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2.12.1898 Erstes Blatt
 
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Nr. 283 Erstes Blatt.Freitag den 2. Derember

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Las Negierungsjubiläum Kaisers Franz Josef.

Unter anderen Umständen wäre der heurige 2 Dtcemotr ein Lag bei Jabels und der Freude für die österreichischen Staaten gewesen, der Lod der Kaiserin Elisabeth, welcher inmitten der Festvorbereitungen eintrat,&t uun alle laute Lheiluahme au der Feier, am 50 jährigen Regiernugtjubiläum bei österreichischen Herrschen verstummen. Wie viel Sympathie und L>ebe der Kaiser im Verlause diesel halben Jahrhundert» tu den Herheu seiner Uaierthaneo btelfeitl und jenseits der Lestha erweckt hat, ist zu bekannt, all daß el nörhig wäre, biel noch besonders zu betonen. Die täglichen Beweise der Treue und Anhänglichkeit, welche der hohe Jubilar aus allen Kreisen der Bevölkerung erhält, find der deutlichste Beleg dafür. Freud und Leid bei Kaiser« und Köaiglhauses hat das österreichisch-ungarische 93oit stets aus Überzeugte« Herzen mit getragen und den Nationen ein Bei'piel gegeben, w e dal verhältniß zwischen Herrscher und Volk sein soll.

Und wahrlich, Freud und Leid hat es im habsburgischen Hruse während der letzten 60 Jahre unendlich viel gegeben. Ja überaus schwieriger Zett Übernahm Franz Josef die Regierung des vielsprachigeu Staates- es war dastoCt Jahr, tu welchem an den Thronen gerüttelt wurde, In welchem die Fundamente und Säulen wankten, auf deueu die Staaten gegründet worden waren. Alles bereinigte fich, um dem jungen Kaiser das Herrscheramt recht schwer zu machen, feine Geistesgaben herauszufordern und die größten Anforderungen an ihn zu stellen. Die Zustände im deutschen Bunde trugen vor Allem dazu bei, die Stellung des Kaisers zu erschweren, der zudem noch gezwungen wur.e, mu dem Schwerte sein Verhältnis zu Ungarn zu regeln. El war eine Zt bitterster Elfahrungen für den Monarchen, als das Jahr 1866 seine« Herrn die Niederlagen gegen Italien und Preußen brachte - aber es darf hinwiederum als ein Erfolg betrachtet »erben, daß von diesem Jahre ab Oesterreich auf feine eigene Kraft verwiesen wurde, welche Fürst Bismarck noch mächtig genug sand, um auf ein Bündniß zwischen dem Kaiserstaate aa der Donau und dem Deutschen Reiche hinzuwiiken. Durch den im weiteren verlause geschloffene» Dreibund hat Oesterreich« Ungarn hervorragenden Anthell genommen an der Erhaltung des europäischen Friedens, und die internationale Stellung des Landes ist eine so kraftvolle, wie fie es im Laufe dieses Jahrhundertl noch nicht gewesen ist.

Bekannt ist die Freundschaft, wrlche fich zwischen dem ersten deutschen Kaiser und dem österreichischen Nachbar heraus« -eblldkt hatte, noch ausdruckooller steht aber vor unseren Augen das innige Band, welches unseren jetzigen Ka ser rott

de« Herrscher aus de« Hause Habsburg vereinigt. Wll« hel« II. ist ein oft und gern gesehener Gast in der Hofburg, und welche Sywpathieu ih« die Bevölkerung des Kaiserstaats entgegenbringt, dafür hat es Beweise genug gegeben. Fest und treu stehen die beiden Herrscher zusammen, und warm schlagen unsere Herzen für da- deutsche Volk Oesterreichs.

Nicht nur der Tod der Kaiserin Elisabeth hat Übrigens einen Schatten geworfen auf die Jubelfeier, auch die inner« politischen Zustände diesseits der Leitha haben vielen Patrioten die herzliche Freude au de« Feste des Monarchen verdorben. Die Stellung der Deutschen im Nachdarreiche, ihr harter Kampf gegen slavische Uebergriffe und Vergewaltigung haben der inneren Politik Oesterreichs während der letzieu Jahre den Stempel aufgedrückt, und gar vorwurfsvoll ist oft die Frage aufgeworfeu worden: »Wie konnte Kaiser Franz Josef das zulasten?" Darum bringen aber doch die Deutschen Oesterreichs ihrem Kaiser heute die inuigsten Wünsche dar, und auch wir bereinigen uns mit unseren Landsleuten zu dem warmen Wunsche:(Bott erhalte den Kaiser Franz Jolef \" _____ (xx)

Versuches Reich.

Darmstadt. 30. Nooember. Seine Köatgl. Hoheit der Großherzog empfingen heute den General«Oberarzt Dr. Rochs, den Ooerstkammerherru Frhiv. v. Schenk zu Schweinsberg Wäldershausen, den Major ben der Marwitz vom 2. Großh. Dragoner Regiment (Leid-Dragooer-Regiment) Nr. 24, mir der Führung bei Mcck^nburgiicheu Dragoner- Regiments Nr. 17 unter Stellung ä la suite bes^lken be­auftragt. deu Röntgt. Württemberg s^err Oberfiaiuzrath v. Hegelmaier, den Mrdicinalralh und Director der Landes- Irrenanstalt Heppenheim Dr. Biberbach, ben Professor und Gymnafiallehrer Fritz, den Profeffor und Realgymuufiallehrer Hehl, den Baurath Braden, den Domänenrath Schaffait, den Rechnuagsrath Grtmm, den Geh. Oorrsteuerrath Vittel, den R-chuungsrath Rettberg, den Dtrector der Oberrealschule Dr. Frhru. v. Gall, den Rechnungsrath Beck'nhaub, den Fiuauzrath Seip, den Meliorationsvaurath Mangold, die Profefforeu Dr. Becker, Ketl und Dr. Schering, den Rechnung!« rath Baumgard, deu städtischen Sparkaffeadirector Weber, ben Eatasteriugenieur Göbel, den Ooerlehrer Schenkelberg von Oppenheim, den Apotheker Lauer, een Werksührer Roch- ' ermel von der Main Neckar Bahn, den Steuerraih Dr. Lauer, ! len Expeditor Gerbeaux- zum Vortrag den Staats« uifter ' Rothe, den Finanzwintster Küchler, den Tabinetsrath Röm- Held, den Hoftheaterbirector Werner.

Berlin, 30. November. Die erste Plenarsitzung des R e t ch s t a g e s soll am 6. December, Nachm ttag» 2 Uhr

behufs Feststellung der Beschlußfähigkeit des Hauses statt- finden. Die Präsidentenwahl wird diesmal eingehende Er­wägungen erfordern. Es wird einer parlamentarischen dorre» spondeuz versichert, daß sowohl die Eonservativeu als auch die Nationalliberalen ihre Abstinenz Politik aufgebeu werden. Der Posten des Präsidenten wird vom Eentru« al» der stälksteu Fraction für Freiherrn v. Hertling in Anspruch genommen werden und auch von den anderen Frackiouen zugeftauden werden, nachdem die Candidatur des Grasen Ballestrem von diesem selbst aufgegeben worden ist. Durch die Wahl des Frttherrn v. Hertling würde Süddeutschland zu feinem Rechte gelangen. In diesem Falle würden die Eonservativen für den ersten Vice-Präfidenteu einen Preußen vorzuschlagen haben. Der Vorsitzende der eonservativen Frac- tion, Dr. v. Levetzow, hat bereits zum 6. December Abends zu dielem Bebuse -ine Fractionssitzuno anberaumt.

Berlin, 30. November. Die Ankündigung der Inter­pellation de» Bundes der Landwirthe für ben Reichstag hat auch in solchen parlamentarischen Kreisen ver­stimmt, welche den Agrariern freundlich gegenüberstehen und deren Bestrebungen unterstützen. Es entspricht nicht ben parlamentarischen Gepflogenheiten, Interpellationen ohne vor­herige Rücksprache in ben Fraktionen zu unterzeichnen. Der Vorstoß des Bunde» der Landwirthe ist deshalb zunächst eine Kraftprobe gegenüber den Eonservativen. Man darf gespannt sein, wie viele Unterschriften fich finden werden. Ist die Zahl der Unterschriften, wie wahrscheinlich, gering, so hat die» die Bundelleitur.g verschuldet. Der Reichstag ist noch nicht einmal eröffnet. Man hätte Zeit genug gehabt, bei Zusammentritt de» Reichstag» dieWirthschaftliche Ver« einigung* zu berufen und hier Übet da» zu beobachtende Vorgehen zu beralhen. Dann war eine achtunggebietende Stärke für jeden Antrag sicher. Daß die Mehrheit be» Reichstage» eine agrarische ist, läßt fich nicht bezweifeln, aber ebenso sicher ist, daß die Leitung de» Bunde» der Landwirthe nur eine kleine persönliche Gefolgschaft hat. Kluger Werse hätte man mit einer geschickten Taclik da» verbergen sollen, statt deffen bringt man e» nun durch Uebeteifer schon vor der Reichstag-et Öffnung mit möglichstem Ungeschick deutlich zu Tage. Von ben brei Leitern de» Bundes der Landwirthe sind die Herren v. Wangenheim und Rosicke eben nur in deu Reichstag gewählt, also parlamentarische Füchse, Dr. Hahn, der dem Reichstage schon ongehörte, war fractionslo» und Hal parlamentarischen Einfluß nicht ausgeübt. Es wird gut i fein, wenn künftig Schritte von solcher Wichtigkeit, wie die i angekündigte Interpellation, nicht über die Köpfe der großen politischen Parteien hinweg ftattfinden. Einigkeit macht stark, ' jede unbesonnene Voreiligkeit ist geeignet, gerade die Intereffen

FeuiUeto«.

Hin hundertjähriger Jubilar.

Man fühlt fich wahrhaftig mavchmai versucht, ben «ackeren Ben Akiba mir seinem anmaßlicheuAll:» schon dageweseu* Lügen zu strafen angesichts der Trturrphe, die Wissenschaft und Technik alliöglich feiern. Hätte fich's der gute Rabbi wohl träumen Uff en, daß man auf metlenweite Entfernung ein Gespräch mit Freunden führen, daß man einem Menschen im wahren Sinne de» Wortes bei lebendigem Leibe Herz und Nieren prüfen, daß man ein großes siebzehn« bündiges Werk wie Brockhaus' Eouverfations«Lexikon in einem Jahre fix und fertig gestellt mit einem Male auf den Büchermarkt werfen könne? Sie blicken erstaunt auf, verehrter Lese,? Sie wiffen, daß b-e hundertjährige Jubi­läums«Ausgabe des großen Brockhaus im Anfänge der SO er Jahre zu erscheiueu begann, und wie alle derartigen Werke mehrere Jahre zu ihrer vollendnog bedurften. Aber Sie wiffen noch nicht, daß der hundertjährige Jubilar in un« erschöpflicher Lebensfrische sich heute schon wieder in erneuter nud verjüngter Gestalt präsevtirt. Denn soeben ist eine Revidirte Jubiläums-Ausgabe des Brockhaus- cheu Eooversatious-LexikousE erschienen, eine epoche­machendes buchhäudlerisches Ereigniß. Und das Titelblatt trägt in allen Bänden die Jahreszahl 1898. Wie es die Verlagsbuchhandlung zu Staude gebracht hat, in so kurzer Zeit diese Riesenarbeit zu bewältigen, darüber uns deu Kopf zu zerbrechen, ist nicht unsere Sache. Genug, die Vollendung oder sagen wir lieber Erneuerung des großartigen Werkes i« einem Jahre, hier ists Ereigniß.

Wie schnell der savsende »ebstuhl der Zeit arbeitet, wird man erst gewahr, wenn man fich von Berufs wegen

mit Poliiik oier mit W-ffenschaft und Kunst zu befaffeu hat. Wie jagt da eine umwälzende Erfindung und Entdeckung die andere, wie drängen fich die Eretgn ffe, deren Details man fich merken sollte. Und doch, wo fino diese Z'ffern, Daten, Einzelheiten zu finden, da man bie Tageszeitungen nicht auf* gehoben hat, die diese besprachen? Nicht einmal in einem Eouversartous-Lexikon. Denn dessen erster Band erschien schon vor Jahren und das gesuchte Ereigniß fangt leider gerade mit A enl

Ich setze ben Fall, ich w'll mich über Audröe unter­richten, den küdnen Forscher, der seinen Wagemurh wohl schon mit dem Leben bezahlt hat. Al» Brockhaus und Meyer erschienen, war Andre: noch unbekannt. So fehlt er in cen Hauptwerken beider Lexika. Da erscheint zur rechten Zeit der Revidirte Brockhaus. Tivtzdem Aod,L: seine Fahrt erst im Sommer 1897 unternommen hat, gibt der erste Band bereits Auskunft über ihn.

Oder eine Zeitungsnotiz über Zola läßt mich nach de« letzten Bande der Revidirtev Ausgabe greifen und unter den Ruhmesblättern, die ben großen Naturalisten schmücken, finde ich als eines der glänzendsten bereits sein muthvollel Auf« treten für den unschuldig verurtheilten Drehfus verzeichnet. Ich schlage Frankreich auf. und die ganze klägliche Tragi­komödie, bie fich an den Namen Dreyen» knüpft, ist dort in kurzen Zügen geschildert. Der schwere Kampf, den unsere volksgenoffen schon sett Jahren in Oesterreich zu bestehen haben, ist ''owohl in dem Artikel Böhmen als auch unter dem Stichwort Oesterreichisch-Ungarilche Monarchie mit warmer Theilvahme dargestellt. Ehinas allmählichen, scheinbar an« aufhaltsamen verfall bis herab zu den Abtretungen großer Gebietsiheile und zur Palastrevolution, den spanisch- amerikanischen Krieg, der Spanien für immer aus der Rrihe der tonangtbend-u Mächte verdrängt hat, den Sieg

der (Sügläaber im Sudan, den Too unseres Bismarck und die Ermordung der unglücklichen Kaiserin Elisabeth, kurz. Alles, waS tm Laufe des letzten Jahres das Interesse der Eulturwelt erregt nab beschäftigt hat, hat der Brockhaus bereits als gewiffenhaster Ehronist verzeichnet.

Aber nicht nur diese sensationellen Ereigniffe find in der Revidirten Jubiläums Ausgabe^ berücksichtigt, ich prüfe ihn auf einem anderen Gebiete, z. B. de« statistischen, und finde auch dort von S bis Z überall die neuesten erreichbaren Zahlen mit sorgsamster Gewiffevhastigkeit eingetragen. Wie men weiß, haben in den letzten Jahren in mehreren Stenten neue Volkszählungen stattgrfunden. Deutschland hatte 1895 seine Volks* und Bernflzählung, Frankreich veran­staltete 1896, Rußland 1897 tiae allgemeine volklzählung, und überall konnten bereitl die veröffentlichten Ergebnisse dieser Erhebungen ausgenommen werden. Wo keine neuen Zählunzlresultate vorltegen, nie z. B. in Italien, find wenigsten! die auf zuverläifigen Berechnungen beruhenden Zahlen eiuzesügt. Ferner find tu den Länderart'keln tte neuesten Etatszahlen, die neuesten Ergebwffe der Handels- und Prodvciioulstatistik berücksichtigt, kurz, auch auf dem ftr den B^vtzer ti t» Nachschlagewerkes so besonders wichtigen ftatipitfien G.d et überall sorgfältige Benutzung des neuesten erreichbaren Materials.

Noch immer ist mein Examen nicht beendet. Ich wM sehen, wie der hundertjährige Prüfling in der Rechtskuude besteht. Da» wichtigste Ereigniß auf diesem Gebiete ist die 1896 für 1900 beschlossene Einführung del Bürgerlichen Gesetzbuches für da» Deutsche Reich. Ich greife irgend einen beliebigen Artikel heran», z. BEigenthum^, und erhalte zuverlässige Auskunft über dielen wichtigen Begriff um so wichtiger, j- mehr men besitzt und über die Behandlung, die ihm tm neuen Bürgerlichen Gesetzbuch zu