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1.3.1898 Zweites Blatt
 
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1898

Dienstag den 1. März

Zweites Blatt

Nr. 50

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

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Aus de« Verhandlungen der Zweite« Kammer der hcsstscheu LtLude.

G. Darmstadt, 26. Februar 1898.

Die Beratungen über das Staatsbudget werden Heute um 91/» Uhr fortgesetzt.

Zu Titel 1, Obere Laudwirthschaftlichr Be- t öxbcti, sucht der Abgeordaere David nachzuwetsen, daß bereits in der Landwirthschaft durch die Bildung einer Reihe »oh Productrvgeuoffeuschasteu eia Schritt in den socialisttscheu Staat gemacht woxben sei. Ader nicht al» ein Zerrbild, wie eS die Gegner wünschen, sondern auf ganz legalem Wege werde diese Umgestaltung der Landwirthschaft immer vorwärt» schreiten. We»n man frage, mit welchen Mitteln der Landwirthschaft geholfen werden könne, so sei die» zu erreichen durch Brrstaatlichuug der Productiogenofienfchaften.

stellt noch einen Antrag auf Feststellung eines MinimallohueS für die staatlichen Arbeiter in Hessen in AuSficht und ersucht die Kammer, diesen Antrag zu unterstützen. Abg. Friedrich stellt fest, daß da» CapitelLandwirthschaft" von einrr Rrihe von Rednern be­nutzt worden sei, um Stimmung für die bevorstehenden McichStagSwahlen zu machen. Dem Abgeordneten Köhler- Langsdorf sei eS durchaus nicht um die Sache zu thun, son­dern er suche nur die Gewalt in die Hand zu bekommen, um die Kammer später durch seine Partei zu wajortfiren. Er erkenne ihn nicht als den Vertreter de» Bauernstandes an vnd seine Bestrebungen schadeten dem Bauernstand mehr als fie nützten. Er stehe auf dem Standpunkte, daß eine Roth- läge festgestellt sei, und ist bereit, wo möglich noch weiter zu gehen mit der Bewilligung vou Mitteln. Abgeordneter Weidner wünscht, daß jetzt endlich Schluß mit der Debatte über dir Landwirthschaft gemacht werde. ES sei doch nn der Zett, daß man sich auch des Budgets erinnere. Die ausgetretenen politischrn Gegensätze in der diesmaligen Debatte seien sehr scharfe gewesen und nicht förderlich für die Sache. Er mahnt zum Frieden und ersucht das Hau», doch im Interesse deS Lande« zu arbeiten und bestehende Gegensätze auSzugleicheu. Abg. Graf Oriola widerlegt in ausführlicher Weise die gestern gemachten Angriffe auf die nationalltberale Partei und seine Person. Dre Mahnung zum Frieden möge der Abg. Weidner auch an die anderen Parteien deS Hause» richten. Den Borwurf, als unterstütze die nationalltberale Partei nicht die laudwirthschaftlicheu Bestrebungen, weise er mit Entschiedenheit zurück. Jede Erschütterung deS Bauern- standeS sei eine Gefahr für unsere heutige Gesellschafts­ordnung. Seine Partei werde Aller thun, um unseren Bauern­stand zu erhalten und dafür sorgen, daß in den landwirth- schaftlicheu Vereinen die Socialdrmokratte nicht ihren Einzug halten wird. Ja den Kriegervereinen erblickt er einen Halt für unser Deutsche» Reich. Durch die künstliche Züchtung der Unzufriedenheit in der Presse werde in die Kreise der Landwirthschaft Mißstimmung hinein getragen. DaS sei um so mehr zu bedauern, als der Zweck dieser Preffe zu durch- stchttg sei. Bezüglich der Flottenfrage müffe er erklären, daß er für die Wehrkraft unseres Vaterlandes etntreten werde, soweit e» nöthig sei, sür uferlose Pläne sei er jedoch nicht zu haben. Für den Schutz deö Handel« und der Industrie werde er jederzeit eintreten, und in der Flottensrage werde die nationalltberale Partei einig gehen. Er schließt mit dem Wunsch, daß diese neue Vorlage neue» Leben in unsere hessische Landwirthschaft bringen und daß sich dieselbe zum Degen unsere» deutschen Vaterlandes entwickeln möge. (Bravo.) Abg. Reinhardt erblickt in dem Ausbau der Nebenbahnen ein großes Mittel, um die Landwirthschaft zu heben. Für ein verständiges und nützliches BereinSweseu sei er stets ringetreteu und werde e» auch jederzeit thun. Aber gegen die bestehenden Auswüchse müffe man ankämpfeu. Die von Herrn Ulrich aufgestellte Behauptung, als würden durch den Zusammenschluß der beiden productiven Stände, Handel und Gewerbe, die Maffen auSgebeutet, sei unrichtig und zurück- znweisen. Abg. Rau (Soc.) weist den, von ängstlichen Gemütheru im Hause gemachten Borwurf, als wolle seine Partei Vernichtung deS Bauernstandes, mit Entschiedenheit zurück. In dem von ihm vertretenen Wahlkreise seien die eifrigsten Genoffen aus den Kreisen der Landwirthschaft her- vorgegangeu. Nachdem noch der Abg. Ulrich die Unter­stellung, als betreibe seine Partei Verhetzung der Maffen vnd Vernichtung deS Bauernstandes, in längeren Ausführ- vngen zurückgewieseu hatte, wurde die Sitzung um Vj4 Uhr geschloffen. Nächste Sitzung DieuStag um 9 Uhr.

Deutsches Leich»

Berlin. 26. Februar. DerPost" zufolge find betreff« der Reife de» Kaiser« nach Palästina im Herbst dieses Jahre» bisher noch keim Dispositionen getroffen. DaS Blatt tritt außerdem der Meldung entgegen, daß >m Anschluß au die Palästina-Reise ein Besuch deS Madrider Hofes beab­sichtigt sei.

Berlin, 26. Februar. DerReichsanzeiger" meldet: Nachrichten au« Süd-Afrika zufolge hat am 23. December v. I. ein erfolgreiches Gefecht von Theilen der Schutztruppr unter Hauptmann v. Estorff gegen Aufständische im Nord- bezirk de» Schutzgebiete« um Zaub unweit Frauzfontain statt­gefunden. Die Truppe hat hierbei folgende Verluste erlitten: Todt: Reiter Mau» und Geißler, schwer verwundet: Secoude- lieutenant Bansen.

Berlin, 26. Februar. In der heutigen Sitzung der Budget-Commission de» Reichstages gab zunächst Frhr. v. Hertling die Erklärung ab, daß er weder eine Audienz beim Kaiser gehabt, noch uachgesucht habe. Darauf referirte Abg. Lieber über die Frage der Befristung. Gegen die Be- fristung der Ersatzbauteu, wie fie in der Vorlage gefordert werde, würde fich kaum Einspruch erheben laffen. Anders stehe e« mit der Befristung der Neubauten. Er befürwortet schließlich die Aufnahme einer Bestimmung in den Gesetzeut- Wurf, daß die Regierung mit Mehrforderungen erst nach Ablauf der siebenjährigen Frist hervortreten dürfe. Staats- secretär Tirpitz giebt Namens der verbündeten Regierungen die Erklärung ad, das Gesetz werde für sie unannehmbar sein, wenn nicht dir gesetzliche Sicherheit geboten werde: 1. daß die Flotte in dem geforderten Umfange und der als nothwendig erachteten Zeit fertig gestellt werde. 2. Daß die Flotte in kriegsbereitem Zustande erhalten bleibe. Unter Wahrung dieser Gesichtspunkte könne er eveutl. einer anderen Faffung zustimmen. In der fich anschließenden Debatte er­klärt Abg. Bennigsen, er werde fich dem Vorschläge Lieber» auschließen, soweit sie den Zweck deS Gesetze» nicht in Frage stellen. Abg. Richter führt au«, daß das Ceutrum als aus­schlaggebende Partei zu betrachten sei, erschwere die Stellung­nahme. Er behalte fich Wettere» vor. ES sprachen noch die Abgg. v. Maffow und Bebel, der fich gegen die Vorlage auSsprtcht, Abg. Arnim, Abg. Hammacher. Abg. v. Jagd- zewrkt erklärt, die Polen verhielten sich an sich ablehnend, die definitive Stellungnahme behielten sie fich für da» Plenum vor. Ferner sprachen noch die Abgg. Frese und Müller- Fulda, welch Letzterer meint, e» werde fich über die etatö- rechtlichen Bedenken eine Verständigung erzielen laffen. Als­dann tritt eine Pause ein.

Berlin, 26. Februar. Im Abgeordnetenhause wurde heute die Novelle zum Central-Genoffrnschafttkaffrn- Gesetz in zweiter Lesung angenommen, sodann der Erat der Ccntral-GenoffenschastSkaffe erledigt. Ferner gelangte der Rest des Etat» zur Annahme (Etat der Handels- und Ge- werbe'Verwaltuug). Montag Eisenbahnetat.

Berlin, 26. Februar. Daß demnächst im preußischen Ministerium Veränderungen vor fich gehen werden, wird trotz aller Dementis, die ;bcn bezüglichen Gerüchten bisher entgegen gestellt worben finb, doch immer wahrschein­licher. ES scheint nach allen diesen Gerüchten so viel fest­zustehen, baß ber CultuSmiuister Dr. Bosse bemnächst einem anderen Manne Platz machen werbe. Wenn eS zuerst hieß, baß der preußische Minister deS Innern Frhr. v. b. Recke burch den conservativrn ReichStagöabgeordneten unb LanbeS- director ber Provinz Brandenburg, Frhr. von Manteuffel, ersetzt werden soll, so dürfte da» nicht ganz richtig sein. Wahrscheinlicher klingt schon die Meldung, daß Frhr. von Manteuffel an Dr. Boffrs Stelle zum CultuSmintster au«- erseheu fei. Eine dritte Version will wissen, Herr Dr. Bosse sei zum Präsidenten der jüngst burch beu Tob beS Präfibenten Wolff erledigten Stellung bet der OberrechnuugSkammer in Potsdam in AuSficht genommen. Frhr. v. d. Recke werde CultuSminister und Frhr. v. Manteuffel Minister de« Innern werden. Nach dem Worte, wo Rauch ist, ist auch Feuer, wird man also doch wohl auf eine baldige Veränderung in den genannten preußischen Staatsämtern zu rechnen haben.

Berlin, 25. Februar. Die Einstellung weiblicher Kräfte im Post- und Telegrapheudienst steht, wie dieDeutsche Zig." mittheilt, nahe bevor, und zwar sollen in den größeren Postämtern, welche Telegrapheubetrieb haben, für diesen Dienst Telegraphistinnen angestellt werden unter denselben Bedingungen, wie e» bisher beim Fernsprechbetrieb üblich war. Auch sür den Canzleidienst, z. B. zur Bedienung der Schreibmaschinen und zur Verrechnung des Postanweisungs­verkehrs, sowie für den mehr mechanischen Schalterdienst,

Arr-laud

Die Abendblätter besprechen btn

Wien, 26. Februar.

dem böhmischen

Abend« 71/4 Uhr wurde gegen

Der König ist nicht

den König ein Attentat verübt, verletzt.

gelandet seien.

Athen, 26. Februar.

Austritt der Deutschen aus

Markenverkauf und dergleichen, werden nach Bedürfuiß we b- liche Beamte eingestellt werden. Außerdem nimmt man für den Gehilfendienst in den Postämtern dritter Klasse die Ver­wendung von weiblichen Kräften in Aussicht.

Aachen, 26. Februar. Eine gewaltige Entzündung schlagender Wetter wird von der Grube Maria ge­meldet. Drei Bergleute find tobt; mehrere schwer verletzt. Die Verletzten würben ins Hospital zu Bardenberg gebracht. Au ihrem Aufkommen tthb gezweifelt.

Breslau, 26. Februar. DemBreslauer General- Anzeiger" zufolge fand in Zabrze in Colonie A und B heute Mittag ein sechs Secunden dauernde», sehr starke» Erdbeben statt. Viele Fensterscheiben wurden zertrümmert und an Häusern erheblicher Schaden angerichtet.

Landtage und geben ihrer Befürchtung Ausdruck, daß bie Folgen sehr ernste für die gesummte Monarchie werden könnten.

Budapest, 26. Februar. Infolge einer Verfügung de» Minister« de» Innern wird die Polizei die zwangsweise Photographiruvg vou Socialdemokateu etustelle?'.

Budapest, 26. Februar. Ministerpräsident Bauffh brachte im Abgeordnetenhause einen Gesetzentwurf ein, nach welchem der 11. April, an welchem Tage der König Ferdinand V. tm Jahre 1848 tat VerfassnngSgesetz sanctionirte, für ewige Zeiten als National-Feiertag erklärt wird.

Paris, 26. Februar. Heute Nachmittag fand infolge eine« auf die Zolaangelegenheit bezüglichen Streite» zwischen Clämenceau und Drumont ein Pistolenduell statt. ES wurden sechs Kugeln ohne Ergebuiß gewechselt.

SauueS, 26. Februar. Prinz Christian von Dänemark und seine Braut, Alexandrine von Mecklenburg stürzten au« einem automobilen Wagen auf der Fahrt zwischen Grasse und Cannes, erlitten aber nur Verletzungen leichter Natur.

Loudou, 26. Frbruar.Daily Mail" erhält von ihrem Berichterstatter in Singapore die Meldung, daß franzö­sische Truppen in Kwinchau, 200 Meilen vonHaiphovg

«US Bringe in diese« Monat geeignete Sttftküftchen für Staare, «eisen nnd RothschwLnrven an! «chone alle Hecken an Rainen, VSschnngen nnd Aünnen für die nützlichen Heckenbrüter l

Athen, 27. Februar. Zu dem auf den König von Griechenland verübten Attentat wird noch gemeld.t, daß der Utberfall erfolgte, als der König in seinem Wagen, mit der Prinzessin Marie nach der Stadt zurückkehrte. Zwei Männer, welche fich im Straßengraben vetsttckt hielten, gabm auf den Wagen mehrere Gewehrschüsse ab, welche jedoch die Insassen nicht trafen. Der Kutscher trieb die Pferde beim ersten Schuß zu rasendem Galopp an, wodurch der König gerettet wurde. Man glaubt, daß der Attentäter ein ent­lassener Offizier ist; die Untersuchung wurde sofort eingeleiter. Der König glaubt einen der Attentäter erkannt zu haben.

Verk^r, wnb Vslkswirthschaft-

- Pammersche HypothekenAetten-vank. In der am 26. Februar er. abgebaltenen ordentlichen Generalversammlung wurde der Abschluß pro 1897 genehmigt, der Direciion und dem Kuratorium Decharge ertheilt und die sofort zahlbare Dividende auf 7 pCt. fest­gesetzt Daneben werden dem außerordentlichen Reservefonds 554 434 Mk. und dem Beamten-PensionS- und UnterstützungSfondS 77 854 Mk. überwiesen. Die von der Verwaltung vorg« schlagen« Erhöhung des Actiencapttals auf 18 Millionen Mark wurde ge­nehmigt. Die Bilanz pro 1897 befindet fich im Jnseratentheile unserer heutigen Zeitung.

Nach den statistischen Ermittelungen deS Verein» dentscher «isen- nnd Stahlindnstrieller belief sich die Roheifenproduction des Deutschen Reichs (einschl. Luxemburgs) im Monat Januar 1898 auf 626 871 Tonnen; darunter Puddelroheisen und Spiegeleisen 132151 Tonnen, Bessemerroheisen 55 403 Tonnm, Tbomasrohetsen 335422 Tonnen, Gießereiroheisen 103 895 Tonnen. Die Production im December 1897 betrug 615 455 Tonnen, im Januar 1897 564 364 Tonnen._______________________________________________

Thee ist der Gesundheit zuträglicher und um mehr als die Hälfte billiger als Kaffee. Nack Berechnungen der bekannten Firma Thee-Meßmer stellt sich eine Taffe guten, wohlschmeckenden TheeS (pro Pfund Mk. 2.80) auf kaum mehr alS 1 Pfg. Meßmers Thee ist in allen Kreisen zu finden, wo täglich Thee getrunken und Fein­heit der Qualität am meisten gewürdigt wird. Meßners Thee ist nur in plombirten Packeten mit Preisausdruck in feineren Ge- schäften zu haben.1868