gebrochen und um 11 Uhr zu Pferde im besten Wohlsein im Zeltlager bei Jerusalem eingetroffen. Bon dort aus wollte es nm 3 Uhr den feierlichen Einzug durch da» Jaffa-Thor in Jerusalem halten und die GrabeSkirche besuchen. ES herrscht anhaltend schöne», sehr heiße» Wetter. Alle» ist wohl.
CoeoUs utib jArovinzielles.
Meßei», 31. October 1898.
* • Empfang. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen am 29. October n. A. den Forstasfiftenten Schreher von GrÜaberg.
* * Au» dem Gerichtßdieust. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, den Ämt5* rtchter bet dem Amtsgericht Offenbach, AmtSgerichtSrath Philipp Htld, zum Amtsrichter bet dem Amtsgericht Darmstadt I zu ernennen.
• • Zur Etadtverordueteu Wahl. Obgleich der Termin zur Stadeverordueteu-Wahl von der Bürgermeisterei noch nicht bestimmt ist, find doch die Soclaldemokrateu wieder wie bei allen Wahlen die Ersten, welche in die Wahlbewegung eintreten. In einer am SamStag Abend stattgehabten Versammlung des socialdemokratischen WahlveretnS, die Übrigens von nur 30 Personen besucht war, wurden folgende Can- dtdaten für die Stadtverordneten Wahl nominirt: Kaufmann Krumm, Redacteur Scheidemann, Gaftwtrth Loeb, Steinbtldhauer Lenz, Spengler Dahm er, Glaser Baum und Krankenkassen Controlenr Beckmann. Dieselben haben fich sämmtlich bereit erklärt, im Falle fie gewählt werden, das Amt einer Stadtverordneten anzunehmen.
* *B. Stadttheater. Bor nahezu autverkauftem Hause und überfüllter Gallerte ging gestern Abend die große Ope- retteu-Poffe „Flotte Weiber" von Leon Treptow über die Bühne. Die vorzüglich zu Gehör gebrachte, gefällige Franz Roth'sche Musik, sowie die durchweg flotte Aufführung des schauspielerischen Thetl» dieser mit echten Berliner Witzen und Schlagern reichlich versehenen Poffe, machten die im Gesang zu Tage tretenden Mängel leicht vergeffen und verhalfen derselben, unterstützt von einem beifallslustigen SonntagS- publikum, zu einem durchschlagenden Erfolg. Neben den Vertretern der Hauptrollen ist in erster Linie der Mitwirkung des Bauer'icheu Gesangvereins zu gedenken, der die Chöre mit gewohnter Exactheit und frisch wiedergab. Gediegene Leistungen boten die Damen Frl. Helene Schuhmann als Magda und Frl. Irene Sitar di als Adele Alsen. Gefälliger Spiel und eine frische Stimme vereint mit anmuthiger Erscheinung machten dieselben zu rtchtigeu „flotten Weibern" und rechtfertigten die Verliebtheit des alten Rentiers Thiele- wald (durch Herrn Carl Walter gut dargestellt) ebensosehr wie den frenetischen Jubel der Zuschauer. Eine köstliche Figur war schauspielerisch der Onkel Nepomuk Nolte des Herrn DtrectorS Helm, der wie gewöhnlich durch seinen urwüchsigen Humor wahre Lachsalven zu entfesseln wußte. Auch die übrigen Rollen lagen in guten Händen und find noch besonders hervorzuhebeu die Brüder Paul und Peter Flieder (Herren Laster« und Wtlhelmi), Fritz, der Sohu des alten Thtelewald (Herr Franz Merker), sowie die Damen Bartholdy und Pauli als Röschen und Eochen — nicht zu vergessen de» Stubenmädchens Doris (Wilhelmine H e l m). Alles in Allem kann man der Direction zu dieser ersten OperettenauffÜhrnng Glück wünschen und mit Rücksicht darauf auch den programmwtdrtgen verspäteten Schluß verzeihen.
* * Stadttheater. Dienstag den 1. November wird das Lustspiel „Im wetßeu Rößl- zum fünften Male, und zwar wiederum bet gewöhnlichen Kassenpreisen, aufgeführt.
• • Concert. Das gestern in Steins Saalbau gegebene Concert der hiesig en RegtmentScap elle erfreute fich eines so starken Besuche», daß sowohl der große al» auch der kleine Saal bis auf den letzten Platz gefüllt waren. Was die Leistungen unserer Capelle anbelangt, so ist wohl hier nicht zu viel gesagt, wenn man die einzelnen Programmstücke durchweg als sehr gut gespielt bezeichnet.
e* Warnung. Gegenwärtig wird hier wieder von auswärtigen Colporteureu (auch weiblichen) der Versuch gemacht, etu Predtgtbuch zu vertreiben unter dem Vorgebeu, daß ein Thetl deS Reingewinn» dem Allgemeinen Verein und dessen Schwesternhaus zu Gute käme. Nach den Erfahrungen, die früher mit dergleichen gemacht wurden, kann nur dringend
davor gewarnt werden, fich darauf eiuzulassen. Weder der Allgemeine Verein, noch die hiefigeu Pfarrer haben irgend etwa» damit zu thun. Al» da» letzte Mal solche Colporteure ganz tu derselben Wetse hier ihr Wesen trieben, wurden fie al» Schwindler entlarvt und streng bestraft. Außerdem geht eine Schwindlerin mit ganz werthlosen Stickereien hanfiren, die angeblich von den hiesigen Diakonissen zn Gunsten de» neuen Schwesternhauses angefertigt und verkauft würden. E» wäre sehr erwünscht, wenn fie so bald als möglich der Polizei überliefert werden könnte.
• • Die Freiwillige Sail'sche Fenerwehr feierte am SamStag im Gießener Festsaale dar 43. Stiftungsfest. Demselben wohnten eine größere Anzahl besonder» geladener Gäste, u. A. Vertreter des KreiSamtS, der Stadt, der Polizei u. f. w. bei. Der Commaudant des LorpS, Kreis- feuerwehriuspector LooS, gab tu feiner Begrüßungsansprache rin kurzes Bild der Entwickelung des Feuerlöschwesens im Allgemeinen und der Gründung des Corps im Besonderen, und brachte ein Hoch auf das HauS Gail, auf dessen Veranlassung im Jahre 1855 das Corps gegründet wurde, aus. — Herr Branddtrector Traber brachte dem Corps seine Glückwünsche dar- sein „Gut Wehr" galt dem ferneren ungestörten kameradschaftlichen Verhältuih beider Wehren. — Herr Dr. Heuser, 2. Obmann der Pflichtfeuerwehr, toastete auf die Feuerwehrfrauen und -Jungfrauen. — Zu besonderer Erheiterung trug daS von Mitgliedern des Stadttheaters tu bekannter flotter Weise gespielte Moser'sche „Stiftungsfest" bei. Der Rest des Abends wurde durch Concert und Tanz ausgefüllt.
* * vieberthalbahu. Mit dem 1. November tritt der auf Seite 3, erstes Blatt, abgedruckte Fahrplan in Kraft, worauf wir Interessenten besonders aufmerksam machen.
* ♦ Versuchter Einbruch. In der Nacht vom SamStag auf Sonntag wurde in einem Hause an der MäuSburg ein höchst rasfinirter Diebstahl mittelst EtnstetgeuS durch ein offenes Fenster verübt. Der Dieb schlich sich in daS im dritten Stock gelegene Schlafzimmer und entwendete dem Hausbesitzer au» der Hosentasche die Schlüssel zum Kassen- schrank- er muß aber gestört worden sein, denn es zeigte sich Alles unversehrt. Gegen 12 Uhr Mittags wurde der Dieb im Keller des Hauses entdeckt und verhaftet. Die Schlüssel fanden sich in seinem Besitz. Er entpuppte fich als ein früher in demselben Hause beschäftigt gewesener Commis, welcher wegen Unterschlagung bereit- eine längere Freiheitsstrafe verbüßt hat.
• • Verhaftet wurde gestern ein hier beschäftigt gewesener Metzgerbursche, welche fich Unterschlagungen hatte zu Schulden kommen lassen und außerdem zur Verbüßung einer Gefängnißstrafe ausgeschrieben war.
• • Unfug. Ju der Westanlage wurde in der Nacht von SamStag auf Sonntag mit einem Stein eine Fensterscheibe eingeworfen und in den Neuen Dänen eine solche eivgeschlagen.
△ Bom Lande, 30. October. Wie die Thiere in Gefahren fich gegenseitig zu helfen wissen, ist bewnndernS- werth. Einsender Dieses beobachtete heute drei Sperlinge, die fich die wenloen übrig gebliebenen Früchte eines Zwetschen- bäume» wohlschmecken ließen. Plötzlich schrie der eine tu jämmerlichen Tönen. Er hatte fich nämlich entweder in feuchte Zwirnsfäden oder Haare, die zufällig an einem Aestcheu hingen, verwickelt und konnte sich, freihängend, nicht regen. Mitleidig und erschrocken betrachtete der eine die gefährliche Situation seine» Kameraden, während der andere fich eifrig bemühte, die Bande zu lösen. Einige» Picken mit dem Schnabel zerstörte die Fessel. Der Gefangene fiel und flog gleichzeitig davon, und die anderen folgten ihm, fröhlich zwitschernd.
+ Büdingen, 29. Oktober. Bei der heute dahier vor- genommenen GemeinderathS-ErgäuzungSwahl wurden die Herren Hermann Dtemer und Kaufmann Lehntng wieder- und die Herren KreiS-Feuerwehr-Jnspector Friedrich Fendt und Gaftwtrth Heinrich Hölzinger neugewählt.
- V Büdingen, 31. October. Der neueruanute KreiS- rath, Herr Irle, Nachfolger de» in den Ruhestand getretenen Geh. RegierungSrath» Klietsch, hat heute die Dienstgeschäfte de» hiesigen Kreißamts übernommen.
§ Hitzktrcheu, 31. October. Bei einer hier vorgekommeuen Schlägerei zwischen jungen Burschen wurde der Sohu de» Gemeinderechner» Stroth so schwer verletzt, daß au seinem
Aufkommen gezweifelt wird Die zwei Hauptschläger, Söhne de» Müller» L., wurden gefänglich eiugezogen.
Arr- der Leit für Lett.
Vor 82 Jahren, am 1. November 1816, wurde zu Burtscheid Friedrich Wilhelm Hackländer geboren, der sich als Romanschriftsteller und Belletrist hervorthat. Bekannt find seine durch lebendige Schilderungen und gesunden Realismus ausgezeichneten „Bilder aus dem Soldatenleben" und „Europäisches Sclavenleben". Hackländer entfaltete bis zu seinem Tode eine große Thätigkeit und starb am 6. Juli 1877 zu Leoni am Starnbergersee.
Eingesandt.
Sietze«, dm 31. October 1898.
Wir haben eine Direction
Die hat ja öfter Wünsche schon Des Publikums coulant erfüllt Und wird auch diesmal sein gewillt. Zwar Goethe sagte einst „Mehr Licht", Doch dacht' er an's Orchester nicht Im Gießener Stadttheater hier, Da tst's zu grell, o glaubt es mir. Auch ich, ich will es dunkler nicht, Jedoch verdeckt sein säuberlich, Mit grünen Schirmen vorn geziert, Dann wird das Äug' nicht mehr geniert,
Nkvchttche Anzeigen der Stadt Gieren.
Evangelische Gemeinde.
'1 Montag den 31. October, Abends 8 Uhr: Bibelstuude im Confirmandensaal der Johanneskirche. Apostelgeschichte 1,15 bis 2,14. Pfarrer Euler.
Kat-,lischt Gemeinde.
Montag den 31. October:
Nachmittags um 4 Uhr und Abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. .
„ um ey, Uhr ist Rosenkranzandacht mit Segen.
Dienstag den 1. November:
Allerheiligenfest.
Vormittags von 6‘/a Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte.
„ um 7 Uhr: Die erste heil- Messe;
vor und in derselben Austheilung der heil. Commumon;
„ um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe; Militärgottesdienst mit Predigt.
„ um 91/2 Uhr: Hochamt mit Predigt.
Nachmittags um 4 Uhr und Abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. L „
„ um 57g Uhr: Predigt; darauf Rosenkranzandacht nut Segen.
Mittwoch den 2. November.
Allerseelentag.
Vormittags von ey, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte.
, um 68/4 Uhr: Die erste heil. Messe; vor und tn derselben Austheilung der heil. Communion.
„ um 7Vi Uhr ist ein Seelenamt für alle Abgestorbenen der Pfarrei. . __
Nachmittags um 67g Uhr: Rosenkranzandacht nut Segen. Schlup des Rosenkranzgebetes.
Neueste Nachrichten.
Depeschen bei Bureau „Herold".
Berlin, 31. October. Der Reichstag wird nach dem „Kleinen Journal" nunmehr drfiaittv am 29. November et» öffnet werden. — Die Eröffnung de» neuen preußischen Landtage» wird nach derselben Quelle am 10. Januar erfolgen.
Berlin, 31. October. Die morgen erscheinende Nummer de» „Simplicisfimui" ist bereit» gestern beschlagnahmt worden.
Wien, 31. October. Der Hauptcasstrer der Aktiengesellschaft der Wiener Localbahn, Robert v. Ullepitsch, ist verschwunden. Derselbe soll sich großer Unregelmäßig- leiten schuldig gemacht haben.
— Nach der alte« Schablone leben die meisten Mensche», auch wenn sie bemerken, daß ihr Wohlbefinden darunter leidet. Man trinkt z B. Bohnenkaffee, der die Nerven aufi egt und die Verdauung stört. Ganz andere ist dies bei Kathreiners Malzkaffee, der bei richtiger Zubereitung ganz kaffeeähnlich schmeckt, dabet aber auf dm Organismus überaus wohlthuend wirkt. Dieses patentirte Fabrikat hat sich als hygienischer Kaffee-Ersatz bestens bewährt. Als ge- fchmacksoerbeffernder Zusatz findet er bereits in Hunderttausend« von Familien ständige Verwendung. 10685
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Bahnhofstraße 1.
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Giessen.
Ein Posten Tüllfpitzen, Meter 10 Pfg.
Ein Posten Tricot-Herren-Hofeu, Stück 75 Pfg.
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Ein großer Posten HemdenStoffe, Meter 25 und 30 Pfg.
Ein Posten breitere Baud-Reste, Meter 10 Pfg.
Ein Posten Damen Corsets, Stück 95 Pfg.
Em Posten Damen Wirthfchafts-Schürzen, Stück 35, 50 und 75 Pfg.
Dienstag den 1. und Mittwoch den 2. November:
Grosse Reste-Ta,g*c
_ Wir machen ferner aufmerksam auf unser grosses Lager in
Damen- und Kinder - Hüten, garnirt und ungarnirt. ~
— ~ Diese Preise gelten nur fiir Dienstag den 1. und Mittwoch den 2. November.
Richard Loewenthal 5? Co<


