Ausgabe 
6.8.1898 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Schutz.

Samstag den 6 Llugust

L8D8

Erstes Blatt

Nr. 182

Meßener Allzeiger

Heneral-^üizeiger

Aints- unb Anzeigeblatt für den Kwb Gieren.

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter

IfeUctiMi, ftfehitiw >nd Dmierti:

raten

eingestellt

511

een.

-Glan)

ta

bem damit erzeug-

.pingen.

,»18*

36911

IBt Lnzeigen-Vermittlung»kell« M Ja« un> KaM«aM ntbmrn Anzeigen **x den Gießener Aageiger «»DIW»

wen Razeigrn zu der Nachmittags für den DMGenden lej erscheinenden Nnmmer ins 8er». 10 Uhr.

Millionen konnte er 1898 auf

S Mark 50

frHdxt tLgNch eit Ausnahme des Montags.

ertegthrttch 3 Mark 20 t»«. mO«altich 76 8*5 mit Bring erlaß»

11W I.

Die Gießener Heetrttel(6tt<T Werden de» Anzeiger Wöchentlich viermal ß rigelegt.

Zenartigen, auf NKvmiueusten Reichen, wobL

te's Stark-uny- / ?» Ferratln :iweisa berge- parat. Es regt lie Verlernt ;e'. In allen haften kintieh inger &. Söhne iheim.

desjenigen Posten im ReicbSetat, melier zu Erörterungen keinen Anlaß giebt, sondern lediglich eine Consiqurnz früherer thatfächlich'.r Borgänge bildet, ist der Elnnahwrposten, welcher die Ucberschüffe au» f.üheren Jahren betrifft. Er wird jede» Mal tu feiner Höhe durch deu Abschluß der RetchShauptkaffe in der Rechnung de» Reiche» für da» vorletzte Jahr bestimmt und ist e» denn auch diesmal durch deu jüngst veröffentlichten Finalabschluß der Reich-Hauptkaffe für 1897/98 auf da» Rechnungsjahr 1899. Zwar wird vielleicht die Revision der Rechnung noch eine geringe Aeoderung an der Endsumme zur Folge haben, jedoch ist eS sicher, daß der betreffende Ein- uahmrposten sich im Reich»hau»halt»etat für 1899 auf über 25 Mill. Ml. belaufen wird. Gegen da» Rechnungsjahr 1898 wird der Ansatz um etwa drei Millionen znrückbletben, denn der Ueberschuß au» dem Jahre 1896/97 konnte in den lausenden Etat mit 28,7 Millionen eingestellt werden, gegen­über den übrigen neunziger Jahreu stellt die Biertelhundert- Million aber eine wesentliche Brrbefferung dar. Nachdem die

-60, 1,70, 1,80, 2,- ' Vi Kilo.

Adrrfsr für Depeschen: Auzsigsr Gtsgs«.

Fernsprecher Nr. 61.

Ausland.

London, 4. August. Ja wachsendem Maße wacht sich tu Großbritauuien dte Einsicht geltend, daß man dort auf dem Gebiete der Sozialpolitik nicht mehr so rückständig wie bisher bleiben dürfe. Jetzt haben nicht weniger al» 112 konservative Parlameutsabgeordnete, also Mitglieder der regiereudru Partei, einen Protest gegen deu ablehnen­den Bericht des Lord Rothschild'schen kgl. AuSschuffe»

Verwendung gelangt ist.

FriedrtchSrnh, 4. August. Die eiulaufendeu «ranz- speuoeu find |o zahlreich, daß selbst der Rasenplatz vor dem Schlöffe nicht mehr auSreicht. Acht Manu find unab« lässig mit dem Au»ladeu beschäftigt. Jeden Tag treffen neue Sendungen ein. Dte Namen der Absender und deren Wohnort werden in ein Buch votirt. Bon Zeit zu Zeit kommen An- gehörige der Familie vi»marck au» dem Schloß, um dte neu gekommenen Kränze zu befichttgen.

Hamburg, 4. August. DerHamb. Corresp." schreibt: Der Senat hat, um der tiefen Trauer Hamburgs um da» Hinscheideu von Deutschland» großem Kanzler und Hamburg» Ehrenbürger, de» Fürsten Bi»marck, Ausdruck zu verleihen, uachstehende Anordnung getroffen: SamStag vormittags 11 Uhr wird unter der Thrilnahme von Senat und Bürger­schaft in der großen Mtchaeliskirche ein Trauergott es- dienst stattfiadeo. Nach Beendigung de» letzteren wird von 12 bis 1 Uhr von allen Kirchen von Stadt und Gebiet Trauergeläute erschallen. Die öffentlichen Gebäude und die Schiffe im Hafen werden bi» nach Beendigung des Trauer- geläute» dte Flaggen Halbstock» fetzen. Dte Börse bleibt an diesem Tage geschloffen.

Rota, 4. August. DerSöln.Ztg." wird au» Fried- richSruh gemeldet: Ueber deu Besuch de» Kaisers sei mau außer schwachen Andeutungen auf lose Berwuthuugen angewiesen. Die Aussagen der wenigen bei der Feier tu FriedrichSruh zugegeu geweseoeu Persooeu sttmmeu darin überein, daß beiderseits nur sehr wenige Worte gewechselt wurden. DaS Wort de» Berstorbeoev, daß er wenigsten« im Tode Ruhe haben wolle, bilde den Schlüffel zu dem gegen- über deu Pläuen de» Kaiser» erfolgte» Berhalteu der Familie BiSwarck.

Wiesbaden, 4. August. Der Berband»tag der deutschen Han»- uud Grundbesitzer-Bereine be- schloß in seiner heutigen Bormittog».Sitzung die Abseuduvg eiue» Huldigung»«Telegramm» an deu Kaiser und etuer Beileids-Depesche an deu Fürsteu Herbert Bismarck. Auch wurden zwei gegenwärtig tu FriedrichSruh weilende Mitglieder de» Verbände» mit der Ntederleguog eine» Kranze» am Sarge des Fürsten BtSmarck beauftragt.

München, 4. August. Der Priuzregeut hat anläßlich de» Ableben» de» Fürsten Bi»marck eine achttägige Armee­trauer angeordnet.

-

deu geladenen Gästen eingenommen waren, kurz vor Beginn der Feier dem Publikum geöffuet. Nachdem die Majestäten Platz genommen hatten, eröffnete der Ktrcheuchor die Feier mit drm Lied:Ich weiß, daß mein Erlöser lebt.* Daun wechselten Gebet und Schriftverlesung de» General- Superintendenten Faber mit Gesängen de» EhorS uud der Gemeinde. Dte Ansprache leitete General-Superintendent Faber iu dte Form eine» freien Gebete» und nahm als An­knüpfungspunkt den 149. Psalm, der dem Fürsten einst in etuer bedeutungsvollen Stunde feine» Leben» von etuem be­währten Freunde al» Stecken uud Stab mit auf dem Lebens­weg gegeben war. Bor Gotte» Augeficht, so führte er au», steht ein Volk tu Trauer um deu Mann, durch deu e» zum Volk geworden. Da» tiefe Leid wird wieder wach, da» un» vor zehn Jahreu beim Tode de» unvergeßlichen Heldeukatfer» erfaßte, uud da» flch bald darauf erueute, al» wir den Lieb­ling unserer Nation den Lorbeer des Helden und dte Palme de» Dulder» auf da» frühe Grab legren. T» tst un», al» sollte die gkgeuwärttge Zett, in der Du der Weltgeschichte eine Wende gabst, Deuttchlaud» Wohl im letzten Abeudrorh erglimmen. Aber dte Hoffnung blickt milde iu unsere Ab­schiedsstunde, daß der Herr ein Volk nicht verlaffeo wird, da» er eines solchen Manne» gewürdigt. Mit kurzen Worten characterifirte nun der Geistliche die urwüchsige Kraft drS Dahingeschiedenen, seinen eisernen W llen, seine tiefe Weis­heit, seine bahnbrechenden Gedanken. Er schloß mit in­brünstigem Gebet: Mit Gott für Kaiser und Reich, daS soll unsere Losung bleiben. Sein Wort soll Schild und Sonne sein. Der Chor schloß mit dem Liede: Wie herrlich ist die neue Welt.

Berlin, 4. August. Bezüglich der zuerst geplanten Ge- dächtuitzfeter für den Fürsten BtSmarck auf dem Königsplatze erfährt dteBoff. Zig.", daß vom Kaiser ausdrücklich eine großartig: Schaustellung befohlen war. Während der Be- rathun, der zu diesem Zwecke etoberufeurn Versammlung tras jedoch au» Kiel eine telegraphische Meldung ein, daß der Kaiser von der geplanten öffentlichen Feier Abstand nehme und eine kirchliche Feier bestimmt habe. Dte Gründe für dte Aruderung de» kaiserlichen Beschluffe» entziehen sich der öffentlichen Kenntniß.

Berlin, 4. August. Die Stadt Berlin zeigte heute eiu sehr traurige», der Bedeutung de» Tage» entsprechendes, weihevolle» Bild. Etu großer Thril der Ladeubesitzer hatte der Aufforderung de» Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller und de» Central - Verbände» kaufmännischer, gewerblicher und industrieller Vereine Folge geleistet und dte Geschäfte geschloffen. So sah e» in manchen Thetleu der Leipziger, der Friedrich« und der Straße Unter deu Ltodeu wie Sonntag» vormittag» aus. Besonder» war die Auf­forderung von den großen Waareohäusern und Magazinen befolgt worden, aber auch dte Mehrzahl der kleinen Läden war geschloffen uud die Schaufenster verhängt oder durch Rollläden gesperrt. Der Trauerschmuck der Fenster war noch reichlicher geworden. Besonder» war zu bemerken, daß sich die Zahl der kleinen Flaggen nnd Trauer-Drcoratiouen ein­zelner Geschäftsinhaber und Bewohner der Häuser auffallend vermehrt haben. Ungemein reichlich war dte Ausschmückung iu der Friedrichstraße uud der Straße Unter deu Liudeu.

Berlin, 4. August. DteNordd. Allgem. Ztg." meldet : Nachdem e» zweifelhaft geworden war, ob Fürst BtSmarck» Sarg nicht btnueu wenigen Tagen provisorisch betgesetzt werden würde, ist man nach Wegräumung der sanitären polizeilichen Schwierigkeiten zu dem ursprünglichen Plaue zurückgekehrt, die Leiche erst nach sechs Wochen uach Fertig- stellnvg der den Unterbau des Mausoleums bildenden Gewölbe deizusetzen. So lange der Sarg Über der Erde steht, werden dte kletnereu mtlitärtfcheu Abtheiluugen in FriedrichSruh ver­bleiben.

Berlin, 4. August. Reichskanzler Fürst Hohenlohe wird noch einige Tage hier bleiben und dann nach seinen russischen Befitzangen reisen, auch StaatSsecretär v. Bülow wird nach dem Sömmerrtng zurückkehren.

Berlin,4. August. DaS griechische Kronprinzen, paar wird von London dieser Tage in FriedrichSruh eia- trrffen und von hier auS dem deutschen Kaiserpaare in WilhelmSböhe einen Besuch abstattrn.

Berlin, 4. August. Mit dem 1. August wird die Frist abgelaufen sein, in welcher dte EtnzelrrffortS im Reiche dem ReichSschatzawte ihre Mehr- und Neuforderun gen für das Rechnungsjahr 1899 anzumelden haben. Daun werden dte comwtffarischeu Verhandlungen über die einzelnen Forde- ruugen beginnen, nachdem natürlich über wesentlichere Neue­rungen schon früher Erörterungen stattgefundeu haben. Einer

igen.

ihutzmarke bei:

isen- 6815

Deutscher Reich.

Darmstadt, 4. August. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und dte Großherzogin haben die auf bentt tu AnSflcht genommene Rückreise verschoben. Seine Königliche Hoheit der Großherzog von Baden haben de« Herrn StaatSministrr t. P. vr. Finger da» Groh- kreuz Höchstihre» Orden» Berthold de» Ersten gnädigst zu verleihen geruht.

Berlin, 4. August. Da» Kais er paar befichtigle gestern tu der Kunstausstellung dte für dte deutsche Botschaft in Rom bestimmten Wandgemälde. Der Kaiser sagte zu Professor Prell:ES ist meine Absicht, im Frühling nach Rom zu gehen, um dort durch eiu Fest den Saal in unserer Botschaft etnznweihen, den Ihre Knust von nun ab schmücken wird."

Berlin, 4. August. Orientreise de» Kaiser». Für den Besuch de» Kaiser» in Konstantinopel werden bereit» Vorbereitungen getroffen, namentlich im Yldtz-KioSk, der Refidenz de» Sultans, wo der hohe Besuch absteigen soll. Bekannt tst, daß dort sür den Katser rin besonderer Kiosk gebaut wird. Dte Hoflieferanten haben stark zu thun, u. A. werden alle znm Uildiz gehörenden Beamten neu uniformtrt. In Pera tst man bamtt beschäftigt, dte Straßen durch Häuser- Etaretßen zu erweitern u. s. w. Zu den Nummern de» Aufenthalts-Programm» de» deutschen Kaiserpaare» gehört auch ein Besuch der deutschen Schule, sowie ein Ausflug mit der Anatolijcheu Eisenbahn nach Hereke am Meerbusen von Jsmtd, wit sich eine kaiserliche Seideofabrtk befindet. Der Katser macht von Konstantinopel an» einen Abstecher nach Rumänien.

Berlin, 5. August. Gestern vormittag 10 Uhr hat (<vle bereit» In voriger Nummer gemeldet) in der Katser Wilhelm-Gedächtnißkirche dte vom Katser befohlene liturgische Andacht für den verstorbenen Fürsten Bismarck stattgefundeu. Bereit» um 81/, Uhr begannen in der Umgebung der Kaiser Wilhelm-Gedächtmßkirche alle Straßen und Plätze fich mit einer uugehenreu Menschenmenge zu füllen. Alle Fenster der umliegenden Häuser sowie sämmtliche valkone waren mit Publikum besetzt. Zahlreiche Photographen hatten Ausstellung genommen, nm da» fich darbietende farbenprächtige Bild auf- zuoehmeo. Um 91/, Uhr begannen dte Glocken zu läuten, dte Ehren Compagvte, welche von dem 2. Garde-Regtment zu Fuß gestellt wurde, rückte heran und nahm gegenüber dem Haupteingang der Kirche Aufstellung. Zu gleicher Zett be­gann die Anfiahrt der geladenen Gäste. Dte am Berliner Hof beglaubigten Gesandten boten in ihren prunkvollen Uni­formen ein bunt bewegte» Bild. Minister und hohe Beamte In ihren Uniformen fanden sich gleichfalls zahlreich ein. Die BundeSraihSmitglirder waren fast vollzählig erschienen. Des­gleichen hatten viele Abgeordnete de» Reichstags und des Landtag» der Einladung Folge geleistet. Auch Hohr Militär» hatten fich in großer Anzahl eingefunden, um der Frier bei- zuwohnrn. Gegen 9s/< Uhr kam dte Equipage de» Prinzen Friedrich Leopold, welcher Husaren-Untsorm trug. Die Prtnzesfin Friedrich Leopold erschien in tiefer Trauer. An dem Hauptportal der Kirche fand dte Begrüßung der berett» erschteueu hohen Gäste statt. Kurz darauf trafen dte Söhne de» Prinz-Regenten Albrecht von Preußen ein, welche der Prinzesfin Friedrich Leopold dte Hand küßten. Unterdeffen war dte Menge immer wehr angewachseo. Da» Gedränge war stellenweise so stark, daß eine über dte Straße gezogene Barriere durchbrochen wurde. Der gesammte Pferdebahn­verkehr war eingestellt. Punkt 10 Uhr kam von Pot»dam da» Katserpaar tu offener Equipage, von etuer Abtheilung Kürasfirre escorttrt. DaS Katserpaar verließ den Wagen und begrüßte die vor de« Haupiportal versammelten hohen Gäste. Der Kaiser trug dte Uniform deS 2. Garde-Regiment» zu Fuß, die Kaiserin hatte Trauer angelegt. Hierauf schritt der Kaiser unter dem Geläute der Glocken dte Front der Ehren- Cowpagnte ab. Nunmehr begab fich Alle» in dte Kirche, und dte Ltturgie begann. Dte Kirche war vollständig gefüllt. Für da» Katserpaar standen zwet Armseffel vor dem Taufstein. Zu den Seiten derselben nahmen dte Fürstlichkeiten Platz. Recht» im Schiff sah man den Reichskanzler mit den zahl­reich erschienenen Vertretern de» diplomatischen CorpS. Dann folgten auf dieser Sette die Excellenzen sowie dte Räthe. Ebenso dte Vertreter de» O sijter Corp», dte Vertreter der S-adt Berlin und andere Corporattonen. Link» saßen in der ersten Reihe die Damen de» fürstlichen Gefolges. Dann kamen die Ritter de» Schwarzen Adler-Ordeo», unter thurn Graf von Walderfee uud Graf Lehudorff, dte Minister und die Mitglieder de» BundeSrathS. Dann kamen die Vertreter der Parlamente. Die Emporen wurden, soweit sie nicht von

' Ca|,0U88e||

eilten®!®

\uux

rin armuf hsucht.

Position wegen ungünstiger Abrechnungen für einige gelt überhaupt auS dem Etat verschwunden war, konnten im Etats- jahre 1893/94 unter dem in Rede stehenden Titel vier Mill, eingestellt werden, nm im Jahre 1894/95 auf 1,3 Millionen zu lallen. Im Jahre 1895/96 stieg der Betrag auf 14 4 ---- und fiel 1896/97 wieder auf 7,4 Millionen. Daun 1897/98 auf 12,1 Millionen normtet werden, um die in letzter Zeit höchste Stufe von 28,7 Mill, zu steigen und für 1899 auf über 23 Millionen zu fallen. Man ersieht au» dieser Aufzählung, daß die E nnahmepofitioo, um die e» fich handelt, den stärksten Schwankungen unter- worstn ist, jedenfalls kann fie für 1899 in einer Höhe an­gefetzt werden, wie fie selten zu Gunsten de» Budget» zur

iv.-Drnek^1

_____

5 16t!6

86 30 10276 1910 9730 4830

10100

1898.

&

Air»»'

1906

rAKsS