Ausgabe 
30.4.1897 Zweites Blatt
 
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Freitag de« 30 April

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WHe Annsncen.vureaux des In- und Auslandes nehme« Anzeigen für denSiebener Anzeiger- entgegw.

Gnauth, Oberbürgermeister.

Bekanntmachung.

Die Zimmermann Georg Euler Eheleute in Grüningen haben in Abänderung des Eheberedungs. protocolls, wonach sich dieselben dem Solmser Landrechte unterworfen hatten, nunmehrige Gütertrennung vereinbart.

Lich, am 23. April 1897.

Großherzogliches Amtsgericht.

Süffert. 4257

Großherzogliches Amtsgericht. _____Neuenhagen.

Bekanntmachung.

Grosiherzogl. Ministerium des Innern und der Justiz hat lt. Eutschliestuug vom 27. April 1896, Nr. M. I. 12133 die Abhaltung eines weiteren Marktes am

19. Mai d. I.

zu Homberg genehmigt, was wir hiermit zur allgemeinen Keuutuiß bringen. 4256

Homberg, am 28. April 1897.

Großh. Bürgermeisterei Homberg.

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*Dte Post für O. muß geschloffen werden," waren die ersten Worte, die ich, mich sammelnd, hervorbrachte.

»Ist schon geschehen!" klang die lakonische Antwort «eines FawuluS zurück, .hier scheint eS nicht ganz geheuer zu fein, wir liegen vor der Station und haben keine Sin. fahrt. Der Schnellzug von E. ist noch nicht vorbei und ich sehe eine Menge Lichter dort vorne tu den Geleisen herumtrren."

Obwohl wir nun beide unsere Sehkraft bis zum Aeußersteu anstrengten, um die Dunkelheit bester zu durch­dringen, die Wirkung blieb dieselbe, etwa» andere» al» be- wegliche Lichtpunkte konnten wir nicht unterscheiden. Auch die an unseren Wagen herantreteudeu Zugschaffner vermochten keine nähere Auskunft zu ertheilen.

Rach längerem Warten gestattete un» da» grüne Licht die Wetterfahrt. Langsam rollte der Zug in ein Rangir« geletse des Bahnhofe- von O. Die Mitreisenden wurden aufgefordert, die Wagen zu verlaffeu und sich über mehrere Geletse hinweg zum Bahnsteig zu begeben. Da ich dem Stimmengewirr von Fragen und Antworten so viel ent­nehmen konnte, daß ein Zusammenstoß zweier Züge tm Bahnhofe selbst erfolgt sei, verließ ich ebenfalls meinen Wagen, um mich persönlich nach dem Geschehenen zu er- kundigen. Nach einigen unsicheren Schritten über unbeleuchtete Schienen gelangte ich auf den Perron de» Bahnhöfe», wo ich durch viele« Hin» und Herfragen Folgendes in Erfahrung brachte:

Für die Großh. neuen Kliniken in Gießen soll die Lieferung von ca. 10O Ceutuer gute» Speise- kartoffeln auf dem Submissions­wege vergeben werden.

Die Bedingungen können auf dem Verwaltungsbureau der neuen Kli­niken an den Wochentagen Vormittags von 7 bis 12 Uhr eingesehen werden.

Offerten find verschlossen, mit ent­sprechender Aufschrift versehen, bis zum Dienstag den 4. Mai 1897

Mittags 12 Uhr auf dem oben erwähnten Bureau ein­zureichen.

Zuschlagsfrist bis zum 8. Mai 1897.

Gießen, den 28. April 1897. Großh. Verwaltungs - Direction der 4245 neuen Kliniken.

Fuhr, Hahn, Oberlehrer.

Zur

kalten Wäsche

I Bou der Hauptlinie von R. nach E. zweigt in O. eine Strecke ab, welche mit steter Steigung nach R. führt. Der bedeutenden Steigung entsprechend werden nur Güterzug- Maschinen al» Zugobjecte auch bei Personenzügeu bruntzt. Sin von O. nach R. abgelaffener Güterzug war auf der Station B. umraugirt worden. Ei» heftiger Wind und eia vielleicht etwa» zu kräftiger Stoß hatten etwa zwanzig ver­koppelte Wagen über da» horizontale Niveau de» Bahnhofe» hinan» auf die abschüssige Strecke nach O. getrieben. Die verzweifelnden Anstrengungen eine» einzigen Bremser» ge­nügten nicht, die in» Rollen gekommenen Wagen aufzuhalten. Immer schneller und schneller drehen sich die Räder. Krampf­haft umklammert der alte Mann die Kurbel seiner Bremse. Die Räder seines Wagens find die einzigen, die stille steheu und von den anderen mit fortgeschleift werden. Knirschend und polternd eilt e» vorwärts. Der erschrockene Wanderer sieht ein rasende» Etwa» vorbeisausen, das verschwindet, ehe fein Geist ein klare» Bild in sich ausgenommen hak. Die vielen Eurven werfen die Wagen von einer zur anderen Seite. Jetzt kommt die schärfste von allen. Der letzte Wagen fliegt krachend au» den Geleisen, die parken Ketten wie dünne Fäden zerreißend, die Radachsen weit fort­schleudernd und die Wagen selbst in tausende von kleinen Brettern und Brettchen zersplitternd. Doch auch die» hält die Fahrt nicht auf, immer unheimlicher, immer schrecklicher geht e» weiter.

(Schluß folgt.)

Der ' Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.

Die Gießener Anmitienötälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Siebener Anzeiger

Kenerat-Anzeiger.

Bekanrrtmachnng.

Im Firmenregister des unterzeichneten Gerichts wurden folgende Einträge vollzogen: ö

1. Die Firma: Maschinenfabrik Gießen, vormal» A. Menaes ist erloschen. ' ö '

2. Die Firma David Katz zu Gießen ist erloschen.

3. Kaufmann Gerson Katz und Kaufmann Moritz Speier, beide wohnhaft in Gießen, betreiben seit 1. April 1897 unter ^rd&mQ \ Comp. zu Gießen ein Cigarren-Fabrikations. Geschäft. Sie haben eine offene Handelsgesellschaft errichtet und es ist jeder der beiden TheUhaber zur Zeichnung und Vertretung der Firma berechttgt. 0

4. Kaufmann Robert Hasse in Gießen betreibt daselbst seit dem I. Mar 1897 unter der Firma: Robert Hass-, vormals S. Blo ebner, eine Tapeten-Handlung en gros.

Gießen, den 28. April 1897.

Städtischer Arbeitsnachweis Gießen.

Gartenstraße 2.

« » c der Arbeitnehmer r 1 Bäcker, 1 Spengler, 1 HauSbursche,

1 Taglöhnir, 2 Dienstmädchen, 1 Kindermädchen, 1 Mädchen zur ßauf?1'' 1 Machen tagsüber zu Kindern, 1 Büglerin für in und außer dem Skachfra-e der «rbeitgeder r 1 Drechsler nach Gießen, 34 Drechsler «sch Auswärts für eine DampfbrechSlerei bei hohem Lohne, 2 Buchbinder, »leorere Maschinenguß-, Poterie- und Ofenformer für ein Eisenwerk, 1 Spengler 1 Metalldrücker, 1 Metzger für ein Landstädtchen, 1 Schlosser nach Gießen bei »hem Lohn und freier Station, 1 Geschirrschmied für ein Eisenwerk, 1 Schmied, «Schuhmacher, 2 Schneider, 2 Schreiner, 1 Lauffrau, 1 Laufmädchen, 2 HauS- tJ^en, 3 Dienstmädchen vom Lande für HauS- und Gartenarbeiten, 12 Dienst.

jm5b($en für HauS und Küche, 1 Küchenmagd bei hohem Lohne in eine hiesige

Bekanntmachung.

Der Unterricht in der hiesigen Volksschule beginnt Dienstag den 4. Mai l. I., Vormittags 8 Uhr.

Gießen, den 27. April 1897.

Die Aufnahme her schulpflichtigen Kinder.

Dienstag, den 4. Mai l. I., Vormittags von 1012 Uhr, findet in der hiesigen Volksschule, und zwar in der Stadl- knabenschule im Schulsaale Nr. 6, 1. Stock, in der Stadtmädchenschule Zimmer Nr. 10, 2. Stock, die Ansnahme der Kinder statt, welcke bis znm 1. Mai d. I. das sechste Lebensjahr znrückgelegt haben. Auch können am genannten Tage auf Wunsch der Eltern oder deren Stellvertreter solche leiblich und geistig nicht unreife Kinder ausae- nommen werden, welche bis zum 30. September d. I. das sechste Lebens­jahr vollenden.

Bei der Anmeldung der Kinder ist der Impfschein vorzuleaen Ed bei auswärts Geborenen der Geburtsschein mitzubrinaen.

Gießen, den 27. April 1897. 4261

Für den Schulvorstand:

Gnauth, Fuhr, Hahn,

Oberbürgermeister.Oberlehrer.

«int grfiihrliche Fahrt.

3lad) einer wahren Begebenheit von A. Seibert.

(Nachdruck verboten.)

,®tn sicher Luftzug blies mir vom Wasser entgegen, M ,ao* etncm heißen Sommertage meine Schritte über die Rheinbrücke lenkte, um in D. meinen Dienst anzutreten und nach R. zu fahren. Da unser Stilllager bi» zur Ab­fahrt de» Zuge» fast eine Stunde währte und die Lange­weile mich unendlich plagte, ließ ich mir von meinem Schaffner auf dem Sortinische de» Postwagens ein Lager machen, da» mit der Einfachheit einer Wachtstubenpritsche recht gut verglichen werden konnte. Einige Packetsäcke dienten fj ö «mfle nnb ®ecfe und ein Sack mit Papierabfällen al» Kopfkissen. Trotzdem ließ ein gesunder Schlaf mich bald Dienst und harte» Lager vergessen.

Unterdessen hatte sich der Wagen in Bewegung gesetzt und war an den von Norden kommenden Zug angekoppelt worden. Da» Rollen, Schütteln und Stoßen de» alten Kasten» vermochte nicht, mich in meinem Schlafe zu stören. Sin kurze» Bremsen und ein starker Ruck, bei welch letzterem um ein «leine» mit dem Fußboden Bekanntschaft gemacht hätte, brachten mich plötzlich etwas unfreundlich zur Gegen- wart zurück. |

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