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4.12.1898 Fünftes Blatt
 
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fit. 285 Fünftes Blatt. Sonntag -en 4. Teccmber

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Gießener Anzeiger

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General-Anzeiger

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Anits» und Anzeigeblatt für den Kreis Giefzen.

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Gratisbeilage: Gießener Familienblatter.

Politische Wochenschau.

Der Kaiser ist nun auch in die Rc»ch»hauptstadt wieder lmgezogen und begeistert empfangen worden. Die Hoff­nungen pnd Erwartungen, welche sich au dir Palästtnaretse köpfen, haben neue Nahrung erhalten durch die Worte, die kr Monarch au den Bürgermeister Kirschner richtete:6i lofft von seiner Reise, daß fie beitragen werde, deutscher Lhatkraft und Umficht neue Absatzgebiete zu schaffen und den Krtedru zu festigend Unsere Industrie, welche in so «äch- tiger Entwickelung ist, kann diese neuen Märkte wohl ge- stauchen, und wir wollen deshalb voa ganzem Herzen «Luschen, daß die Erwartungen voll in Erfüllung gehen lögen.

Die Erörterungen über den Fall Lippe haben auch tm hilft der letzten Woche ihre Fortsetzung erfahren, jedoch ist roch nicht» Entscheidende» zu Tage grsördert wordeo, die sngelegenheit hängt nach wie vor tu der Schwebe. In ver- stuiuug mit dieser Sache war dem Ehes de» Eivileabiuet» Herrn v. Lueanu» Amtsmüdigkett zugeschrteben worden, doch scheint diese noch nicht io intensiv zu sein, daß der Genannte ton seine« Amte zurücktreten wird. Wenigsten» werden alle iarauf htozielenden Nachrichten osfieiö» für unbegründet er- Mit, was freilich nicht au»schließt, daß trotzdem der Rücktritt fch vorbereitet.

Auf de« U«wege über München find In der letzten Sache eine Reihe von Positionen de» Retch»etat» in die Ö ffentlichkeit gelangt- weshalb zu dieseu Publikationen nicht strRrichsanzelger" benutzt wird, bleibt nach wie vor uu- ustadlich.

Ein englische» Blatt bringt die Meldung, daß Deutsch- knb beabsichtige, die Saroliueu-Iaseln zu erwerben, u« welche vir bekanntlich früher ein«al in Fehde «it Spanten ge mhen waren. Daß die Nachricht über London kommt, ist v und für sich schon verdächtig, und fie scheint nicht» weiter p sein, al» ein an»gestrrckter Fühler.

Die unangebrachten Aenßerungen de» Bräsen Thun pbm der Preffe viel Stoff zu Erörterungen. Daß fie aber vftre Beziehungen zu Oesterreich kau« trüben werden, gcht daran» hervor, daß da» Regteruugsjubiläu« de» Kaiser» ßronz Josef auch bet un» tu Demschlaud in herzlichster Leise begangen worden ist. wehmüthtgrn Herzen» ,st aller Orten de» greisen Monarchen gedacht worden, deffen Jubelfest h so entsetzlicher Weise gestört worden ist.

Die Angelegenheit Ptcquart hat dem französischen Aivtstertu« Dupuy ein große» Bertroueusvotum eingetragen, ^rrtzdem steigen die allgemeinen Sympathien für den tapferen vbtrsten welcher nun schon so lange in Untersuchungshaft stwacheet. Betreffs der Drehsusoffaire find die verhand- tagen des Safiationshofts noch nicht zum Abschluß gelangt- iqh gewinnt aber immer mehr da» Vertrauen, daß die llniersuchung streng nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit ziftihrt wird.

Die kretenfische Frage geht ihrer Lösung jetzt mit stigsenschrttten entgegen. Nanmehr hat auch die Notifikation hc Einsetzung de» Prinzen Georg von Griechenland zum gstllvernenr der Insel in Konstantinopel stattgefunden. Seine ,Welle Zustimmung dürste der Sultan kaum geben, sondern iie Einführung de» Prinzen tu sein Amt wlderstaud»lo» ge­sehen laffen.

Englisch-französische Differenzen machen sich b Ostafien bemerkbar betreff» de» Jang tse-kiang-Thalr». t» ist nicht unmöglich, daß e» dtrserhalb zu diplomatischen toten kommen wird.

Roch wenige Tage trennen uns von der Eröffnung its Reichstage». Dann erst wird die Politik voll in itr Recht treten, und der Kampf der Parteien wird beginnen, hoffen wir, daß derselbe stet» nur sachlich geführt werden löte, wie es da» Jnter-ffe de» Vaterlande« bed'ngt. (xx)

Verrliche» «eich.

2. Decemder. Zu der gestrigen Frühstückstafel Itte Kaiferpaar war der Botschafter in Washington, 6. Holleben und der Gouverneur von Ostasrika, Ltebert, ge- loden. Nachmittag» empfing der Kaiser den österreichischen Botschafter, der i« Auftrage de» Kaiser» von Oesterreich ihm de JubiläumS-Medallle überreichte. Zur Abrudtafel bei« Liier waren u. A. der Gouverneur von Berlin, Graf Wedel, Gtaatsftcretär v. Bülow geladen.

Berlin, 2. Deeewber. DieNordd. Sllge«. Ztg." hrstättgt, daß die zwischen den R'gterungeu der demschen knvdesstaaten gegenüber der Anarchist en-Gefahr ge» suffeuen einheitlichen Maßnahmen gestern ta Kraft ge smm find.

Ibrtfft fflr Drprschku: >e|«<<tt Ei«g«N.

Ferusprecher Re. M.

Berlin, 2. Deeember. Der al» Agitator bekannte Anarchist Dempwolf Hierselbst wurde auf seiner Arbeit»- stelle verhaftet, augrblich »eil er In einer Versammlung»»ebe die Polizei beleidigt hat. Die in Hannover stattgehabten Hau»fuchungeu und Verhaftungen von Anarchisten sollen mit der Angelegenheit de» in Hamburg verurtheilteo Anarchisten Oldenburg zusammeuhäogeu. Oldenburg war, ehe er nach Hamburg kam, in Hannover ansäsfig.

Berlin, 2. Deeember. Bei de« Reichskanzler Fürst Hohenlohe findet Montag den 6. Deeember ein Diner statt, zu de« die Minister, die Staatssecretäre und die Be­vollmächtigten zum Bnndesrath geladen find.

Berlin, 2. Deeember. Die neue Militär - vorlag e soll tm Ganzen etwa 28 Millionen Mark an dauernden Aus­gaben erfordern, für Preußen etwa 20, für Sachsen 4, Boyern 3 und Württemberg etwa eine viertel Million. I« Etat für 1899 dürfte etwa nur der vierte Thetl eingestellt werden, während der Rest auf die folgenden vier Jahre verthetlt werden dürfte. Ebenso sollen von den einmaligen Ausgaben, die für die Mtlitär-Eonttageote auf etwa 183 Mill. Mark sich belaufen dürften, zunächst etwa nur der dritte Theil In Ansatz gebracht werden.

Berlin, 2. Deeember. Der Bundesrath hat in feiner letzten Plenarsitzung folgende Entwürfe zu« Reichs­haushalt für 1899 genehmigt: betr. da» Auswärtige Amt, die Reich»druckerei, die Verwaltung de» Relch»heere» (mit einigen Senderuvgen), dir Verwaltung der kaiserlichen Marine (mit einigen Aeudernngen), die Verwaltung de» Gouvernement» Ktautfchou, dir Reichspost- und Telegraphen-Verwaltung, die Verwaltung der Eisenbahnen (mit einigen Aenderuugrn) and den allgemeinen PensionSfond». Den zuständigen Ausschüssen wurden Überwiesen die Gesetzentwürfe wegen Feststellung de» Reich»han»halts für 1899, wegen Aufnahme einer Anleihe für die Zwecke der Verwaltung de» Reichsheere», der Marine vnd der Retchseisenbahnrn und wegen Verwendung Über­schüssiger Reich»etnnah«eu au» dem Rechnungsjahr 1899 zur Schuldentilgung - ferner die Ueberfichten über die E nnahmen und Ausgaben der Schutzgebiete für 1896/96, 1896/97 uod 1897/98, der Entwurf von Bestimmungen über die Samm­lung voa Saatenstaod»- und Erntenachrichtrn und der Ent­wurf von Grundsätzen für die Besetzung der Sabalteru- und Unterbeamtenstelleu bei den Lommunaibebörden u. s. w. «it Militäranwärtern. Dem Entwurf eine» Gesetzes wegen Fest­stellung de» Hau»halt» für die Schutzgebiete auf da» Rech­nungsjahr 1899 wurde die Zustimmung ertheilt und schließlich üaer eine Ruhe von Eingaben Belchiuß gefaßt.

Berlin, 2. Deeember. Sehalt»auf besserun g der unteren Reich»b eamten. I« Reichshaushalt»- Entwurf für 1899 Ist al» Ergänzung der im Vorjahr bereit» durchgeführten Gehalt»aufbefferungrn Folgende» vorgesehen: Den Brschlüffen de» Reichstag» wegen E.Höhung de» End- gehalt» der Landbrtefträger von 900 auf 1000 Mk. und wegen Erhöhung de» Aufangssotze» in der Poftschaffnerklaffe auch für die feit dem 1. April 1896 Angestellten von 800 auf 900 Mk. hat der Bundesrath für 1899 bereits zngestiwmt. Gleichzeitig find nun auch in ollen veiwaltungeu statt der Gehälter von 700 bi» 900 Mk., wie bet den Land- briefträgern, solche von 700 bis 1000 Mk. und statt der mit 800 Mk. beginnenden Uaterbeamteugehälter überall mit 900 Mk. beginnende Stufenfolgen vorgesehen. Bet den Reichsrisenbahoen treten für den fehlenden penstovsfähigeu Wohnung»geltznschuß 120 Mk. hinzu. Gleichmäßig werden verschiedene Uoterdeamtenfiellungen, die wegen erforderlicher besonderer Schulung oder Befähigung schon j'tzt mit etwa» höheren Gehältern au»gestattet find, zur Sufveffernng mit vorgeschlagen. Ja einigen Fällen ergab fich auch das Be- dürfniß, Uaterbeamte, die bisher solchen herausgehobeaen Klaffen nicht angehötteu, nachträglich tu diese zu versetzen, da die für ihre Stellungen erforderliche Ausbildung und die Art ihrer Thättgkeit über die verhältniffe einer mechanischen Dienstleistung erheblich hinausgrht. Bet der Post- und Telegraphenverwalwng wird durch Auswerfung widerruflicher Stellenzulagen 6t» zu 300 Mk. für eine solche Heraushebung voa 5000 Stellen gesorgt. Etwaigen Einsprüchen gegen eine solche Gehaltsausb-fferung tgkb mit dem Bemerken ent- gegengetreten, daß es sich htet' um eine Heraushebung von Klaffen handelt, bezüglich deren nachttäglich nnd theilweffe erst nenerdtngs Ungleichheiten bervorgetreren find. Zudem sei die Lcbrasbaltung fett 1890/91 der erstmaligen Unter- beamten«Aufbefferung, geradeta den der lloterbeamtenklaffe nahestehenden Brvö.keruogsschichtea- durch das Steigen der Arbeitslöhne vielfach In die Höhe gegangen Ferner h« fich bei einigen mittleren und höheren Beamten dir Nothwendtg-

kett eine» nachträglichen Ausgleich» thetl» durch dte vermehrten LebenSbrdÜrfntffe, ttzeUs mit Rücksicht auf da» augemeffeue Berhältniß zu anderen Beamteuklaffea oder durch inzwischen eiogetreteve Beräudernngen der dienstlichen Stellung ergeben.

Detmold, 2. Deeember. In der gestrigen Sitzung ber hiesigen Strafkammer wurde der verantwortliche Redacteur ber Ltppe'scheu Tage».Zeitung wegen Beleidigung de» Staat».Regenten von Lippe zu sech» Wochen Festung»- haft verurtheilt. Gegen dieses Urrhetl wird dir Revifion angemeldet.

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Bien, 2. Deeember. Der Retchsraths-Abgeordnete Dr. Max Menger richtete an den Grasen Thun ein Schreiben, tn welchem er erklärte, den ihm verlteheuru Orden der eisernen Krone nicht auuehmev zo können, weil dte An»- zttchnung auf deo Vorschlag de» Mtuistertum» erfolgt ist, gegen welche» er au» nationalen und politischen Gründen in entschiedener Opposttioo stehe.

Snta, 2. Deeember.Daily News" berichten au» Rom, daß der Vorschlag, welcher der Eonfereoz zur Bekämpfung der Anarchisten gemacht worden war, wonach dte Anarchisten wie gemeine Verbrecher von jedem Staate an»geliefrrt werden sollten, aufgegeben worden sei.

Der größte Flaßdampfer Europas. Mau schreibt der Franks. Ztg." au» Köln: Der sür die Fahrt von Aurster- da« nach Mannhetw bestimmte Dampfer, der zur Zeit hier tm Hafen liegt, Ist der größte europäische Flußdampfer. Er führt den RaminAmsterdam 11", wißt In der Länge 86 M»r., tn der Breite 9 Mtr. und hat eine Tragfähigkeit von 976 Tonnen. Er ist aas der Schiffswerft John Sievlt» und van Reede Ehn In Papendrecht bei Dortrecht aus Rech­nung der Amstel-R.ja-Main-Stoomboot-Maatschappij tn i Amsterdam gebaut. Seine vier vawpfkeahue gestatten dte 1 Ent- und Beladung (von 19 600 6tr.) Innerhalb zweier Tage. | Dte zwei Maschinen haben 460 «nbtctrte Pserdekräfte.

Utber den Vertrieb des Bismarck-Werkes wird der Köln. Ztg." au» Leipzig geschrieben: Die Dieu»tag , Morgen erfolgte Aa»gade von BtSmarcksGedanken und ! Erinnerungen" hat Tausende von Händen In Bewegung ge­setzt. Für das große Lommisfionsgeschäft von E. F. Stetn- acker, welche» die Stuttgarter Firma I. G. Eotta hier eommtfforisch vertritt, galt e», dte riesige Aufgabe der Au»- lieferung von 100000 Exemplaren de» mit größter Spannung erwarteten Werke» zu bewältigen, fast die ganze erste Auf­lage. Ja zwei Stunden, von 8 10 Uhr früh, war die riefige Arbeit, ein Gewicht von 1400 (Str., die 14 Eisen­bahnwagen von je 100 Str. füllen würden, hiaau»zugebev, , allerdings mit Aufgebot oller Kräfte, gethan. Dte Mafien- ! ltesernogen gingen an die hiesigen Lommfsfionshäuser, aber ! eine kaum übersehbare Menge Eiuzelpackete wurde außerdem i abgeholt. 600 große Kisten standen vor dem Steinockcr'ichen ; Hanse bereit, sie wurden von acht Rollwagen tn Empfang i genommen. Das Gew cht eines einzelnen Exemplare» der |Erinnerungen" beträgt 2 Kgr. Danach kann man fich da» Gewicht der Gefammtanflage ausrechnen. Ein Thetl davon kann erst tn einigen Tagen beiötdert werden, da es der Dampfbuchbinderei vormals G. Fritzsche nicht möglich war, alle Einbände zu liefern. Neue Bestellungen tnffea In un­unterbrochener Folge ein, so o,h tn aller Kürze eine neue Ausgabe nöthi, sein wird. Es wurden von der Leipziger Buchbinderei-Aetiengesellschaft zur Herstellung der Eiubäade verarbeitet: 1024 Ltr. Pappe, d. f. Ladung von 5 Eisen­bahnwagen gewöhnlicher Giöße, 18000 Mtr. Ealtco, 93 St«, breit, für die Leinen-Ausgabe, 400 große Häute Kalbleder für die Liebhaber-Ausgabe, 86 000 Vogen Goldbrokatvorsatz, für 18600 Mk. echte» Gold und für 1400 Mk Lei«. Zur verarbeituug diese» Material», soweit e» die Einbanddecken betr'fft, brauchte die Gesellschaft 4 Wochen, da» eigentliche E-ndiudku der Bücher wurde in 15 Tagen bewirkt.

Literatur und Kunft

Wie schmücken wir unsere Kirchen würdig au»? Vortrag, ' gehalten auf bet evangellfchen D-canatrspnode zu Friedberg L H. i den 24. Auguv 1898 non Otto Wifftg, Pfarrer ta Bad Nauheim. Leipzig 1899. Friedrich Mryer'S Buchhandlung. Eta kunstver­ständiger, proctischer Rathgeber für Alle, die bei Neubau oder Restaurftung von Kirchen für deren würdigen inneren Schmuck Sorge zu tragen haben.