Ausgabe 
2.3.1898 Zweites Blatt
 
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Nr. 51 Zweites Blatt. Mittwoch den 2. März lSf»S

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Anrtlich^ Lheil

Nr. 6 des Reichs Gesetzblatt-, auSgegeben den 25. d. M., enthält:

(Nr. 2446) Gesetz wegen Aushebung der CautionS- Pflicht der Reichsbeamten. Vom 20. Frbeuar 1898.

Gießen, den 28 Februar 1898.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Reich

Berlin, 28. Februar. Der Kaiser hat am 5. Januar nach der erfolgten Vereinbarung mit China folgendes Tele­gramm an deu Reichskanzler gerichtet:Obwohl ich schon weih, daß eine äußere Freude nicht im Stande ist, Ichwere innere Leiden zu heben, so bin ich doch von innigster Freude erfüllt, daß GotteS Gnade nach dem furchtbaren Schlage, der Dich getroffen, Dir einen solchen herrlichen Erfolg beschiedeu hat. Da- ist eia schöner Lohn sür solche große Arbeit und eine hohe Befriedigung nach ausgestandener Sorge. Meinen kaiserlichen Dank und herzlichsten Glückwunsch wollest Du freundlichst anuehmeu."

verliu, 28. Februar. Wie dieNords. Allgem. Ztg." meldet, hat der griechische Gesandte in Kairo die durch den türkischen Krieg unterbrochenen diplomatifchen Be­ziehungen Griechenlands zu Egypten wieder aus­genommen. Damit ist die in der Zwischenzeit durch die Vertreter Rußland», Frankreichs und England» erfolgte Wahrung der griechischen Jntereffen in Egypten unnörhig geworden.

verlia. 28. Februar. Im Abgeorduetenhause steht der Etat der Eisenbahn-Verwaltung auf der heutigen Tagesordnung. Unterstaatssecretär Fleck erklärte, daß Minister Thielen gestern Abend an einer schweren Nierenkolik heftig erkrankt sei. Er bat im Namen des Minister», dir Berathuog des Eisenbahn-Erat» vorläufig auszusetzen. Der Präfident b-raumte hierauf auf 1 Uhr eine neue Sitzung an, in welcher eine ganze Reihe von kleinen Etat» ohne Erörterung ge­nehmigt wurde.

Berlin, 28. Februar. Die Commission des Reichstages für die Novelle zum Postdampfer-SubveutionSgesetz hat heute ihre erste Berathuug der Vorlage beendet. Mehrere

in Vorschlag gebrachte Resolutionen betreffend die dem Lloyd za stellenden Bedingungen wurden bi» zur zweiten Lesung zurückgestellt. Zum Berichterstatter wurde Prinz Arenberg ernannt.

Wilhelmshaven, 28. Februar. Der Kaiser trifft morgen Vormittag XV,4 Uhr hier ein und fährt vom Bahnhofe direct zur Vereidigung der Marine-Truppen. Darnach be- abfichtigt der Kaiser, im Osfizicr-Casino daS Frühstück ein» zunehmen. Abends findet an Bord des PanzersKurfürst Friedrich Wilhelm" ein Diner statt, zu welchem der Kaiser eine Anzahl von Einladungen ergehen laffen wird. Ast 2. März wird der Kaiser mit demKursürst Friedrich Wilhelm" nach Bremerhaven in See gehen. Der Hofzug fährt am 2. März Mittags leer von Wilhelmshaven nach Bremen. Die Panzerschiffe des ersten Geschwaders haben die Docks verlassen und find bereit, event. den Kaiser auf seiner Reise nach Bremerhafen zu begleiten.

Arrstau-.

Wien, 28. Februar. Entgegen den umlaufenden Ge­rüchten von dem bevorstehenden Rücktritt des Minister­präsidenten Gautsch erfährt va»Neue Wiener Tzbl." von unterrichteter Seite, daß, da die Lage in Oesterreich eine sehr schwierige und verworrene sei, an maßgebender Stelle die Auficht vorherrsche, daß nur Gautsch die geeignete Persön­lichkeit sei, um die politischen Verhältnisse tu ruhige Bahnen zu lenken und einen Ausweg zu finden.

Wien, 28. Februar. DaS Befinden der Prin­zessin Clementine von Coburg ist derart, daß die Aerzte jeden Augenblick die Katastrophe befürchten.

Prag,28. Februar. Der Rector der hiesigen deutschen Univerfirät hat in einer Zuschrift an den Ober-Landmarschall mit Berufung auf die Erklärung der deutschen Abgeordneten seinen Austritt aus dem Landtage angezrigt.

Athen, 28. Februar. Die Polizei verhaftete mehrere, der Berhetligung an dem Attentat auf den König Georg verdächtige Personen, von denen jedoch nur der Magistrats­beamte Karditza am Attentat wirklich betheiligt ist. Ebenso wurde der Redacteur des könig-feindlichen Blatte»EmbraS" in BerwahrungShaft genommen, weil sein Blatt schon vor dem Attentat verschiedene Thatsachen, welche auf einen An­schlag schließen ließen, veröffentlichte.

Unterricht »nd Ermüdung.*)

Unter den verschiedenen Methoden, die Ermüdung infolge geistiger Arbeit zu meffen, ist die von Proseffor Griesbach unstreitig die einfachste und zuverlässigste- diese beruht im Wesentlichen auf folgenden Thatsachen: Setzt man über einer Hautstelle, wegen besonderer Empfindlichkeit am zweckmäßigsten über dem Jochbein, zwei Spitzen eine» Zirkel» aus, so werden bei weiterem Spitzenabstand zwei Spitzen empfunden- wird jedoch der Spitzeuabstand de» Zirkel» ein relativ geringerer, so empfindet man nur mehr eine Spitze, obwohl zwei Spitzm thatfächlich zwei Hautstellen berühren. Diese Thatsache war längst bekannt. Proseffor Griesbach aber machte die Ent­deckung, daß die Fähigkeit unsere» Bewußtsein», zwei auf­gesetzte Spitzen der Empfindung nach zu trennen, mit de« ErwüdungSgrad des Untersuchten abnimmt. Ein auSgernhter Mensch vermag zwei aufgesetzte Zirkelspitzen bei viel kleinerem Abstand getrennt zu empfinden, al» ein ermüdeter.

Griesbach wendete sofort seine Methode dazu an, um bei Schülern die Ermüdung durch den Unterricht genau zu meffen. Die Meffungen wurden aber nicht nur an den Schultagen vor und nach den Stunden vorgenomwen, son­dern auch an schulfreien Tagen. An den Schultagen zeigte sich, daß nach deu einzelnen Unterrichtsstunden der Spitzen- abstand de» Zirkels bei allen Schülern ein größerer war, all vor dem Unterricht - z B. konnte ein Schüler vor Beginn des Unterricht» noch bei einem Spitzenadftande von nur 5 Millimeter genau zwei Spitzen empfinden, so war er die» nach der ersten Stunde nicht mehr im Stande- erst bei 10, 15 oder mehr Millimeter Spitzenabstand empfand er wieder zwei Spitzen. Da- heißt wir anderen Worten: durch die geistige Arbeit ist Ermüdung beim Schüler eingetreten und diese hat die Empfindlichkeit seiner Tastverven verringert. Hingegen wurden an schulfreien Tagen keine ueuneoSwerthen Schwankungen der Tastwerthe nachgewtefeu: die liebe Jugend war da zu Mittag ebenso empfänglich für die Eindrücke der Außenwelt wie am Morgen.

Nach dieser Methode Grie-bach» hat nun Dr. Wagner eine große Anzahl Mrffungen an Schülern vorgenommen und ein reiche» statistisches Zahlenmaterial gewonnen, aal dem sich viele intereffante Schlüffe ziehen laffen- die wich-

)Ermüdungsmefsungen an Schülern des Neuen Gymnasiums in Darmstadt" von Dr. Ludwig Wagner.

Feuilleton.

Entdeckungen und Erfindungen.

Technische Revue.

Von Rudolf Curtius.

(Schluß.)

Auf dem Gebiete der Metallurgie erregt Patricks Glanzmetall berechtigtes Aufsehen. Es ist eine Com- Position au» mehreren Metallen und Übertrifft da« für GebrauchSgegenstände immer noch recht theuere Nickel au Schönheit, wie e» sich durch feine silberglänzende Farbe und den Vorzug des Nichtrostens in gleicher Weise aus- zeichnet.

Von außerordentlichen Fortschritten ist in jüngster Zeit «us dem Gebiete der Photographie zu berichten. Die Wiedergabe der natürlichen Farben ist wesentlich vervoll­kommnet worden. Seiten» der europäischen meteorologischen Warten werden jetzt häufig unbemannte Luftballon- abge- laffen, um mittelst selbstthätig registrirender Instrumente die Physikalischen Verhältniffe in hohen Lustschichten zu erforschen, zu welchen vermuthlich nie ein lebender Mensch Vordringen wird. Diese Ballon- verfieht man mit automatisch wirkenden photographischen Camera-, welche in beliebig reguiirbaren Zeiträumen Bilder der unter dem Ballon befindlichen Erd­oberfläche ausnehmen und dadurch ermöglichen, genau den Weg dieser Ballon« zu verfolgen, welche in einzelnen Fällen eine Höhe von 18,000 Meter erreicht Huben und mittelst welcher man eine neue und sichere Grundlage für Wetter­prognosen schaffen zu können hofft.

Im Gegensatz zu der Photographie hoch in den Lüsten steht diejenige tief unten im Wasser der Meere, welche der Brafiltaner Boiteux jüngsten» bedeutend vervollkommnet Hal­er nimmt mit Hilfe electrischeu Lichte- selbst in Tiefen von 30 bi« 40 Meter Bilder auf, welche an Schärfe nicht» zu wünschen übrig lassen und mit dem in diese Tiefen nur spär­lich dringenden Tageslicht auch bei langer Belichtung nicht gu erzielen wären.

Auch die Entfernung zwischen dem Apparat und dem anfzunehmeudrn Gegenstand spielt k-eine Rolle mehr. Die Amateure wissen, daß, wenn man Detail» auf der Platte erhalten will, Personenaufnahmen nur auf einige wenige Schritte und Gebäudeaufnahmen höchsten- auf etliche hundert Schritte möglich find. Nun hat mau aber unlängst natürlich bei besonder» günstiger Beschaffenheit der Atmosphäre in der nächsten Umgebung von Potsdam mittelst beson­derer Apparate einzelne Gebäude de» 25 Kilometer entfernt liegenden Berlin, wie z. B. da» Rathhau», da- RrichStagS- gebäude und verschiedene Kirchthürme mit allen Einzelheiten ihrer Architrctur ausgenommen. Man bedient fich hierbei ganz neuer combinirter Linsensysteme, welche die Wirkung eine« aplanatischen Objectiv», mit derjenigen eines Fernrohre» verbinden.

Für die HllustrationStechnck eröffnet die sogenannte Maschinenphotographie die ersreulichsten Aussichten. Wer die Abbildungen, in unseren Zeitschriften von heute mit denen vor ein bi» zwei Jahrzehnten vergleicht, wird wahrnehmen, daß die heutige Vervollkommnung im Wefeuiltchen auf der Benutzung der Photographie berühr. Immerhin aber find die heute im Gebrauch stehenden Verfahren ziemlich umständ­lich, insofern ein Umdruck unvermeidlich war und der ganze Prozeß demnach eigentlich doch keine Photographie, sondern ein Druck ist. Die neue, au» Amerika gekommene Erfindung ist aber eine wirkliche Copirung, bet welcher Pofitivbilder erzeugt werden und Copirung, Entwickelung und Fixation automatisch besorgt werden. In dem Negativrahmen befinden fich, wenn e» fich um Maffenproductiou ein und desselben Bilde» handelt, eine Anzahl Negativplatten, welche diesen darstellen- will man aber auf einer Seite Papier mehrere und verschiedene Ansichten abbilden, so müssen entsprechend verschiedene Platten zusammengestellt werden. Der Copir- prozeß erfolgt nun auf einem sogenannten endlosen Bande lichtempfindlichen Bromfilberpapiere» bei intenfivem electrischen Lichte, in dem fich selbstthätig ein entsprechende» Stück de» Papierstreifen- unter den Negativrahmrn legt. Nach ge­höriger Belichtungszeit, welche fich auf 2 bi» 3 Secunden

beläuft, bewegt sich der Streifen weiter- e» tritt ein bisher unbelichtetes Stück unter den Rahmen, während da« copirte Stück auf einer vor Beleuchtung geschützten Rolle aufgewickelt wird. Auf diese Weise ist man im Stande, je nach der Größe de» Bilde» 5000 bt« 20,000 Copieen in einer Stunde herzustellen. Ebenso automatisch erfolgt da» Entwickeln, Tonen, Fixiren und Trocknen, indem der die Pofirive ent­haltende Papierstreifen fich wieder von der Rolle abwickelt und bei gedämpftem Lichte mit gleichmäßiger Geschwindigkett von etwa 3 Meter in der Minute über Leituug-rollen durch eine Reihe chemischer Flüssigkeiten hindurchgesührt wird, nach deren Pasfiren der Streifen ebenso mechanisch in reinem Wasser ausgewaschen und schließlich getrockaet wird. Man kann mit diesen Maschinen bequem über 100,000 Photo­graphien in einem Tnge Herstellen und mit dem bisherigen Druckverfahren auch hinflchtlich de» Kostenpunkte» erfolgreich concurrhen.

Die Übertragung eines ganzen Bilde- mittel» Electricttät auf weite Entfernung ist einem Deutschen Namen- Hummel in St. Paul (Minnesota) gelungen- die Einrichtung de« Apparates läßt fich, ohne technische Borkenntnisse voraussetzen zu können, nicht leicht beschreiben, übermittelt jedoch Zeich­nungen wie Photographien in so überraschend naturgetreuer Weise, daß den Herren Durchbrennern nach Einführung de» Apparate» die Möglichkeit de» Entkommens über See sehr geschmälert werden dürste.

Da» unterseeische KriegSboot the plunger, auf welche» die Amerikaner große Hoffnungen setzten, hat diese zwar nicht erfüllt: dafür ist ober den Uankees die Constructiou eine» Taucherboote»Argonaut- gelungen, welches fich zur Berg­ung werthooller Ladungen aus gesunkenen Schiffen vorzüglich eignet. Da» Boot, welches mehr als 90 Meter in die Tiefe herabsteigen kann, besteht au- dem Maschinenraume, der Tauchercabine und einem AuSguckrauwe, ist mit einem Schein­werfer von 2000 Kerzen Stärke ausgerüstet und bewegt fich mittelst electrisch getriebener Zahnräder auf dem Meeres­boden selbstständig wie eine Straßenlocomotlve auf dem Lande. Eine besonders construirte Fallthüre am Bauche de»