Ausgabe 
3.11.1898 Zweites Blatt
 
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Nr 258 Zweites Blatt Donnerstag den 3. November

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Amtlicher Tbeil.

Siebes, 1. November 1898.

Betr.: Den Ruubgang der Kelbgeschworeneo.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

«e die Groffh. Bürgerwetftereieu de- Kreises.

Wir erinnern Sie, soweit S'e noch ifltfüänblg find, an die baldige Erledigung unserer. Brrfügung vom 6. v. Mts. Siebener Anzeiger Ni. 237.

v. Bechtold.

Gießen, den 1. November 1898.

Betr.: Dir Vertilgung der Blutlaus.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Gr. Bürgermeistereien des Kreises.

Einer Anregung des Oderhzss. Obstvauverem» solgeud empfehlen wir Ihnen, die Mitglieder der nach dem Reglement vom 8. Februar 1888 (KreiSblatt Nr. 32) zu bestellenden Towmisfionen bet Sbhaltuug von Vorträgen de» Obstbau«« trchuikerl re. tu Ihren oder benachbarten Gemetudeu an- zuweilen, deuselbeu beizuwohnen und sich über die Obst- davmschLdltuge die erforderliche Belehrung zu verschossen.

v. Bechtold. f

Gießen, den 2. November 1898.

Betr.: Vertilgung bei Frostnachtspanneri.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grosth. Bürgermeistereien des Kreises.

Unter Hinweis auf den Im Abdruck nachstehenden, au« dem Monatsblatt del Oberhessischen Obstbauveretns vom October 1891 entnommenen Artikel beauftragen wir Sie, die Baumbesttzer Ihrer Gemeinden alsbald zur Anlegung von Klebgürteln an den Obstbäumrn öffentlich aufzufordern, sowie an den Gcmeindebäumen auf Kosten der Gemeinde Klebgürtel baldigst anbringen zu lassen. Mitte November b. I. sehen wir Ihren Berichten über ben Vollzug unserer Anordnung mit ber Aeußerung barüber entgegen, inwieweit bie Bvumbesitzer Ihrer Aussorberung entsprochen haben.

v. Bechtolb.

Die Frostnachtspanner.

Einer ber gefährlichsten Feinde unserer Obstbäume, ber Frostnachtspanner, schickt sich wieder an, seine Brut an unsere ObstbLume zu bringen unb baburch jetzt schon die nächstjährige Ernte zu beeinträchtigen. Deshalb ist es nothwendig, daß alle Obstzüchter Hand m Hand gehen und verhüten, daß da» Deibchen seine Eier an die Knospen ber Obstbäume legen kann. Dies«! Weibchen, bas noch in ber Erbe all Puppe ruht, kommt nämlich von Anfangs October bil Mitte November au» ber Erbe. Es ist ein Schmetterling, welcher nur mit Flügelstümmeln versehen ist, also nicht fliegen kann, dafür aber sehr kräftige, lange Beine besitzt, mit deren Hülfe et den Stamm erklimmen und zu den Knospen gelangen kann. Das Männchen dagegen, welche» braune Flügel besitzt, kann fliegen und sucht da» Weibchen während del Marsches am Stamme entlang auf. Gelangt da» Weibchm bann in die Baumkrone, so legt el an bie Knospen seine Eier ab, «nb zwar nicht weniger als etwa 250 Stück. Aul biefen schlüpfen im Frühjahr die kleinen grünen Spannraupen, welche mit der Entwickelung der Blütheu wachsen, sich zwischen einige Blätter und Blüthen einspinnen, um von ba aul die Entblätterung ber Bäume durchzuführen.

Als ber bekannte Pfarrer Christ diese Lebenigeschichte kennen gelernt hatte, reihte er an bie vielen Verdienste, die er sich um den Obstbau Oberhessens schon erworben hatte, noch ba» eine Mittel zur Bekämpfung biese» Feinbel. Er hat zuerst auf Birkenrinde Theer gestrichen unb diese Rinde dann um den Stamm gebunden. In der neueren Zeit mürben erst bie Älebgürtel in Anwendung gebracht, welche in der richtigen Weise und zur richtigen Zett angewendet, da» Er­klettern de» Baume» durch da» Weibchen unmöglich machen. Im Kreise Gießen war diese» Anlegen der Klebgürtel überall ba von gutem Erfolg begleitet, wo el richtig durchgeführt würbe, und wo bie Bäume trotzdem von ber Raupe entblättert würben, waren eben Fehler gemacht worden. Wenn man den Gürtel anlegt, nachdem der Frostspanner oben am Baume ist, oder wenn man ben Leim eintrocknen läßt, oder wenn man fingerdicke Lücken zwischen Stamm und Rmg läßt, daun

darf man nicht der Methode, sondern muß feiner eigenen Gleichgültigkeit die Schuld beimessen. Deshalb wolle man beim \ Anlegen der Leimringe, denen wir recht große Verbreitung wünschen, folgendes beachten:

1. Die Ringe müssen Anfangs October angelegt werden. - 2. Da» Papier muß sehr gut ge'eimt sein. Am besten ' verwendet man sogenannte» Pergamentpapier.

3. Da» Papier muß mindesten» 10 Ctm. breit sein. 4. Der Papierring muß um ben ganzen Stamm gelegt ! unb mit einer Korbei unten unb einer oben gebunden fein. ' 5. Zwischen dem Papierring unb bem Stamm dürfen ! keine Lücken sein, da sonst da» Weibchen unten durchkriecht. Etwa vorhandene Lücken werden mit Lehm, Werg rc. au»- \ gestopft. ;

6. Bevor man den Papierstreifen anlegt, muß an ber j betreffenben Stelle bie Rinbe glatt gemacht werben.

7. Der Leim wirb mit einem Pinsel auf ba« Papier, niemals aber auf brn Stamm selbst aufgestrichen.

8. Es ist nothwenbig, baß man bie Ringe alle 10 Tage von Neuem anstreicht.

Im Uebrigen fei bemerkt, baß bie Gefchüstsstelle be» Oberhefsifchen Obstbauvereins in Friebberg gerne bereit ist, gute», geschnittenes Papier unb beliebige Mengen Leim zu vermitteln.______________________________________________________

Gießen, den 1. November 1898.

Betr.: Feier del Geburtstag» Sr. König!. Hoheit del Groß« Herzog! und Ihrer Röntgt. Hoheit der Großherzogin.

Die

Großh. Kreis-Schulcommisfion Gießen

au die Schulvorstände des KreiseS.

Wir beauftragen Sie rubr. Feier am 25. d. Mt». in der seither üblichen Weise in den Ihnen unterstehenden Schulen feiern zu lassen.

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Der Wetterauer Geflügelzuchtverem beabfichtigt mit der am 17.20. März 1899, stattfiudenden Geflügelanlstellung, eine verloosung von lebendem Geflügel und Gegenständen der Geflügelzucht zu verbinden.

Großherzogliche» Ministerium de» Innern hat die nach, gesuchte Ertaubniß zur Veranstaltung dieser verloosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr all 6000 Loose zu ; 0,40 Mark dal Srück, aulgegrben werden dürfen und : mindestens 60 Proeent de» BruttorrlöfeS aus dem verkauf ' der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständeu zu ver- . wenden find.

Zugleich ist der Vertrieb der Loose in der Provinz Oberheffru gestattet worden.

Gießen, den 1. November 1898.

Großherzogliches RreiSamt Gießen.

v. Bechtold.____________________

Vom neuer, preußischen Landtage.

Noch haben die W-Hlen der Abgeordneten zur zweiten : preußischen Kammer nicht stattgefundrn, und schon werden die \ Vorlagen d iS ent irr, welche dem Landtage zugehrn sollen. Da ist zuerst die große Eanaivorlage, welche eine ziemlich erregte ! Debatte herbeiführen dürfte, da auS w'.rthschaftlichen Gründen daS Projekt mancherlei Anfechtung begegnet. Wenn ein ! große! süddeutsches Blatt recht unterrichtet ist, so wird sich der nächste preußische Landtag auch wieder mit einer Novelle zum Vereinsgesetz zu beschastigen haben, nachdem die bezüg« liche Regierungsvorlage im Jahr 1897 gescheitert war. Daß eine solche Novelle wieder eingebracht wird, findet wohl die Billigung aller Parteien, wenn auch über den Inhalt des neuen BereiuSgesetzeS die Wünsche weit auSeinandergehen. Die link» stehenden Parteien und das Eentrum wünschen . eine einfache Aufhebung des § 8 des jetzigen Vereinsgesetzes, welcher ben politischen Vereinen verbietet, mit einander in ; Verbindung zu treten. Sie stützen ihre Forderung auf die ; vom Reichskanzler Fürsten Hohenlohe bei der Berathuug des Bürgerlichen Gesetzbuches im Reichstage gegebene Zusage, auf die Landesregierungen etuwirken zu wollen, damit dal BerbindungSverbot aufgehoben werde. Nun find einzelne deutsche Staaten hiermit bereits vorgegangen, während der größte Bundesstaat noch zurückgeblieben ist. DaS liegt an der anderen Auffassung, welchr die preußische Regierung bezüglich eines neuen Vereins- und versammlturgSgefetzeS hat.

Bekanntlich wurde der i» Jahre 1897 eingebrachte

Eiitwurf mit einer knappen Mehrheit vom Adgeordnetenhanse cdgelehnt; hatten zufällig auf der linken Seite des Hansel einige Abgeordnete in jener Sitzung gefehlt, so würde der Entwurf zum Gesetz geworden sein. Da die Zusammen- fetzung der zweiten preußischen Kammer nach den Neuwahlen sich nicht wesentlich verändern wird, so hat die Regierung die Aussicht, eine der vorigen ähnliche Vereinsgesetzvorlage auch jetzt noch im Parlament durchzubringeu. Man darf deshalb damit rechnen, daß der neue Entwurf keine wefeut- licheu Abschwächungen erfahren wird. Der Inhalt der Vor­lage soll noch nicht festgesetzt worden sein, aber da die Regie­rung auch künftig ihre Stütze an der Rechten del Abgeord- neteuhauseS suchen wird, so muß man annehmen, daß fie auch deren Wünsche bezüglich del neuen veretulgesetzeS berück­sichtigt und nicht einfach den vielberufeneu Paragraphen 8 aufhebt, sondern Bestimmungen einfügt gegen den Mißbrauch del Vereins- und versammlungsrecht«.(xx)

Deutsches Reich.

Berlin, 1. November. Die Erbgroßherzogi» Elisabeth von Oldenburg unterzog fich, wie aul Kiel gemeldet wird, heute im dortigen Königlichen Schloß einer Operation, welche glücklich verlief. Professor Werth, der Director der Universität« Fraueu-Klinik führte die Operation unter Mithilfe zweier Assistenten au«. Die Erbgroßherzogi» verbleibt im Schloß, wo sie die «aiserzimmer bewohnt, bi» zu ihrer völligen Genesung.

Berlin, 1. November. Wie an! London berichtet wird, ist die Kaiserin Friedrich gestern von Balmoral zum Besuch deS Lord Roseberry in Dalmeny eingetroffen. In Aberdeen empfing die Kaiserin Friedrich den General Kitchener, welcher fich auf der Reise nach Balmoral befindet und sprach demselben ihre Glückwünsche aul-

Berlin, 1. November. Da» Reichspostamt fährt in seinen Reformversucheu fort, die fich auf die Erleichte­rung bei Postpacketverk-chr» beziehen. Wie seit einiger Zeit tu Köln, so ist eS neuerdings auch den versaudtgeschäfteu tu anderen Städten, so z. B. tu Liegnitz, gestaltet worden, ihre Packete abgewogen und mit SewichtSvermerk versehen unter eigener Haftung für die richtige GewichrSabgabe bei einem bestimmten Postamte etuzullefern, so daß die Annahme- beamten nicht «ehr uöihig haben, jedes einzelne Packet uach- zuwtegeu. Daß infolge dessen viel kostbare Zeit gefpart wird, liegt auf der Hand. Für den Aufgeber, wie für den Beamten ist die Reform daher in gleiche« Maße erwünscht.______________________________________

Ausland.

MohacS, 1. November. Da» Paffagierschiss Nr. 4 der ungarischen SchiffS-Gesellschaft stieß mit zwei anderen Dampfern zusammen. Nur der Geistesgegenwart des Sapitäu», welcher seinem Schiffe eine entschiedene Wendung gab, ist el zu danken, daß kein großes Unglück pasfirte.

No«, 1. November. Die Absetzung deS Sultans von R a h e i t a erfolgte, weil er, obgleich Vasall, sein Gebiet in aller Form an eine angeblich rnsfisch-franzöfische Handels­gesellschaft abgetreten hat.

London, 1. November. In der Hafenstadt Harwich wurde ein rufsischer Spion verhaftet, welcher die Hafenbefestiguugen eoptrte. Der verhaftete verweigert jede Auskunft Über seine Person.

Ein merkwürdiges deutsch.englische» coloniale» Tauschgeschäft schlägt die ^Fortnightly Review" in dem die .Faschadofrage" betitelten Artikel vor. Bekanntlich geht die Sehnsucht Englands nach dem Besitz eines ununterbrochenen Landergebietes vom Süden bi» Norden Afrikas, von Capstadt bi« Kairo. Da die Faschadofrage fich zweifellos zu Gunsten England» entscheidet, so bilden die einzigen dem Wunsche der Engländer sich entgegenstellende» Hindernisse jene Theile von Deutsch Ostafrika und bei Eougo- floate«, die am Tongauhtkasee fich zwischen die compacten Massen bei südlichen und nördlichen englischen Besitze» schieben. DieForwighilh Review* schlägt nun vor, Deutsch­land möge gegen die englische Walfischbai in Südwest-Afriko, die von deutschem Gebiet umschlossen ist, England einen Terrainstreifen am Tanganh kaiee vom sechsten Grad südlicher Breite bi» zum dreißigsten Grad östlicher Länge bi» zu« Kagerofluß abtreten 1 Bo« praktischen Standpunkt sei doch die Walfischbai unendlich viel wehr für Deutschland werth, all der kleine Terraiustretfen, ben el im Norben seiner ost- aftikauischen Besitzungen aufgeben würbe. In ber Thal ein überaus befcheideuer Vorschlag, bei befien Verwirklichung Deutschlanb jämmerlich über! Ohr gehauen würde! Den»