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tpreisen 2621 Uebigstr, 13.
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Nr. 77
Erstes Blatt.
Freitag den 1. April
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Gießener Anzeiger
General-"Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren.
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Alle Anzeigen-Bermittlung-steNen des In- und »nltaiM nehmen Anzeigen für dm Gießener Anzeiger mtgeG«.
Redaction, Expedition und Druckerei: Zchulstratze Nr. 7.
Pfennigen. (Beifall)
Der Miliräretar wird darauf erledigt, ebenso Marineetat ohne jede Debatte.
Nunmehr vertagt daS Hau- die Weiterberathuug morgen 12 Uhr. Rest der hem gen Tagesordnung.
Schluß 7»/4 Uhr.
chen Stempel. Die Mittheilung, die er (Redner) in Ver- ammlungeu gemacht, habe er in gutem Glauben gethan. Zum Ankauf der Gewehre, die die Leute sich au- den Stücken zusammengesetzt hatten, habe Redner leider kein Geld gehabt. Jedenfalls seien auch Gewehre des neuesten Modells dabei gewesen.
Generalmajor v. B 0 e ck führt aus: Die Armeeverwaltung hat in der Hörde'schen Angelegenheit Nicht« zu verschweigen. Im vorigen Herbst hat ein Austausch der Gewehre statt» gefunden, da die Gewehre nicht bi« an die Grenze ihrer KrtegSbrauchbarkett benutzt werden sollen. Sämmtltche Gewehre der Infanterie, nicht nur die Löwe'schen, find zurück« gezogen worden behufs eventuellen Reparatur, und um dann wieder in die Armrebestände eingesügt zu werden. Herr Ahlwardt hatte mir erklärt, er hätte Gewehrtheile auß Hörde in Händen. Er hat sie aber nicht mttgebracht. Dagegen habe ich mir solche verschafft und lege ste hier auf den Tisch des Hauser nieder. (Geschieht.) Bü den einzelnen G-wehrtheilen, die in Hörde zum Einschmelzen gekommen find, befanden fich nur Thetle von Züudnadclgewehren vom Modell 71, vom Modell 70/84 vou französtrchrn Shafirpotgewehren. Ich muß also die Behauptung zurückwetsrn, daß Thetle deS neuesten Modells dabet gewesen find. UebrigeuS erkläre tch, daß die Armee sich im Besitz krtegSbrauchbarec Gewehre befindet.
Abg. Ahlwardt sagt, er werde nunmehr in öffentlichen Versammlungen beweisen, daß Thetle deS neuesten Modells tn Hörde Sabrigeweseu seien.
Abg. Richter (frs. Vp ) sagtAhlwardt wüfie doch wenigsten- die Namen seiner Zeugen nennen. Sr verfahre dilatorisch und halte inzwischen weitere Borträge zu zwanzig
Adresse für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher Nr. 51.
die Ntederbrennung einer deutschen Plantage verlangt. Als dies verweigert worden, habe drr Capitän verlangt, Liberia solle sich unter deutsches Protectorat stellen. Gegen weitere Schritte deS deutschen CaPitän» habe der französische Geschäftsträger protestirt. Bischof Hartzell erklärte ferner, der Präsident Liberias habe ihn veranlaßt, in London und Washington für die Erhaltung der Selbstständigkeit deS Landes zu wirken. Der französische Geschäftsträger sei übrigens deshalb dazwischen getreten, um Frankreich das Protectorat zu sichern. — DaS neueste Verlangen des Präfioevtrn Mac Kinley ist die Unabhängigkeit Cubas. A ks. Btfl.
Deutsches Ueich.
Berlin, 30. März. Im ReichStagSgebäude trat heute unter drm Vorsitz des Präsidenten eine Reihe von Abgeordneten aus allen politischen Parteien, mit Ausnahme der Soctaldemokraten, zusammen, um üoer die Errichtung eines Moltke-DenkmalS in der Reich-Hauptstadt zu berathrn. DaS erfreuliche Grgebuiß war, daß mau die Anregung allseitig freudig begrüßte, und eS für erwünscht hielt, bis zum 26 October 1900, drm 100jährigen GeburtS- rage des großen Strategen, wenigstens den Grundstein zum Denkmal legen zu können. Die Anwesenden traten zu einem provisorischen Comtts zusammen, daS während der parlamentarischen Ferien Vorschläge zur Bildung eine- großen ComUss in Erwägung ziehen soll, um dann nach Ostern energisch die Vorbereitungen und Sammlungen in die Hand zu nehmen. Zum Geschäftsführer wurde der Abg. Dr. Paasche, Berlin, SigmuudShof 20, gewählt, an den von Freunden der Sache etwaige Mitteilungen und Wünsche auS drm Lande zu richten find.
Ausland.
Newyork, 30. März. Die Erregung wegen der fried- lichen Haltung Mac Kinley» ist selbst in ernsten, bisher drm Präsidenten unbedingt ergebenen Kreisen tu starker Zunahme begriff:«. Ein mit den angesehensten Namen Ncw- UorkS versehener Aufruf fordert zum Abhalten großer Prot estmeetiugs auf und zur Bildung von Freiwilligen- CorpS von zwei Mill onen Mann.
Newyork, 30. März. Präsident Mac Kinley gewann Zeit bis zum Montag, um die Verhandlungen mit Spanien zu führen, da die einflußreichsten republikanischen Cougreßmitglieder geneigt sind, bis dahin zu warten. Der demokratische Führer Bailey legte im Repräkei.tanteuhause eine Resolution betreff» Anerkennung der Unabhängigkeit Cuba» vor, wa» der Sprecher T. B. Reed außer der Ordnung erklärte. DaS Hau» unterstützte ihn mit 179 gegen 139 Stimmen. — Die Bundesregierung unterhandelt wegen Ankaufs von Dänisch-Westindien zur Anlegung von Kohleustationen. — Da» Marinedepartement erhielt ein Telegramm, wonach drei Kriegsschiffe aus Cadiz ad- gingen.
Newyork, 30. März. Der amerikanische Bischof Hartzell, der soeben aus Afrika zurückgekehrt ist, erklärt, ein deutsches Kanonenboot sei vor Monrovia in der Negerrepublik Liberia (Westasrika) erschienen und habe 13500 Doll, für
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Vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn.
Bei Postbezug 2 Mark 50 Pf,, vierteljährlich.
Deutsche* RetchOtag.
78. Sitzung vom Mittwoch den 80. März 1898.
Beim Etat deS ReichSamtS des Innern erklärt GtaatSsecretär Graf v. PosadowSky auf die Bemerkung de» Abgeordneten Rettich (cons.), daß ein: Revifion der AuSsührungSbestimmungen zum Margarivegesetz r.öthig sei. Die AuSsührungSbestimmungen seien allgemein gewünscht gewesen und bezweckien die Erleichterung de» Nachweises betrügerischer Manipulationen.
Abg. Rickert (frs. Bg.) bemerkt, die Eonservativen schöben hier wie beim Börsengesrtz die Schuld auf die Regierung, nachdem da» Gesetz ihren Erwartungen nicht ent- sprachen habe.
Abg. Dr. Lütgenau (Soc.) wünscht ein- Regelung der Betheiligung der Arbeiter au UufallverhütuugS-Eom- misfionen für Bergwerksbetriebe und zwar von ReichSwegen.
Staaissecreiär Graf v. PosadowSky erklärt, diese Forderung sei für die Regierung ein Novum. Dieselbe habe zu dieser Frage noch keine Stellung genommen.
Abg. Stadthagen (Soc.) verlangt Bestrafung der» jenigen Beamten, durch deren Fahrlässigkeit das Karolinen- Unglück verschuldet sei.
StaatSsecretär Graf v. PosadowSky theilt mit, daß über die letzten Katastrophen eine ernste Untersuchung ein- geleitet sei.
ES entsteht eine längere Debatte, in welcher Abg. Pen» (Soc.) den Stillstand der Socialrefoim bemängelt und die Berweudung von Kindern bei landwirthschaftlichen Arbeiten bespricht.
StaarSsecretär Gras v. PosadowSky erwidert, daß zunächst mit der Regelung der gewerblichen Kinderarbeit vor- gegaugeu werden soll, und macht aus die Gefahr aufmerk>am, daß bei einer wetteren ähnlichen Debatte eine Feststellung de» EratS auf Schwierigkeiten stoßen würde. Schließlich bittet der StaatSsecretär, daß die Reichstag» Commission für die Ausschmückung btt ReichStagSgebäudeS noch vor den Ferien zusamwentreten möge.
Damit ist der Etat de» ReichSamtS deS Innern erledigt.
Beim Etat des KriegSministertumS kommt Kriegsminister v. Goßler auf die vom Abg. Bibel vor- gebrachten Soldatenmißhandlungen zurück und weist bei ver- fchiedenen Fällen die Unrichtigkeit der Behauptungen deS Abgeordneten Bebel nach. Bet den Typhusfällen in Saar- brücken sei festgestelll worden, daß dieselben von dem Genuß von Kartoffelsalat herrührteu, den der Cantinenpächter zu- bereitet habe.
Abg. Bebel (Soc) geht nochmals auf mehrere Falle von Soldatevmißhandlungen ein.
Abg. Kunert (Soc.) behandelt ausführlich die Frage der Arbeiten in den MUttärgefänguiffen und die Lohndrückereien im SubmiifionSwesrn.
KriegSmiutster v. Goßler verzichtet bei der unge- uügenden Begründung der Bemerkungen de» Vorredner» auf eine Erwiderung. (Beifall.)
ES folgen persönliche Auseinandersetzungen zwischen den Abgeordneten Dr. Friedberg (nl.) und Bebel (Soc.) unter großer Unruhe de» Hause».
Abg. Dr Friedberg erklärt einige Ausführungen Bebels für unwahr wie immer.
Abg. Bebel gebraucht darauf die Ausdrücke „Frech- heit^ und „Unverschämtheit" dem Abgeordneten Dr. Friedberg gegenüber.
Abg. Dr Friedberg bittet den Präfidenten, ihn vor solchen uaglaublichen Schmähungen zu schützen.
Prästdenr v Buol erklärt, wenn diese Ausdrücke gebraucht find, müffe er sie ganz entschieden rügen.
Beim Capitel „Waffenwesen" kommt Abg. Ahlwardt (b. k. Fr.) auf seine Behauptungen betr. Unbrauchbarkeit der Loewe'ichen Gewehre zurück.
Abg. Ahlwardt: Bei den Gewehrlieferungen seien zweifellos schlimme Dinge vorgrkommen. Vor einiger Zeit habe er einen Vortrag gehalten (Zwischenruf des Abg. Müller- Sagau: für 20 Pfg. Heiterkeit.)
Abg. Ahlwardt: Jawohl, für 20 Pfg. Sie machen mir ja eine andere Existenz unmöglich. Schämen Sie sich mit ihrer Judenclique! (Präsident v. Buol rügt diese AuS- drücke.)
Abg. Ahlwardt: Die Leute in den Volksversammlungen betragen fich nicht so, wie Sie! (Präsident v. Buol ruft den Redner zur Ordnung.)
Abg. Ahlwardt: In Hörde seien Gewehrtheile von zerschlagenen Gewehren gezeigt worden, auch mit dem Löwe-
Erscheint tigNch mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener M«mitie«vtLtter »erden dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigelegt.
«oral«» uttö provinziell«».
Gieße«, dr« 31. März
Weber die Organisation de« Handwerk», die Errichtung vou Har.dwerkerkawmeru und die zukünftige Lehrttug«anSb,ldnug sprach am DteuStag Abend im Cafv Ebel Herr Reallehrer Kahl auS Wimpfen in einer vom OltSgewerbeverein Gießen einberufenen Versammlung. Redner wie» in seiner Einleitung auf die Erscheinungen deS modernen Erwerbsleben» hin, nach denen trotz der Zunahme der Bevölkerung eine Abnahme de» Handwerks und damit der Zahl der selbstständigen Meister, dabei aber auch ein rüstiges Fortschreiten der Großindustrie zu beobachten sei. Drr dadurch in den Handwerkreisen entstandene Mihmuth habe ein Aufraffen und bas ver- langen nach Reformen, nach ZwanxStnnungen, Befähigungsnachweis, StaatShilfe usw. gezeitigt. Sr fei dafür, daß der Stuar nur da eingreisen solle, wo bi-. Selbsthilfe versage. VlHe auf Ocganifirung des Handwerks gerichtettn Bestrebungen hätten nun ihren Abschluß durch daS Gesetz vom 26. Juli 1897 gefunden und danach hätten nun die Hand- wrrker die Pflicht, sich mit dem Gesetze abzvfinden. Die bi»- her über diese- Gcietz gefällten Urtheile und geäußerten Befürchtungen litten stark an Uebertrribungkn, kein Mensch sei an der Ausübung seines Handwerks gehindert, keine der be- stehenden Innungen fei gefährdet,- man thue ihm Unrecht, wenn man ihn als Denjenigen bezeichne, der die Innungen befriiigen wolle, er fei nur gegen das beabsichtigte Wreder- inSledenrufen unnützer mittelalterlicher Einrichtungen, denn dieselben würden keine Bcfferung der Behältnisse, wohl aber Enttäuschung und Erbitterung tn den Kreisen der Betheiligteu Hervorrufen. Redner ging hierauf auf die Befugmffe der Innungen ein. In Hessen habe man fich solche bezüglich ihre» Wirkungskreise» als auf die politische Eintheilung de» Lande» (Kreise) beschränkt zu denken. Er werde indeß nicht möglich fein, für alle Handwerker lebensfähige Innungen zu errichten- so ließen fich besptelSweise in Gießen nur etwa z'hu Hand- werte zu Innungen zusammenschlttßen. Der Zusammen- sch'.uß verwandter Handwerke könne nur in Form von Zwangsinnungen erfolgen, dies sei aber auch außer den fünf größten Städten Heffens nicht möglich, in den kleinen Städten bliebe nur der Weg deS Zusammenschlüsse» zu freiwilligen Innungen, bezw. der Anschluß an Gewerbevereine offen. Redner erläuterte hierauf die Erfordernisse der Mitgliedschaft innerhalb der freiwilligen Innungen und deren Brfngntffe. ES sei den Innungen nicht erlaubt, ihre Mitglieder zu bestimmten Preisbildungen hinfichtlich ihrer Berufsausübung zu bestimmen oder sie sonst zu beeinflussen. Sollen die Innungen ihren Mitgliedern nützlich werden, so haben fie ihre Wirksamkeit auf den Ort zu beschränken, auswärtige Mitglieder könnten aus deren Einrichtungen keinen Nutzen ziehen. Was ihm nicht gefalle, fei da» zur Durchführu"g der Jnnung»satzungen nothwendtge Spioniersystem. Dem Institut der GestllenauSfchüffe stehe er sympathisch gegenüber, eß ent- spreche dasselbe nur dem Recht und der Billigkeit, e» trage bei zur Hebung eines geregelten Verkehrs zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer und beseitige Unzufriedenheit und Mißtrauen. Redner kam hierauf auf die Zwangs-Innungen zu sprechen und gab seine Ansicht über dieselben dahin kund, daß Organisationen, die auf die im Gefttz vorgeschriebene Art und Weise zu Stande kommen, nie etwa» Ersprießliche» zu leisten vermögen, fie gingen nicht von der Gesammtheit au», weil nicht die Majori.ät der Handwerker, sondern nur die Majorität der an der Abstimmung Theilnehmenden die Errichtung einer Zwangs nnung beantragen bezw. beschließen könne- nach Lage dtr Sache brauche man zunächst in Hessen nicht zu fürchten, daß ZwangSinnungen errichtet werden, man sei hier von der Ueberzeugung durchdrungen, daß geeignetsten Organtsationen zur Wahrung der Jnterrffe Gewerbe» die freien Innungen und die A""^v"etnefi • Nach einem Rückblick auf die Zünfte i>e» 'Wte alte r«, HrM nur kurze Zeit behaupteten, ging Herr Kahl aus die B.ldung


