Nr. 128
Zweites Blatt.
Samstag den 4. Juni
1898
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Amtliche Tbei,
Gießen, den 3. Juni 1898.
Betr.: Reich-tagSwahlen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
au die Grotzh. Bürgermeistereieu und Wahl-
Borsteher des Kreises.
Wir ertheilen Ihnen bezüglich de» Abschlüsse» der Wählerlisten folgende Weisungen:
a. Die beiden Exemplare der Wählerliste, welche im Falle von Streichungen und Nachträgen infolge erhobener Einsprachen in Ueberetnstimmung gebracht werden müssen, ftnd am 9. Juni 1898 unter Unterschrift der Großherz"zlichen Bürgermeisterei abzuschließen.
Auf dem für den Wahlvorsteher bestimmten Exemplar ist nach Vorschrift der Anmerkung auf pag. 4 deS Formular» «ach dem Worte: „Abgeschloffen" der Zusatz:
„mit der amtlichen Bescheinigung, daß da» gegen« wärtige Exemplar mit dem Haupttxemplar der Wählerliste völlig übereinstimmt"
blizufügen.
b. An dem nämlichen Tage (9. Ium) ist ferner von den Großherzogltcheu Bürgermeistereien auf beiden Exem« plaren der Wählerlisten die auf pag. 4 deS Formulars am Schluffe abgedruckre Bescheinigung nach vorherigem Eintrag der Worte: „Vom 19. bi» zum 26. Mai 1898" und nach Ausfüllung des Dalums zu unterzeichnen.
Auf dem für den Wahlvorsteher bestimmten Exemplar ist nach Vorschrift der Anmerkung (Absatz 2) auf pag. 4 de» Formular» die Aeuderuug der Worre: „Die vorstehende Wählerliste" io: „Da» Hauptexemplar der vorstehenden Wählerliste" vorznuehmen.
c. Nachdem die Wählerliste in der bezeichneten Weise abgeschloffen worden ist, darf darin eine Streichung oder Eintragung von Wählern nicht mehr stattfinden.
d. DaS Hauptexewplar der Wählerliste nebst zugehörigen Belegen ist bet den Bürgermeisterei«»«^ sorgsälttgst zu ver« wahren, da» zweite Exemplar dagegen von dem Großh. Bürgermeister, da, wo er selbst Wahlvorsteher ist, zum Zwecke der Benutzung bei der Wahl an sich zu nehmen, andernfalls dem betreffrnden Wahlvorsteher zuzusteüen.
II. Die Wahlvorsteher weisen wir unter Hinweis auf ihre Verantworilichke,t und aus dir Nothwendigkeik der pünktlichen Beobachtung der das Wahlgeschäft betreffenden Vorschriften an:
a. Au» der Zahl der Wähler ihre» Wahlbezirks einen Protokollführer und drei bis sechs Beisitzer, welche aber kein unmittelbare» StaatSamt bekleiden dürfen, zu erveuneu und dieselben spätesten« am 13. Juni 1898 etnzuladen, am Wahltage (16. Juni) zur Bildung deS Wahlvorstaude» so zeitig im Wahllocale zu erscheinen, daß die Wahlhandlung am 10 Uhr Vormittags beginnen kann.
b. Bet der Wahlhandlung selbst genau nach den Dor« schriften in §§ 11 bi» 21 deS Reglements vom 28. Mai 1870 .zu verfahren und über die Wahlhandlung ein Protocoll nach dem mitgetheilten Formular aufzunehmeo.
c. Dieses Wahlprotocoll mit sämmtlichen zugehörigen Schriftstücken, nämlich der Gegenliste, der Wählerliste, welche beide von dem gesammten Wahlvorstaud zu unterschreiben sind, und denjenigen Stimm« zetteln, über welche eS einer Beschlußfassung des Wahlvorstander bedurft hatte, unverzüglich, jedenfalls aber so zeitig au den unterzeichneten Wahl« cowmiffär deS Wahlkreises einzusenden, daß dasselbe spätestens im Laufe deS 19. Juni 1898 in besten Hände gelaugt.
IH. Die Großherzogltcheu Bürgermeistereien werden angewiesen, die Wah ivrsteher auf die vorstehenden Bor« schriften — II — besonder» aufmerksam zu machen, den Wahlvorstehern auch eine Wahlurne, sowie mindesten» drei Tage vor der Wahl ein Exemplar de« Wahlgesetzes (Bunde»« gesetzblatt 1869, Nr. 17) und de» Wahlreglemeut» (Bundesgesetzblatt 1870, Nr. 17) zum Gebrauch und zur Auslegung im Wahllocale zuzustellen.
Mit dem nach unserer vorgestrigen Verfügung bi» zum 10. Juni zu erstattenden Berichte werden die Großherzog!« Bürgermeistereien auch die Anzeige verbinden, daß die vor« stehenden Anordnungen von Ihnen vollzogen find.
v. Gagern.
Gießen, 3. Juni 1898.
Betr.: Die Nebeogeschäfte der BolkSschullehrer.
Die
Großh. Kreis-Schulcommisfion Gießen
au die Schulvorstände des Kreises.
Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 19. Mat l. I». noch nicht uachgekommen find, werden au deren Erledigung erinnert.
___________________v. Gagern.___________________
Regiert Badem noch in Oesterreich?
Am Mittwoch find in der Kaiserstadt au der Donau die Abgeordneten wieder zusammengetreten, um die unterbrochenen Sitzungen von Neuem aufzunehmeu. Die Aussichten für eine gedeihliche Förderung der parlamentarischen Arbeiten find sehr gering, da noch immer der Badeni'sche Beist in Oesterreich das Regiment hat, wenn diese» auch einen anderen Namen annahm und fich in versöhnlichem Ton einführte.
„Graf Badeni ist gestürzt," so jubelte das deutsche Volk Oesterreichs vor einem halben Jahre, um heute bekennen und erkennen zu müssen, daß sein Geist noch fortwaltet, der die Knechtung der Deutschen auf seine Fahne geschrieben hatte, um de» Erfolges willen, den er au der Spitze der Regierung zu erzielen hoffte. Wären e» unberechtigte Wünsche, deren Erfüllung unsere Landsleute in Oesterreich anftreben, wir würden keinen Augenblick zögern, das Verhalten der Deutschen zu verdammen, welches geeignet ist, den österreichischen Staat zu erschüttern und sein Ansehen bedenklich zu schmälern. So aber muß jeder Unbefangene zugeben, daß die Gewährung der deutschen Forderungen seitens der Regierung nicht mehr al» recht und billig wäre, daß die Nothwehr die Deutschen zu ihrem bisherigen Der« halten gezwungen hat und daß man e» verstehen kann, wenn fie nicht eher nachgebea, bis der Kampf zu ihren Gunsten beendet ist.
Badeni war gestürzt und Freiherr von Gautsch trat in die Bresche, der einzige „Deutsche" deS Badeni'schen Eabtuet«. Groß waren die Hoffnungen unserer Landsleute nicht, daß eS besser werden würde, aber immerhin zeigte fich ihnen doch ein Hoffaung» sch immer. Wie sehr fie getäuscht wurden, ist ja bekannt- verlorene Zeit bedeutet da» Interregnum Gautsch in der Geschichte der Deutschen Oesterreich». Es war ein ewige» Experimentiren, trotzdem der Freiherr doch wissen müßte, daß Feuer und Wasser sich nicht mit einander verbinden lassen. Auf ihn folgte Graf Thun, auf den man große Erwartungen setzte, denen er aber nicht gerecht geworden ist. Auch Graf Thun ist ein Deutscher, aber auch er ist noch von Badeui'schem Geiste erfüllt, denn sonst müßten die Deutschen schon einige Erfolge zu verzeichnen haben. Mit großer Spannung hat man s. Zt. der Thun'- scheu Plvgrammrede entgegeugeseheu. Wa» enthielt diese jedoch? Nichts als allgemeine Redensarten, ohne ein bestimmtes Ziel anzudeuten. DaS war schon verdächtig, und Tausende von Deutschen gestanden sich schon damals: „Von diesem Manne haben wir Nichts zu erhoffen." Und in dieser Ansicht haben fie fich tatsächlich nicht getäuscht.
Ganz Oesterreich steht jetzt unter dem Eindruck der Vorgänge in Graz, der alten deutschen Stadt in der Steier- mark, die von jeher eine Hochburg des DeutschthumS und eine Vorkämpferin desselben gewesen ist. WaS bedeutet die Absetzung deS Grazer Gemeinderaths und die Caffation jener Reserveoffiziere, welche an dem Leichenbegängniß des deutschen Arbeiters theilgenommen hatten, der in den letzten Straßen« kämpfen sein Leben eiugebüßt hatte, ander», als einen erneuerter Angriff gegen die Deutschen, als einen Act der Willkür und Ungesetzlichkeit, wie er krasser nicht gedacht werde» kann. Wir vermuthen, daß die österreichische Regierung schwer an den Folgen ihre» Vorgehens zu tragen haben wird, welches kaum wieder gutgemacht werden kann. Und ernstlich sollte man an der leitenden Wiener Stelle erwägen, ob es denn nicht besser wäre, endlich mit dem Badent'scheu System zu buchen, welches den öfterrretchischen Staat tu ein schweres Verbäugniß gebracht hat. __________(xx)
deutscher
Berlin, 2. Juni. Der Kaiser conferirte gestern Vor« mittag mit dem SiaatSseeretär v. Bülow und dem Contre« Admiral Fretherru v. Senden-Btbran. Zur FrühstückStafel waren geladen: Prinz Leopold von Bayern und Prinz Friedrich von Preußen. Abend» besuchte der Kaiser die Vorstellung von Schillers Jungfrau von Orleans Im Schauspielhaus. Hierzu hatte er den französischen Botschafter, Marqui-
de Noaille» und den französischen Militär-Attachü eingeladeu. Um 9Vi Uhr fand die Abendtafel statt, za welcher die genannten Herren gleichfalls geladen waren.
Berlin, 2. Juni. Der Ftnanzmtnister v. Miquel ist nunmehr vollständig wieder hergeftellt. Er hat heute die Geschäfte in vollem Umfange wieder ausgenommen. Der CultuSminister Dr. Boffe hat bereit- heute seine Urlaub»- reise angetreten. Er wird fich zunächst zur Kur auf vier Wochen nach Genf begeben.
Berlin, 2. Juni. Der „Boff. Ztg." zufolge verlautet, daß die Einweihung der Erlöserktrche tnJerusalem am 18. October, dem Geburtstage Kaiser Friedrich» statt« staden wird. Da diese Feier gleich der Wittenberger Feier am 31. October 1892 zu einem großen evangelischen Feste gestaltet werden soll, so werden sammtliche protestantische Fürsten und Kirchen innerhalb und außerhalb Deutschlands hierzu Einladungen erhalten. Sämmtliche Theiluehmer sollen in gemeinsamer Fahrt von der italienischen Küste an die Fahrt nach Palästina antreten. Sie werden einige Tage früher dort eintreffeu als da» Kotserpoar. Die Bethetligung der Kaiserin an der Reise nach Syrien kann nunmehr al» sicher angesehen werden.
Sluslattt»
Rom, 2. Juni. Visconti Venosta, welcher fich gestern vom diplomatischen Eorp» verabschiedete, sagte den Botschaftern Oesterreichs und Deutschland», sie würden an seinem Nachfolger einen treuen Freund und Beschützer der alten Traditionen finden.
Rom, 2. Juni. Die Blätter drücken fich vorwiegend günstig über da« neue Cab in et aus. Der „Optniour" zufolge wird dasselbe nicht daS Parlament herabsetzen, sondern lediglich die Clique zerstören, welche da» parlamentarische Leben verunstaltet. Rudini wird dem Parlament wichtige wirthschaftliche und politische Vorschläge unterbreiten, um eine Wiederholung der Unruhen zu verhindern.
Sharleroi, 2. Juni. Sieben Socialdemokraten, welche am vorletzten Sonntag ein nationale» Banuer ver« brannten, find verhaftet und dem Gericht übergeben worden.
Madrid, 2. Juni. Der Senat hat gestern eine Reso« lution angenommen, worin er seine Genugthung über den Erfolg der spanischen Waffen bei Santiago an-drückt.____________________
Vermischte».
• Kassel, 31. Mai. Die Ursache de» am Pfingstsonntag hier im Bahndreieck am Tannenwäldchen vorgekommenrn Eis en bahnuu falls war ein menschlicher Jrrthum, Nicht- beachtnng eines Signal». Die Uufallftelle ist nicht wett von der der vorjährigen Katastrophe nach der Stadt zu gelegen. Zu dem Fall selbst ist noch Folgendes zu berichten: Die Ueberführung der Güterwagen zwischen dem Bahnhof Caffel° Oberstadt und dem Rangirbahnhof bei Rothenditmold erfolgt durch sogen. Uebergabezüge. Der Betrieb ist eingleisig bet einem Gesälle von 1:80- nur etwa 18 Güterzüge ver- kehren hier täglich innerhalb 24 Stunden. Da» sogen. Uebergabegeletse geht unterhalb de» Wegeüberganges am Tannenwäldchen durch einen Tunnel, über den die Geleise nach Hannover führen. Ein zweites Geleise zweigt fich etwa 100 Meter hinter dem Tunnel nach dem Locomotivschuppeu ab. Die Weiche, die in daS Hauptgelet» einmündet, ist durch einen Signalmast gedeckt, der bei hochgezogenem Arm „freie Fahrt" für eine Maschine aus dem Schuppen anzeigt^ wag« recht steckend bedeutet er „Halt". Ein zweiter Signalmast befindet fich oberhalb de» Tunnel» für die vom Personen- bahnhof kommenden Züge und Maschinen. Für freie Fahrt kann nur ein Signal gezogen werden, sodaß, wenn da» eine Signal gezogen ist, da» andere verriegelt wird. Der lieber- gabezug, der vom Personenbahnhof kam, hatte freie Fahrt, nicht so die aus dem Schuppen ausgelaufene Maschine. Diese überfuhr trotzdem noch da» Haltesignal, schnitt auch die einmündende Weiche auf, worauf sie mit dem Uebergabezug zu« sammeustieß. Der Anprall würde ein noch heftigerer gewesen sein, hätte der Führer des UebergabezugeS Biehmann, nicht noch da- Nothsignal gegeben. Wie schon telegraphisch gemeldet, wurde der jugendliche unverheirathete Heizer Wendt auf der Stelle getödtet, der Führer Vtehmann, welchem das linke Bein amputirt werden mußte, verstarb in voriger Nacht. V. war hier wohnhaft, verheirathet und Vater dreier Kinder. Schwer verletzt ist noch der Führer Eichberg im RUckgrat, die Bremser find mit einigen Verstauchungen davongekommen.
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