Ausgabe 
3.9.1898 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

NWtijt

6

88 4o

1,75 <

D.

8781

Gingen.

)a.

r Bvrstaud.

ch

lDMildi

Fahrpreitemäßigm!

Vorstand.

the- ad. ofmaaa sr._____

Fichy

ien,

ibet M

ititoi* )to.

0 1(4* II* |Ü

löl) 1*'

Silberre""

old'Ae^

-st" 1861

»** cbt

iCi , 1905 L

r6°M"",klS0S * Ä-Skunk-b/A

^Ä-Lk-u" kigoo 101

Nr. 206 Zweites Blatt.

Samstag den 3. September

18OS

Gießener Anzeiger

Die dir^mtr

Henerat-Anzeiger

2lnrts- und 2lii5eiacblatt für den Ureis Gieren.

ÄHf Anzeigm.ven-iNlungrfteNm H In- und HuflaaM

hmkn «neigen für den »ietzener Än^gcr tnigryx.

U«hm« ovo Anzeigen zu der Nachmittag« für den ßaigenden Lag «rfcheinenden Nummer bi« Bonn. 10 Uhr.

Bei Pofttxzug 2 Mark 50 Pf* vierteljährlich.

Nez»--,r-t- vierteljährNch

2 Mark 20 Pf§. monatlich 76

mit Vrmgerlvh«.

frf4dwt lägNch mit Lnsnahmk de« Montag«.

Werden dem Anzeiger mLcheull.ch viermal beigeleg».

NedoMton, Expedition nnd Druckerei:

Ach-tßr.ge Ar. 7.

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter.

Dresse für Depeschen: Anzeiger Hieße». Fernsprecher Nr. 6L

2lmtiid?er Thail.

Bekanntmachung.

Die Thomasphosphatmehl.Fabrikanten haben den Preis für Lho«aSphosphatmehl, das fie au die deutschen Landwirthe verkaufen, erhöht. Der deutsche LandwtrthschaftSrath in Berlin warnt daher die Laodwtrthe vor de« Ankauf von Thomas« Phosphatmehl tnsolange, bis die Fabrikanten den Preis wiederum entsprechend ermäßigt haben.

Der landwirthschaftltche Beztrksvereiu Gießen wird daher io diesem Herbste den Ankauf von ThomaSphosphatmehl nicht vermitteln.

Falls die Herren Landwirthe aber künstlichen Dünger in diesem Herbste verwenden wollen, so dürfte stch die Düngung »it anfgeschlofieoem Peruguano namentlich für Kraftfrucht empfehlen. Der Guano ist der beste Ersatzdüoger für Stall« «ist, durch den mau reiche Erträge und vorzügliche Qualität an Frucht erzielt.

Derselbe ist zwar theurer als Thomasmehl, aber auch viel wirksamer.

Pro Morgen werden gewöhnlich 3 Leotner Guano verwendet.

Herr Kaufmann Aug. Kröll in Gießen hat nun dem landwirthschaftlicheu Beztrksveretn den Peruguano, die beste Marke Füllhorn, unter Garantie für 7 pEt. Stickstoff, 10 PLi. Ähosphorsänre und 2 pEt. Kalk zu dem sehr billigen Preis von 8 Mk. pro Leutoer tncl. Sack unter der Bedingung «vgeboteu, daß mindestens 60 Centner Guano von dem land« wirthschaftlichen BezirkSvereiu bestellt werden. Der land- »irthschastliche Bezirksverein vermittelt nur den Bezug des ®uane, jedoch ohne jegliche Garantieleistung. In dem Bor« «afchlag des landwirthschaftl'cheu Bezirk-Vereins find Mittel jnt Vermittelung de- Bezugs vou künstlichem Düuger vor» zesehen.

Es wird dies unter de» Ansügen zur öffentlichen Senntuiß gebracht:

1. daß bei Bestellungen von Mitgliedern des laudwirih- schaftlicheo Bezttksvereins, die den Betrag von 40 Mk. nicht übersteigen, die Kosten des Transports des Guano- prr Bahn von Gießen nach den in dem Kreise ge« legeueo Eisenbahnstationen auf die Bezirk-veretn-kaffe übernommen werden ,-

2, daß Bestellungen von Landwirtheu, welche nicht Mit­glieder des laodwirthschastlichen Bezirk-Vereins find, ebenfalls ausgeführt werden. Dieselben haben aber, wenn fie nicht vorher noch Mitglieder deS landwirth« schädlichen Bezirk-Vereins werden und fich zu diesem Behnfe bet dem Unterzeichneten anmeldev, den vollen

Betrag für die Ausführung ihrer Bestellungen zu vergüten;

8. daß Bestellungen bet de« Unterzeichneten bis längstens den 26. September l. I. ein« zureicheu find-

4. daß die Zahlung des Düngers bei Empfang der »aare alsbald zu erfolgen hat.

Die Herren Bürgermeister werden ergrbenst ersucht, vor» stehende Bekanntmachung in ihren Gemeinden zu veröffent­lichen, Anmeldungen entgegen zu nehmen und bi» zu dem 25. September l. I. an den Unterzeichneten etnzuseude».

Gießen, den 30. August 1898.

Der Dtrector des landwirthschaftlicheu Bezirksverein» Gießen. Karl Jost, Rechtsanwalt.

Deutsches Reich.

Berlin, 1. September. Auf de« Tewpelhofer Felde hat heute vormittag die große Herbstparade über die Berliner und Potsdamer Garnison stattgefuoden. Derselben wohnten das Saiserpaar, Prinz Leopold vou Bayern und andere Fürst» ltchkeiteo bei. Die Parade nahm ihren programmmäßigen Verlauf. Um 1 lf/s Uhr versammelte der Kaiser die höheren Offiziere zu eioer Krtnk um fich uud setzte fich um 12 Uhr au die Spitze der Fahnen-Compagnie, die er zum Schloß begleitete.

Piel, 1. September. Der Kieler DampferTrinidad" ist bet Formosa tu schwerem Taifun untergegangen. Die Mannschaft wurde gerettet und in Hongkong gelandet.

Hamburg, 1. September. Da« Unheil im Peoeeß gegen die Photographen Witte und Priester, die von der Leiche Bismarcks unberechtigte Aufnahmen gemacht hatten, wurde auf acht Tage au-gesetzt.

Manu hei«, 1. September. Auf Grund deS § 360, Ziffer 11 des ReichS-Strafgefetzbuchs beschlagnahmte das hiesige Amtsgericht iämmtliche zum B terb oycott aufforb trabe Flugblätter, sowie diejenigen Nummern der socialdemokratischen Volksstimme, welche ebenfalls zu« Boycott auffordern.

AttsUns-

Bien, 1. September. Die Einberufung des Reicb-ratheS erfolgt am 26. September.

Ro«, 1. September.von Chtschiotte" berichtet, viSeonti veuosta, der frühere Minister des Seußerv, habe vor Monaten zum Direktor des Blattes gesagt, DrehfnS fei unschuldig, das eine belastende Dokument sei vou Henry gefälscht worden. Sowohl die deutsche als auch die italienische Regierung hätten hierfür Beweise.

I Pari-, 1. September. Wie verlautet, hat der frühere italienische MtlitSr««ttachä Pavizzardi die Regierung ersucht, seine auf die Dreyfus-Angelegenheit bezüglichen Briese mit dem Obersten Schwartzkoppen veröffentlichen zu dürfen. Die Erlanbuiß sei ihm jedoch nicht ertheilt worden.

Locales und provinzielles.

" Herbst Düngung. Der Landwirth steht jetzt wieder vor der großen und wichtigeu Frage:Wie soll ich meine Aecker düngen, um die Winterfrucht nicht allein recht ertragS- fähig zu ziehen, sondern auch um fie durch den voraussichtlich strengen Winter zu bringen. Sehr wahrscheinlich wird «au wie seither, sich einfach auf deu Stallmist verlassen, der, da er in vielen Fällen nicht hinreicht, durch Thomasmehl, Katuit, Superphosphat u. f. w. unterstützt werden soll. Im Früh» fahr, wenn die Saaten recht matt dastehev, so greift «an kurzer Hand zum Untversalwittel Chtlisalpeter und verspricht fich von diesem Mittel alles mögliche Gute. Die Ausgaben, welche dafür gemacht werden, find gar nicht unerheblich, ob­gleich Thomasmehl und Kaintt scheinbar nicht thener ist, ob aber der erwartete Erfolg die kosten deckt, dürfte schon häufig zweifelhaft geblieben sein. Die Herren Landwirthe haben aber bis jetzt, trotz vieler Hinweise uud Bekanntmachungen ganz übersehen, daß fie in dem jetzt wieder käuflichen und aufgeschlossenen P e ru«Guau o einen Dünger finden, der AlleS das leistet, waS man wünschen kann, ohne deßhalb so viel, häufig unrentable Kosten zu verursacheo, wie die anderen Düngmittel. Der aufgeschlossene Peru-Guano, eia rein organischer Dünger auS vogelwist, Bogel- und FledermauS- leichen, ist ein Dünger, der Alles das enthält, was eine Pflanze zur üppigen Entwickelung bedarf. Er bietet der Pflanze Alles, was fie zunächst uothwendig bedarf an Stickstoff, Phosphorsäure und Kalk, er düngt aber so nachhaltig, daß die spätere Pflanzung auch noch ihren Anthetl davon findet. Der Landwirth mache nur erst einmal einen versuch uud zwar eineu vergleichenden versuch, er wird schnell heraus» fiaden, welche Düngung die beste uud billigste ist. Prüfet Alles und das Beste behaltet.

4- Bab«Lalzhaufeu, 2. September. Im vorigen Monate betrug die Zahl der verabreichten Bäder 1 643, eine Ziffer, welche früher nie für den gleichen Zeitraum er­reicht wurde. Die günstige, direkte Bahnverbindung mit hiesigem Kurorte mag allerdings Mtt-Ursache sein an der ge­steigerten väderfrequeuz, welche bet einem Stavdhalten wohl in Bälde eine Erweiterung des Badehauses nöthig macht, um auch den vou Orten auS unserer Gegend mit der Bahn Nachmittags etutreffeudeu Badebedürfttgen besser Rechnung zu tragen.

KrriUeton.

Moderne Städtebilder.

Originalbericht für den .Gießener Anzeiger*.

(Nachdruck verboten.) m.

Beim Löwe« vou Luzern.

Dr. M. Luzern, der große Knotenpunkt für die von allen Richtungen der Windrose herbeiströmeodev Fremden! -ter kommt und geht man zur BrÜnigbahn, auf welcher die Kesten uud günstigsten Züge nur mit AuSfichtSwageu 1. Klasse abgelaflen werden. Hier fährt mau die große Wafferbahn, vierwaldstädtersee" genannt, um auf ihr nach Belieben an emer der GebirgSbahnstatioueu zu landeu oder die Route bis > ach Fluöleu fortzusetzeu.

Aus de« Luzerner vahuhofe angelaugt, der trotz feines itteruattoualeu Lebens eineu ungleich sauberen und behog« l chereo Eindruck «acht als wir iHv vom Baseler Centralen empfangen die Holztäfelung läßt schon deu Staub nicht i» so riesigen Dimensionen aufkommev gilt natürlich ms er erster Blick der Gebirgskette und dem Riesenhaupt b«S Pilatus daS noch immer als ziemlich untrüglicher Setterprophet, neben Falb, seinen Ruf genießt:Hat btr PilatuS einen Hut so wird daS Wetter gut, btt der PilatuS einen Kragen, kann mau immerhin es »igen . . u. f. w.

Die Dampfer-Haltestelleo liegen schräg gegenüber de« Bahnhofsgebäude, tn zwei Stunden geht der nächste I Dampfer- tu vitznau direkter Anschluß an die Rigi-Bahn |

und, wenn man Glück hat, kann man noch am Abend auf Kulm die Sonne untergeheu scheu.

Aber vorher bleibt noch Zeit zu einem Saug tn die Stadt. Am Bahnhöfe, au der Brücke und dem Seeufer haben wir natürlich das Bild einer modernen Hotelstabt wie in Interlaken und anderswo. Das eigentümlich natio­nale Gepräge. daS fich Lozeru noch vor mancher anderen Schweizer Stadt bewahrt hat dem nivellirendeu Einfluß der modernen Zeiiströmuog ist es z B. durchaus nicht in de« Maße erlegen wie Zürich und Genf tritt im An­fänge ganz zurück. Erst allmählich gewahrt mau feine Existenz, wenn mau das elegante Fremdeuviertel am See hinter fich gelassen nnd in daS Stadtinnere einbiegt, wo noch manch echter altschweizerischer HauSban neben modernen Btllenstil fich drängt und jedenfalls die vielen Läden, namentlich die LuxaSgeschäfte, das Eigentümliche der Schweizer Industrie verlockend vor Augen stclleu. Nirgends ficht mau die reizenden Schnitzereien in so reicher uud gefälliger Auswahl wie hier. Feste Preise überall!

Wer etwa, direkt von Italien kommend und au das dortige unverschämte Borschlagen uud Prellen gewöhnt, den versuch «acht, in Luzern an den niedlichen Sächelchen, den Uhrgehäusen, Bürstchen, Federhaltern rc. x., die fich so bequem als nette Mitbringsel auch tu der Touristentasche beherbergen lassen, etwas abzuhandeln, kommt bald zur lieber- zeugung, daß tu der Schweiz das GeschäftSlebeu auf anderer, soliderer Basis ruht.

Wenn mau von hier ein charakteristisches Andenken mit- bringen will, gerät man natürlich auf eines der unzähligen EovterfeiS deSLöwen von Luzern", der auf deu Ansichtskarten, Eobiuetsphotographieu, als Holzschnitzerei, auf

Briefbeschwerern, AlbumS rc. tn so uud so viel Exemplaren paradirt.

Aber waS erreichte in all diesen Miaiaturabbildungeu auch nur annähernd die Wirkung deS Originals?

DerBerner Bär" läßt fich in Duodezfassungeu wiedergeben, das ist unmöglich beimLuzerner Löwen", denn zu jenem verhält er fich wie die Tragödie zum Lust­spiel. Die Tragödie aber muß gewisse Größcuverhältuifle wahren.

Die nach ThorwaldseoS in fast antike« Geist rntworfeue« Modell geschaffene Coloffalfigur eines sterbenden Löwen, der noch mit mächtiger Tatze den Bourbooeuschtld schützt, wirkt nicht nur durch die erhabene Idee, die darin liegt, daß ein kleines Häuflein Schweizer Leibgardisten, Menschen, die man sonst unter dem NamenMietlinge" undSöldner" ab» znhandeln pflegt, fich für die schon verlorene Sache deS XVI. Ludwig dem fichereu Tode in die Arme warf, als auch durch deu weihevoll stimmenden Rahmen, in deu daS allegorisch heroische Bild gefügt ist! Diese von alten Bäumen überschattete hohe Felswand, die den natürlichen Hintergrund bietet und unserer Vorstellung wieder deu direkten Weg tu jene hohe und kühne Berg» und Glttscherwelt eröffnet, vou welcher der Dichter singt:

,Auf den Bergen wohnt Freiheit

Der Hauch der Grüfte

Steigt nicht hinauf tn die reinen Lüfte!"

Und dann die Physiognomie deSsterbenden Löwen", der hier «ehr ist als sogenanntesWappentier", auS dessen brechenden Angen fast eine menschliche Seele leuchtet das Alles läßt fich tu verkleinerte« Mahstabe nicht wiedergebeo.