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1808
Zweites Blatt.
Nr. 126
Gießener Anzeiger
Heneral-AnMger
Gratisbeilage: Gießener Fannlienblätter
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Donnerstag den 2. Juni
Redaction, Expeditton und Druckerei:
Schulstr.tze Ar. 7.
Die Cabirretskrifis in Italien.
Wir haben bet Besprechung der politischen Situation in Italien in letzter Zeit mehrfach ausgeführt, daß die Regierung dort keineswegs auf festem Boden stehl. Roch die letzten Unruhen haben wieder gezeigt, welche Gefahren den staatlichen und gesellschaftlichen verhaliniffen in dem un« so eng ver» bündeten Laude drohen. Noch hat die Lage sich nicht con- soltdtrt, und wenn die Meldungen jetzt beruhigter lauten, so darf mau auoehmeu, daß an der italienischen Grenze eine sehr strenge Seusur herrscht, welche uns die wahre Situation verbirgt.
Al» s. Zt. Radtvi die Erbschaft CriSpis übernahm, da gab man sich den frohesten Hoffaungeu hin, die ja auch in mancher Beziehung erfüllt worden stnd. Damals stand Italien unter dem Eindruck einer politischen und finanziellen Srtfi». Der Rrleg mit Abefsyuteu hatte einen unglücklichen Verlauf genommen, Italien hatte nicht vermocht, de» Königs Meuelik Herr zu «erden- das Ansehen des Landes hatte einen starken Stoß erlitten. Tausende italienischer Soldaten schmachteten in der Gefangenschaft des Negus, was auf die Bevölkerung einen überaus deprimirenden Eindruck machte und keineswegs geeignet war, das Vertrauen zur Regierung zu stärken. Erst der Bermtttelung des Zaren war es zu sanken, daß die Auslieferung der Gefangenen einen glatten Verlauf nahm, und daß rin für Italien ehrenvoller Friede abgeschloffeu werden konnte.
Freilich ist bisher nichts darüber in die Oeffeutltchkeit gelaugt, welche Summe Italien hat opfern «üffeu- gering wird dieselbe nicht gewesen sein, aber die Regierung durfte nicht knausern, wollte fie nicht die Unzufriedenheit im Lande auf die Spitze treiben- Und Radivi fand im Allgemeinen viel Zustimmung, als er die Afrtkapolittk einstellte, oder doch wenigstens auf das alleruothweudigste Maß beschränkte.
Auch die Finanzen waren in sehr desolatem Zustande, als Rndini die Regierung übernahm, und mau muß anerkennen, daß er Alles gethau hat, um das vertrauen in die Leistung-- fähtgkett des Landes zu heben und seinen Eredit wieder her- zustellev. Aber doch hatten sich nicht alle Hoffnungen, die man auf den Marquis setzte, erfüllt- einen Theil feiner Ber-
England und Amerika schreibt die Post: Die diese Gerüchte dementirende Mittbeilung der „Times" steht tu Ueberetnstimwung mit der Auffaffung, die man auch in hiefigeu unterrichteten Kreisen über d°s Berhältniß zwischen Englaud und Amerika hegt. Daß sich zwischen den beiden stammverwandten Staaten in letzter Zeit eine Auuäherung vollzogen hat, steht ja für Jeden, der sehen will, außer Zweifel. Bo« einer solchen bis zum Abschluß eines formellen Büuduiffes aber ist der Schritt noch ein recht großer.
Amts uitb Anzeigeblatt füv den Aveis Gieren.
fprechuugeu hat er nicht gehalten, und das ist der hauptsächlichste Vorwurf, welcher ihm gemacht werden muß. Auf dem Gebiete der Gocialpolttik ist auch heute noch so gut wie gar nichts in Italien geschehen, und die vielen, fast immer andauernden Aufstände in einzelnen Theilen des Lande- zeigen, wie unzufrieden ein großer Procentsatz der Bevölkerung mit seiner Lage ist. Namentlich auf Sictlien herrscht ein Roth, stand, dem gegenüber die Regierung taub zu sein scheint.
Ueber die notieren Ursachen, aus denen das Cabiuet Rudtvt seine Entlaffung gegeben hat, ist noch nichts Sicheres bekannt. Man sagt, der Minister deS Aeußereu, Visconti venosta, habe größere Beschränkungen des Preßgesetzes, des Vereins- und Wahlgesetze» verlangt, damit aber im Minister- rathe nicht durchdringen können. DaS ist leicht erklärlich, da die Hauptstütze RudtniS, der Justizminister Zanardellt, seinen radicalen Grundsätzen gemäß ein solche» verlangen nicht unterstützen durfte.
Ob nun noch andere Gründe im Spiele waren, läßt fich heute noch nicht übersehen, ebenso wenig, ob eS Rudini gelingen wird, wieder ein Ministerium zu Stande zu bringen. Schon da« letzte Mal machte ihm die Cabtnetsbildung viel Schwierigkeiten, die jetzt noch erheblich größer sein dürften. Hoffen wir im Jutereffe de» Lande«, daß die Krtfi» nicht von langer Dauer ist. (xx)
Wafferkuppe, mit der Eube und dem PserdSkopf, link» vom Orte reihen fich die bewaldeten Kuppen der beiden „Rallen" au den „Haderwald-, der im vielbesuchten „DammerSseld" seinen Abschluß findet, — rückwärts sehen wir die schöne Gruppe des „Eie,Hauck" mit dem „Rommer»-, Teufels- und Htmmeldankberg" - besonder» schön aber zeigt fich uvS der durch seine «egelgestalt auffallende Poppenhauser „Wacht- küppel", sowie link» davon der Edersberg mit schöner Ruine.
In Gersfeld, daS wir vom Kreuzberg au» in dreistündiger Wanderung erreichen, finden wir recht gute Unterkunft im Gasthaus „zum Adler", daS von Sommerfrischlern stark besetzt ist. Das hübsche Gersfeld, von Fulda au» mit der Nebenbahn jetzt leicht zu erreichen, eignet fich ganz besonder» al» Standquartier zum Besuche der durch die Eigenart und Mannigfaltigkeit der Gebirgsbildung hervor- ragenden Rhön.
Zum Besuche des AbtSrodaer Gebirgsstocks (Wafferkuppe) brechen wir früh Morgen» von Gersfeld auf. Nach einer Stunde starken Steigens find wir bereit» auf der „Ende" und damit auf dem kahlen Bergrücken ongelangt, der ganz den Lharacler der Bergriesen des Schwarzwaldes und der Vogesen tragt. Uns gerade gegenüber, am sogenannten „Goldloch", erhebt fich die merkwürdige Kuppe, „PserdSkopf" genannt, deren eine Hülste abgerutscht erscheint und nun einen Blick in da« Innere de» Berges gestattet. Wir wandern vorüber, der Höhe der weithin sichtbaren Waffer- kappe, dem höchsten der Rhöuberge, zustrebend, deren Gipfel mit Rasthaus wir in einer halben Stunde erreichen. Die Aussicht ist eine überaus fchöne und umfaffende und besonders hübsch ans die nördlich gerade vor unS liegende „Milseburg". Wir Übersehen das ganze Land, vom TauvnS westlich bi« zum Thüringer Wald mit dem Juselsberg im Osten, von dem Steigerwald und den Frankenbergen bei Würzburg bis zum Meißner bet Kaffel — gewiß eine großartige Rundschau! Die Wafferkuppe hat eine Höhe von 950 Meter über dem Meere- von der Milseburg ist sie durch einen Gebirgspaß getrennt, in welchem da« Dorf AbtSroda liegt, da« wir in raschem Abstieg in einer Viertelstunde erreichen. Bon hier geht e« wieder auswärts, um den Weiherberg nach dem merkwürdigen Bubenbaderstein, einender Milse- bürg gerade gegenüberliegenden, kühn und steil aufstetgenden
Phooolitfelsen, an deffen Fuße ein Weiher, da« „Bubenbad , liegt. Hierin badeten die Söhne der Ritter von der Milseburg. Nach einer alten Sage soll die siebente Tochter eine« dieser Ritter, der fich nach einem Leibeserben sehnte, durch Baden in diesem Weiher in einen Knaben („Bub") verwandelt worden sein, daher der Name.
Dicht vor uns liegt jetzt die „Milseburg", der schönste und merkwürdigste aller Rhönberge. Der Anblick von dieser, der südöstlichen Seite aus erinnert sehr an den „Hohentwiel", die Schutthalden auf den Abhängen de- Berge« an diejenigen der „HorniSgrüode". Ueber Danzwiesen, einem kleine« Weiler, geht es auf steinigem Pfade aufwärts zur Höhe. Die Nord- und Westseite des Berge« stnd bewaldet- fei« Aussehen ist von jeder Seite ein anderes, weßhalb ihn beispielsweise die Vogelsberger daS „Heufuder", wegen feiner einem beladenen Hruwagen ähnlichen Gestalt von der Westseite, die nördlich Wohnenden die „Todtenlade", weil von dort aus dieser gleichend, benennen. — Die Milseburg, 933 Mettr hoch, besteht der Hauptsache nach aus Basalt, im oberen Theile aus Phonolith, und enthält einzelne prächtige Felspartteev, wie „die kleine Milseburg, „die Schnittlauch- felsen" u. a. Auf der Kuppe erhebt fich eine KreuzeSgruppe, daneben eine Ortstafel und ein Gerüst für VermeffungS- zwecke. Nach Norden treppen fich zwei kleine Terraffen ab, auf deren oberer die St. Gangolf geweihte kleine Eaprlle mit steinerner Kanzel an der Außenseite, auf der zweite« ein SchutzhauS mit guter Wirthschaft steht. Beide Plateau» find klein und für die oft zahlreich erscheinenden Wallfahrer dann unzureichend. Auf dem Gipfel ist nur Platz für einige Personen. Die Ausficht ist von hier fast noch schöner, wie von der Wafferkuppe.
Höchst ungern scheiden wir von dem schönen Berge, um durch den Wald nach dem freundlich und geschützt zwischen Bergen liegenden Kleiu-Saffen hinabznsttigen. Von hier wählen wir den Weg am Kahrhofe vorbei nach der „Fohlen- weide", von welcher man einen überaus hübschen Anblick auf da» über den Wäldern thronende Schlößchen „Bieberstein" genießt. Leider gestattet un» die Zeit nicht, daffelbe zu besuchen, weßhalb wir den Weg durch den schönen „Thiergarten" einschlagen, der unS nach der thurmreichen Bischofs- stadt Fulda führt, wo wir unsere Wanderung, überaus befriedigt von den erschauten Schönheiten, beschließen.
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Ausland.
Wie», 31. Mai. Die liberalen Blätter prophezeien der morgen beginnenden ReichSrathS-Session stürmische Sitzungen und eine kurze Dauer. Sie constatiren ferner, daß durch die Auflösung des Grazer Gemeinderath- die innere Situation fich derart verschärft habe, daß e- der Regierung kaum gelingen dürfte, den Reichsrath arbeitsfähig zu machen und die Möglichkeit deS parlamentarischen Ausgleichs mit Ungarn zu sichern.
Graz. 31. Mat. Da jeder Commers und jeder Auszug der hiesigen Studentenschaft polizeilich verboten ist, hat gestern Abend eine Besprechung der Delegirten der deutschen Studentenschaft Oesterreichs statt- gefunden, in welcher eine vollständige Einigung in der Reserve- offizier-Frage erzielt worden ist. Die auswärtige Studenten- schäft erklärte, mit den Grazern solidarisch Vorgehen zu wolle«. Das Haus des ehemaligen Bürgermeisters Dr. Graf ist polizeilich bewacht. Außer einigen lärmenden Scenen zwischen jungen Leuten und bosnischen Soldaten find keine Unruhen vorget'ommen. Nur wenige Verhaftungen haben stattgefunde». In den Kneiplocaleu der deutsch-nationalen Studentenschaft hat die Polizei Haussuchungen borgenommen.
Luxemburg, 31. Mai. DaS Befinde« deS Groß- Herzogs ist, wie verlautet, besorgnißerregend. Eine Operation ist wegen des hohen Alters unmöglich.
Madrid, 31. Mai. Der Mtnisterrath hat die an die Mächte zu richtende C.ircularnote wegen der Kriegs- führnng der Vereinigten Staaten endgültig festgestellt und gntgeheißeu.
Slnnahm von Anzeigen zu i Nachmittags für den ifelgcnbui Toz erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr.
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Dank.
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Berli», 31. Mai. Der Kaiser nahm gestern vormittag auf der Fahrt von Berlin nach Potsdam den Vortrag des StaatSsecretärs v. Bülow entgegen. An der heutigen Frühstückstafel beim Kaiser nahm das griechische »ronprinzen- paar Theil.
Berlin, 31. Mai. Prinz Heinrich ist gestern in Wai-het-wai angenommen.
Berlin, 31. Mai. Der „ReichSanzetger" veröffentlicht die Verleihung de« CharacterS als wirklicher Geheimer Rath mit dem Prädicat Excellenz an den Präsidenten de» Reichs- EiseubahuamtS Dr. Schulz.
Berlin, 31. Mai. Za den neuerdings aufgetauchten Nachrichten über den Abschluß eines Bündnisse- zwischen
Feuilleton.
eint Wanderung durch Spessart und Rhön.
Retseskizze von G. I. O. Schmandt.
(Schluß.)
Der Kreuzberg ist ein stark besuchter Wallfahrtsort. Ton dem 98 Meter unter dem Gipfel dr- Berge- gelegenen Kloster führen steinerne Treppen, an den Stationen vorbei, zur Höhe, welche durch ein 26 Meter hohe« hölzerne« Kreoz, einen steinernen AuSfichtsthurm, sowie durch ein Holzgerüst sür die Zwecke der LandeSvermeffung gekennzeichnet ist. Wir befinden uns 930 Meter über dem Meere und genießen einen urnfaffendeu Rundblick, der aber durch den wolkenbedeckten Himmel sehr beeinträchtigt wird. Nur manchmal verscheucht der hier stet« wehende Wind einzelne Wolken und läßt unS die Großartigkeit der Gebirgslandschaft mit flüchtigem Blick erhaschen. Der völlig kahle Berggipfel ist nichtsdestoweniger schön. Die reine Luft, der von den Matten aufsteigeude Kräuterduft, der ungehinderte Blick, die zeitweise durchbrechenden Sonnenstrahlen erzeugen in uns ein Befühl der Behaglichkeit, welche- nur von dem manchmal schärfer wehenden Winde beeinträchtigt wird.
Wir nehmen Abschied von dem schönen Berge nnd dem gastlichen Kloster, in welchem man fich beim Weggehen die Rechnung selbst macht, denn die Mönche dürfen nichts fordern- wir schlagen in nördlicher Richtung den Weg nach Gersfeld ein. Letzterer führt steil ab zum Thale der Sinn und hebt sich wieder nach Durchquerung btffdben. Born Arnsberg, ben wir nunmehr erreichen, haben wir einen schönen Blick auf die vom Kreuzbeine aus nicht sichtbaren Thäler der Sinn und der Brend mit dem am letzteren gelegenen Städtchen BtschosShetm. Bon hier führt eine Zweigbahn nach Neustadt a. d. S., mittelst welcher der Besuch de- Kreuzberges auch sür weniger Rüstige möglich ist. Unser Weg führt weiter über Weißenbrunn, an der Schwedenschanze vorüber nach Rodenbach, dem ersten preußischen Dorfe, das wir erreichen. Der Besuch de- mit einem Tempelchen geschmückten Rodenbacher „Küppelö", einer kleinen Anhöhe recht- der Straße, belohnt uu- auf« Beste, denn überraschend schön liegt vor un» im freundlichen Thale da- Städtchen Ger-feld, recht» dahinter erhebt fich der gewaltige Gebtrg»stock der
£rfd)dnt täglich mit Ausnahme des Montags.
Die Gießener Aamilieuvkätter werden dem Anzeiger wöchentlich vierm beigelegt.
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