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2.2.1898 Erstes Blatt
 
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anders einrtchten, als die Arbeit in dem nur ein Stunde benagenden Zwischenräume zwischen zwei Zügen vorzunehmen. Die Arbeit wurde pünktlich begonnen, unpünktlich war aber der erste Zug, der vorher noch durchfahren sollte, da er mit erheblicher Verspätung aukam, als die Arbeiter die alten Schienen schon gelöst hatten. Die Schienen Imißten, um den Zug passtren zu lassen, nochmals auf die Schwellen gelegt werden, worauf der Zug in ganz langsamen Tempo durch- fuhr. T)sdurch wurde die Arbeit so aufgehalten, daß die neuen Schienen noch nicht fertig eingelegt waren, als bereits wieder der andere Zug kam. Da der Stationsvorsteher Lukan in Butzbach die Strecke freigegeben hatte, ohne sich zuvor nach dem Stande der Arbeiten erkundigt zu haben, fuhr der Locomotivführer Graubert mit der normalen Ge­schwindigkeit auf Ostheim zu. Der Bahnwärter Er Hardt unterließ es nun, rechtzeitig Knallfignale zu legen, beschränkte flch vielmehr darauf, das Signallangsame Fahrt" zu geben, als der Zug noch 500 Meter von der Baustelle entfernt war. Al» die Entfernung des Zuges von der Arbeits­stelle nur noch 170 Meter betrug, gab er zwar baß Halt­signal, da jedoch der Zug immer noch mit einer derartigen Geschwindigkeit fuhr, daß er 100 Meter in neun Secunden zurücklegte, war zu spät und der Train entgleiste, wodurch rin Materialschaden von ca. 200 Mk. verursacht wurde - Menschenleben wurden zum Glück nicht gefährdet. Infolge dieses Unfalles wurden der Stationsvorsteher Lukan, der Bahnwärter Erhardt, der Bahnmeister Franz und der Loco- wottvführer Graubert wegen Gefährdung eines Eisenbahn­transportes unter Anklage gestellt. Daß Landgericht Gießen erkannte in der Sitzung vom 22. Oclober v. I. die beiden Erstgenannten für schuldig, sprach aber den Bahnmeister Franz und den Locomotivführer Graubert frei. Die Staats­anwaltschaft focht das Urtheil, soweit durch dasselbe Graubert freigesprocheu wurde, an und führte zur Rechtfertigung der­selben aus, sei festgestellt, daß auch Graubert für seinen Theil die pflichtmaßige Aufmerksamkeit außer Acht gelassen habe, indem er daß Haltesignal nicht rechtzeitig wahrge- nommeu habe- Die Strafkammer habe aber bezüglich seiner Person die Strafbarkeit abhängig gemacht von der Frage, ob ein Causalzusammcnhang von der Pflichtwidrigkeit Grau- bertS und der Entgleisung vorhanden sei. Diese Frage sei verneint worden, in der Annahme, daß Graubert selbst bet rechtzeitiger Wahrnehmung beß Haltesignale- den Zug ooch nicht mehr hätte zum Halten bringen können, weil einmal letzteres zu spät gegeben worden sei, und zweitens weil er von dem Butzbacher Stationsvorsteher nicht auf den Bau aufmerksam gemacht worden sei und daß Signalfreie Fahrt" erhalten habe. Zu dem Thatbestand des angewandten Straf­gesetzes sei aber nicht nur eine Entgleisung erforderlich, viel- mehr genüge schon eine Transportgefährdung. Selbst wenn also die Entgleisung nicht zur Last zu legen sei, so trage er doch auch mindestens Schuld au einer Gefährdung des Trans­portes und müsse deshalb bestraft werden. Der Reichsau- valt bezeichnete die Beschwerden für hinfällig. Ohne Rechts- irrthum sei vom ersten Richter festgestellt worden, daß eine Gefährdung der Zuges vorlag, sobald derselbe von der Station abgelassen wurde, ohne daß Maßregeln getroffen iourdeu zur Verhinderung dieser Gesährdung. Wenn also Graubert vom Stationsvorsteher von der Schieueuaußwechse- lung benachrichtigt worden wäre, so hätte er allerdings eine .ganz besondere Sorgfalt aufweuden müssen. Freilich hätte rr auch da- Haltesignal sehen müssen- aber auch wenn er - rechtzeitig gesehen hätte, würde doch nutzloß gewesen Hin, ba erst unmittelbar vor ber Baustelle gegeben wurde.

Im Einklang mit diesen Ausführungen, benen ber Verthei- diger Graubertß, Rechtsanwalt Dr. Stulz Frankfurt beitrat, erkannte ber erste Strafsenat auf Verwerfung ber Revi­sion ber Staatsanwaltschaft und legte der Großh. Staats­kasse die Kosten beß Rechtsmittels zur Last.

Gedern, 31. Januar. Man geht hier mit dem Gedanken um, ein Krankenhaus zu erbauen. Eine schöne Zeich­nung eines solchen wurde bereits von Herrn Kreisbau- inspector Endres in Schotten angefertigt.

Mainz, 31. Januar. Der Rechner beß ftäbtischen Gaß­werks, Georg Beil ft ein, ist heute Nachmittag auf Ver­anlassung ber Bürgermeisterei verhaftet worben. handelt sich um Unterschlagungen, die sich auf eine Reihe von Jahren zurücklühren lassen. Gleichzeitig wurde der Director beß Gaßwerkeß, Hessemer, unb der Buch­halter Feldmann vom Amte sußpendirt. Frkf. Z.

* Wegen Briefmarkevfälfchung erkannte daß Offen­bacher Schöffengericht gegen den Moritz Walther aus Eisenach auf 4 Wochen Gesängntß. W. hatte 40 Thurn- und Toxtßmarken mit einem Stempelaufdruck versehen, um sic zn ctntm hohen Preise verkaufen zu können.

* Im Restaurant. Gast:Da schauen'ß, ein Haar in der Butter." Kellner:Verflucht! Schon wieder so a dumm's Kuhhaar, was die Frau in die Butter giebt, damit de Gast' net merken, daß es Margarin iS."

* rmpfehleuSwerth. Warum sind Sie von ihrem letzten Platz ausgetreten? Eine Dummheit, gnädige Frau. Der gnädige Herr hat mich geküßt. Und Sie haben das übel genommen? Ich nicht, aber die gnädige Frau.

Eingesandt.

Gieße«, 1. Februar 1898.

sFremdeu-BerkehrS Berei«.

w* Die Ansicht, daß ein Verein zur Hebung des Fremden­verkehr- für Gießen etwas recht Ersprießliches sei, ist nicht zu be­streiten, zumal Angesichts der Thätigkett, welche andere Städte, z. B. Marburg, in dieser Richtung entfalten.

W Doch wäre hier ein neuer Verein wohl gar nicht nöthig; wir besitzen den Verschönerungs-Verein, welcher über viele Mitglieder und gute Mittel versügt. Eine Erweiterung der Thätigkett dieses Vereins in der Weise, daß eine Abtheilung sich spectell mit der Frage, Hebung des Fremdenverkehrs, beschäftigte, wäre gewiß zu ermöglichen. Die Arbeiten und Ziele eines Verschönerungs-Vereins und eines Verkehrs-Vereins gehen derart Hand in Hand, daß beide ohnehin auf einander angewiesen sind.

Vielleicht versucht man eS einmal. M. 8.

Citarain» rsrrd

Geschichte der Weltliteratur nebst einer Geschichte deS Theater- aller Zeiten und BSlker. Herausgegeben von Julius Hart. Erscheint tn 40 Lieferungen »um Preise von je 30 Pfg. und umfaßt ca. 120 Druckbogen mit 825 Abbildungen und 16 Tafeln tn feinstem Farbendruck. Auch zu beziehen in zwei hoch­feinen Leinenbänden zum Preise von 15 Mk. Verlag von I. Reu- mann in Neudamm.

verkehr,cmfc* und PsUrwirthschaft«

Gieße«, 29. Januar. Marktbericht. Auf dem heutige» Wochenmarkt kostete: Butter pr. Pfd. X 0,800,95, Hühnereier pr. ©t 7-8 4,2 St. 0000* Enteneier 1 St. 000 4, Gänse etrr pr. St. 0000 Käse pr. St.49 A, Käsematte pr. ©L 3 4, Erbsen pr. Liter 18 4, Linsen pr. Liter 32 H, Tauben pr. Pa« X 0,60 bis 0,00, Hühner pr. Stück 0,90 dis 1,10, Hahnen pr. Stüc X 0,601,00, Enten pr. Stück X 1,602,00, Gänse pr. Pfun.

, X 0,00-0,00, Ochsenfleisch pr. Pfd. 66-74 4, Kuh- und Rindfleisch I pr. Pfd. 6066 H, Schweinefleisch pr. Pfd. 72 bi« 76 4, Schweine­fleisch, gesalzen, pr. Pfd. 80 4, Kalbfleisch pr. Pfd. 60-64 4. Hammelfleisch pr. Pfd. 5066 H, Kartoffeln pr. 100 Kilo 5,00 bi« 6,00 X, Weißkraut pr. Stück 000 4, Zwiebeln pr. Eentner 6,000,00 X, Milch pr. Liter 16 4.

Neueste Nachrichten.

Depeschen beß BureauHerold".

Posen, 1. Februar. Die polnische Reichstag-- fraction antwortete auf die ablehnende Resolution ber polnischen Wähler betreffenb Annahme der Marinevorlage, daß die Resolution der Berechtigung entbehre.

Warmbruun, 1. Februar. Seit zwei Tagen herrscht im Riesengebirge starker Regen mit heftigem Sturm. Von Schreiberhau wird Hochwasser gemeldet. Eine Wieder­holung der Katastrophen des letzten Juli wird vielfach be­fürchtet.

Graz, 1. Februar. Gestern hat in Marburg ein Duell zwischen dem Dragoner-Oberlieutenaut Wescher und dem Mediciner Attaneder stattgefundeu. Der Siubent erhielt einen Schuß durch die Brust und starb bald darauf.

Rom,.1. Februar. In der Kammer erklärte Unter» staat-secretär Brtn auf eine Anfrage, daß weder der Mitttär- attachs noch ein andere- Mitglied der Pariser Botschaft jemals mit Dreyfuß Beziehungen unterhalten habe.

Paris, 1. Februar. Heute Nachmittag 2 Uhr wird Oberst Picquart vor dem Untersuchungsrichter erscheinen.

Petersburg, 1. Februar. Der hiesige griechische Ge­sandte theilte bezüglich ber (Sanbibatar deS Prinzen Georg mit, baß bie Ernennung bcsselben zum Gouverneur von Kreta nahe devorfteht. Sämmtltche Mächte hätten bie Caudidatur acceptirt und seien nur noch einige Formali­täten mit dem Sultan zu erledigen. Der Prinz werde, wie verlautet, Ende Februar in Petersburg eintreffen.

Loudon, 1. Februar. Au- Sebastopol berichtetDaily Graphic", daß ber russische Kaiser in Konstantinopel seinen Entschluß habe bekannt wachen lassen, neue Niebermetzelungen von Armeniern nicht mehr b ul b en zu wollen. Daß Blatt ist der Meinung, daß die Streitfrage im äußersten Osten auf friedlichem Wege geschlichtet werde, nicht sowohl durch den Einfluß den England auf Rußland auSÜben kann, sondern vielmehr durch ein Einvernehmen Chinas mit den europäischen Mächten.

London, 1. Februar. Der größte Thetl der Maschinen­bauer hat die Arbeit wieder ausgenommen.

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