1897
Mittwoch den 31. Mär
Wettes Blatt
Nr. 76
Amts- und Anreigeblatt für den Ureis Gieren
Gratisbeilage; Hießener Aamilienblätter.
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i Siebener Omnibus-Gesellschastl Bekanntmachung
E. G. m. b. H. in Gießen. i Die ftädt. Waage am Ne
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
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ftädterthor bleibt wegen vorzunehmender Reparaturen an derselben vom 30. März bis incl. 1. April
Mittwoch den 31. März 1897, Abends 8V2 Nhr, Kaft Aavaria (Ileidey:
General-V er Sammlung.
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Grünberg, am 27. März 1897.
Großb. Oberförsterei Grünberg. Schober.
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l. Jr. geschloffen. Verwiegungen können während dieser Zeit nur auf der Waage in der Frankfurterstraße stattftnden.
Gießen, den 29. März 1897.
Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 3130
Wagenverkauf:
Laudauer, Mylord, Halb- verdeck, Break, Selbstfahrer, Geschäftswagen, neu und gebraucht, reichhaltig auf Lager.
Fr. Grauer, Wa-ea-suer,
«He Lnnoncen-Vureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgeg«.
Feuilleton.
Erreicht — verlöre».
Skizze von Primula verie.
(Nachdruck verboten.)
Der Abend lag über dem See und in der Villa hatte man die Lampen angezündet, deren Reflexe wie kleine Irrlichter über da« Waffer tanzten. — Ruhe! — Frieden! — Die Lüfte bewegt von dem berauschend süßen Dufte der Rosen und Reseden und au- dem geöffneten Fenster die lang- gezogenen fchwermüthigen Töne einer Amati.
Plötzlich brachen fie schrill ab- gedankenvoll stützte der junge Spieler die Stirne in die Hand. ES kam ihm mit eine« Male so undenkbar vor, wa« doch längst befchloffene Sache war, daß er morgen bet TageSgrauen das Hau« feines Vormundes verlaffen, daß er hinauSzteheo sollte io die weite Welt, einer ungewiffen Zukunft entgegen! — Und wa« war der Grund diese« Scheidens, das einem verstoßen- werden nicht unähnlich sah: die Liebe zu seiner Amati und — „Thea!" tönte es plötzlich von seinen Lippen- dort stand fie auf der Schwelle, die traurigen Augen auf ihn geheftet. Sie schritt ihm entgegen und legte sanft die Hand auf sein Kraushaar. , , , L .,
,Warum spielst Du nicht weiter? Noch nie habe ich Dich so gehört wie heute! Aber es waren Thräneu, die Du Deinem Instrument entlocktest — Thräneu, die brennend in weine Seele fielen. - ES ist ja für lange Zeit das letzte Mal, daß ich Dich höre, vielleicht für immer."
Die Stimme des Mädchen« bebte und ihren schönen
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Der * Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener Aamikienbkätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
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Rechners. Sprechen,
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Vorstand.
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am 1- April.
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Kinderschuhe abgestreift und au« der einstigen Kinderueigong war die mächtige Flamme einer großen, heiligen Liebe empor- geigen I O (tilgt Ztit, «° i-d-r Sag, Jtbt Smnd-da« hilflos süße Gefühl gänzlichen verlorenseinS in sich schließt, wo die Gedanken verlernen, etwa« Anderes dauernd zu umkreisen, als immer wieder den Gegenstand dieser Liebe! Und als fie einst an einem zauberschönen Sommer ab end ein Wagen gemeinsam aus der nahen Stadt zurückbrachte, a war es so natürlich, daß der junge Mann die Festung erstürmt und Befitz ergriffen hatte von dem Wesen, daS er am meisten liebte auf dieser Welt! Und wahrend fie dahin- austen auf der menschenleeren Landstraße und nur die Hufe »er Pferde die Stille der Sommernacht unterbrachen, war ihr Köpfchen an seine Brust gesunken und beim Scheine de- Mondes hatte er fie geküßt — zum ersten Male seit der Kinderze^ ber Agume hatten gerauscht und die Sterne am Himmel herabgeblickt auf ein junges, strahlendes Menschen- 9 Der Abend bricht langsam herein. Gin sanfter Windhauch umspielt die Schläfe des jungen Künstler« und trägt ihm plötzlich die halbverwehten Klange einer ernsten, feier- ltchen Mufik entgegen, einer Trauermufik, die aus dem Thaüe emporsteigt und langsam näher zu kommen scheint! Noch eine kurze Weile und dann tritt eS hervor, eine dunkle Gestalt, und noch eine, ein ganzer Zug! — Er geht an ihm vorüber, schweigend, mit schleppendem Gang. -
Den jungen Künstler packt eine kalte Hand ans Herz'. Er mustert die Gesichter der Leidtragenden und manche kommen ihm bekannt vor. — , . . . _
Bon einem geheimntßvollen Trieb geleitet, folgt er au« der Ferne dem Zug. — t r t
Und die Ceremonte ist längft^vorüber, da lehnt er noch immer regungslos am Baume!
Der Friedhof ist leer! Schon spielen die Abendwtvde über dem frisch aufgeworfenen Grabe und bewegen leise die schwarzen Florschleifen der Kränze. Der junge Mann steht noch immer wie im Traume. ES zieht ihn magnetisch da hinüber und hält ihn wieder fest an der Stelle, wo er steht. Er rafft fich auf! Einige Secunden noch und daun ruhen seine Augen starr auf der weißen Marmorplatte. Mit einem dumpfen Laut stürzt er zusammen. Seine Ahnung hatte ihn nicht betrogen: Der Name, der ihm daS Liebste war, tu den er seine glühende Seele tauchte, — dort starrte er ihm entgegen, mit bleichen Buchstaben, tobt und kalt im fahlen Mondlicht! —
Lauge lag er so, ohne Lebenszeichen. Dann löste stw allmälig der furchtbare Bann, daö tiefe Weh seiner gemarterten Seele in einen Strom erbarmungSreicher Thräneu. Und da überkam es ihn saust und trostvoll, wie eine Eingebung von oben! Seine zitternden Hände tasteten nach seiner einzigen Freundin, seiner Geige; die war ihm ja noch geblieben! Er preßte fie an sich und dann klang er au«, der gewaltige Schmerz, in bebenden tiefergreifenden Tönen! Und vom Abendwinde getragen wallten fie himmelwärts und schwebten als letzter Gruß an seine Thea, hinweg über die duftenden Blumen, hinauf zu ihr.
Holz- und Streuverfteigerrmg.
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13 Na^lholz^ Etück^rr^S^adelh ben Schneisen und Wegen in verschiedenen W%V°bÄ^ ÄÄÄ erteilen auf Verlangen nähere
Gießener Anzeiger
Keneral-Mzeiger.
dem Altar meiner Liebe. Drum verzage nicht, mein Lieb! Laß nur erst die Prüfungszeit vorüber sein! Sind wir nicht jung? Gehört uns nicht die weite, weite Zukunft? Und obgleich noch Mer düsterem Schleier verborgen, bricht fie dereinst hervor, wie die Sonne hinter Wolken, und wir werden von ihren Glücksstrahlen — fast zu schön für ein sterbliches Auge - geblendet werden."
Da« junge Mädchen hatte die Augen geschloffen- in heftiger Bewegung riß fie seinen Kopf an fich und preßte ihr heiße« Antlitz in sein dunkle- Gelock. Lauge verharrte fie so, eS war dann ganz still.
Als Thea die Augen aufschlug, lag eS.über ihnen wie ein trüber Schleier, ein unnennbares Dunkel, die furchtbare Ahnung eines unabwendbaren Schicksal«. — —
ES war ein glühend heißer Spätnachmittag, doch den Wanderer auf der schattenlosen Landstraße, die fich zwischen einsamen Gärten und einer Kirchhofsmauer durchwand, schien nicht- zu ermatten. Weder der ihm betäubend eutgegeu- strömende Blumenduft, noch die staubschwere, von der erhitzten Steinwand doppelt heiß zurückstrahlende Sonneng uth. Rüstig schritt er bergaus, unbekümmert um den beschwerlichen Weg. Nur wenig haben die Jahre ihn verändert: stattlicher, männlicher ist er geworden und — ein berühmter Künstler. Man hat ihm zugejubelt, sein Genie mit Lorbeeren beworfen, ihn auf den Triumphwagen gehoben! In mancher Gestalt hat die Zauberfee Versuchung seinen Weg gekreuzt, doch daS Bild seiner lieblichen Braut wich nicht au« seinem Herzen und schützte ihn vor allen Gefahren. Und jetzt ist die Frist um. Er kommt, sein Wort einzulösen! Die Lorbeeren bahnten ihm den Weg zu seiner Liebe. Ueberwältigt von dem Gedanken, in wenigen Minuten vielleicht |d)on in die Arme seiner Thea zu fliegen, setzt er fich, in seine Srinne- rungen versunken, nachdem die Anhöhe erreicht, auSruheud auf einen Stein, zur Seite seine Amati, die einzige Freundin, die mit ihm gezogen und zu ihm gestanden hatte in unwandelbarer Treue während der ganzen langen PrüsungSzeit.
Sein Auge schweifte hinunter in das grünende, blühende, von den letzten Strahlen der Sonne vergoldete Thal zu seinen Füßen und umfaßte mit wehmüthiger Zärtlichkeit die kleinen, etwa- getrennt liegenden Häuser seiner trauten Heimathstadtchens. Es ist ihm, als kenne er jedes einzelne davon. Und dort — ein heißer Strom drängt fich zu seinem freuen, — dort ragt zwischen leise wehenden Baumwipfeln versteckt, die Front der weißen Villa, die sein höchstes Erden- glück birgt. Fest an fie geschmiegt in bleierner, träumerischer Ruhe der klare See, mit seinem sounenflimmernden Gewäffer. ES liegt etwas Drückendes in der ganzen Atmosphäre, der kleine Nachen ruht wie ermüdet in dem daS Waffer umgrenzenden Strauchwerk.
Und nun tauchen sie auf die Erinnerungen in der Seele des Träumenden, Erinnerungen aus der unschuld-vollen Kinderzeit, und eS war ihm, als habe er diesen poefievollen Platz nie verlassen und er stände mit klein Thea am Boot, um eS in übermüthiger Ktnderlust loSzuketteu. Dann hatte er galant ihre zahllosen Puppen und endlich die hübscheste, sie selbst, hineingehoben, und fort gings; auf der grünen Fläche dahingleitend, träumten sie aus großem Dampfer in fremde Welten zu segeln.---
Dann, ehe fie eS selbst recht gewußt, hatten fie die
Augen entfiel eine Thräne.
Mit düsterem Blick hatte der junge Mann das liebliche Wesen an seiner Seite betrachtet, dem der Kummer so deutlich aus dem Gesichte geschrieben stand. Er zog sie an sich.
Thränen hast Du aus meinem Spiele gehört, Thear Du bist fie nicht gei-öhu.! - ®» h°» ^«°-°nut, ich
weiß selbst nicht, wie e« kam. Sieh, mein Lieb, führ er beweg! fort, „bat Schicksal will, daß wir scheiden! Dein Vater, kalt und streng, wie er denkt, schickt mich fort, den Habenichts, der trotz Bitten und Drohungen der gesammten Verwandtschaft die Kühnheit besaß, den Weg zu gehen, auf den sein ganze- Herz ihn zog — bie ^^^brlaufbahn. Da- wäre ihm am Enbe noch verziehen worben, aber noch höher hinan- zu wollen, seine Augen zu Dir, Thea, zu er- heben, ba- verzeiht man ihm mcht. Da heißt e». »Lieber Neffe, Du bist nichts, hast nichts, Du mußt hinan-i in bie Welt! Sieh, wie Du Dich burchschlägst. Hat sich Dein
Talent erst Bahn gebrochen unb Du hast etwa- "«icht, dann wollen wir weiter sehen. Aber einem armen Musikanten gibt man so leicht seine Tochter nicht!" - — O, ich durch, schaue sie alle. Man glaubt, einige Jahre, fern von Dir
verbracht, sind eine hinreichend lange Zeit, Dich zu ver- geffen, dem schwärmerischen Thoren die verliebten Gedanken aus dem Kopse zu treiben. Doch ich sage Dir, Jüngling- Augen blitzten in edlem Zorne und heiliger Selbem schäft, ,unb träte die ganze Welt dazwischen, sie kann mich nicht von Dir reißen! Ich bleibe Dir treu in Ewigkeit, Thea, denn - ich liebe Dich ! In den drei Worte»l liegt alle-, wa- ich Hohes und Heiliges, Gutes und Edles in meinem Herzen verschließe, und alle« bringe ich Dir dar auf
Tages-Ordnung: Bilanz.
Wahl des Vorstandes.
Wahl des Aufsichlsrathes.
Aenderung der §§ 6 und 22 der Statuten. Allgemeines.
Gießen, den 24. März 1897.
Der Vorstand.
Adami. Hanau. Kirch.
Die Bilanz liegt während der üblichen Geschäftsstunden auf dem Büreau des B-nlhause- A. Heichelheim hier zur Einsicht der Be> theiligten offen.____________________________________________________irsr
Bekanntmachung.
Anmeldungen zum Bezüge der Schottischen Stiftung-,insen haben bis zum IO. April d. Js. bei dem Armenamt zu erfolgen.
Gießen, den 27. März 1897.
Die Armen-Deputation der Stadt Gießen.__
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