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m. 152 Zweites Blatt. Samstag den 2. Juli
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Gießener Anzeiger
General-Unzeiger
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Fernsprecher Nr. 51.
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Ilintlicher Thril.
Gießen, den 30. Juni 1898.
Betr.: Die Ausführung der Verordnung vom 30. December 1891 über die Beaufsichtigung der Locomobilkeffel.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a» die Grotzherzoglicheu Bürgermeistereien und die Grotzherzogliche Gendarmerie des Kreises.
Bei der großen Anzahl von Locomobilkeffelu, deren Revision der Großh. Dampfkeffel-PrüfungS Commission in Darmstadt obliegt, ist eS nicht immer möglich, die Etuhal- tung des im § 35 der rubr. Verordnung vorgesehenen Termins von 12 Monaten stets durchzuführen. Die Großh. DampfkeffelprüfungScommisfion hat deshalb angeregt, statt der vorgefchriebenen Frist von 12 Monaten, wie dies bereits in anderen Bundesstaaten geschehen fei, ausnahmsweise eine längere Frist zuzulaffen, innerhalb deren die jährlich wieder- kehrende Revision eines Locomobilkeffel- vorgenommeu werden müßte.
Wir weifen Sie hiernach an, wegen nicht erfolgter Revision eines DampfkeffelS gemäß § 35 der erwähnten Verord- nung den Betrieb einer Locomodtle erst daun zu untersagen bezw. Anzeigen wegen unterbliebener Revision desselben erst dann zu erheben, wenn die RevisiouSfrist von einem Jahr bereits um zwei Monate überschritten ist, wenn also seit der letzten Revision mehr als 14 Monate verstrichen find.
v. Gageru.
Deutsches Reich.
Berlin, 30. Juni. Der Kaiser empfing heute Vormittag au Bord der Yacht „Hohenzollern" den Reichskanzler Fürst Hohenlohe und spater den Geuerallieutenaut Freiherrn v. d. Goltz. Am Montag früh wird der Kaiser von Kiel auS seine Norblandretse antreten.
Berlin, 30. Juni. Von dem Festmahl im kaiserlichen Yacht-Club in Kiel wird noch berichtet, daß der Sieger Contre-Admiral Brarrandon den Kaiser als Gründer des kaiserlichen Yacht-Club» und als Schirmherrn des Segelsports feierte. Der Kaiser hob tu Erwiderung de» Trink- spräche» die Bedeutung des Segelsports hervor und betonte die Nothwendtgkeit einer Ausdehnung der waffersportltcheu Veranstaltungen, namentlich die Wichtigkeit der Hochfee- Regatten, wie die» durch die Wettfahrten Dover-Helgoland und Travemünde-Swtnemüade schon jetzt mit Erfolg statt-
finde. Im Verlauf der Ansprache befürwortete der Kaiser die Schulung und tüchtige Uebung eine- deutschen Yacht- Matrosen-PerfonalS uud eine Betheiligung deutscher Yachten an den Veranstaltungen im AuSlande. Schließlich feierte der Monarch die Sportsleute, welche im Frieden dem Sport uud im Kriege der Marine ihre Kräfte weihen.
Berlin, 30. Juni. Der Kreuzer „® ei eit" ist von Havanna nach Santiago in See gegangen.
Lübeck, 30. Juni. Das Schwurgericht verurtheilte die Kindergärtueriu Burgmeister, welche dem drei Wochen alten Kinde ihrer Dienstherrschaft Gift beigebracht hatte, infolge deffru da» Kind starb, zu 10 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust.
ArrrUnrd.
Wien, 30. Juni. Heute Nachmittag begannen die Conferenzen zwischen den jungtschechifchen Vertrauensmännern und dem Grafen Thun in der Angelegenheit der Sprachenfrage. Auf deutscher Sette besteht andauernd der Wille, der Einladung de» Grafen Thun so lange keine Folge zu leisten, bi» die Sprachenverordnungen aufgehoben find.
Wien, 30. Juni. Au» Lemberg, Fünfkirchen und Groß- Wardein wird gemeldet, daß über diese Orte in der letzten Nacht ein furchtbare» Unwetter utederging. Dächer wurden abgedeckt, Bäume entwurzelt und die Straßen überschwemmt. Mehrere Menschen find umgekommeu.
für Steuerboteu unb Pfandweister vor fünfzig Jahren, doch Herr S. that ruhig seinen Dienst und thut ihn heute noch. Wir haben vor einiger Zeit iu Ihrer Zeitung gelesen, daß brr Steuerbezirk Ulrichstein einer der bestzahlenden im ganzen Lande ist. Dazu trug Herr S. auch sein Thetl bei, den» er war stet» bereit, den Leuten gefällig zu sein und ihnen die prosaische Arbeit des Steuerzahleu» zu erleichtern. Möchten ihm noch recht viele gute Tage befchieden sein.
Citeratu? Itanft.
— Die Umschau. Uebersicht über die Fortschritte und Bewegungen auf dem Gesammtgebtele der Wissenschaft, Technik, Literatur und Kunst. Jährlich 52 Nummern. Preis vierteljährlich Mk. 2.50. PostzeirungSlMe Nr. 7362. Verlag von H. Bechhold in Frankfurt a. M., Neue Kräme 19 21. Mit der soeben erschienenen Nr. 27 beginnt die Wochenschrift „Die Umschau" (Frankfurt a. M.) ein neues Quartal. ES sei deshalb auf diese vortrefflich redigtrte Ueber- ficht über die Fortschrtte auf dem Gesammtgebtele der Wiffenschaft, Technik, Literatur und Kunst hingewtesen, die jedem Freund universaler Bildung warm empfohlen werden kann und sich außerdem durch ihren billigen Preis (Mk. 2.50 pro Quartal) von selbst empfiehlt. Sir. 27 ist wieder ein Beleg für die Reichhaltigkeit und Gediegenhett der „Umschau". Dieselbe enthält einen tllustrtrten Artikel Heber den Stapellauf großer Schiffe von Marine-Ingenieur Betcke, Melchior Lechter von «Keorg Fuchs (Schluß) mit fünf Abbildungen Lechter'schvk Werke, Die körperlichen Grundlagen unseres Seelenlebens von Prof. Dr. Kienitz Gerloff (Schluß), Die Vollendung der Kongobahn mit Karte, außerdem kleinere Aufsätze über Telephonische Uebertragung durch den electrischen Flammenbogen, FUtrier-Apparate. Daran schließen sich Mitthetlungen über empsehlenswertde Kurorte imb Sommerfrischen, neue Bücher, eine Zettschrtstenschau, ein Kalender der Zeitereignisse im Juni und ein Earricaturmtableau.
CocaU# und provinzielle».
M. Ober-Mockstadt, 30. Juni. Bekanntlich gibt eS in unserem Thale einen trefflichen Töpferthon, der sich besonder» zu Drainröhren eignet. Die Dratnröhreniudustrie würde sich bedeutend heben, wenn e» gelänge, die Verbindungsbahn von Ranstadt über Dauernheim, die beiden Mockstadt, Staden und die beiden Florstadt an die Friedberg- Hanauer- oder die Main-Weserbahn zu bauen. Die Anstrengungen zur Ausführung dieses Projektes werden fortgesetzt. — Die Zwieb elcultureu im hiefigen Thale sehen vielversprechend au», nur müßten wir jetzt^warme und trockene Witterung habe».
U. Ulrichstein, 30. Juui. Im August diese» Jahre» sind 50 Jahre vergangen, seit der Steuerbote der hiefigen DistrictSeinnehmerei, Herr S., seinen beschwerlichen, undank- baten und nicht besonder» einträglichen Dienst antrat- denn wer wird gern Steuer zahlen. Eß, war eine verfl xce Zeit
Gießen, 2. Juli. Gegen Flöhe, Scknaken, Schwaben, Ruffen, Wanzen und Fliegen kauft nur Lahr's Dalma. Es tobtet in 10 Minuten alle Fliegen im Zimmer. Nicht giftig. Hunderte von Dankschreiben. Nur ächt zu haben in versiegelten Flaschen zu 15, 30 und 50 Pfg., Staubbeutel 15 Pfg. in Gießen in der Hirschapotheke. 6454
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Feuilleton.
Melchior Lechter.
Von Georg Fuchs.
(1. Fortsetzung.)
Nirmal» sah man eine Arbeit seinrr Hand auf einer Ausstellung. Was wollte er dort, wo e» daraus ankam, durch stoffliche und sonst äußerliche Dinge die gaffende Menge auzuziehen und von den Nachbarn abzulevken? Er lächelte, wenn mau ihm von den Ausstellungen sprach, die für die meisten seiner Genossen gänzlich zum einzigen Zweck der Kuustübung geworden schienen. Freilich wollte auch er sein Schaffen ins Leben htnetnstellen, um r» in der Wechselbeziehung zum Leben, au» der eS entstanden war, dauernd zu erhalten. So zeigte er in einer Sonder Ausstellung in Gurlitt» Sälen (November 1896), wa» er konnte. Ganz selbstverständlich begriff ihn die Menge der Neugierigen nicht, ob fie zwar in gellender Erregung uud zudringlicher Der- wuaderuug hinzuströmre, schwatzte und staunte. Mau suchte seine „Persönlichkeit", da» „Erlebntß", das „Seelische", wie man eS von jener Maleret, Musik und Literatur, die nicht in sich selbst gtlrige Formen zu geben wußte, gewohnt war. Dem war er ein Mystiker, jenem ein Wagnerianer, dem einen ein Shmboltker, der da» Chao» durchpflügte, dem Andern ein schwärmender Träumer voll glühender Visionen uud trunkener, geheimer Lust. So wußte man von ihm, so besaß und beredete man ihn al» „Individualität", wie mau alle jene modischen Größen al» „Persönlichkeit" nahm, wohl weil man nichts andere» von ihnen erhielt, al» diese» allzuwevige und allzuselbstoerstäudliche — Persönlichkeit.
Dennoch kam der Künstler zu seinem Recht. Sein Schaffen war nicht das willkürliche „Ausleben" einer Persönlichkeit, sondern eine Nothwendigkeft. Nothweudig war e» geworden, nothwendig eben so geworden, mithin wußte
e» im Leben eine Stelle haben und Lücken finden. Die Baumeister, die Buchdrucker und wer eine» Zterrathe» bedurfte, der nicht nur in Nachpausungen veralteter Formen bestand uud trotzdem tu einem nach den Gesetzen reifster, streng stilistischer Kunst gestalteten Raume einen Platz au-fülleu konnte — fie alle kamen zu Melchior Lechter. Diese erkannten ihn erst al» Künstler. — Auch wir wollen nur die Kunst uud da» Können Lechter» zeigen. Daher wüffen wir, al» Mittel zum Zweck, darzustellen versuchen, wie er treu und frei im Geiste seiner Ztit lebt und, durch seinen Geist getrieben, zu neuen Gestalten sortschrilt.
Das geistige Leben seiner Zett erkannte er old beherrscht von Dreien: Richard Wagner, Arnold Böckltn und Friedrich Nietzsche, den Dichter und Propheten. Wohl wiffend, daß da» geistige Leben eine» VolktS bet Wenigen ist, daß e» gletchgiltig ist, wen die Vielen preisen, wer in den Zeitungen und auf den Märkten gilt, fand er solche Führer unter den älteren, die ihm die Fülle geben fonaun. Verse und Melodien Wagner», Sprüche Friedrich Nietzsches wählte er zu Texten seiner Zierschriften: Böckltn, der vergötterte Kunst, genoffe, ist ein Führer in der berauschenden Wunderwelt der Farbe.
Sein Einfluß ist deutlich nicht nur in großen Gemälden (Tristis est anima mea ueque ad mortem, Schatteulaud, Muse am Meer), sondern auch in den Entwürfen für Radiruugen (Frühlingstraum, Morgentraum-Gluthen).
Durch die innigen Beziehungen zu den Meistern de» strengen und reifen Stiles in den anderen Künsten (er fand zumal tu dem Dichter Stefan George einen Künstler, deffeu Schaffen sowohl in den Grundlagen, al« in den Werken an Gestalt wie in den Formen dem setnigen aus» Innigste ver- wandt war), wurde Lechter dazu getrieben, sich mit besonderer Sorgfalt de« Buche» anzuoehmen. Er hat nicht nur Umschläge für musikalische und poetische Druckwerke entworfen, sondern sich mit ebenso großer Siebe der Verbesserung de»
Druckt» und de» Jnnen-DecorS zugewendet. Die Ziele, welche Lechter iu der Buchausstattung verfolgt, erkennen wir an dem nach feinen Angaben decortrten Buche „DaS Jahr der Seele" von Stefan George selbst, welches kürzlich bei von Holten in sehr beschränkter Anzahl gedruckt wurde. Die deutsche Druckerkunst hat seit langer, langer Zeit nicht» hervorgebracht, wa» sich diesem Buche vergleichen ließe. Lechter wünscht sür da» Buch ein zwar reiche«, aber dennoch durchaus structiveS Decor. Da» Nothwendtge am Buche soll so gearbeitet und zusammengestimmt werden, daß das Buch an sich, ohne illustrative Beigaben, ein Kunstwerk darstellt. So nimmt er bereit« bet der Wahl bei Papiers Rücksicht darauf, „wie es sich anfühlt" und wie eS sich für da« Gefühl, wie für da« Ange zum Umschlag verhält. Die Folge von Außen, zu Innenseite de» japanischen Umschläge» und von da zum Textpapier ist beim „Jahr der Seele" mit feinstem Geschmack gewählt. Der Umschlag allein erhielt bildlichen Schmuck: einen Engrl, der auf einer kleinen Orgel spielt, dahinter in schlichter Vereinfachung einen abschließenden Hag von Laubwerk. Diese sauft und mit stiller Anmuth dem weichen Papier eingeprägte Leiste wird gestützt von der Schrift, die in kräftigen rothen und schwarzen Versalien da» ganze Blatt bi» auf einen schmalen Rand aut füllt. (53 ist xtc^ttfle „Schrift", der Künstler wollte auf die Gelegenheft zu reiz- vollen Abwechselungen, welche sich au» den Unregelmäßigkeiten der Schrift ergeben, nicht verzichten, er wollte nicht den Druck vachahmeu. — Im Texte find für die Strophen- Anfänge wennigrothe, für die VerS-Ansänge blaue Versalien gewählt, die auch in den fast pathetisch wirkenden lieber* schriften abwechseln. Die Ver-zetlen find tief schwarz. Die Seiten haben nur ganz schmale Ränder: so wirkt da« Ganze gedrungen, harmonisch gechlvffen, künstlerisch Blatt für Blatt, nur durch geschmackvolle Behandlung de» Nolhwendigen, ohne Schnörkel, ohne Bild, ein neuer Meisterdruck.
(Fortsetzung folgt.)


