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5.1.1898 Erstes Blatt
 
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Nr. 3 Erstes Blatt, Mittwoch den 5. Januar 1898

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Bekanntmachung,

betr. Viehmarkt zu Gießen.

Wegen der zur Zeit in Gießen herrschenden Maul- und Klauenseuche wird der am 11. ds. Mts. vorgesehene Viehmarkt hiermit untersagt.

Gießen, den 4. Januar 1898.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

die Rachsuchung der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst auf Grund von Schulzeugniffen betreffend.

Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Cchulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst nachsuchen wollen, werden hierdurch auf die nachfolgen­den, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvoll­ständige Gesuche ohne Weiteres zurückgegeben werden.

1) Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs- Commission nur dann einzureichen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum gestellungs­pflichtig ist, d. h. seinen dauernden Aufent­haltsort hat.

2) Die Berechtigung zum einjährig-fteiwilligen Dienst kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jahres nachgesucht werden, in welchem das 20. Lebensjahr vollendet wird.

Der Nachweis der Berechtigung zum ein­jährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April desselben Jahres zu erbringen. (Wenn z B. mit Rücksicht auf das Lebens­alter die Einreichung des Gesuchs nicht weiter hinaus­geschoben, das vorschriftsmäßige Schulzeugniß aber erst am Schluffe des Schuljahres ausgestellt werden kann.) In solchen Fallen ist in dem Gesuch anzugeben, daß das Schulzeugniß bis 1. April nachfolgen werde.

3) Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbstgeschrieben sein und ist hierzu ein Bogen in Actenformat (nicht Briefpapier) zu verwenden. Auch ist die nähere Adresse anzugeben.

4) Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:

a) Geburtszeugniß;

d) Einwilligung- - Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereit­willigkeit, den Freiwilligen während einer ein­jährigen actioen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrig­keitlich zu bescheinigen;

c) ein Unbescholtenheitszeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Real­gymnasien, Ober-Realschulen, Progymnasien, Real­schulen, Realprogymnasien, höheren Bürgerschulen und sonstigen militärberechtigten Anstalten) durch den Director der Anstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit oder ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist;

d) das Schulzeugniß.

Sodann wird noch besonders bemerkt:

Zu pos. b: daß in dem Einwilligungs-Attest die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein muß.

Zu pos. d: daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Reifezeugniffe für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen und Reifezeugniffe für die Prima der Gymnasien, Realgymnasien und Ober-Realschulen, sämmtlich nach Muster 18 zur Wehr - Ordnung vom 22. November 1888 Reg. - Bl. Nr. 27 von 1894 ausgestellt sein müssen.

Uebrigen wird auf die Bestimmungen der SS 88, 89, 90, 93 und 94 der angeführten Wehr-Ordnung verwiesen.

Großh. Prüfung« - Commission

für Einjährig-Freiwillige zu Darmstadt.

Der Vorsitzende:

Dr. Kayser.

Französische Friedensversicherungeu.

Au» verschiedenen Gründen widmen wir den von der Seine kommenden öffentlichen Kundgebungen unser ganz be­sondere» Interesse, und jedesmal am NeujahrStage, wenn der Präsident der französischen Republik auf die Ansprache de» Doyen» de» diplomatischen Corps erwidert hat, dringt un» der Telegraph den Wortlaut dieser Erwiderung. Früher fanden auch am Berliner Hofe derartige Kundgebungen, in denen gewöhnlich ein kurzes Bild über die internationale politische Frage geboten wird, beim Empfang der Generalität statt; diese Gewohnheit ist aber schon seit mehreren Jahren außer Gebrauch. Dagegen läßt es sich Felix Faure auch jetzt noch nicht nehm-n, s ine Ansichten über die Weltlage beim Empfange der Botschafter darzulegen.

Der diesjährige NeujahrStag hat den Franzosen eine große Freude gebracht, indemVäterchen" in Petersburg ihrer gedacht hat. Wir haben schon dr» Oefteren ausgeführt, daß die schwärmerischen Gefühle, welche die Franzosen für Rußland hegten, sich stark abzukühlen begannen, da man immer mehr an dem positiven Werth der vom Zaren ver­kündigten Allianz der beiden Länder zweifelte. Und e» liegt im Interesse Rußlands, jene Gefühle warm zu halten- denn, wie wir wissen, find die ostastatischen Dinge in der Ent­wickelung begriffen, wobei es Rußland nur angenehm sein kann, einen Bundesgenossen hinter sich zu wissen, auf den e» unter allen Umständen zählen darf, und dann braucht da» Zarenreich viel Geld und möchte fich zu diesem Zwecke auch künftig den französischen Markt offen erhalten sehen. Man kann es daher verstehen, daß der Zar den Franzosen wieder einmal eine kleine Liebenrwürdigke^r sagen ließ, umsomehr, al» er weiß, wie bescheiden sie in dieser Beziehung find und wie fie ihm jede Kleinigkeit hoch anrechnen. Biel war eS ja nicht, waS Nicolaus II. dem Prästoeaten Faure darbrachte, eine Höflichkeit, die durch die Lage der Sache geboten schien und in den überschwänglichen Gefühlen, welche die Franzosen im Laufe de» ve'flossenen Jahres dem Zaren gezeigt hatten, ihre Begründung findet. Der Zar müßte ja ein Barbar sein, wenn er nicht durch die Sympathiekundgebungen feiner fran­zösischen Verehrer gerührt geworden wäre. Im Allgemeinen ist der Inhalt de» NeujahrSgrvßeS an Faure und dessen Er­widerung von keiner besonderen Bedeutung. Eher hat hierauf Anspruch die Entgegnung Faure» auf die Ansprache der Bot- schafter am NeujahrStage, nachdem der päpstliche Nuntius im Namen de» diplomatischen CorpS versichert hatte, daß alle Souveräne und Staatsoberhäupter für den Frieden seien. Da'auf erwiderte der P>ästdrut m!t so zuverfichtlichen Aus­drücken seiner Ueberzengung, daß der Friede erhalten bleiben werde, daß euch der ärgste Pessimist versucht werden müßte, diesen süßen Klängen Gehör zu schenken. Interessant ist die Entgegnung FaureS auch insofern, als daraus hervorgehr, daß der europäische Friede im letzten Jahre arg gefährdet war, denn Faure spricht von schweren Prüfungen, trotz welcher der allgemeine Friede intoct geblieben sei. Wir wissen ja bereit», daß Faure die Orientkrise des letzten Jahres im Auge hatte, im Laufe deren Erledigung die Einigkeit der Mächte in Trümm.-r zu gehen drohte, da einzelne derselben ihre Sonderinterrssen zu hoch stellten. Es gelang freilich doch, das Schlimmste hiatanzuhalteu und den offenen Aut- bruch von Feindseligkeiten zu verhindern, da alle Mächte ein großes Interesse an der Erhaltung de» allgemeinen Frieden» haben. Dies berechtigt auch Faure zu der Hoffnung auf eine weitere einmülhige Hingebung der Regierungen und der Völker für die Sache der Eintracht und des friedlichen Fortschrittes. Und wenn er mit den Worten schloß, daß daS neue Jahr unter günstigen Ausp'zien beginnt, so kann die» als eine in den maßgebenden europäischen Kreisen sich allgemein wieder- sptegelndr Ansicht betrachtet werden.

ES ist eine wir möchten sagen Gewohnheit». Meinung, daß der Friede am meisten durch Frankreich ge­fährdet ist, da diese» jede passende Gelegenheit beim Schopfe ergreifen möchte, um an Deutschland Revanche zu üben, für die im Jahre 1870 erlittenen Niederlagen. Aber eS ist be­kannt, daß diese Revanchelust fich schon stark abzukühleu be­ginnt, umsomehr als Frankreich einsehen gelernt hat, daß eS für seine Idee in Europa auf keine Unterstützung rechnen kann. Deshalb dürfen wir annehmen, daß die Friedens- Versicherungen des Präsidenten der französischen Republik ernst gemeint find und fich anschließen an die Kundgebungen, welche am Renjahr»tage an anderen Politischen Eentren Europas gemacht worden sind. Sie tragen bei zur Beruhigung und zur Kräftigung von Handel und Verkehr. (XX)

Deutsches Reich»

Darmstadt, 3. Januar. Der freifinnige Landtag»« abgeordnere für den dritten Wahlbezirk der Provinz Rhein­hessen, Pitthau in Zotzenheim tu Rheinhessen, ist gestern gestorben.

Berlin, 3. Januar. DerPost" zufolge hat der Kais e r beim Neujahrsempfang der Botschafter keine allgemeine An­sprache gehalten. Er hat die Herren einzeln, den Grafen Lanza an der Spitz«, begrüße.

Berlin, 3. Januar. Nach einer parlamentarischen Corre- spoudenz verlautet, daß der Kaiser die Abficht hegt, die Eröffnung de» preußischen Landtage» in Person zu vollziehen.

Berlin, 3. Januar. Der Kaiser nahm heute früh um 9 Uhr den Vortrag de» Chef» de» Eivilcabinet» und später die Borträge des StaatSsecretärS Tirpitz und des Contre- adwiral» v. Senden-Bibran entgegen. Hierauf empfing der Kaiser den Erzbischof v. StablewSki.

Berlin, 3. Januar. Die Kaiserin ist auf» Neue au einem Jvfluenza-Aufall erkrankt. Auch Priu; Eitel Fritz ist, wie derBerl. Localanzeiger" meldet, zur Zett unpäßlich.

Berlin, 3. Januar, vom Präsidium des Reichs­tage» haben Präsident Freiherr v. Buol und der zweite Blcepräfiüeut, Spahn, am NeujahrSempfaug bei Hofe theilgenommeu.

Berlin, 3. Januar. Nach dem umgearbeiteten Entwurf eine» Gesetzes über die ärztlichen Ehrengerichte soll der EhrengertchtShof, wie diePost" meldet, sechs Beisitzer haben, von denen vier Seiten» der Aerztekammern und zwei von Seiten der Behörde gewählt werden. Alle, auch die letzten zwei sollen dem Ehrengericht-Hofe selbst unterstehen. Drr neue Entwurf wird in den nächsten Tagen dem Aerzte- kammer-AuSschuß zugehen.

Berlin, 3. Javuar. Die ReichltagScowmisfion zur Vor­bereitung drS Gesetzentwurf» betreffend das Wiederauf­nahmeverfahren fretgesprochener Personen ist zum 12. Januar eiuberufeu worden. Au demselben Tage wird die andere Commission zur vorberathung de» Gesetz­entwurf» betreffend die Angelegenheiten der freiwilligeu Gerichtsbarkeit ihre zweite Lesung beginnen, nachdem die Redactionkcommisfion am 11. d. Mt». getagt und die zweite Lesung vorbereitet haben wird.

Berlin 3. Januar. DieNordd. Allgem. Ztg." führt au», daß eS bei der Verstärkung de» Fonds für An- siedelung»zwecke in Posen und Westpreußen um hundert Millionen nicht darauf abgesehen sei, den polnisch redenden Preußen ihre Muttersprache zu nehmen- sie sollten vielmehr nur dazu angrhalten werden, auch deutsch zu lernen, überhaupt in den Stand gebracht werden, alle Bedingungen zu erfüllen, die von jedem preußischen Staatsbürger erfüllt werden müssen. Energisch und consequent werde jenen grobpolnischen Bestreb­ungen entgegengewirkt werden müssen, die namentlich in letzrer Zeit fich darin zeigten, daß man polnischerseit» die völlige Scheidung zwischen der polnischen und deutsch redenden Be­völkerung derart durchführen wollte, daß polnisch sprechende Staatsbürger durch Vereine und sonstige Veranstaltungen für den Verkehr mit den Deutschen gänzliche Absonderung beob­achten.

Berlin, 3. Januar. DemLocal-Anzeiger" wird au» FriedrtchSruh gemeldet: Von einer Sette, die mit den Verhältnissen als vertraut zu erachten ist, wird bemerkt, daß Fürst Bismarck Wasser in den Füßen habe. Dieser Annahme wird freilich von ärztlicher Seite lebhaft wider­sprochen. Geheimrath Schwenntnger meint, daß die Krankheit einen normalen Verlauf nimmt. Der Fürst verläßt den Rollstuhl nicht.

Berlin, 2. Januar. Die beiden nach Ostasien bestimmten Kreuzer werden bereit» am Mittwoch in Port Said er­wartet und sollen dann am Donnerstag die Reise durch den Suezcanal antreten.

vrettan, 3. Januar. DerBreslauer Generalanzeiger" meldet: Nachdem die Stadtverordnetenversammlung bereit» in einer früheren Sitzung die Errichtung eines städtischen Mädchen-Gymnasium» beschlossen hat, genehmigte die­selbe heute den vom Magistrat vorgelegten Lehrplan der Lehreinrichtung, sodaß, die Genehmigung der höheren Instanzen vorausgesetzt, der Eröffnung de» ersten deutschen städtischen MädchengymnafiumS am 1. April 1898 in BreSlau nicht» im Wege steht.

Leipzig, 3. Januar. Da» Reichsgericht verwarf die Revifion de» Redacteur» Stentzel vomHamburger Echo", welcher wegen Beleidigung de» Königs der Belgier