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begonnene Feldb erriutg uug wird bis zu« nächsten Früh- juhr ihren Abschluß erreichen. I« Herbst de» letztvrrfloffeneu Jahres wurden bereits tn der ganzen Gemarkung die neu zagetheilteu GruudstLcke Aberwiesen, so daß schon bet der Herbstausstellung die oortheilhafte Neugestaltung tn die Au-en fiel. Die erhobenen Reclamattouen konnten bald erledigt werden und zwar meist nach dem Wunsche der Reclamanteu. Hoffentlich werden die Segnungen deS anfänglich viel bekämpften Unternehmens bald allgemein angenehm empsunden werden.
+ Niedervollstadl, 3. Januar. Als der von Frankfurt gekommene Zug Nr. 95 heute Mittag vor 2 Uhr bei dec hiefigru Station eiulausen sollte, war gerade der ab Friedberg fälligeGüterzug vor unserer Station entgleist, wurde jedoch alsbald wieder zum Stehen gebracht, ohne daß ein besonderes Unglück herbeigeführt worden wäre. Da eine halbe Stunde Verspätung für die Wetterfahrt des ersteren ZageS durch die Geleisreparatur rc. etutreteu mußte, verließen viele Paffanten des Personenzug- solchen, um nach der Ursache des Hindernisse- zu schauen.
-in- «ul der Wetterau, 2. Januar. Wie wtr vernehmen, findet Sonntag den 9. d. M., Nachmittags 2 Uhr, tu Münzen- berg eine kirchlich.musikalische Aufführung de- dortigen KtrchenchorS statt, bestehend au- Thören, sowie Gesang, und Orgelsolt von Bach, Händel, Mendelssohn, Stlcher u. «. Der Eiutritt ist frei. Freiwilltge Gaben find zur Ausschmückung der Kirche bestimmt. Die früheren Veranstaltungen dieser Art waren so hervorragend in Programm und Ausführung, daß auch diesmal ein hoher Genuß für alle Besucher zu erwarten ist.
△ Bon der Ohm, 3. Januar. Wohl viel seltener al- früher findet «an nach Neujahr hie und da einen Obstbaum, namentlich Apfelbaum, mit einem Strohseil umbunden. Diese absonderliche Zierde ist dem Stamm in der Sylvester- nacht verliehen worden. Sein Besitzer hat die- während des Abendläutens oder Anleuten- des neuen Jahres ausgeführt unter irgend einer dazu erforderlichen Formel. Mit dieser Baumumwtckelung verbindet sich der Glaube, daß durch die. selbe, wenn unter besagten Umständen au-geführr, eine gute Obsternte de» betr. Baume- erzielt würde. Man har nicht selten diesen Gebrauch auf heidnischen Ursprung zurückgeführt. Dem ist jedoch nicht so, vielmehr entstammt diese Sitte erst der christlichen Zeit. Wie damals die Klöster die alleinigen Stätten der Bildung und Wissenschaft waren, so waren sie Mufteraustalten in der Bodeucultur und tu dem Obstbau, der doa Mönchen tu den großen Klostergärteu betrieben wurde. Den Mönchen waren die Hauptfetnde der Obstbäume wohl bekannt, ebenso wußten sie, daß diese Jusecteu im Herbste an den Stämmen der Obstbäume emporkletteu. Sie umbandeu dcßhalb die Stämme mit Strohrtugeu ganz zu demselben Zwecke, wie wir jetzt btt bekannten Klebrtoge anbrtngen. Albte Reformation die Klostermaueru zum Thetl sprengte, da drang mit vielem Anderen auch der Gebrauch der Stroh. r nge bei den Obstbäumeu auf da- Land. Die damaligen Landleute ahnten aber nicht den eigentlichen Zweck de-Stroh- bundeS, sondern ahmten die Sitte nach tu der Meinung, daß durch sie lediglich al- solche schon ein Baum fruchtbar werde. Dazu verlegte man den Zeitpunkt vom Herbst auf die Jahre», wende, weil mau eben deu Hauptzweck des Strohriug» nicht kannte. So ist da» Strohband der Obstbäume auf Sylvester entstanden- mit der immer weiter dringenden Aufklärung ist e» seltener geworden, aber sein Vorkommen zeigt doch, daß e» auch tn unserer Zett noch „Abergläubische" gibt. Zu dteseu gehören gewiß auch Dtejentgen, welche beim Abend- lällteu tu der Wethnacht den sogen. „Geistklöppel" aulegen. Da» tst ein besonder» hierzu ausgesuchter Stock, der, nachdem rr tu den Ofen gebracht, gänzlich verbrennen muß. Er soll da» Hau» vor Blitzschlag bewahren. Uazweifelhaft entstammt dieser Gebrauch der heidnischen Zett unserer Borvordern. Er ist aber gleichfalls vtel seltener geworden al» noch vor zwet Jahrzehnten. Tempora mutantur.
Bildet, 31. Dccemder. Herr Philipp Arudgen von hier, welcher seiner Zeit beim 2. Thüringischen Inf. Regiment Nr. 32 in Meiningen diente und bei diesem Regiment auch btn Krieg gegen Frankreich mitmachte, traf bei deu diesjährigen Mauöoern mit dem Oberstlieutenaut diese» Regiment» zusammen, bei dem er während seiner Dienstzeit Bursche war. llnter Auderm sprach rr diesem gegenüber deu Wunsch aus, doch noch mal etwa» von seinem früheren Regiment zu hören. Zu seinem Erstaunru erhielt er nun al» Weihnachtsgeschenk ion dem Herzog von Meiningen eine RegimentSgeschich.e der 32er, ein Baud KrtegSertnuerungeu von Zeitz, tu welchem hauptsächlich die Kämpfe und Thaten der 32er beschrieben liud, eine Karre von Frankreich und sämmtltche Situation». -läue der Schlachten, an welchen die 32er ihetlgenommen haben. Die Sendung war von folgendem Schreiben begleitet: „Meiningen, den 22. 12. 97. An den ehemaligen Füsilier Philipp Arndgru vom 2. Thürtng. Inf.-Regiment Rr. 32, wohnhaft zu Btlbel. Ihrer au Seine Hoheit deu Herzog von Sachsen Meiningen gerichteten Bitte um ein Buch, «u» dem Sie die Geschichte Ihre» alten Regiment» entnehmen Vumeu, hat der hohe Herr gnädigft entsprochen. GS tst Ichön, daß Sie für den Truppentheil, bet dem Sie vor nun- «ehr fast 27 Jahren gestanden haben, noch so rege» Interesse «n den Tag legen. Der gnädigste Herr läßt Ihnen die vom Steutenant Frhru. v. Türcke verfaßte RegtmentSgeschtchte so- vohl al» auch dte KriegSeriuuerungen des damaltgen Krieg»- freiwilligen Zeitz als Weihnachtsgeschenk zugehen. Hoffentlich haben Sie rechl frohe und genußreiche Stunden beim Lesen ver beiden Bücher, hoffe' :lich trägt der Geist der aufopferungS- vollsten Vaterlandsliebe und der Treue zum Landes- und Kriegsherrn, der aus deu Büchern weht, dazu bet, bet Ihnen und Ihren Bekannten diese Gesühle zu heben und zu kräftigen. Auf höchsten Bef- hl v. Kutzleben, Major und Flüqeladjutaat."
□ Darmstadt, 3. Januar. Zum gestrigen 25jährigen D i e n ft j u b t l ä u m tst Herrn HoflheaterdtrectionSrarh W t nt er da» hessische Berdienstkreuz vom Großherzog und da» R.tter- kceuz 2. Klasse drS Sachsen Ernefttntschen HauSorden» vom
gewesen wäre, dann hätte Aba« wahrhaftig nur Aepfel gegessen1*
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? ?<ltV (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt), das elfte des laufenden Jahrgangs, wird den Abonnenten dieser weit »er« breiteten Famtlienzeitschrtfi sicherlich große Freude bereiten, vor allem durch eine große Anzahl von Bildern, die auf die vei- gangene festliche Zett Bezug nehmen. Da tst eine reizende farbtge Kunstbeuage „Auf glatter Bahn", nach einem Aquarell von Werner Zehme, ein schlittschublaustndes jugendliches Pärchen darstellend, dann die doppelseitige Illustration »Unterm Wethnach'.sbaum". AuS roo^t'n mlr außer dem Beginn einer neuen svannendeN rnß "Der. Friesenpastor" und dem vorletzten Stück des G« ikllschaslSromans „Prinzessin Aline" besonders hervorbeben den mit farbigen Illustrationen gezierten Artikel des bekannten Vogelkundigen Gustav Heick „Unsere Singvögel im Freien und in der Stube" — eine Anleitung zur Pflege der beliebtesten Stubenvögek.
Hitiverfitäte - Nachrichten.
— Dem Oberbibliothekar an der Universitäts-Bibliothek z» Marburg, Dr. Georg Wenker, tst daS Prädikat „Professor" bei gelegt worden.
— Prof.ssor Deißmann ti Heidelberg, bis zum September v. IS. Pfarrer in Herborn, ist von der theologischen Facultil zu Marburg znm Ehrendoctor ernannt worden.
— An Stelle des verstorbenen Professors Jürgen Bona Me»er tst der Professor Benno Erdmann in Halle nach Bonn auf dm erledigten Lehrstuhl der Philosophie berufen worden und wird seine Lehrthätigkeit bereits im nächsten Sommersemester dort beginnen.
Verkehr, £an5* tmfc VsUswirthfchast»
Gieße*, 4. Januar. Marktbericht. Aus dem heutige» Wochemnartt kostete: Butter pr. Pfd. JL 0,75—090, Hühner sia pr. 6L 7-9 4,2 St. 00—004, Enteneier 1 St. c -00 GL«sr- e er pr. St. 00—00 H, Käse pr. 6L4 —9 Käsematte pr. St. 3 H Erbsen pr. Liter 18 Linsen pr. Stier 32 Tauben pr. Paa X 0,60 bi» 0,00, Hühner pr. Stück 0,90 bis 1,10, Hahnen pr. Stüri X 0,60—1,00, Enten pr. Stück X 1,60—2,CO, Gänse pr. Pfunr X 0,60-0,60, Ochsenfleisch pr. Pfd. 66-74 4, Kuh- und Rindfletss pr. Pfd. 60-66 H, Schweinefleisch pr. Pfd. 64 bH 72 4, Schwetv: fletsch, gesalzen, pr. Pfd. 67 A, Kalbfleisch pr Pfd. 60-64 4 Hammelfleisch pr. Pfd. 50—66 4, Kartoffeln pr. 100 Kilo 5,00 Hf 5,00 X, Weißkraut pr. Stück 0—00 Zwiebeln pr. Eentnr» 6,00—0,00 X, Milch pr. Lite. 16 4
Herzog »on Loburg verliehe» worden. Beide Drcoratione» wurden Ihm gestern in feierlichem Acte im Hoftheater-Fohrr durch die Herren Hoftheaterdirector Werner dezw. Labtnet»- rath Römheld Überreicht. Ersterer hielt eine die Verdienste Winter» um da» Institut hervorhebeude An« spräche, worauf dieser in längerer Rede dankte; Namru» der Solomitglieder sprach Herr Hofschauspieler Wagner. Zu dieser Festlichkeit hatten, wie üblich, Solomitgltedrr, Ber- waltung, technische» Personal und Chor gleichmäßig ihre Ber- treter entsandt^ eine Deputation hatte Herrn Winter von Hause abgeholt. — In den letzten Feiertagen uhb noch jetzt waren wieder Specialitätentheater- Aufführungen iw O rp h c u m, doch glaubt man nicht, daß da» Institut, das fich al» Bedürft niß für das wesentlich größer gewordene Darmstadt der letzten Zeit herauSgestcllt hat, infolge der Beschränkung der Spirl- zett auf vier Tage der Woche weiterbesteheu kann.
Zwingenberg, 3. Januar. Heute Abend sti-ßen bei Zwingenberg zwei Güterzüge (Nr. 341 und 342) zusammen, wodurch eine größere Anzahl Wagen entgleiste. Die Gleise waren iofolgedeffen auf einige Stunden unfahrbar. Die Reisenden des Basel-Berliner O ZvgeS, der in Frankfurt 8.55 Nm. abgeht, mußten von Darmstadt aus mit einem Donderzuge nach Frankfurt befördert werden, um Anschluß «ach Berlin zu erhalten. Der Materialschaden soll ziemlich bedeutend sein.
Dermiföfe*'
• Marburg, 3. Januar. Der Herausgeber der ^Ober- hessischen Zeitung", UniverfitätS-Buchdruckereibefitzer Johann August Koch, tst heute früh gestorben.
* Niedermendig, 2. Januar. Beim NenjahrSan- schießen tödtete ein 19jähriger Braubursche einen alteren Arbeiter durch einen Revoloerschuß in die Seite Der Thäter wurde verhaftet.
* Die Ueberlegevheit der Frauen bei» Ertragen von Operationen ist vielfach behauptet, aber erst kürzlich durch Statistik sicher festgestellt worden. ES handelt fich dabei nicht nur um ein leichtere- Ertragen von Schmerzen, sondern um den Erfolg der Operation überhaupt. Die Statistik hat alle bekannt gewordenen Fälle über den Au-gang der schwersten Operation gesammelt und nach dem Alter, dem Geschlecht und der Nationalität de- Patienten, sowie nach dem „chirurgischen Temperament" und der Erfahiung de- operirenden ArzreS unterschieden. WaS nun den Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern betrifft, so ist eS schon längere Zeit bekannt, daß der Bauchschnitt von deu Frauen beffrr ertragen werde al- von den Männern, auch wenn letztere sonst von kräftiger Körperbeschaffenheit find, z. B. bet Feldarbetterv. J.tzt hat man auch die Erfnlge der Pylorlktomie (Operation deS Magenausgange») und der „Gastroentorostomte" auf ihren Erfolg bei den verschiedenen Geschlechtern geprüft. Bon 117 Operationen bei Männern betrug die Sterblichkeit 54 pCt., bei 96 Operationen von Frauen nur 35 pCt. für die Gastroentorostowie- bei der Phlorektomie starben von 70 Männern 64,3 pCt. und von 140 Frauen nur 52,8 pEt. Man hat diese größere Wider, standsfähtgkett der Frau durch verschiedene Ursachen erklären wollen. So nimmt man an, daß dte Frauen »eist tn einem weviger vorgeschrittenen Stadium der Krankheit operirt werden als die Männer. Dazu kommt, daß dte Frauen durchschnittlich eine weniger regelmäßige Arbeit zu thun haben al» dte Männer und infolgedeffen einen ärztlichen Rath früher nachsuchen, während die Männer häufig erst im Zustande völliger Erschöpfung fich zur Aufgabe ihrer Thätig. keit entschließen. Durch dte Erklärung aber läßt fich doch die Thatsache nicht leugnen, daß die Frauen auch große Schmerzen beffer zu ertragen vermögen al» da- ^starke" Geschlecht.
* Die Tauben bei MarcußplaheS. Wer Venedig ge> ehen hat, kennt auch die Schaaren von Tauben, die tagsüber den MareuSplatz so anmuthig beleben und mit Einbruch der Dunkelheit ihre Nester tn den Nischen und Dachll ken der Procuratten aufsuchen. ES ist ein beliebter Zeitvertreib, man könnte fast auch sagen: eia zur Pflicht gewordener tSrauch der fremden Besucher von Venedig, den Tauben Futter zu streuen, fie anzulocken und so vertraulich zu machen, raß sie aus der Hand freffen, ober fich auf Kopf und Schultern niederlaffen- Damen und Kinder, von Tauben umflattert, !>ilden eine stehende, mannigfaltig wechselnde Staffage des Platzes. Wa» dte Tauben von S. Marco treiben und wovon fie leben, ist offenkundig- aber mancher Fremde hat wohl schon vergeblich dte Fcage gestellt, wem fie gehören. Vielfach wird angenommen, fie feien herrenloses Gut, und der Gedanke liegt nahe, wenn man die Tauben in ihrer völlig ungebundenen Freiheit fieht. Aber da» ist nicht richtig, vielmehr tst da» Etgenthum»recht auf die Tauben ausdrücklich und gerichtlich der Gemeindeverwaltung von Venedig zuerkannt. DtrS geschah erst neuerdings wieder durch ein Urtheil des CaffationShofeS, der höchsten richterlichen Instanz in Italien, und zwar aus folgendem Anlaß: Vor einigen Monaten haben zwet junge Leute mtt KlintenschÜffen vier Tauben des MarcuSplatze» getödtet, und der Prätor, der Richter für kleinere Sachen, verurthetlte dte Thäter zu je drei Tagen Haft und 10 Lire Entschädigung, indem er dte Tauben als Eigenthum der Gemeinde ansah. Dagegen legten dte beiden Berurthetlten Berufung ein und suchten die Auffaffung durchzusetzen, daß die Tauben wild und keinem B'.fitzer gehörig, folglich auch für Jedermann jagdbar seien. Aber der Appellhof bestätigte da» Urtheil de» PrätorS, und als sich die Taubenjäger auch dabet nicht beruhigen wollten, mußte fich der CaffationShof ebenfalls mtt der Frage bc» schäfrtgen und entschied endgültig übereinstimmend mtt den vorhergehenden Instanzen.
* Kaserueohofblüthe. Wachtmeister (zum Soldaten, der beim Retten da» Pferd ängstlich umhalst): „Mrter, machen Sie doch Ihre Köchin nicht eifersüchtig!"
* büßholzraßplerei. „Wenn gnädige» Fräulein Eva
Neueste Nachrichten.
Depeschen deS Bureau „Herold".
Berlin, 4. Januar. Die chrtstlick-sociale Partei feierte gestern Abend im Eiskeller ihr 20jäbrigeS Stiftung», fest. Dasselbe war nach einem Berichte der „Staatsbürger- zettung" von etwa 2000 Personen besucht, darunter Hofprediger a. D. Stöcker, Professor Adolf Wagner und viele Pastoren. In einer längeren Rede warf Stöcker einen Rückblick auf da- Erreichte und ermahnte im neuen Jahre zur neuen Arbeit.
Berlin, 4. Januar. Die morgen anstehende Berhand- lung in dem DiSciplinarversabren gegen den Ertminalcommissar v. Tausch dürfte einen ganzen SitzungStag ausfüllen. DaS Verfahren ist nicht öffentlich. Zeugen find zur Verhandlung nicht geladen. Rechtsanwalt Schwindt wird Tausch vertheidigen.
Wien, 4. Januar. An der gestrigen Besprechung mit Baron Gautsch nahmen nur die deutsch-fortschrittlichen Abgeordneten tdeil. Die Berathnug soll auf ausdrücklichen Wunsch der Leitung der deutschen volkSpartei statt- gesunden und einen unverbindlichen Eharacter getragen habe». Bon beiden Seiten wurde über den Verlauf Stillschweigen zugesagt, doch werden die deutsch-böhmischen Vertrauen»- männer und die übrigen deutschen Abgeordneten über da» Ergebniß der Berathungen am nächsten Samstag in Prag berichten. Die Eröffnungen Gautsch» sollen keinen ungünstige« Eindruck hervorgerufen haben. Sie betreffen, wie verlautet, eine Action der Regierung bezüglich der Sprachenfrage i« böhmischen Landtage.
Budapest, 4. Januar. Ju der politischen Situation ist keine Aenderung eingetreten. Man glaubt, annehmen zu dürfen, daß die äußerste Linke längstens übermorgen die Obstrnction aufgeben wird, woran dann die Generaldebatte über das Ausgleichs Provisorium anschließen wird.
Rom, 4 Januar. Bei der feierlichen Eiöffnung der diesjährigen Session des obersten Gerichtshöfe» sprach sich der GrneralstaatSauwalt Pascale über die Agitation der Klerikalen sehr scharf au».
Paris, 4. Januar. Die Entscheidung Saussier», wonach da» Kriegsgericht Über den Fall Esterhazy abermals geheim verhandeln soll, erregt allgemeine Enttäuschung, da hiervon keine Lösung der vielen Räthsel erwartet werden kann. Jedensall» steht die Sache ber DrehfnS-Partei ungünstig. Die Wieberwahl Schaurer» al» Vicepräfident beS Senats ist gefährdet.
Nizza, 4. Januar. Im Laufe diese» MonaiS wird der Zarewitsch und da» griechische Kronprinzenpaar hier erwartet.
Madrid, 4. Januar. Die Wehler-Affaire n<mwt eine seltsame Wendung. E» scheint sicher, baß General Wehler den Zeitungen durch Mittelspersonen die Protestschrift zukommiU ließ. Die Verfolgung wird dadurch erschwert, ba-ß Wrhler dem Senat angehört, da» Parlament jedoch noch nicht aufgelöst ist und ernste Schritte daher erst nach erfolgter Kammerauflöfnng möglich werden. Mit Weyler» Protest« schrift erscheint thatsächlich die Aera der Pronunciamento» wieder eröffnet.
Kairo, 4 Januar. Mehrere englische Offiziere, welche die englische Expedition begleiteten, kamen zurück, weil fie befürchten, daß baß schlechte Klima für die Truppen ein mörderisches sein werde.
A Seidenstoffe HMD
1---- von Elten & Keussen, Ä» Crefeld.


