hatten. Der Verlauf bei Hamburger Parteitage! hat vielen nicht gefallen, unb so ist el denn ganz natürlich, baß bet ihnen der Groll über die vorjährigen Beschlüsse noch seine Wirkung aulübt. Jnlbesondere dem .Proletarier* Singer find fie nicht grün ob seines Verhaltens in ber Frage ber «etheiltgung an ben preußischen Laubtagswahlen - bagegeu scheint ber alte Liebknecht alle Sympathien »teber auf fich vereinigt zu haben.
Die Stuttgarter Tage werben verlaufen wie ihre Vorsänger in Hamburg, Breslau u. s. »., der weitaus größte Thetl wird Partetgezänke tu Anspruch nehmen, um der Welt zu zeigen, daß es mit der vielgerühmteu Einigkeit der Ge- vosseu nicht viel auf fich hat. Wir würden uns aus diesem Gründe auch nicht besonders mit den Verhandlungen beschäftigen, wenn uns nicht eine Bemerkung Liebknechts Anlaß dazu gäbe.
von jeher haben bie Socialbemokraten versucht, bie Anarchisten von sich abzuschüttelu, ohne baß btes vollständig gelungen wäre. Man muß ja -ngebeu, baß Socialbemokraten iinb Al archisten fich gegenwärtig feinblich gegenüberstehen trotz der mancherlei Berührungspunkte, welche fie mit einander haben. Jedenfalls stimmen ihre Anschauungen über Religion und Königthum überein, wenn fie auch betreffs der Mittel zur Abschaffung beider Institutionen noch auseinander,eheu. Daß es ben Socialbemokraten schwer fällt, bie Vaterschaft des Anarchismus abzuleugneu, erhellt baraul, baß fie bet jeder Gelegenheit jede Gemeinschaft mit ben Letzteren von sich weisen. Unb so nahm benn auch Liebknecht in Stuttgart Anlaß, bei Erwähnung bes Morde! an ber Kaiserin Elisabeth so erklären, daß ber Anarchismus niemal! unterdrückt werden würde auf dem Wege, den die herrschenden Klaffen jetzt ein- schlagen, sondern einzig und allein durch die — Social-
-u sogenannten Shndicaten, Kartellen, Ringen und dergleichen enthalten.
M.P.C. Berlin, 4. Oktober. Da! Versicherung!- gesetz ist im Retchlamt des Innern fertig ausgearbettet- es unterliegt augenblicklich der Prüfung des ReichSjvstizamts und wird demnächst den Bundesregierungen zur Begutachtung zugehen.
MP.C. Burentnteresseu find keine deutschen Interessen. In einem Theil der Preffe wird fortgesetzt angenommen, die deutsche Reichlregierung habe bet dem Ab« schloß des deutsch-englischen Abkommens wesentliche deutsche Interessen pretsgegebeu. Das wesentlichste deutsche Interesse ist doch, daß unser Eoloutalbefitz in Afrika möglichst ent- wtckelungsfähtg gehalten wird. Deutschland hat versucht, rett Frankreich Hand in Hand tu Afrika zu gehen, el hat aber bte Erfahrung machen müssen, daß dasselbe gegen sein eigenstes Interesse wiederholt gegen Deutschland operirte unb sich mit England gegen Deutschlaub berbaub. Wenn wir uni jetzt mit England verbunden haben, um eine Reihe afrikanischer Fragen tm EiuverstSndutß miteinander ihrer Abwickelung entgegenzusühreu, so wahren wir dadurch dal deutsche Interesse mehr als dadurch, daß wir nnS für Buren- interrffen erwärmen, ohne Dank davon zu haben. — Wal dal berühmte Telegramm del Kaisers an den Präsidenten ber Tranlvaal-Republtk, Krüger, betrifft, da! s. ß. so große Erbitterung in England hervorgeruseu hat, so können wir i aul bester Wissenschaft versichern, daß dasselbe auf die Juttia- tiöe bei vormaligen, inzwischen verstorbenen LolonialdtrectorS Dr. Paul Kayser zurückznsühren ist.
Adreflk für Depeschen: Anzeiger $(<!«■. Fernsprecher Nr. 5L
Locale» und provinzielles.
Gießen, 6. Oktober 1898.
H •* 3n Diez und Weilburg find Stabtfemsprech- einrichtungen eröffnet worben, welche znm Sprechverkehr mit Gießen zugelaffen worben find. Die Gebühr für ein einfache! Gespräch von 3 Minuten beträgt nach Weilburg 25 Pfg., nach Diez 1 Mk.
•* ün auf bem Wochenmarkt. Gestern gab el eine kleine Revolution unter den WochenmarktlverLäufern, die mtt Eier handeln. Infolge Anregung bei Vorstände! bei Bogel- unb Geflügelzucht-Vereinl, welche bafflr davkeulwertheS Entgegenkommen bei ber Bürgermeisterei unb bem Polizeiamt taub, fiub gestern auf bem Wocheumarkt ben Verkäufern von wirklichen Sanbeiern von ben Hänbleru mit ans- ländischen, sogen. Sasteueieru getrennte Plätze angewiesen worden. Große Plakate, vom städtischen Marktmeister angebracht, zeigten unseren Hausftaueu an, wo fie wirklich
Deutsches Reich.
Darmstadt, 4. October. Aul Fürstenstein, 8. Oktober, fctrb der .Darmst. Ztg.* gemeldet: Ihre Königl. Hoheiten hr Großherzog unb bie Großherzo gin begaben Sich heute vormittag mit Gefolge unb einer größeren Gesellschaft ton Herren nnb Damen zu einer Schleppjagb- bal Renbez- ton! war in der Nähe von Schweidnitz, die Jagd von Ossi* litten des 6. Feld-Artillerie RegimentS veranstaltet. Auch Offiziere vom 10. Infanterie-Regiment nahmen daran Theil. 'Bei schönem Wetter ritten die Allerhöchsten Herrschaften die Echleppjagd bis zu Ende mit unb bann burch die Stadt kchweidnttz nach Fürstenstein zurück, wo am Abend die Abrisse nach Jagdschloß Wolfsgarten erfolgte.
verlii, 4. Oktober. Das Strikegesetz. Eine lerkwürdige Meldung bringt die .Schles. Ztg.*: Dem Ber- lihmen nach wird die Novelle zum Schutze der persönlichen Freiheit nicht bloß schärfere Strafbestimmungen gegen Strike- Terrorismus, sondern auch gegen unrechtmäßige Einwirkung <if einzelne Unternehmer behufs Erzwingung ihres Beitritts
। statt, dem die Kaiserin Wittwe mit ihren Kindern, Königin I Olga von Griechenland, das griechische Krooprinzrnpaar, die übrigen griechischen Prinzen unb Prinzessinnen, sowie die Mitglieder der russischen Gesandtschaft beiwohnten.
Koistautinopel, 4. Oktober. Die Zustimmung des Zaren zur Ueberreichung der Kretauote ist jetzt I hier etngetreffen. Die Note wird morgen der Pforte über- reicht und von der letzteren dahin beantwortet werden, daß I die Mächte gestatten sollen, zum Zeichen der Souveränität des Sultans analog des seinerzeitigen BorgehenS in Persien und Bulgarien an einem Punkte der Insel türkische Truppen zu belassen.
MP.C. Rißland. Au! Petersburg wird gemeldet, daß dort Mitte nächsten Monats da! Panzerschiff .Olltaba*, die Kreuzer .Diana*, .Palla!* und .Aurora* und der Torpedobootlzerstörer .Amur" vom Stapel gehen werden. I Der Kreuzer 1. Klosse .Gromoboi* geht nächste! Frühjahr I vom Stapel und wird die Armirung desselben höchstwahrscheinlich noch im Herbst desselben Jahre! beendet sein.
An! Odessa kommt die Nachricht, daß die Truppen in Kreta um 2500, exklusive 200 öenlbarmen, vermehrt I werden sollen. Innerhalb der letzten zehn Tage find I *200 russische Soldaten in drei Transporten von Odessa nach I Kreta geschickt worden.
MP.C. Vereinigte Staaten. ES findet eine stetige I Abnahme der Seehuudlheerden statt. Der diesjährige Fang ergab nur 18,047 Felle gegen ca. 21,000 im I Jahre 1897.
I M.P.C. vom Marine- Departement find Bestellungen auf rauchloses Pulver in einer Höhe gemacht, wie fie sonst mit einem Male wohl nicht wieder vorkommt. Die Pulverfabrik Dupont in Wilmington und die Ealifomia- Pulverwerke haben den Auftrag, für 800,000 Dollars zu liefern, und zwar stellt fich der Preis für das Pfund Pulver auf 80 Lents.
— Der Tod des Kaisers von Lhiua ist zwar offiziell bis zur Stunde nicht bestätigt, doch klingt die Nach. I richt nicht so unwahrscheinlich. Inzwischen schieden die «ug. länder die ganze Schuld der jähen Palastrevolution den Russen zu. Als etu Thetl der Vorgeschichte des Thronwechsels stellt fich eine vor dem Eintritt der Katastrophe ab- gegangene Meldung der .Daily Mail- dar, wonach die Kai- serin-Wittwe äußerst aufgebracht darüber gewesen sei, daß der russische Vertreter Pawloff fich gegenüber der Absetzung Li Hnng-tschaugS so pasfiv verhalte- auch über die Haltung des englischen Gesandten Mac Donald sei fie ärgerlich ge- wesen. Seit bem Sturz Li Hang tschangs habe bie Kaiserin Pawloff lange Subienzen gewährt. Eine active Intervention Rußlaub! werbe dahin führen, daß Li Hung tschang wieder zu feiner früheren Macht komme, aber es fei zweifelhaft, ob er wieder ein Amt erhalte. Die Situation fei äußerst ver- wirrt, und die wildesten Gerüchte seien tm Umlauf. Der Kaiser solle fich mit dem Tsunglt Kamen und mit der Kaiserin- Wittwe gezankt haben. Daraus dürste die Kaiserin den Ent- schloß gefaßt haben, die Macht wieder an fich zu reißen, den Kaiser von der politischen Bildfläche verschwinden zu lassen und mtt seinem Rathgeber kurzen Proceß zu machen.
— Aus Pretoria erhalten die .B. N. Nachr." weiter folgende Drahtmeldnug: .Nachdem die englische Preffe einen Bericht veröffentlicht hatte, wonach der Bevollmächtigte Transvaals, Dr. Leyds, während seines letzten Besuchs in Berlin mit großer Kühle empfangen worden sei, wird hier osfiziell constatirt, daß ein solcher Bericht vollständig unbegründet ist.* Man wird hierzu noch wettere Nachrichten abwarten mflffen.
PnMQret*
Vierteljahr Na 2 Mark 20 P«, monatlich 75 n mit Bringertvtz»
Sei 9 Mark 50 »ierlrljätzrltch.
Ausland.
Lemberg, 4. Oktober. Einer Blätterrneldung zufolge lehnte Bielinski es ab, in das (Sabine! eingutreten.
Prag, 4. Oktober. .Raroduh Listi* erklärt, die Jung- tschechen würden nur daun in eine Regierungs-Majorität eintreten, wenn die Regierung bindende Zusagen mache, alle Forderungen der Tschechen zu ersülleu.
Rom, 4. Oktober. Die Einladung an die Mächte zur Abrüstungs-Eoufereuz soll, wie in htefigen Regierung!- kreisen verlautet, nur an Staaten mit selbständiger Terri- torialmacht erfolgen. Der heilige Stuhl ist sonach aus- geschloffen.
Rom, 4. Oktober. In Ober» und Mittel-Jtalien richten heftige Regengüsse großen Schaden an. viele Eisen- bahnbrücken find durch Ueberschwernmung zerstört.
Parts, 4. Oktober. Brisson setzte tm Ministerrath die Ernennung seines Freundes Forichon zum Präsidenten des Appellhofes an Stelle Pertvters durch. Diese Kraftprobe beweist, daß Briffou die Revision zu Ende sühren wird. Da! Parlament wird wider Erwarten noch nicht einberufeu. General Baillomd wurde znm Ehef des
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
Srsch.tnl täßNch -»Ü Lulnahme be«
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Die Eietzener M«»irte,lkatt,r »erpen bem Anzeiger »IchevtNch viermal beigelegt.


