Nr. 101 Erstes Blatt.
Sonntag den 1. Mai
1S9S
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
Amt»« und Anzeigeblatt für den "Kreis Gietzen.
Gmtisbeilagk: Gießener Familienblätter
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer dis Vorn». 10 Uhr.
heute
Han» bett.
Alle Anzeigen-DermittlungSstellen dcS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gichencr Anzeiger entgegnt.
Redactisn, Expedition und Druckerei:
Scbulstratz« Zlr. 7.
ton 149 Abgeordneten.
DaS Hau« ist somit nicht beschlußfähig.
Der Präsident beräumt die nächste Sitzung auf
Nachmittag 8 Uhr an. v.
Nach Wiederaufnahme der Sitzung erledigt da«
jedoch wird in dieser Beziehung keine Besorgntß gehegt Angesichts der Berfichrrung Deutschlands, daß es Neutralität beobachten werde. Die Aufmerksamkeit covcrntrirt sich jetzt auf da« Verhalten, daS Orsterreich-Ungarn einschlagen werde.
Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«.
Fernsprecher Nr. 51.
Bezugspreis vierteljährlich
2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerloh».
Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.
eine Reche von Petitionen.
Bei der zweiten Berarhung des Gesetzentwurf» die Besteuerung von Saccharin und verwandter Süßstoffe
Amtliche» Theil.
Bekanntmachung.
Wir bringen hiermit zur öffentlichen Krnntuiß, daß die Wolken gaffe von heute au bis auf Weiteres für Fuhrwerke, Reiter und Btehtreibe« gesperrt ist.
Gießen, den 30. April 1898.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
I. V.: Roth.
Erscheint tägNch mit Ausnahme des
Montags.
Die Gießener Aamirtenvtätter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal deigelegt.
<O€Ale» Kttt ptMHtijieftw.
Gießer, de» 30. April.
•• Kirchliche Dirustaachrichte«. Trine Königl. Hoheit der Großherzog haben Aüergnädtgst geruht, den von Sämmtlichen Riedesel Frriherrn zu Eisenbach auf die evaug. Pfarrfielle zu Brauerschwend, Decanat Alsfeld, präsentirtea Pfarrverwolter Julius Georg Holl daselbst für diese Stelle zu bestätigen.
•♦cf Coueert bei vkadew. «efaugverervs am Dienstag den 3. Mai, Abends 7 Uhr, tm Clubsaal. Zu unserem Erstaunen erfahren wir von competeuter Seite, daß der Vorverkauf zum Concert ein geradezu minimaler ist. Etgeut- lich wüßten roh für Erstaunen Befremden sagen, denn be- fremdlich ist e«, wenn ein Verein, der jahrelang selbstlos dem musikalischen Jntereffe der Stadt dient, tu durchaus nicht ungünstiger Zett es nun auch mal wagt, ganz unter eigener Flaoge zu segeln, und nun diese seine Flagge vor der Thetl- nahmSlofigkeit und Undankbarkeit beinahe streichen muß. — Wo sind denn die Mitglieder des ConcertvereinS, denen der Akadem. Gesangverein unter Opfern schöne, weihevolle Ge- nüffe geschossen hat? Wir erinnern nur an die Muster- aufführunoen der letzten Jahre (Brahms Requiem, Schumann Paradies und Prrie). Muß dem Vorstand des Coueert- verein« nicht für die eigenen Unternehmen bange werden, wenn er steht, daß erstklassige Künstlerinnen, wie Frau Dr. W'lhrlwj und Fräulein Mina Rode, die überall au»- verkaufte Häuser erzielen, in Gießen fast unter Ausschluß der Oeffenrltchkeit austrerev sollen? Und weiter- zilteru Me Freunde des Saalbauvereins nicht für ihre Ideale, wenn sie sehen oder wahrscheinlich sogar nur hören, wie für eine vor- nehme Corporation mit einem vornehmen Unternehmen der Llubsaal viel zu groß ist? Roch immer können und wollen wir nicht glauben, doß daS Gießener musikalische Publikum den 3. Mai unbeachtet lasten wird, und sollte unsere heutige Notiz dazu beitragen, Interest- für daS Concerr wachzurufen, so würde nicht nur der Zweck derselben erfüllt sein, sondern auch unser Kunstleben vor einer beschämenden und bedenklichen Thatsache bewahrt bleiben.
•* Gemäldeausstellung tm großen Saale des „Hotel Emhorn". Auf kurze Zeit hat der Kunsthändler Herr Fried- r'ch Schaft an eck aus Hamburg eine Ausstellung und Verkauf von ca. 120 Stück Oelarmälden im obengenannten Saale arrangirt. ES befinden fich in der Sammlung Werke allererster moderner Meister, u. A. Profeffor Oswald und Andrea« Achenbach, Rakmuffen, Böhmer, v. Gebhard, Jutz, Flockenhaus, Harrung, Orhmichen, Rieger, Boda, delTarre ufw. Da das Reifegeschäsl während der Sommermooate ruht, soll ein Theil der Werke, welche nicht limitirt, also Eigenthuw des Ausstellers sind, zu jedem annehmbaren Preise verkauft werden. Es bittet sich hiermit Gelegenheit für Herrschaften, Sammler, Neuvermählte, zu sehr billigem Preis in Besitz eines guten Oelgemälde« zu gelangen.
•• Omnibus Schiffenberger Wald. Bon heute ab verkehre» die Sommerwagen wieder regelmäßig, und zwar vorläufig nur au Sonntagen, von und nach dem Wald: Ab Markt von 3 Uhr Nachmittag« ab, ab Wald von 6V, Uhr Nachmittags ab. Der neue Sommerfahrplan tritt auch mit dem heutigen Tage In Kraft und ist bei Herrn Ernst Balser in Plakat- und Taschen Format zu haben.
Deutsches Turnfest. Der Festausschuß für da« W gemeine deutsche Turnfest in Hamburg beabsichtigt, dem Festzug kein historische» Gepräge zu geben, ihn vielmehr mög- ltchst einfach zu gestalten. Dagegen soll jedem Krei» ein Banner mit entsprechenden Farben und Wappen voraugetragen werden und dieses Banner von einer kleinen Gruppe charakteristischer Vertreter in Volkstracht begleitet sein. Der mittelrheinische KreilauSschuß glaubt al« Vertreter zu seinem Banner eine Gruppe Winzer Vorschlägen zu sollen und ersucht die Vereine um Abstimmung über diesen Vorschlag. Au« dem MittelrheinkreiS haben fich bi« jetzt 717 Theilnehmer für einen Sonderzug nach Hamburg gemeldet, davon 24S auch für einen Sonderzug Hamburg—Berlin. Die Eisenbahn- Verwaltung hat über die Frage der Sonderzüge noch nicht entschieden, am 4. Mai treten in Baden-Baden die Vertreter sämmtlicher deutschen Eisenbahnen zusammen, um über die Sache zu beschließen.
Ro«. 29. April. Der Ministerrath beschloß heute Nach- mittag, die Carabinieri der Jahrgänge 1870 und 1871 einzuberufen.
London. 29. April. AvS Kingston wird über New- York gemeldet: Der deutsche Dampfer „RhennS", von Hamburg nach Baltimore unterwegs, lief heute früh Port Antonia an und brachte 441 deutsche, kubanische, britische und amerikanische Flüchtlinge au« Santiago an Land. Der Führer deS Dampfer« nahm diese auö Menschenfreund- lichkeit mit. Die Flüchtlinge find größtentheil« Frauen und Kinder. Sie erzählten, daß die spanischen Behörden alle Lebensmittel aus Santiago für die Armee in Sicherheit gebracht hätten. 20,000 Einwohner find fast gänzlich ohne Nahrung. Die Flüchtlinge theilten ferner mit, daß die Insurgenten große Anstrengungen machten, die Außenwerke von Santiago und Suantanamo anzugreifeu-
Antwerpen. 29. April. Ein hier au« Havanna an- gekommener Dampfer meldet, daß der spanische Kreuzer „Reine Mercedes", welcher nach Cuba unterwegs ist, mehrere Havarien an der Maschine erlitten habe.
Madrid, 29. April. Ein Regierungserlaß verbietet unter Androhung sofortiger militärischer Gewalt die Ab- Haltung von politischen Versammlungen und Demonstrationen.
Madrid, 29. April. Eine Depesche des Marschalls Blanco bestätigt die Nachsicht tor der Beschießung von k.'atanza». Die Beschießung bade eine Stunde gedauert, aber keinerlei Schaden angerichtet. Hingegen sollen die amerikanischen Schiffe durch die von den Fort« abgegebenen Tchüffe Beschädigungen erlitten haben. Die Coasuln Frank- reich« und Oesterreich-UngarnS haben gegen die ohne jede vorherige Benachrichtigung erfolgte Beschießung protestirt. - Eine Schaar Aufständischer wurde von spanischen Truppen geschlagen. Erstere batten 20, Letztere 2 Todte.
Sao Shitente, 29. April. Da« spanische Ge- schwader ist in südlicher Richtung abgegangen. Der Be- ftimmungSort ist unbekannt. Die Ordre« werden erst auf offener See geöffnet.
New-York, 29. April. Bei Gaston in Pennsylvamen find gestern drei große, Sprengstoffe für die Regierung ent. haltende Magazine in die Luft gegangen. Eine große Anzahl Personen wurden getödtet oder verwundet, mehrere werden vermißt. Man vermuthet, daß die Explosion von spanischen Spionen veranlaßt wurde, weil man in letzter Zeit verdächtige Personen in der Nähe der Magazine beobachtet haben will.
RewYork, 29. April. Die amerikanische Preffe schlagt vor, Amerika solle die Philippinen, deren Eroberung al« fieber betrachtet wird, nach Schluß des Kriege« an England abtreten gegen Cowpensationen iu Westindien.
New-York, 20. April. Für die Expedition nach Cuba wurden 17 Regimenter Infanterie, 2 Regimenter Cavallerie und 1 Bataillon leichter Artillerie bestimmt. Diese Truppen find sämmtlich marschbereit. Sie sollen durch eine noch zu bildende Truppe von Leuten, die da« Gelbfieber hatten und daher nun immun find, verstärkt werden. — Die KriegSkosten bis zum 1. Juli werden auf 90 Millionen Dollars geschätzt. — Der Senat nahm da« reguläre Marinebudget an, da» mit 57 Millionen abschlieht und zu dem Bau von 35 neuen Fahrzeugen autorifirt. F. Z-
Washington, 29. April. Die Krteg«verwaltung hat acht große Dampfer mit einem Tonnengehalt von durch« schnittlich 2000 Tonnen gechartert, für den Transport der ersten militärischen Expedition nach Cuba. Die Mitglftder be« gemeinsamen AnSschuffe« der beiden Hauser de» Con- greffe« haben eine Einigung Über die Marine Creditvorlage erzielt und die vom Senate beantragte Vermehrung der Flotte genehmigt. ES werden unter Anderem 4 weitere Monitors und 16 Torpedobootzerstörer verlangt. - Nach einer heute veröffentlichten Mittheilung find die Pläne für die Invasion in Cuba fertiggestellt. ES fei beabsichtigt, 10,000 Mann in Matanza« zu landen.
Wafhiugton, 29. April. DaS fliegende Geschwader in Hampton-Road geriet!) infolge eine« ^lkanS in große Gefahr. Eine Collifion zwischen einem Schlachtschiff und einem Kreuzer konnte nur mit großer Mühe verhindert
Washington, 29. April. Da» StaatSdepanement hat Nachrichten von Neutralitätserklärungen Fran.reich», Mexiko», Argentinien», Belgien« und Korea« erhalten. Eine
Zweiten Kammer endailtig abgelebt; dagegen waren die i bezügliche Mitteilung Deutschland» ist noch nicht eingegangeo, MdI °7r R°ü°n°DU°Ien. ! — -......"" ■«•••»»• •**
beantragt
Abg. Lessing (frs. Vp.) Absetzung von der TageS. orbnung.
Der Referent Abg. Dr. Paasche (natl.) empfiehlt An- nähme de« CommisfionSentrourfeS.
Abg. Wurm (Soc.) spricht fich für den Entwurf au«.
Nack längerer Debatte bezweifelt Abg. Hermes (frs. Vp.) die Beschlußfähigkeit de« Hause», woraus die Sitzung geschloffen wird.
Nächste Sitzung morgen 1 Uhr : dritte Lesung de» Weltpostvertrages, de« Gesetzentwurf« bett, die Handelsbeziehungen zu England, de« Gesetzentwurfs bett, elektrische Maß- ehräeiten, des Gesetzentwurfs betr. Naturalleistungen für die bewaffnete Macht- erste und zweite Lesung de» Antrag» Bachem bett. Abänderung de» Zolltarife»- Petitionen.
Schluß 5 Uhr._________________
Deutsche* Reich
Darmstadt, 29. April. Prinz und Prin-esfiu Adolf von Schaumburg-Lippe find um 5»/»Uhr Nachmittag« zum Besuch de» hiesigen Hofe» eingetroffen.
Homburg v. d. H., 29. April. Heute Mittag 1 Uhr trafen die Kaiserin Friedrich, der Kronprinz und die Kronprinzessin von Griechenland, Prinzessin Heinrich von Preußen, sowie Prinz und Prinzessin Friedrich Carl von Heffen hier ein und wurden am Bahnhofe von der Kaiserin empfangen.
München, 29. April. Da» Ministerium de« Innern hat cn die Kreisregierungen eine Entschließung gerichtet, die Polizeibehörde solle der Verwendung von Kindern unter 14 Jahren zum Kegelanssetzen, AuStragen von Nahrungsmitteln und Zeitungen, Haufiten mit Blumen, der Verwendung in der Hau»industrie usw., soweit sie eine Ungehörigkeit ist, entgegenwirken. Ueber die Verwendung der zur Familie gehörigen Kinder in der Hausindustrie werden Berichte eingefordert. F'kf. Ztg.
Dresden, 29. April. Die Regierungsvorlage oetreff» Einführung einer Vermögenssteuer wurde von der
Gefunden: 1 silberne Damenuhr mit Rette, 1 Uhr- fette, 1 Geldstück, 1 Ring, 1 goldene Halskette mit Medaillon, 1 Gummiball, 1 Taschenmesser, 1 Fahrrad Luftpumpe, 1 Badehose, 1 Handtuch, 1 Handschuh, 1 Stück Ginfaßband, 1 Paar Kinderstrümpfe, 2 Hüte, 1 Signalpfeife und 1 Geroichtstein.
Zugelaufen: 1 Huhn.
Gießen, den 30. April 1898.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
I. V.: Roth.__________________
Deutsche* «lichOta-,
78. Sitzung vom Freitag den 29. April 1898.
Da» Hau» erledigte ohne wesentliche Debatte die erste Lesung deS Gesetzentwürfe», enthaltend Abänderungen de» Gesetzes über die Naturalleistungen für die vewaffaete Macht h» Frieden, sowie die zweite Lesung deö Gesetzentwürfe» betr. die electrischen Maßeinheiten.
Bei der Berathung de» CommisfionSberichte» für die Petitionen betr. Einführung des Befähigungsnachweise» für da» Baugewerbe beantragt Abg. M etzner ((Str.) lieber- Weisung der Petition an die Regierung zur Berücksichtigung.
Abg. Benoit (frs. 8g.) beantragt, die Abstimmung ousznsetzen, was da» Hau« ablehnt, worauf Abg. Benoit die Beschlußfähigkeit be» Hause» bezweifelt.
Die nun folgende An-zählung ergiebt die Anwesenheit


