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1898
Erstes Blatt.
Nr. 81
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Gießener Anzeiger
General-'Unzeiger
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Oerstsche» Reich
Berlin, 4. April. Die „Kreuzzettung" bringt eine CabinetSordre an den Feldmarschall Grasen Blumen« thal, worin im Einverstänbutß mit ihm die geforderte Entbindung von seiner Stellung als Generalinspecteur bekannt gegeben wird und ihm gleichzeitig mitgetheilt wird, daß ihm vom 1. April ab die gesetzlich zustrhende Pension angewiesen wird, außerdem von dtcscm Zeitpunkt ab da Zuschuß zur Pension nach Maßgabe der bereiten Mittel bezahlt werden soll. Die CabtuetSordre schließt: Ich darf erwarten, daß Sie tu dieser im Jntensse der Armee nicht von der Hand zu weisenden Verfügung auch meine Fürsorge für Sie, und «einen Wunsch, der Armee Ihren gefeierten Namen, Ihre Zugehörigkeit im bisherigen Maße zu erhalten, erkennen werden.
Vertin, 4. April. Wie der „Post" aus Homburg v. d. H. gemeldet wird, hat die Hofverwaltuug die Villa „Fürstenruhe" gemiethet. Es steht noch weiterer fürstlicher Besuch in Aussicht.
Vertin, 4. April. Dem „Local-Anzeiger" zufolge wird die Einsegnung der beiden Kaiserlichen Prinzen zu Pfingsten in Berlin tu der Eapelle des Königlichen Schlosses statlfinden, bei oder unmittelbar nach welcher Gelegenheit die eudgilttgeErnennung des Geueralsupertntrudevten D. Dryander zum Oberhofpredtger zu erwarten ist.
Vertin, 4. April. Wie der „Post" aus Weimar berichtet wird, sandte der Großherzog von Sachsen- Weimar am 25. März und am 1. April aus Italien herzliche Glückwunschtelegramme au den Fürsten BtSmarck.
Vertin, 4. April. Der St^arSsecrerär Gras Posa- dowsky tritt einen kurzen Erholungsurlaub an, den er in Süddevtschlaud zu verbringen gedenkt.
Berlin, 4. April. In der StaatSmi nist erial- sitzung vom SamStag wurde Contreadmiral Ttrpttz als Mitglied eingesührt. Gr nahm an der Sitzung, die von 3 bis nach 8 Uhr dauerte, Theil.
Berlin, 4. April. Der Director der Medicinal-Abthei- lang tm LultuSministerium, Dr. v. Bartsch, ist zu dem internationalen hygienischen Cougreß nach Madrid abgeretst.
Frankfurt a. M., 4. April. Die Polizei hat gestern hier eine Falschmünzerwerkstatt mit vollständiger Ausrüstung aufgehoben. Ein Lederarbeiter und eia anderer Arbeiter wurden in Kastel bei Mainz bet Ausgabe der falschen Geldstücke verhaftet. Ein dritter Mitschuldiger, ein Kellner, wird noch gesucht.
München, 4. April. DaS „Südd. Corresp.-Bureau" meldet: In dem körperlich'» Befinden deS König- Otto tst in den letzten Tagen eine Aeodrruug eingetretrn. Der ärztliche Bericht hierüber lautet wie folgt: Bet dem Könige wurde vor einigen Tagen entdeckt, daß der Urin zweiselloS nicht unbkträchtliche Mengen Blut enthalte. Die Untersuchung, soweit fie unter den gegebenen Verhältnissen möglich war, gestaltet den Schluß, daß eS fich um eine Blasenblutung handelt, allerdings mit gleichzeitiger Reizung der Nieren. Wenn auch dir Ursache der Blasenblutung angisichiS der gegebenen Verhältnisse und vorläufig nicht mit völliger Bestimmtheit eruirt werden kann, so darf doch auSg sprechen werden, daß der Zustand deS Königs zunächst zu ernsten Bedenken noch keine Veranlassung gibt. Ob aber aus dem vorhandenen Leiden mit der Zeit nicht doch eine Gefahr für das Leben erwachsen wird, uno innerhalb welcher Zett dieser Fall etntreten könnte, ist vorläufig noch nicht abzusehrn. München, 4. April 1898. gez. Dr. Grachey, König!. Obermedicinalrath. gez. Dr. Bauer, König!. Universität-- Professor.
ArrsUnrd.
Lemberg, 4. April. Au» dem Städtchen KlaSno werden autisemtttsche Ausschreitungen gemeldet. Die von Juden bewohnten Häuser wurden theilweise demoltrt und mehrere Juden dabi. verwundet.
Rom, 4. April. Der „Agenzia Stesaut" wird au» Madrid vom 4. dS. gemeldet: Spanien hat fich au die Großmächte gewandt und dieselben um ihre guten Dienste tu dem spanisch-amerikanischen Streitfall ersucht.
Rom, 4. Apr l. In den letzten Tagen herrschte im Batte au große diplomatische Bewegung. Der preußische Gesandte besuchte den Vaticau auch an Tagen, wo kein offizieller Empfang statifindet. Bon competevter Seite wird mitgetheilt, eS sei sehr wahrschrtulich, daß Deutschland den Papst um eine Intervention angiog. Kaiser Wilhelms
Streben, das monarchische Privcip zu stärken, sei zu be- tonnt, als daß er nicht suchen sollte, ein Mitglied des eng befreundeten österreichischen Kaiserhauses vor den Folgen eine» unglücklichen Krieges zu behüten. In Frankreich herrschen zwei Richtungen- die eine möchte aus dem Sturz der spanischen Monarchie politischen Vortheil ziehen, die andere wünsche den Krieg zu vermeiden aus Furcht vor finanziellen Nachthrtlen. Frkf. Ztg.
Loudon, 4. April. Nach einer Meldung des Rruter'scheu Büreou» aus Washington erhielt der spanische Gesandte ein Telegramm aus Havanna, in dem mitgetheilt wird, da- autoriomistische Cabiuet habe an die Aufständischen die Aufforderung gerichtet, einen Waffenstillstand behufs Fest« setzung von FriedeuSbedinguugen zu vereinbaren, da fie ja alle Cubaner seien und fich zur Erlangung von Frieden und Freiheit vereinigen sollten. Spanien sei bereit, die Autonomie auSzudehnen «nd werde einen darauf bezüglichen Plan deu Corte« unterbreiten. — Nach derselben Meldung hielten die republikanischen Mitglieder deS auswärtigen Ausschusses deS Repräsentantenhauses eine Besprechung ab und beschlossen, eine Resolution etnzubrivgeu im Wesentlichen ähnlich der im Senate eiogebrachten, dahingehend, in Cuba die Republik anzurr kennen.
Loudon, 4. April. England wird von Weihaiwei Besitz ergreifen, sobald China im nächsten Monat den Restbetrag der Kriegsentschädigung bezahlt und Japan Weihaiwei geräumt hat. Die pachtweise Abtretung erfolgt mit Zustimmung Japan-, mit dem zuvor eine Vereinbarung abgeschlossen worden ist.
Stockholm, 3. April. Aus Amalfi wird gemeldet, daß da« B finden der dort wellenden Kronprinzesfiu Victoria fich nicht gebessert habe. Da die Witterung regnerisch und ungünstig ist, wird die Kronprinzesfiu fich morgen nach Rom begeben, um unter tägliche ärztliche Behandlung zu kommen.
Washington, 4. April. (Meldung des „Reuter'schru Bureaus".) Amtlich wird dementirt, daß der Papst formell seine Vermittelung zwischen Spanien und Amerika angeboteu hätte oder daß die beiden Staaten die Vermittelung de« Papstes angenommen hätten.
Rewyvrk, 4. April. Einer Meldung der „World" aus Habana zufolge legten die Spanier Mittwoch Nacht vierzig schwimmende unterseeische Minen im engsten Thetle des Hafencanals nieder.
total« Mit» provinziell«».
Gieß«, des 5. April.
Kirchliche Dienstuachrichteu. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allcrgnädtgst geruht, am 18. März dem Pfarrer August Dtngeldeh zu Gießen die evangel. Pfarrstelle an der Johannesgemetnde zu Darmstadt, Decanat Darmstadt, und am 30. März dem Pfarrer Ludwig Reeg zu Wimpfen die dritte Pfarrstelle an der untrten Gemeinde zu Offenbach a. M., Decanat Offenbach, zu übertragen. — Dtöcesanpräse» Pfarrer Karl Forschner ist zum Pfarrer von St. Qu'Min in Mainz ernannt worden. — Pfarr» Verwalter Josef Eckart zu Vendersheim wurde zum Pfarrer daselbst ernannt. — Ferner wurdrn ernannt: Caplan Kneib zu Sr. Stephan zum Caplan in Bodenheim- Caplan Heiser zu St. Christoph -um Caplan in Budenheim- die NcopreSkyter Jo HS. Edel bau er au« Mainz zum Caplan in Offenbach- Friedrich Hofsmann au» WormS zum Caplan in Heppenheim; Ao am Malst auS Meffenhausen zum Caplan in Ober-Abtsteinach- Georg Metzger aus Dirmstein zum Caplan in Hering- GeorgOberler auS Pfaffen-Schwabeu- heim -um Caplan in St. Christoph zu Mainz- Georg Palzer aus Gabsheim zum Caplan von St. Stephan in Mainz. — Pfarrer Johs. Kumpf in Hochheim hat um feine Penfionirung nachgesucht, waß auch angenommen wurde. »• Auszeichnung. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 18. März 1) dem Zinndrucker Josef Mörle, 2) dem Zwndrucker Nicolaus Siegler, 3) dem Magazinarbeiter Ludwig Blum, 4) dem Vorsteher der Zinndruckerei Philipp Koch, 5) dem Stetndrucker Mathias Müller, 6) dem Bureaubeamten Ludwig Etchberger, 7) dem Vorstand des Expeditionsbureau« Otto Reichert, sämmtlich in Mainz wohnhaft und in Diensten der Firma Schott Söhne, Mufikalteuverlag in Mainz, das allgemeine Ehrenzeichen mit der JnfchrA „Für treue Arbeit", und zwar den unter Ziffer 6 und 7 genannten Personen dasselbe am Bande deS Verdienstordens Philipps der Großmüthigen zu verleihen.
•• Sierbekafse für die Mitglieder der OttSgewerbevereiue. Die Gründung der Sterbekaffe für die Mitglieder de« Lande«-
gewerbevereiuS fand am 29. December 1897 tu Darmstadt statt. Sobald die Zahl von 800 Mitgliedern feststrht, tritt die Kasse in Thätigkeit. Die Sterberente an die Hinterbliebenen beträgt fünfhundert Mark. In Darmstadt betrage« die Anmeldungen bis zur Stunde 250 Mitglieder. Ebenso lausen die Anmeldungen von den einzelnen Vereinen zahlreich ein, wonach AuSficht vorhanden ist, daß die ent precheude Mttgliederzahl tm Laufe de» Jahres erreicht wird, fall« die Ortsgewerbevereiue diesem Gegenstände eine erhöhte Auf. merksamkeit schenken und ihn als eine wichtige Verein», angelegenheit betrachteu werden. Bet über 7000 Mitgliedern de- Landesgewerbeverein» wird eS zu ermöglichen sein, den Mttgltederstand der Kasse aus eine bedeutende Höhe zu bringen. Erreicht dieselbe etwa den Bestand von 3000 Mit» gliedern, so beträgt die Leistung deS Einzelnen 10 Psg. sür jeden Sterbefall. Wird es fich zeigen, daß die Sterbekcffe einem vorhandenen Bedürfnisse in zweckentsprechender Weise dient, so soll da- Hilf-kass^nwesen innerhalb de» Lande-- gewerbevereiv» noch weiter au-gebaut werden.
•* Detaillisteu - Verein. An Stelle des verstorbenen Herrn Rübsamen wurde Herr Franz Schmidt (Firma Brüder Schmidt) in den Vorstand de» Detaillisten Verein- cooptirt. E» ist diese Wahl des Vorstände« zu begrüßen, da wir in seiner bisherigen Zusammensetzung die Vertretung der Elsenbranche vermißten. — Die Liste, betr. deS Neuu- uhrladenschlusse» befindet sich zur Vervollständigung eben tu Circulation und wird dieselbe denjenigen Laden- befitzeru zur Unterzeichnung noch vorgelegt, welche der VereluS- dtener bet seinem ersten Umgänge nicht zu Hause angetroffev, oder ihre Bereitwilligkeit in AuSficht gestellt hatten. An dieser Stelle wollen wir nicht unterlassen, nochmals auf das Bestreben des Verein» hinzuweifev, für Principal und Personal einen allgemeinen zeitigeren Ladenschluß herbeizusühreu und hoffen, daß im Interesse der Allgemeinheit von deu wenigen auf der Liste fehlenden Ladenbefitzern keiner seine Unterschrift verweigern wird. Eine größere Anzahl der Inhaber von Bäckereien und Metzgereien haben auch die Liste mit unterschrieben, j'doch betrachtet der Vorstand deS Detatlltstrn-Vereins ek nicht als seine Aufgabe, eine vollständige Einigung dieser Gewerbe über den Neunuhr- ladenschluß zu ermitteln, hat vielmehr diese Angelegenheit au die Innungen verwiesen. Wir hoffen, daß dem gefühlte« Bedürfniß auch von deu Innung-Vorstanden Beachtung geschenkt wird.
*• Bitte au die Hausfrauen! Der Wohlstand eines Hause» zeigt fich niemals so deutlich, wie in derOsterzeit. Was die Familie an Geld, oder sonst fruchttragendem Ver- mögen besitzt, hat der Hausherr bet der Jahreswende sorgfältig berechnet- aber vollständig wird da« Bild erst dann, wenn fich um die Charwoche die getreue Gattin daran be- giebt, da« Inventar ihres Ressort» aufzunehmen. Gehl fie dabei auch nicht gerade nach den Vorschriften deS Handels- gesetzbucheS oder den Usancen des Kaufmaunstande« zu Wette, so bält fie sich doch an ein in Jahrhunderte langer Traditio« wohlbegründetes und ausgebildetes Verfahren. Inwiefern das vielfach von den Frauen beanspruchte Recht, die minder gute Hälfte durch Putzen erst zur Verzweiflung und dann zum AuSgeheu zu bringen, feine historische Berechtigung hat, soll an dieser Stelle nicht näher geprüft werden. Gewohu- heitsrechtltch aber steht soviel fest, daß die Frau traft ihrer Schlüsselgewalt aus dem Bestände des Hause» da» Veraltete ausscheiden darf. Da flackert da« Feuer lustig von alte« Briefschaften, da wandern abgelegte Kleider, nachdem fie fich in immer verjüngtem Maßstäbe vom Vater bis auf den letzte« Sprößltng vererbt haben, endlich zum Trödler oder in den Besitz einer armen Familie, und wer weiß, waS derartige Ausräum- ungSarbeiten noch alle« an Veränderungen mit fich bringen! ES liegt uns ferne, alte Rechte antasteu und au alten Gebräuchen frevelhaft rütteln zu wollen- nur in einer Be- ziehung müssen wir die Bedürfnisse der Gegenwart gegenüber ben historischen Traditionen betonen: Rumpelkammern und Bodenräume find nicht zur Beherbergung aller Bücher bestimmt. Denn es steht fest, daß nach Heu und Stroh nichts die Feuergefahr in dem Maße befördert, al» ein Vorrath von alten Büchern. Nun ist c» ein ganz besondere» Glück, daß sich gerade jetzt, da diese Erkenntntß immer mehr zu« Durchbruche kommt, derL esehallevereintn liebenswürdigster Weise erboten hat, die verehrlichen Damen und Herren Gießens nicht nur von der Last des Besitzes, sondern auch de» Eigenthum» an alten Büchern unentgeltlich zu besreieu, sogar ohne dabei aus da» Wort „alt" ein entscheidendes Gewicht zu legen. Wir verfehlen nicht, besonders unsere schön« Leserinnen auf die im Jnseratentheil enthaltene Annonce be» Verein- hinzuweisen.


