an Gladstones Barg zu fiadetr. Drr Speaker ist ein Berl'ner Schuhmacher, der ernst sein Fortkommen dem „großen, alten Mann" zu verdanken hatte. Bor etwa 20 Jahren war der Schuhmacher nach London gekommen, wo er eine kleine Werkstätte errichtete, aber trotz allen Fleißes derartig ver- armte, daß er selbst sür bestellte Sachen da- Leder nicht kaufen konnte. Bei einer Zusammenkunft, die er mit seiner Braut in der berühmten „Whirperiug Gallery" der St.Pälllr- Kathedrale hatte (einer Galerie, in der jedes in einer Ecke noch so leise geflüsterte Wort an der anderen Ecke deutltch vernommen werden kann), klagte er dieser seine Noth, die ihm die Aussicht zur Hrirath völlig unmöglich mache. Die Braut händigte ihrem Verlobten ihre kleinen Ersparniffe aus, mit denen er sich am folgenden Tage zu einem Lederhändler begab, ohne zu bemerken, daß ihm ein Herr gefolgt war, der den Auftrag hatte, Erkundigungen über ihn einznziehen. Der Schuhmacher erstaunte daher nicht wenig, al- ihm von dem Lederhäudler witgetheilt wurde, daß er ihm einen kleinen Credit bewilligen wolle. Durch dieses Entgegenkommen und durch Aufträge, die der Mann bald zu seiner Ueberraschung aus den wohlhabendsten Kreisen der Londoner Gesellschaft erhielt, konnte er sein Geschäft in Schwung bringen und feinen Hausstand gründen. In London war er lauge Jahre als der „Parlamentsschuhmacher" bekannt. Erst al- er auf da- Drängen seiner Frau, einer geborenen Berlinerin, England verließ, theilte ihm der Lederhändler mit, daß kein Anderer als Gladstone ihm den Credit ausgewirkt hatte. Der Minister hatte in der „WhtSpering Gallery" seine Noth vernommen.
• Vom «uswandernngkwesen. Mit welchen Riesenschritten die Einwanderung in Amerika mit jedem Jahre zurückgeht, zeigt der statistische Jahresbericht der New-Yorker Einwanderungs-Behörde. Aus ihm geht vor Allem hervor, daß die Gesammt-Einwanderung im New-Yorker Hafen um 79 944 Personen abgenommcn hat, denn es wurden im Laufe des Jahres nur 172 420 Zwischendeckspass agiere gelandet, gegen 252 364 im Jahre 1896. Im verflossenen Jahre vertheilte sich die Einwanderung auf die einzelnen Nationali- täten folgendermaßen: Deutschland 14661, Österreich-Ungarn 15037, Belgien 696, Dänemark 1559, Frankreich 1975, Griechenland 1486, Italien 56808, Niederlande 679, Norwegen 3872, Portugal 1555, Rumänien 629, Rußland 14 581, Russisch-Polen 4289, Finland 1641, Spanien 258, Schweden 10 906, Schweiz 1365, Europäische Türkei 116, England 4982, Irland 18417, Schottland 1062, Wales 956, außereuropäische Staaten 4890 — Zurückgesandt wurden im Laufe des Jahres als „mittellos" 101 Oesterreicher, 21 Ungarn, 11 Belgier, 8 Dänen, 16 Franzosen, 108 Deutsche, 9 Griechen, 409 Italiener, 3 Holländer, 5 Portugiesen, 2 Rumänen, 109 Russen, 1 Finländer, 1 Spanier, 3 Schweden, 1 Schweizer, 54 Engländer, 42 Irländer und 2 Personen aus Wales. Im Ganzen wurden 1094 „Mittellose", 305 Contractarbecker, 15 Kranke, 6 Geisteskranke und 1 Idiot zurückgeschickt. Die Zahl der gelandeten Analphabeten über 14 Jahre vertheilte sich auf die einzelnen europäischen Nationalitäten folgendermaßen: Deutschland 130, Oesterreich. Ungarn 5314, Belgien 85, Dänemark 2, Frankreich 66, Griechenland 124, Italien 22811, die Niederlande 11, Norwegen 24, Portugal 737, Rumänien 83, Rußland 3062, Finland 78, Russisch-Polen 1278, Spanien 40, Schweden 66, Schweiz 8, Türkei 10, England 127, Irland 969, Schottland 24 und Wales 53 Personen. An Geldmitteln brachten
weithin sichtbaren Kloster als erstes Ziel unserer heutigen Wanderung.
Füushundert sechs und neunzig wohlgezählte Stufen führen zum Kloster hinauf, die wir ohne viel Beschwerde bewältigen, da wir von Zeit zu Zeit ruhen, um einen Blick auf die herrliche Landschaft zu werfen. Unmittelbar vor uv- liegt jenseits des Mains Klein-Heubach mit dem Fürstlich v. Löwen- stetn'schen Schloß und seinen prachtvollen Parkanlagen, die sich mainaufwä!tS dir nach Miltenberg hinziehen,- von Süden winkt uns da» malerische Miltenberg mit zahlreichen THÜrmen und über ihnen erhebt sich, umgeben von grünen Baumwipseln, da» ragende Schloß.
So lange wir uns beim Ausstieg zum Kloster in den Anblick so vieler Naturschönheiten vertieften, war eine pfingst- festliche, weihevolle Stimmung vorherrschend.
Jetzt betreten wir den Eingang zum Kloster und fühlen rmS urplötzlich In das Treiben und Gewühl eines Jahrmarktversetzt. Da stehen VerkaufSstände, wo Wachskerzen und Heiligenbilder, Rosenkränze und Crucifixe — aber auch die unvermeidliche Ansichtspostkarte zu kaufen find, daneben Kinderspielwaarev, jede- Stück zehn Pfennige, und e- fehlt nur noch der auf Märkten typisch gewordene Au-rufer, — der Jahrmarkt wäre fertig! Die Röllbacher fivd heute in feierlicher Procesfion hierher gewallt und stellen ein gut Theil der auf dem Engelsberg anwesenden Volksmenge. Wir gehen zunächst in die Klosterkirche, die von Andächtigen — meist Flauen — nicht sehr gefüllt ist, besichtigen dann die Grab- Hätten der Fürsten von Löwenstein-Wertheim Rosenberg und bleiben bewundernd stehen vor zwei Meisterwerken kirchlicher Kunst — Mosaik-Wandbilder, biblische Sceren darstellend, gefertigt au» Tausenden von Keinen quadraisschrn Marmorstückchen.
Dann überschreiten wir die Klosterschwelle, erstaunt, un» hier an einer Stätte zu befinden, wo mau einen Guten schenkt. Während drüben in der Klosterkirche eine Gruppe wallender Frauen da- schöne Lied: „Mario, Maienkönigin, dich will der Mai begrüßen" intonirt, erklingen in den Gängen de-Kloster- und im angrenzenden Klosterhofe fröhlich die mit Miltenberger Bier gefüllten Glaser, die durch ein kleine- Fensterlein dem durstigen Volk verabreicht werden - da- hier sich entfaltende Leben erinnert in Nicht- an die Nähe eine- geweihten Orte», — da wird getrunken und gegessen, gescherzt und gelacht, ja ein übermüthiger Bursche stößt sogar in ein Kindertrompetchen, was ihm nicht einmal
die Einwanderer der einzelnen Nationen, soweit scstgestellt werden konnte, folgende Summen mit: die Deutschen 571807 Dollars, die Oesterreicher 306 593, Belgier 25 700, Dänen 30 631, Franzosen 72 580, Griechen 19801, Italiener 464574, Holländer 10416, Norweger 44077, Portugiesen 9957, Rumänen 7849 Russen 151967, Fiw länder 21070, Polen 36 801, Spanier 7007, Schweden 187 293, Schweizer 46 543, Türken 3254, Engländer 140073, Jr- länder 251890, Schotten 23 202 und Waliser 24261 Doll. Der größte Theil der im Laufe des Jahres gelandeten Einwanderer blieb im Staate New York, nämlich 40,84 o. H., 14,52 v. H. kamen nach Pennsylvanien, 10,65 v. H. nach Massachusetts, 4,44 nach Neu-Jersey und 5,23 nach Illinois. Die übrigen 24,32 v. H. vertheilten sich auf die sonstigen Staaten. Die größte Anzahl „Zwischendecker" beförderte von allen Linien der Norddeutsche Lloyd, nämlich 24542, dazu kommen noch 15873 aus Mittelmeerhäfen. Cajüten- Passagiere beförderten: die Cunard-Linie 15196, die American- Linie 14 443, der Norddeutsche Lloyd 12589, die Hamburg- Amerika Linie 10 556, die White-Star-Linie 10104. Letztere beförderte an Zwischendecks ^Passagieren 19271, während die Cunard-Linien deren 16303, die American-Linte deren 11322 über den Ozean brachte. Zum Schluß mag hier noch bemerkt werden, daß nach einer neueren Zusammenstellung nach De- cennien seit dem Jahre 1830 in den Vereinigten Staaten im Ganzen 18169 056 Personen einwanderten, also ungefähr ein Viertel der gegenwärtigen Gesammtbevölkerung.
' Jmmanurl Kants Geschwiperkinder. Die „Königsberger Allgemeine Zeitung" schreibt: Im Anschluß an frühere Mittheilungen über Kant- Vorfahren dürften die nachstehenden in den neuen „Preußischen Provinzblättern", Band VIII, 1855 veröffentlichten Notizen über die Geschwisterkinder Kant- von Interesse fein: Kaut- letzter verwandter, im Jahre 1831 al- eine- der ersten Opfer der Cholera gestorben, war der in der Holzgaffe Nr. 15 wohnende Nisse, Schuhmachermeister Kröhuert. Seine Tochter, die verwittwete Frau Klempnermeister Steil, stürzte sich au- dem ersten Stock ihrer Wohnung in der Tuchmacherstraße und starb bald darauf an den erlittenen Verletzungen im Jahre 1840 ober 1842. Dereu Tochter war an den (1855) in der Weißgerberstraße wohnhaften Instrumentenmacher Säuberlich verheirathet.
* Das ZeitnngSwefen im Lande des Mikado. In Japan gibt e- 800 Zeitungen und Zeitschriften. Tokio allein hat 20 politische Zeitungen und 118 Zeitschriften. Die Auflage der täglichen Z-.itungen ist jedoch nicht sehr groß. Selbst der von der japanischen Regierung unterstützte „Jigi Schimpo" (die „Time- von Japan") hat nur eine Auflage von 10,000 Exemplaren. DaS Blatt kostet nur einen Penny. Die interessanteste japanische Zeitung ist der radicale „Nischi Nischi Schimbo" („Tägliche Nachrichten). Se befindet fich in ewiger Fehde mit dem conservativen „Nippon". Biele japanische tägliche Zeitungen sind illustrirt und enthalten auch Modebilüer für ihre Leserinnen.
• Der Erfinder des Fernsehers, Jan Ezczepanik, hat fich in das große wissenschaftliche Institut, da» ihm sein Mäcen Kleinberg erbaut hat, zurückgezogen und arbeitet an der Verfeinerung der Construction seines Fernseher». Unterdessen beginnen die Früchte seiner früheren Erfindungen zu reifen. Die Technik der mechanischen Weberei ist durch seinen Raster bedeutend gehoben worden. Diese Erfindung, die zusammen mit einer „Karteuschlagmaschim" zum Gemeingute
einen Verweis Seiten» des gerade vorübergehenden Bruder Pförtner- einträgt.
Wir selbst haben im Klosterhofe Platz genommen und un- durch einige Schoppen de- braunen Trankes zum Abstiege gestärkt- jetzt verkünden Horn- und Posaunevklänge den Abmarsch der Röllbacher Wallfahrer, und da ihr Zug unsere Tritte hemmt, so benützen wir )te Gelegenheit, noch einmal auf die entzückend schöne Landschaft ringsum hernieder- zuschauen. Dann gehen w.r rasch akwärt», um über den Main zu setzen und unseren Weg durch Klein-Heubach und den Löwenstein'schen Park nach M'ltenkerg fortzusetzen. Eine Wanderung durch diesen wundervollen Park mit seinen alten, mächtigen Bäumen, seinen frischgrünen Wiesenflächen und seinen lieblichen Ruheplätzchen ist ein hoher Genuß uno wir verlassen nur ungern die Anlagen, da wir vor Miltenberg angelangt find.
Mächtige RothsandfleinbrÜche zur Rechten, zur Linken den Main, gehen wir durch den Thordogen des alten Stadt- thurme» vnd gelangen nach ziemlich langem Marsche endlich in die Mine des ölten Städtchens, da- fich am Mainufer eine halbe Stunde lang hinzieht.
Ueber die Häuser ragen die Berge, Schloß und Billen werden von Straßen und Plätzen de» Oefteren sichtbar. Wir besuchen eine Kirche, dann wenden wir un» seitlich, wieder eine Anzahl Stufen hinanschreitend, nach dem Schloßberge. Schöne Spaziergänge führen nach dem Schlosse, vorüber an der prachtvollen Billa Thurmeck, überall schöne Anlagen und herrlicher Wald. Wir passiren da» Schloßthor, kommen jedoch zur Unzeit, da die im Schlosse vorhandenen Sammlungen nur zu bestimmten Tageszeiten besichtigt werden dürfen, dagegen können wir im Schloßgarten lustwandeln und einen Aufstieg zu dem alten Thurm unternehmen, der die Höhe des Schloßberge» krönt. Hier oben ist e» wunderbar- wir können un» nicht latt sehen on dem großartigen LandschaftSbttde zu unseren Füßen, — nur der rauhe Wind und leise niederranschender Regen hindern un», länger hier zu verweilen.
Nach so vielen Genüssen, die un» die landschaftlichen Reize de» Mainthale» bereitet haben, tnb wir hungrig geworden und müssen nun daran denken, ein gastliche» Hau» im Städtchen aufzusuchen, um den knarrenden Magen nunmehr auch zu seinem Rechte kommen zu lassen.
Da» Gasthan» „zur Rose" nahm un» auf, und gestärkt und befriedigt denken wir an die Weiterfahrt. Ein leichter
aller Industriestaaten geworden ist, hat ihn zum reichen Manne gemacht. Auch eine andere Erfindung dieses genialen Manne», der man fich bei ihrem Bekanntwerden sehr skeptisch gegenübergestellt hatte, wird jetzt dem Weltverkehr dienstbar gemacht- e» ist die» eine neue Gelei»anlage für Eisenbahnen.
Citcraiur uwfc Xunft.
— Der spanisch-amerikanische Krieg zieht jetzt die Auzm der ganzen dotliitrien Wett auf sich und da dürfte eine fach- verständige Leurtheilung der nordamerkanischen Kriegsmarine au| der Feder des «IS M litär- und Marinefchristfteller selbst an höchster Stelle geschätzten Generallieutenants z. D. Fr. Frhr. v. Dincklage- Campe, die wir in dem soeben ausgegebenen Heft 24 der Mannten großen illustrirten Familieozeitschrift ,Für Alte Welt" (Deutsches Derlagshaus Bong & Co., Berlin W. Preis deS VierzehntagSheste» 40 Pfg.) finden, allgemeines Interesse erregen.
— Für Turisten. In 4. vermehrter und verbesserter Auf- läge (16. ois 20. Tausend) erschien soeben bte vom TaunuSclud herausgegebene tfarte der mit Firbenzeichen veisehenm Wege im östl. Taunus, im Verlage von Friedr. Adolf Dchmrdt, Frankfurt a. M., Opernplatz 4. Diese Karte, (Preis Mk. 1,25), welche bat Farbenmarkirungsnetz deS Taunus zwischen Wicsdaden — N eber- selterS einerseits, und Friedberg — Nauheim — Butzbach andererseits in der bekannten, leicht üderfichllichen Weise veranschaulicht, wurde im typographischen Theile wesenl'ch vermehrt und enthält außerdem eine Anzahl neuer mit Farbenzerchen versehener Routen, sowie auch alle diejenigen Wege, welche nur mit Wegweisntafeln versehen find. Möge diele neue Karte, welche wiederum ein beredtes Zeugniß der Thätigkett deS TaunuSciubS ist und die sich schon in rhrcn früheren Auflagen großer Beliebtheit beim Publikum erfreute, vielen Taunuswanderern willkommen sein.
Universität». Nachrichten.
Jena, 31. Mai. Heute fand in Gegenwart vieler einheimischer und auswärtiger Festgäste die feierliche Enthüllung deS in der Näde der Universität errichteten Denkmals deS bedeutenden ©tbulmaniul Prof. Volkmar Stoy statt. Die Festrede hielt Prof. Erich SchmiU aus Berlin.
— Am 28. Mai feierte das älteste deutsche CorpS, die Onoliie in Erlangen, seinen hundertsten Geburtstag, und damit können die deutschen Corps auf ein hundertjähriges Bestehen zurückbl ckw. Hervorgegangen sind sie, wie ihre Namen noch heute beweisen, aui den Landsmannschaften, doch hat sich das landsmannschaftliche Ee- präge schon zu Anfang dieses Jahrhunderts fast völlig verlogen. 3" die Zeit von den zwanziger bis zu den fünfziger Jahren diese» Iasr- hunderts fällt die Gründung der meisten Corps; nach den fiebjl^r Jahren bildeten sich zahlreiche anbete Verbindungen zu CorpS um. Am 26. Mai 1855 wurde auS der Vereinigung der CorpS von (alle, Leipzig, Jena, Göttingen, Marburg, Gießen und Heidelberg der Kösener Senioren-Verdand (K. S. C. V.) geschaffen, der alljährlich zu Pfingsten seine Sitzungen in Kosen abhält und unter dessen Botmäßigkeit jetzt alle CoipS auf deutschen Universitäten stehen. Aach den Begriffsbestimmungen dieses Verbandes ist das Corps „eine Vn> einigung von tmmatrtkulitten Studenten derselben Hochschule zur Aufrechterhaltung eines wahrhaft gediegenen Studententhum« mit vollständiger Freiheit des Einzelnen in politischer, wissenschaftlicher und religiöser Beziehung". Die Kösener Statuten find vorbildlich gewoiden für alle größeren Vereinigungen deutscher Verbindungen. i Zu ihren Hauptgrundsätzen zählt die Forderung der unbebin^ien SatiSfaction. Zur Zeit bestehen etwa 80 CorpS; die Zahl der activeo . CorpSstudenten betrug am 1. August 1892 1204, die der inactiver, noch auf der Hochschule weilenden 1069, zusammen also 2273, die Zahl der alten Herren mag sich auf etwa 40000 belaufen, von deneir ein Theil dem sogen. Allgemeinen Verbände angehört, dessen Vor- i sitzender der -schriftsteller Dr. HanS Hopfen ist. Die Prinzen unserem regierenden Häuser schließen sich gewöhnlich dem CorpS an, wen« sie auf deutschen Univerfiläten studiren. Der Kaiser ist bekanntlich Bonner Preuße und nimmt noch jetzt sehr regen Antheil an Den j Corpsverhältnissen. CorpSstudenten finden sich in allen Stellunger und allen Parteien. — Das Organ deS Corps find die in Münchm erscheinenden „Akademischen Monatshefte." DaS zweitälteste Corpt- ist die „Baruthta" in Erlangen, die im Jahre 1905 ihr hundertjähriges Stiftungsfest begeht.
Regen geht nieder, der un« indessen nicht abhält, den SW de» Tages zum Besuche de» schönen Städtchen» Amorbat au-znnützen.
Die Eisenbahn führt durch da» von der Mudau butt- flossene Thal über Breitendiel und Weitbach hinaus not Amorbach, dort endigt die Bahn, doch ist die Fortsetzung derselben nach dem badischen Wallfahrt»orte Walldürrn bereits im Bau begriffen.
Umgeben von bewaldeten Bergen, dem Wolkmavn, de« Gotthardt und vielen anderen, bietet Amorbach einen reizender Anblick dar. Eine ansehnliche Menschenmenge verläßt den Zul und wandert in» Städtchen. Wir thrm de»gleichen und firt höchlich erstaunt, am zweiten Pfiagstfeiertage hier Jahrwa'b abgehalten zu sehen. Die Sonntagsruhe scheint man h Bayern nicht eben engherzig zu handhaben. Durch» ganz'. Städtchen ein Gedränge festlich gestimmter Menschen, — finden wir auch den auf den Märkten jetzt feltener wie frühe- auftretenben italienischen Dudelsackpfeifer, der mit seine: Begleitern eine etwa» grelle, sonst aber nicht üble Mus' aufführt, der wir mit einigem Interesse lauschen.
Aus dem Trubel de» Jahrmärkte» hinan» — iu b: I tiefe Stille eine« Gotte»hause», — welcher Contrast! ®: suchen die evangelische Kirche auf, etn zur ehemalige: i Benediktinerabtei gehörige-, mit dieser in den Besitz Grafen von ßeiningen Übergegangene» Kunstwerk, da« »■ beschauen kein Wanderer, der in diele schönen Thäler W voyernlaude» kommt, versäumen sollte. Dine weihevoV- Stimmung Überkommt uns beim Eivtritt in da» erhaben Bauwerk- in Bewunderung gehen wir auf vor dem ®eift der Künstler, die so Gewaltige» geschaffen. Kunstoellrndrk Ornamentik und herrliche Malereien, sowie ein großartig'* Orgelwerk machen die Abteikirche zu einer der schönsten i- gcmzen Lande. — Bemerken»werth ist noch der (Seegatte, welcher hinter den Sbteigebäuden beginnt und ähnlich w - der Klein-Heubacher Park sich «eit htnauSzieht.
Der Abend naht heran, und da ein Regenschauer Aussicht steht, so müssen wir verzichten, noch manch--- BemerkeuSwerthe in dem lieblichen Städtchen in den Rreu unserer Betrachtung zu ziehen, weßhalb wir für heute tem schönen Amorbach und seinen Bergen ein Lebewohl zntuscn und die Heimreise antreten müssen, — noch manche» M- zurückblickend in da» freundliche Thal.


