Ausgabe 
3.4.1898 Zweites Blatt
 
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Natürlich sollte er das Pferd nicht unter dem Preis verkaufen, ich überlegte zwar, ob ich es uns nicht nach der hiesigen Universität kommen lassen sollte, aber so verlockend der Gedanke war, mich den erstaunten Philistern hoch z« Roß zu zeigen, ich stand doch davon ab und ließ das Pferd wo es war. Mochte der Mann es doch irgendwo unterstellen und verkaufen, sobald er den Preis bekam.

Wochen vergingen, von meinem Gewinn sah und hörte ich nichts, dafür leistete ich meinen Corpsbrüdern und mir manche Freude auf Conto der 800 Mark.

Endlich schrieb mir der Händler, ob ich das Pferd für 470 Mark verkaufen wollte, mehr könnte er beim besten Willen nicht dafür geben. Ich gab ihm keine Antwort und das Pferd blieb wo es war. Wieder nach einiger Zeit bot mir einer 500 Mk.; gleichzeitig rieth mir der Lotteriehändler es ja zu verkaufen, die Pferde wären billiger geworden und die Futterkasten enorm. Ich überlegte es mir noch einige Zett, schließlich wurde das arme Thier krank und eines schönen Tages bekam ich die Nachricht, daß das Thier hätte getötet werden müssen, ob ich den Erlös der Haut haben wollte, oder ihn zur Abrechnung der Futterkosten, Thierarzt, Behandlung stehen lassen wollte. Ich ließ mir den Erlös schicken und bekam gleichzeitig eine Rechnung für 6 Wochen Futterkosten, Wartung, thierärztliche Behandlung, Medicamente, eine Rechnung, daß ich ganz starr war, 342 Mk. im Ganze». Dazu kamen Gewinnfreuden, Bären von 475 Mark. Und das Ganze war mein Lotteriegewinn im Werthe von 800 Mk. Ha, welche Lust ein Pferd zu gewinnen!

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Nr. 79 Zweites Blatt.Sonnlag den 3. April

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ijv. Predigt.

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Gießen, am 17. März 1898.

B e t r.: Frühjahrs-Controlversammlungen.

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen

OA Ht Grstzh. Bürsermriftrreier, M SMM.

Nachstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Bei den diesjährigen Frühjahrs-Controlversammlungen im Kreise Gießen haben zu erscheinen alle zum Hauptmelde- amt Gießen gehörigen:

1) Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots (Anzug: Helm, Waffen­rock, Achselstücke, Feldbinde, lange Hosen oder hohe Stiesel beliebig, bei schlechter Witterung Paletot).

2) Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ettatz-Behörden Entlassenen aller Waffen.

3) Wehrleute I. Aufgebots, die vom 1. Oktober 1885 ab eingestellt worden.

4) Ersatz-Reservisten, geübte und nicht geübte.

Nachstehend ist angegeben, wo und zu welcher Zeit die Lontrol^lichtigen anzutreten haben:

A. Zu Gießen

in Oswalds Garteil für die Bewohner von Annerod, Burk­hardsfelden, Gießen mit Schiffenberg und Herrnwald, Heuchel­heim, Klein-Linden, Oppenrod und zwar:

am 12. April 1898.

1. Appell Vormittags 8 Uhr .

Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots - Reservisten der Infanterie, Jahrgänge 1890, 1891, 1892 und 1893.

2. Appell Vormittags 10 Uhr:

Reservisten der Infanterie der Jahrgänge 1894, 1895, 1896 und 1897, sowie sämmtliche zur Disposition der Truppen- theile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften der Infanterie.

3. Appell Nachmittags 2 Uhr:

Wehrleute I. Aufgebots der Infanterie.

Am 13. April 1898.

1. Appell Vormittags 8 Uhr:

Reservisten sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller übrigen Waffen, und zwar der Garde, Jäger, Cavallerie, Feld, und Fuß-Artillerie, Pioniere, Eisenbahn- und Luftschiffertruppen, des Trains (sinschl. Krankenträger), Sanitäts- und Veterinär

Feuilleton.

Mein Lotteriegewinn.

Humoristische Scizze von E. H. v o n Z a g o r y.

(Nachdruck verboten )

KO. Der 21. im Monat; Regenwetter und keinen Pfennig mehr im Geldbeutel, o jerum, Biermarken als einziger Inhalt des Studentenportemonnaies. Da erfinden nun die klugen Menschen so allerlei gute Mittelchen für sämmtliche Gebrechen ihrer Mitbewohner dieser schönen Erde, warum hat nur noch Keiner ein Heilserum für das größte Gebrechen, was es in der Welt giebt, erfunden? filr bie chronische Ebbe des Geldbeutels. So philosophirte ich trüb­sinnig in meiner Bude vor mich hin und starrte wehmüthig in den Regen hinaus. Es ist wahr, alles Irdische ist ver­gänglich, am Vergänglichsten aber ist der Wechsel eines Corpsstudenten. Da topfte es, hoffentlich kein Mensch, der Geld will, nein, der Briefträger mit einem eingeschriebenen Brief. Was stand darin.

Es gereicht mir zur großen Freude, Ihnen mrtlherlen zu können, daß Sie ein Pferd, Werth 800 Mark, vierter Hauptgewinn, gewonnen haben. Bitte um Bescheid, was damit werden soll." Mit klopfendem Herzen las ich diese Worte, ich träumte nicht, da stand es schwarz und weiß, ich hatte gewonnen. Mit einem Jubelruf sprang ich von meinem Stuhl empor, stürzte an das Fenster und riß es weit auf.

Personals, Büchsenmacher-Gehilfen, Oeconomie-Handwerker, Marine-Mannschaften.

2. Appell Vormittags 10 Uhr:

Wehrleute I. Aufgebots aller übrigen Waffen und zwar , der Garde, Jägsr, Cavallerie, Feld- und Fußartillerie, Pioniere, Eisenbahn- und Luftschiffertruppen, des Trains (einschließlich Krankenträger), Sanitäts- und Veterinärpersonals, Büchsen­machergehilfen, Occonomiehandwerker und Marinemannschaften.

3. Appell Nachmittags 2 Uhr.

Sämmtliche Ersatz-Reservisten der Jahrgänge 1891, 1892, 1893, 1894, 1895, 1896 und 1897, das sind die in den Jahren 1871, 1872, 1873, 1874, 1875, 1876 und 1877 Geborenen.

4. Appell Nachmittags 4 Uhr:

Sämmtliche Ersatz-Reservisten der Jahrgänge 1885, 1886, 1887, 1888, 1889 und 1890, das sind die in den Jahren 1865, 1866, 1867, 1868, 1869 und 1870 Ge- dorenen.

Am 14. April 1898

für die Bewohner von Allendorf a. d. Lahn, Großen-Linden, Lang-Göns, Leihgestern, Watzenborn und Steinberg, Hausen.

1. Appell Vormittags 8 Uhr:

Reservisten, sowie zur Disposition, der Truppentheile und der Ersatz - Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen.

2. Appell Vormittags 10 Uhr:

Wehrlcute I. Aufgebots aller Waffen und sämmtliche Ersatz-Reservisten.

B. Zu Lollar

am 15. April 1898, neben dem neuen Bahnhofsgebäude für die Bewohner von Allendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Bersrod, Beuern, Climbach, Daubringen mit Heibettshaufen, Großen-Bufeck, Lollar, Mainzlar, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Treis a. d. Lda., Trohe, Wiefeck.

1. Appell Vormittags 8 Uhr 45 Minuten:

Offiziere, Sanitäts-Offiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots.

Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz - Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen.

2. Appell Vormittags 11 Uhr:

Wehrlente I. Aufgebots aller Waffen.

3. Appell Nachmittags 3 Uhr: Sämmtliche Ersatz-Reservisten.

C. Zu Grünberg

am 16. April 1898,

am westlichen Ausgange auf der Straße nach Gießen für die Bewohner von: Allertshausen, Beltershain, Geils­hausen, Göbelnrod, Grünberg mit der Dickelsmühle, Neu- I mühle, Stadtmühle, Steinmühle, Obere und Untere Ziegel- |

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Hütte, Latzmühle, Hattenrod, Harbach mit der Kolbenmühle und Sommermühle, Kesselbach mit der Rabenau'schen Papiermühle, Lauter mit der Arztmühle, Bingmühle, Georgenhammer, Strellesmühle und Walkmühle, Lindenstruth, Londorf mit der Burg Rabenau, Burgmühle, Schmidtmühle, Reitzenmühle und Ziegelhütte, Lumda (Groß- urch Klein-), Odenhaufen mit Appenbörnerhof, Queckborn, Reinhards- Hain, Reiskirchen, Rüddingshausen, Saasen mit Bollnbach, Veitsberg und Wirrberg, Stangenrod, Stockhausen, Weickarts­hain, Weitershain mit Hainerhos, Winnerod.

1. Appell Vormittags 9 Uhr 15 Minuten:

Offiziere, Sanitäts-Offiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots.

Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen.

2. Appell Vormittags 11 Uhr:

Wehrlcute I. Aufgebots aller Waffen.

3. Appell Nachmittags 3 Uhr: Sämmtliche Ersatz-Reservisten.

D. Zu Hungen

am 18. April 1898

am Friedhof für die Bewohner von: Bellersheim, Betten­hausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Muschenhei« mit Hof-Güll, Nonnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen mit Ringelshausen, Rodheim mit Hof-Graß, Röthges, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen.

1. Appell Vormittags 9 Uhr 30 Minuten,

Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots.

Reservisten, sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersah - Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen.

2. Appell Vormittags 11 Uhr:

Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen und sämmtliche Ersatzreservisten.

E. Zu Lich

am 19. April 1898

in der Amtsgerichlsstraße für die Bewohner von: Albach,Birklar, Dorf-Güll, Eberstadt mit Arnsburg, Ettingshausen, Garbenteich, Grüningen, Ho^heim, Lich mit Albacher-Hof, Kolnhausen und Mühlsachsen, Münster, Nieder«Bessingen, Ober - Bessinge«, Ober-Hörgern, Steinbach.

1. Appell Vormittags 9 Uhr 30 Minuten.

Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve und Landwehr I. Aufgebots

Reservisten sowie zur Disposition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffe».

2. Appell Vormittags 11 Uhr.

Wehrleute I. Aufgebots aller Waffen und sämmtliche Ersatz-Reservisten.

Was kümmerte mich der Regen, meine Stube erschien mir auf einmal zu eng. Ich mußte Luft haben. Am Liebsten hätte ich es jubelnd auf die Gasse geschrieen, Hurrah ich habe ein Pferd gewonnen, 800 Mark ist cs werth. Da hatte ich ja ein Heilserum für meinen Geldbeutel, 800 Markich las den interessanten Brief immer wieder, wie reich ich mir vorkam, kann ich kaum beschreiben, aber meinen Alten wollte ich von meinem Schatz absolut nichts mittheilen, sie wären im Stande mir meinen Wechsel zurückzubehalten; was ist aber eine Lampe ohne Docht. Lange hielt ich es aber in meiner Bude nicht aus, mich zog es zu den Corpsbrüdcrn. Ich stürmte ordentlich nach der Kneipe, richtig da traf ich sie ja alle zusammen. War das ein Jubel als ich ums Wort bat und meinem Glücksbrief vorlas, die guten Jungen freuten sich alle mit mir, als ob nicht ich, sondern sie den Gewinn gemacht hätten. Natürlich gab ich dem ganzen Corps ein solennes Souper, es schmeckte uns allen vorzüglich und wir waren so kreuzfidel, wie nur flotte Burschen fein können. Wie lange die Freude dauerte, wann und wie ich nach Hause kam, ich weiß er nicht. Ich weiß nur, daß ich am anderen Morgen einen schauderhaften Kater hatte und bleich wie ein Gespenst ins Leben sah, mein armer Schädel hämmerte wie toll, und ich war mehr wie elend. Aus einmal fiel mir mein Gewinn ein. Stöhnend stand ich auf, suchte meinen Brief und las ihn noch einmal; 800 Mark famos, aber der Mann wollte ja Antwort, seufzend entschloß ich mich ihm zu schreiben, so elend ich mich auch fühlte, die 800 Mark belebten mich.