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1.12.1898 Zweites Blatt
 
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282 Zweites Blatt Donnerstag den 1. Dccember

frMttat U-Nch KU Äuflnahmr bti Mintagß.

Du Vkgmtr He*in<*ir»ttcr erben btm fln;ngrr schnnlich einmal bngrlzgt.

Gießener Anzeiger

1808

Durtrliabrlid) 2 Mark 20 Pfg. meaatlid) 76 Vffr mit Brmgerlohn.

vri Postdrzu, 2 Mark 50 Pfg. viertrljährlich.

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MtnHnZM «lchemenden yiummer bifi Lorm. 10 Ubr.

General-Anzeiger

Alle Anzeigen-BerrniNlung-ftellen bei In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen.

Zlnrts- und Anzeigeblutt für den Ureis Giefzen.

Amtlichen Theil.

Gießen, den 30. November 1898.

8ttr.: Wahl zum Krei«tag durch die Bevollmächtigten der Gemeindevorstände.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

ee die Grotzh. Bürgermeistereien des Ldretses.

Nachdem gegen die Neudtldung der Wahlbezirke und die Berthe lang der in denselben zu wählenden kreistag«- abgeordaereu innerhalb der vorbestimmten Frist Einwendungen nicht erhoben und auch soostige Anträge aus Berichtigung de« mit unserer Bekanntmachung vom 29. Octoder 1898 (lkreisblatt Nr. 266) veröffentlichteu verzeichaiffe« nicht ge­dellt worden stad, hat in Gemäßheit de« Art. 19 Abs. 3 der Kreis« und Provinzial Ordnung etue Neuwahl sämwtlicher, durch die Vemeiudebevollmächtigteu zu wähleudeu Kreistag«' abgeordoeten statrzufi ideu, und beauftrageu wir Sie, die in jene« verzeichatß angegebene Zahl vou Bevollmächtigten zur KretstagS«ahl aus dem Gemetudevorstand tu einer S'tzung des Gcwetnderathz wählen za lassen, hierüber ein Protokoll nach unteusteben^em Muster aufzunehmea uod dieses btnuru längstens 5 Tagen hierher etuzuseudru.

W r bemerken hierbei, daß als Bevollmächtigte der Ge- »eiadevorftände solche Personen nicht gewählt werden dürfen, die zu den 50 Höchstbestruerten gehören, uvd verweisen diese" halb auf da« Berzetcho'h derselben tm Kreisblatt Nr. 227 vom 28. September 1898.

v. Bechtold.

Protokoll über die Ernennung von Bevollmächtigten zur Wahl de« Kreistags.

Geschehen den.......

Anwesende:

Da die Gemeinde . . . Seelen zählt, dem Grmetndevorstand also nach Art. 20 de« Ge­setze« vom 12. Juni 1874 zukommt, behus« der odenbemetktrn Wahl . . . Bevollmächtigte au« seiner Mitte zu ernennen, so find deßhalb aus die aultegeude, vou Großh. KretSamt erlafseoe Auf- sorderuug sämwtltche Mitglieder de« Gemeinde- Vorstandes zur heutigeu Versammlung etogeladeu worden uud die zur Seite bemerkten erschienen.

ES wurde beschloffen, daß......

zur Abstimmung sür die Wahl de« Kreistag« in oben bemerktem Wahlbeztik von dem Gemeinde- Vorstände hiermit bevollmächtigt sein sollen.

Unterschriften:

Gießen, den 25. November 1898.

Bett.: Die Invalidität«- und Altersversicherung unständiger Arbeiter.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

«* die Grosth. Bürgermeistereien des Kreises.

Wir sehen uns veranlaßt, aus die nachstehenden Be­kanntmachungen wiederholt hinzuweisen und beauftragen Sie, dieselbe nochmals ortsüblich zu publicren.

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom 5. Januar 1891 ordnen wir wiederholt auf Grund des § 126 de« Jnyal.- und Altersversicherungsgesetzes an, daß diejenigen Versicherten, welche nicht in einem regelmäßigen Arbeitsverhältniß zu einem bestimmten Arbeitgeber stehen, sog. unständige Arbeiter, innerhalb der letzten 7 Wochen­tage eines jeden Monats ihre Quittungskarten zum Zwecke der Controle dem Rechner der betr. Hebstelle vor­zulegen haben. Dies find in den Landgemeinden die Ge- meinderechner bezw. besondere örtlichen Hebstellen; in der Stadt Gießen die örtliche Stelle (Bürgermeisterei). Wird hierbei nachgewiesen, daß die Beiträge für einen oder mehrere Monate im Vorau» entrichtet find, so find die Verficherten für diese Monate von der weiteren Vorlage der Karten entbunden. Die Zuwiderhandlung gegen diese Controlvor- schrtsten unterliegt der im $ 126 bezeichneten Strafe.

Wir bemerken dazu, daß der Vorstand der Verficherung». anstatt seine Controlbeamten angewiesen hat, jedesmal festzu­stellen, welche Verficherten der Vorschrift nicht nachgekommen find und Anzeige zur Bestrafung zu erstatten. Wtt erwarten von den Inhabern der Hebftellen, daß sie keine Gelegenheit versäumen, die Verpflichteten auf die Befolgung der obigen Vorschrift aufmerksam zu machen, damit Verfehlungen mög­lichst verhütet werden.

Gießen, den 1. December 1897.

Großherzogliche« KreiSamt Gießen, v. Gagern.

Rtbectien, dptbition und ®ruderet:

Ach»r«r«ze Nr. 7.

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. \ ^8

Bekanntmachung.

Die Verficherung der unständigenArbeiter begreift in fich die Verwendung der Beitragsmarken in die Quittung«- katte und die Entwerthung dieser Marken durch Aus­schreibung de» betreffenden EnlwerthungStaae». Die Ent­werthung muß spätesten» geschehen bei der Verwendung der Marken durch den Arbeitgeber oder, wenn der Verfichette selbst die Verwendung vornimmt: sobald die Erstattung der Beitrag«Hälfte durch den Arbeitgeber erfolgt Zur Entwerthung der Marken verpflichtet ist der Arbeitgeber- hat dieser aber die Entwerthung bei Rückerstattung der Bettrag»hälfte ver­säumt, so muß der Versicherte sofort die Entwerthung vor­nehmen. Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen können von dem zuständigen Krei»amte mit Ordnung»strafe bi» 100 Mk. nach der Bekanntmachung vom 19. Januar 1892 (Reg. Blatt No. 5 von 1892) bestraft werden.

Da die VersicherungsanstaltGroßh. Reffen* nunmehr ihre Controllbeamten angewiesen hat, Strafanzeige in Zu- wtderhandlungsfällen zu erheben, so machen wir hiermit auf die bestehenden Bestimmungen besonder» aufmerksam.

Gießen, den 14. Juni 1898.

Großherzogliche» Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Bekanntmachung.

wird hierdurch zur öff:unich u Kenntnih gebracht, daß bi« auf Wettere« bet unserem Amte Zoll- un) Steuer- abfertigungeu vorgenommen werden köaneu an den Wochen­tagen während de» Monate October bi« einschließlich März: vormittag« von 8 bi» 12 Uhr uud Nachmittag« von 171 Di« 57, Uhr, tu den übrigen Monaten:

vormittag« vou 8 bi« 12 Uhr und Nachmittag« von 2 di« 6 Uhr.

Gießen, den 80. November 1898.

Großherzogliche« Hruptsteueramt.

Wetssenbrnch.

Deutscher Reich.

Darmstadt, 29. November. Zu dem Unfall, den nach Meldung derSouthern Daily Mail" Seine Durchlaucht Prinz Ludwig vou Battenberg au Bord de« »Majestie* erlitten, wird derDarrnst. Zg" von maßgebender Stelle ritgettellt, daß der Prinz am Sonntag vor acht Tagen in

Fettilleton.

Mark Hwains Weise um die Wett.

Der berühmte amerikanische Humorist hat ein neue« Buch geschrieben, da« ist eine Freudenbotschaft für die vielen, die ihn verehren. Er hat vor einigen Jahren eine Reise um die Welt gemacht und dieselbe geschildert- man kann fich denken, daß etwa« Eigenartige« dabei heran«- gekommen ist. Denn Mark Twain besitzt nicht nur Humor und zwar genug, um dankbare Menschen in allen Welt- theilen lachen zu wachen er ist auch Philosoph, Beobachter, Menschenkenner und Dichter genug, um in seinem Innern tm besondere« Spiegelbild der weiten, bunten Welt zu erzeugen. Au« diesem jüngsten Werk aber spricht auch eine andere Gabe stärker al« au« den früheren, die Gabe der Satire. In dem RomanDer Querkopf Wilson" kündigte fie fich betritt in. Hier schilderte Mark Twain einen Menschen, der den anderen Leuten al« Thor und Dummkopf galt, in Wahrheit aber gescheiter war, al« fie alle. Die kurzen Aussprüche, die er in seine« Kalender niederschrteb, waren ebenso viele wohlbeschwingte Pfeile höher gezielter Satire. Wie sehr der Autor diesen Querkopf liebgewonnen hat, beweist er dadurch, daß er jede« Eapitel seiner , Steife nm die Welt* ein Motto qu» Wilsons Kalender voranstellte, »eist ohne dttecte Beziehung auf den Inhalt de« Eapitels, oder stets voll satirischer Weisheit oder bitterer Wahrheit. Diese Neigung zur Satire, die zuweilen mft einer gewissen Schwermuth gepaart erscheint, ist charakteristisch für da« Bach. Auch der alte, ftöhliche, übermütige Mark Twain fehlt nicht in ihm, und häufig lacht «an mit ihm Über die tollen Uebertrribungen seines Humors so hell auf wie nur jemals, aber jrner schwermüthig satirische Zug bitt immer wieder hervor und läßt da« Gesicht de« Humoristen rin

, wenig ernster, jedoch zugleich noch bedeutender erscheinen. Kein wahrer Humorist ist ohne Lrbenserust- und dieser letztere erscheint in diesem neuen Werke wesentlich vertieft. Aeußere Ereigniffe haben dazu belgetrageu. Er verlor zuerst sein schöne« Vermögen durch den Zusammenbruch eine« Newyorker Berlag«hause« und nachher traf ihn da« Herzeleid, seine älteste, sehr talentvolle Tochter schnell zu verlieren. Anstatt fich niederwerfen zu laff-n, nniernahm der Sechzigjährtge die Reise rund um den Erdball, hielt Vorlesungen ia allen größeren Städten und gewann so die Mittel, nm seine Gläubiger zu befriedigen. Mit einer eigenthümlichen Em­pfindung liest man Im Hinblick auf fein Schicksal und feine Tapferkeit den Scher-, den er Über die Thiergattung der Marsupialia macht:Die Mariupialla find Sohlengänger und Wlrdelthiere, deren Eigenthümllchkeit in ihrem Beutel besteht. Die ersten amerikanischen Marsupialia waren Stephen Girard, Jacob Astor und das Opoffum- auf der südlichen Halbkugel find die hauptsächlichsten (freil RhodeS und da« Känguruh. Ich selbst bin da« neueste Marsupial, auch könnte ich damit prahlen, daß ich den größten Beutel von allen habe, aber e« ist nicht« darin." Hier ist noch verschleierte Wehmuth, die ihren Schmerz unter Lachen verbirgt- un- verschleiert aber zeigt fie ihr Antlitz in dem An«spruch au« Wilson« Kalender: »Leben ist Leiden. Selbst die ver­borgene Quelle de« Humor« ist nicht Freude, sondern Schmerz. E« gibt keinen Humor tm Himmel."

Mark Twain hat die ganze Erde umfahren, aber von Amerika und Europa spricht er nur sehr wenig, so wenig wie von fich selbst. Mau muß wiffeu, wie gern andere Schriftsteller und Künstler von ihren Erfolgen erzählen, um diele Zurückhaltung voll zu würdigen. Er hat in der alten und neuen Welt Vorlesungen gehalten, und er beschreibt In seinem Buche nicht eine einzige dieser Vorlesungen! Da« ist I ein Maß von Bescheidenheit, wie «au e» nur bei wahrhaft

I bedeutenden Menschen findet. Sein Selbst kommt freilich trotzdem nachdrücklich genug zur Geltung- denn alle« an diesem Buche ist subjectiv: Auffassung, Darstellung, Stil. ' Mark Twain plaudert mit un« wie rin guter Freund. Zu­weilen liest er un« auch nur kurze Notizen au« feinem Tage­buche vor ober erzählt eine lustige Geschichte, die ihm gerade eiafälle, sogar eine ohne Ende, au deren Schluß man die eigene Erfindungsgabe müde arbeiten kann. Statistische und wissenschaftliche Bemerkungen streut er hie und da ein, weiß jedoch stet« zu rechter Zeit wieder damit aufzvhören. Die Barbarei der wilden Völkerschaften, die Ab onderlichkeiten anderer Religionen, die Nbweichuugrn fremder Stttlichtkfts« begriffe fieht er Mit scharfem Auge. Zugleich aber schaut er wie in einem Spiegel daneben die moderne, civilifirte Mensch­heit, und der letzte Spruch seiner Weisheit lautet:#« gibt viele wunderliche Dinge in der Welt- aber ein« der lächerlichsten ist die Einbildung des weißen Mannes, daß er Beniner barbarisch fei, al« die anderen Wilden.*

Neber Australien, Indien und Afrika plaudert Maik Twain am meisten. Drei von diesen Ländern haben sein Jntereffe, zuweilen auch feine Bewände,ung erweckt, Indien bat fein Herz gewonnen und feine Sinne gefangen genommen. Da« hat auf seine Schilderung zurückgewirkt - jene Länder beschreibt er klug, sorgsam, anschaulich, auch humorvoll und satirisch, wie es gerade kommt- über da« Bild aber, da« er von Indien entwirft, ist der reiche Farbenzauber und der Schleier de« GeheimniffeS ausgebreitet, die zu bem alten Wuuberlande gehören. Zu diesem Lunde, wo alle« nee erscheint, wa« wir sonst alt genannt haben, und von dem der Weltreisende mit Recht behaupten dars:Indien ist die Wiege de« Menschengeschlecht«, der @eburt«ort der menschlichen Sprache, die Mutter der Geschichte, die Großmutter der Sage, die Urgroßmutter der Ueberliesemng - was für andere Völker graue« Alterthum ist, zählt zu Indien« jüngster vergangenheft.