Ausgabe 
30.12.1897 Zweites Blatt
 
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Donnerstag den 30. Decembtt

ft*. 306 Zweites Blatt.

Amts« «nd Anzeigeblatt für den Ureis Gieren.

Hratisöeitage: Hießen« AamitienSlätter.

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Alle Unnoncar-Vnreaux de» In« und luftonM nehou» l «n-eigen für denSießener «n»rizkr- entgeh». -

««gefertigt lintbrä,

161.-

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Unnatzmr von »ozrigen -u der Rachmitto-« für de, folgenden Tag erscheinenden Stummer bi» Bonn. 10 Uhr.

11".- 99.- 13t-

79.-

*t 1897.

^ohoMahe 68.

mufret und aus Den Ucherschüssen ein ,,Romerpreis" ^stiftet für eine besonders hervorragende Arbeit, die in dm Jahren 1888 btS 1898 auf geologisch paläontologischem Gebiete geliesert würde. Dieser DreiS ist dem Professor Dr. Hermann Rauff von der Bonner Universität sür seine Monographie über die fosstlm Spongtm zu Theil geworden

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Digging» _ mir nicht wieder los.

Lseerles ««H ptotHnjuact.

Au» Oberheffe», 27. December. Ja dem Wahlkreise Alsfeld.Lauterdach-Schotten beginnt e» fich für die Reichs» tags wähl zu regen. E ne Vorbesprechung uatiovalliberaler Vertrauensmänner hat bereits in Lauterbach stattgefunden. Der »Bund der Laudwirthe" wird nicht für den antisemitischen Caodidaten eintreteu, sondern einen eigenen Sandidaten

Reclawatton entlassen, um seine Mutter, eine Wittwe, in der Führung ihres FuhrgeschäfteS zu unterstützen. Der junge Manu kam seinen Pflichten nicht nach, statt die Mutter zu unterstützen, zog er von derselben weg und verheirathete fich. Daraufhin wurde er letzte Woche zum Bezirkscommando WormS vorgeladen und ihm eröffnet, daß er am 27. beim 117. Regimen: in Mainz etnzurückeu habe. Ein gleicher Faü kam in Dienheim vor. Die beiden einbeorderten Männer find ohne Vermögen, so daß ihre armen Frauen mit den Kindern jetzt hier fitzen und zusehen können, wie fie fich ernähren.

BiertrltLhrigE ASomiremmt-prekUd 2 Mart 20 Pfg. mtt Bringerlohn. Durch die Post be-oge, 2 Mark 50 Pfg.

«edaction, LHeditiam und Druckerei-.

Fernsprecher 61.

Universität». Nachrichten.

Letvrig. 28. December. Der bekannte Nattonalöconom Geh. Loiralh Professor Dr. v. MtaskowSkt entsagt wegen ani-altender Krankheit seiner Lehrthätigkeit an der hiesigen Universität und tritt demLeipz. Tagebl." zufolge am 1. April nächsten Jahre» in den I ^,cn Dor einigen Jahren in Breslau verstorbenen

| Geologen Geh.-Rath Römer wurde von Fachgenrssen ein Denkmal

einmal irgendwo gesehen haben.

dicht an ihm vorbei. Jetzt hatte er'S.

Augen auf und schlug die Hände zusammen.

Ött scheinen die Dame zu kennen/ bemerkte der am Thürpsosten stehende Bürger freundlich.

_Ji, die kenne ich/ antwortete der ehemalige Digger, a(e ich fie aber daS letzte Mal sah, da hieß fie nicht Frau Gulpendam, da hieß fie Quetscher Greveland "

1897.

statt sie

1881

96.- 86.66 21« 91 100.-

96.- 61.6» 98.-

Det Hetn Z^eiger «scheint täglich, eit Ausnahme bei Montag!

Die Gießener

werden dem Snzeiger wöchentlich dreimal deigeleg».

°"^^Laubach, 25. December. Aus der hiefigen Stadt sowie aus benachbarten Gemeinden ist eine von Hunderten von Jntereffenteu unterzeichnete Eingabe an die königttche Elsenbahndireetiou Frankfurt abgegaugen, die um Ein­legung eine» Frühzuges von hier nach Hungen nachsucht, da mau infolge mangelnder Verbindung in Hungen, wenn man 8i6 hier wegfährt, erst um etwa 12 Uhr Mittag» in Frank- furt anlangt; in ähnlicher Weise verhält fich die Verbindung de» MittagSzuge». Al» am Mittwoch Morgen 10 Uhr daS hiesige Gymnasium seine WeihuachtSferieu begann, wanderte daher ein ansehnlicher Theil auswärtiger Schüler nach Grün- berg, um von dort frühzeitiger Gießen, Frankfurt usw. zu erreichen kein Wander, wenn man nachher von schlechter Frequenz der Linie HungenLaubach redet, aber versäumt, bet sich selbst Einkehr zu halten. Die bet dem Fackelzuge am JubiläumStage der 25jährtgen Regierung Sr. Erlauch. de» hiefigen Grafen bethetligteu Vereine werden fich Sonn» tag, 2. Januar, zu einer geselligen Bereinigung imSolmser Hof" zusawmenfinden. Der hohe Jubilar wird dabet einen Freitruuk stiften. Eine ähnliche Zusammenkunft werden die

bethetligteu Vereine in den Nachbardörferu haben.

Oppenheim, 26. December. Zar Warnung für Die­jenigen, welche e» mit der Erfüllung übernommener Ber»

I Pflichtungen nicht genau nehmen, sei mttgetheilt: Ein junge:

Antwort.

Hat denn Gulpendam eine Frau?

Gewiß, und was für eine,- die Dame da neben ihm.

Tom schaute die Dame an; auch die maßte er schon Die Equipage fuhr jetzt

Gießener Anzeiger

Keneral-Wnzeiger.

Etwa ein Jahr später machte derHaarige Tom" sich auf die Heimfahrt nach Holland. Sein Claim war er­schöpft, er hatte jedoch schon längst sein Schäfchen tnS Trockene gebracht. In Amsterdam lebt sich gut und behaglich, vorausgesetzt, daß man die Mittel dazu hat. Man findet daher unter den dortigen Rentnern manchen ehemaligen Gold­gräber auS Transvaal.

Auch Tom hatte fich hier zur Ruhe gesetzt. Als er eine6 schönen Nachmittag» die prächtige Heerengracht entlang schlenderte, fiel ihm eine Equipage auf, M von einem Paar stattlicher Hochtraber gezogen wurde. Darin saßen eine Dame und ein Herr. Der letztere, ewe mächtige Gestalt tu elegantester Kleidung, hatte ein Geficht, da» ihn lebhaft an den Sanften Luka» erinnerte. Er fragte einen vor seiner Haulthür stehenden Bürger, wem jene schöne Kutsche wohl ^^Die gehört dem Mynheer Gulpendam, oder vielmehr Mynheer GulpendamS Frau," war die lächelnd gegebene

Berlin, 26. December. Die Zahl der Unfälle, welche im Jahre 1896 haben entschädigt werden «üffeu, hat fich wiederum gegenüber dem Vorjahre absolut und relativ 1 gesteigert. Sie betrug 85,272, während fie fich 1895 aus I 74,467 belief. Bon Jahr zu Jahr hat fie zugenommev. 1886 waren nur 10,540 Unfälle zu entschädigen, 1888 schon I 21,057, 1890 : 41,420, 1892: 54,827 und 1894: 68,677. Die Ursachen für diese Steigerung liegen in den verschieden­artigsten Momenten. Tine völlige Aufklärung wird jeden» fall» die im ReichS'BerficherungSamte für das laufende Jabr | veranstaltete Statistik über die Unfallursachen bringen. Nun I hat ja allerdings die Zahl der verficherten Personen im Lause der Jahre gleichfalls zugenommev. Aber auch iw Verhältniß | in dieser ist eine Steigerung zu bemerken gewesen. Im Jahre 1886 kamen auf 1000 versicherte Personen 2,83 ent» schädigte Unfälle, 1890 : 3,04, 1894: 3,78, 1895: 4,05 und 1896: 4,84. Hier ist die Steigerung allerdings nicht wie bet den absoluten Zahlen eine stetige, von Jahr zu Jahr emtreteude gewesen. Beispielsweise zeigen die Jahre 1888 und 1890 einen Rückgang gegen die Vorjahre, indessen hat doch nicht verhütet werden können, daß im Laufe von elf Jahren auch die relative Zahl der entschädigten Unfälle fast verdoppelt ist. Eine weit erfreulichere Entwickelung haben die Zahlen der schweren Unfälle, d. h. derjenigen genommen, welche den Tod oder dauernde völlige Erwerbsunfähigkeit im Gefolge gehabt haben. Hier ist im Gegeutheile eine fast stetige Abnahme festzustellen gewesen. Boa der relativen Zahl der Berletzungen hatten im Jahre 1886: 0.78 den Tod «ud 0,48 dauernde völlige Erwerbsunfähigkeit zur Folge, 1896 nur noch 0,39 und 0,09. Allerdings hat fich die

darauf kein Gewicht zu legen ist. Jedenfalls beweist die relative Abnahme der schweren Unfälle, daß die- BerusSge» voffenschaftcn auch auf dem Gebiete der Unfallverhütung ihre Aufgabe glänzend lösen.

Berlin. 28. December. Einfuhr amerikanischer Pferde nach Deutschland. In Loudoa ist eine Som» wtinon des AckerbaumtuisteiiumS der Vereinigten Staaten einaetroffen, welche in verschiedenen Ländern, besonder» in Deutschland, Ermittelungen über den Bedarf an Cavallerie- Vierden anfiellen soll. Die nordamrrikanische Regierung br« absichtiat von StaatSwegeu die Ausfuhr zu unterstützen. Amerikanische Butter ist nun in der That am Ham­burger Markte erschienen, wo sie mit Mark 1,00 t'09

baS Pfund bezahlt wurde. Dieser Erfolg der Einfuhrfirmen hat bereit» Hamburger Geldleute angesporut, in New^York große Bvtltrbestellungeu zu mateo- fie wollen t« Laufe de» eben begonnenen Winters mehrere große deutsche Städte mit amerikanischer Butter brücken.

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Feuilleton.

Der Bue 1 scher»

tln« Geschichte aus Tra».sv,al von Friedrich Meister.

(Schluß.)

Inzwischen saß derQuetscher" ruhig in GulpendamS HutSj? und trauk aut einem Blechtopf seine, abendlichen The- Da vernahm er draußen daS Getrampel vieler eilig

Gerade " als er den letzt u Tropfen hivuntergleiten ließ, wurde 'bin er ihm di« Thür aufgeriffrn und der Sanfte £. em Un8.»i.«r herew. W« °°r b..

mit erhoben ö " Raufbold von ihm entfernt, da Taattt« benstopf, maß d.n Saer mit tui)i6em SBlti un«

Verkehr, Cant* r»«d

Herr A. Batst in Offenbach a. M. thetlt derDarmst. Ztg." mit: In Ltndhetm in Oberhessen waren die Bauernhöfe bereUS vier Wochen von der Maul- und Klauenseuche heimgesucht, bi« sie auch auf dem mitten im Dorfe liegenden Gut -uSbrach. Sobald einige Kühe erkrankt waren, wurden sämmtliche Thine absichtlich inficiri, und Herr Oberamtmann Westernacher erreichte durch so- artige rationelle Behandlung, daß nach etwa 14 Digen die Sperre eines Gehöfts vor allen anderen G-Hosten des Dorfes wieder aufgehoben werden konnte. Mehrere Kühe erkrankten fo heftig an der Seuche, daß sie wedcr aufstehen noch fressen wollten; zwei dieser Kühe waren von den Thierärzten aufgegeben. Der Milchertrag ging auf ungefähr die Hälfte (500 Liter) zurück und mutzte auch hiervon ein groher Theil noch in den Back, geschüttet werden, weil eine An­steckung bei Verfutterung an die Schweine nach »ehnminutiger Ab­kochung befürchtet wurde. (Die Mllch der nicht erkrankten Thiere wurde nach Abkochung oerwerthet.) Die von W. mit "usdauernder Sorgfalt durchgeführte Heilbehandlung und Anwendung ihm bekannt aewordmer Mittel war folgende: 1. Die wunden Klauen wurden mittelst einer langzottigen Gietzlanne täglich 6 bis 6 Mal begossen mit der Mischung von 150 cem Formalin Glycerin (Tormal-Aldehqd gemischt mtt G ycerin; specifischeS Gewicht 1,0291) unb 1° ®^tna Wasser. 2. Die entzündeten Euter wurden täglich gebadet, indem der durch gut« Einstreu "in gehaltene Euter in eür untergehaltenes, den Euter vollständig fassendes Gesäß hing, das mit 1 Liter lau­warmem Leinöl aus 8 Loth gelbem Wachs (durch Kochen vermengt) gefüllt war. Die Entzündung deS Euters muß vollständig sich mit dieser fettigen Flüssigkeit überziehen, ohne dotz er mit der H^d berührt wird. 3. Den erkrankten Thierm wurden täglich na» Be darf bis zu 4 oder 5 Mal innerlich eingegeben von einem Tranr (10 Gramm Ehlorkalium auf 1 Liter Wasser), ^ ^e Stallluft wurde mittelst einer Mayfarth'fchen ®etft6?un6§mfl^t1nne Frankfurt a. M.) deSinficirt mtt einer Lösung von 310 ovm reinem Formaten auf 10 L.ter heiheS Wasser. - Bedenkt man, daß in dtefm 14 Tagen ungefähr der Verlust an Milch 1400 Mk. bettagen bat uno bei längerer Dauer weit größer gewesen wäre, datz di« Thier e in Folge ihrer Widerstandsfähigkeit bei direkter absichtlicher Ansteckung und dem raschen Verlauf sich im Verhältniß sehr gut bei Fleisch gehaltrn Haden, ja, sobald in Behandlung genommen, wieder gut flaßrn, daß die günstige Wirkung auf die bereits auf- gegebenen Kühe die beiden Thirrärzte sogar überraschte so möchte es manchem Berufsgenossen willkommen sein, diese ein ache und billige Behandlungsweise zu erfahren, die außer der geschickten Zu­sammenstellung und dem Glycerin nur sonst schon Bekanntes und Erprobtes enthält. Da reineS Formalin in der Apotheke nicht aus­reichend vorhanden war, wurde Formalin-Glycerin bei den Klaum angewendel und liegt der Gedanke nahe, da G'^erin ein guter Näh baden für Bacierien ist, daß die sich im Glycerintrüpfchen rascher entwickelnden Bacterien bei Berührung des am ® jeerta haftenden Formalins sofort abgetodtet wurden oder daß das Gly^ttta trotz dieser Eigenschaft heilend wirkte, zumal Formalin die Haut verhärtet. Mancher Laie bat gerade im Glycerin den Hauptförderer der Heilung erkennen wollen und lassen wir uns gerne von Fach- männern belebten. - Wenn die nöthige Sorgfalt «ngewendet wird, ist man auf die Weise die Seuche rasch wieder los und ist sowohl ; Herr Oberamtmann Westernacher Lindheim a^s der Obengenannte ; für gütige Mittheilung anderweitigen Erfolges sehr dankbar.

fahlen Gesichte zu quellen. Schwer setzte er fich nieder auf eine Bank. So viel war gewiß, Greveland, der Quetscher, hatte nicht zu fürchten, daß er aufgefreffen oder daß ihm der Kopf gespalten werden würde.

Einige Minuten lang hielt der Letztere seine Augen fest auf den geduckten Poltron gerichtet, dann wendet er fich gegen die Zuschauer.

^Jhr könnt gehen. Kameraden," sagte er.Zu sehen unb zu hören gibt e» heute Abend nicht« mehr. Der Sanfte Luka» und ich haben nur noch ein wenig privatim zu verhandeln." <

WaS hernach noch in dem Huirje vorging, da« hat Nie­mand erfahren. Am nächsten Morgen abrr sah man Gulpendam die Arbeit in seiner Grube wieder aufnehmen, verdrossen, widerwillig, aber fleißig und, wie es schien, unter der Aussicht Gcevelanb». Und so ging e» fortan Tag für Tag- der Sanfte Luka» that die schwere Arbeit mit Picke unb Schaufel, Greveland dagegen übernahm die viel weniger anstrengenden Aufgaben des Waschen» und Sortireu». Sie fanden Gold, viel Gold- aber mit dem gelegentlichen Lustig- seia Gulpendam» hatte e» aufgehört, dagegen brachte» die beiden Geooff-n regelmäßig zweimal 'm Mooat ihren Gewinn zur Bank, wo er unberührt liegen blieb und Zinsen trug.

So ging e» Jahr und Tag.' Luka»' Verdrossenheit und innerlicher Grimm hatten fich in eine gewisse Hoffnung»' lose Ergebung verwandelt- Da» Fluchen verlernte er günz» lid), aber auch da» Bramarbasiren, und e» hatte Monate gewährt, ehe man wieder einmal Lachen au» seinem Munde vernommen.

Sine» Tages verließ Greveland die DtggingS ebenso plötzlich wie er gekommen war- den Sanften Lnka» ober r.ahm er mit, wohin, da« erfuhr Niemand.

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- out* fW SMaftiku, ton D ggwg. »u ,1 habe ich Dich gefunden und nun kommst Du Du kennst mich."

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