Nr. 75
weites Blatt
Dienstag den 30. Mär
1897
Amts- und Anzeiseblatt für den Ureis Gietzen
Hratlsöeitage: Hießener Jamilienötätter.
Rudner.
genommen.
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Wilhelm, I. R.
An den Reichskanzler.
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Ich ersuche Sie, diesen Erlaß zur öffentlichen Kenntniß bringen.
Berlin, den 26. März 1897.
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PariS, 27. März. Nach Meldungen au» Algier «achte der russische Großfürst-Thronsolger gestern tn der Umgegend von Algier eine längere Spazierfahrt und nahm hierauf das Diner in einem Restaurant der Stadt ein. Heute machte der Großfürst-Thronfolger wiederum eine Spazier- fahrt. Der Aufenthalt desselben ist b s zum 20. April vorgesehen. Großfürst Nikolaus ist Donnerstag in Algier eingetroffen.
Madrid, 27. März. CanovaS soll erklärt haben, daß der Feldzug auf Cuba seinem Ende entgegen gehe.
London, 27. März. Die englische Regierung erhielt aus Kreta ein Telegramm, wonach daS Blockhaus von Malaxa durch internationale Truppen besetzt ist, da die Admirale der Anficht sind, die Anwesenheit der Türken und Kretenser bilde eine Gefahr für die internationalen Truppen in Kanea. Ein türkisches Transportschiff hat einen türkischen Unter* admtral, Truppen und Munition gelandet. Die Kretenser beklagen fich bei den Großmächten, daß die griechische Flotte an ihren Evolutionen gehindert werde, während man den türkischen Schiffen die weitgehendsten Operationen gestatte.
Athen, 27. März. Das Bombardement der Aufständischen bei Malaxa hat hier eine schmerzliche Bewegung hervorgerusen. Sämmtliche Blätter, welche den Vorfall ver* zeichnen, protestiren mit Entrüstung gegen das Bombardement.
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«therr, 27. Marz. Heute Abend soll bestimmt die Ab* reise deS Kronprinzen nach Bolo erfolgen. Zahlreiche Dienerschaft, sowie 2 Wagen und 17 Pferde werden mit-
Locales unb provinzieller.
△ Bon der Ohm, 26. März. Die erste Arbeit i« Felde veim Beginn deS Frühjahrs besteht im Räumen der Wiesen. Hierbei zeigt es fich, daß die Maulwurfshügel tn ganz besonders großer Zahl vorhanden find. Im Ohm- thale find viele Wiesen so mit Maulwurfshügeln besetzt, daß fle von ferne fast wie ein Ackerfeld auSsehen. Bei aller I Anerkennung der großen Nützlichkeit diese» ErdwühlerS, richtet er doch auch durch solch maffenhasteS Auswerfen von Hügeln nicht unbedeutenden Schaden an. Jedenfalls ist der gelinde Winter den Erdarbeiten des Maulwurfs nicht ungünstig gewesen. Die Wiesen beginnen bereits fich in das grüne Gewand des Frühlings zu kleiden. Da fie eine recht gute Bewäsitrung während des Winters gehabt haben, so ist die Hoffnung auf einen besseren Ertrag derselben als im Vorjahre nicht unberechtigt. Eine gute Heuernte thut dem land- wirthschastlichen Betriebe ganz besonders nöihig, waren doch die Futtererträge im vorigen Jahre außerordentlich schlecht. Die vorräthe, soweit man überhaupt noch von solchen sprechen darf, find längst schon aus ein Minimum zusammengeschrumpft. Ein strengerer Winter hätte die Futtercalamität ficherlich bedeutend vergrößert. Für den Gentner Heu bezahlt man zur Zeit daS Doppelte des vorjährigen Preises, statt 1,80 Mk. bis 2 Mk. jetzt 3,60 Mk. bis 4 Mk. - Einen sehr reichen Blüthenansatz zeigen die Obstbäume, besonders das Steinobst. Die seitherige gelinde Witterung hat die Knospen schon stark treiben lasten, so daß man genau die Frucht- knoSpen unterscheiden kann. Ein schöner Blüchenflor unserer Obstbäume steht in sicherer Aussicht und demgemäß auch die erste Vorbedingung zu einer reichen Obsternte.
I Berlin, 27. März. Die nächste Woche wird für den Reichstag zunächst die erste Lesung der Handwerksvorlage und der JnvaliditatSverficherungSnovelle bringen.
Berlin, 27. März. Im Abgeordnetenhause wurde heute die Richterbesoldungsoorlage in dritter Lesung angenommen,- deSgl. die Stadterweiterungen von Breslau und Aachen. Dann wurde der Etat berathen. Montag Fort- setzuug.
Berlin, 27. März. Ans Parlamentarischen Kreisen wird der „National-Zeitung" berichtet, der HandwerkS- organisationS-Vorlage in ihrer jetzigen Gestalt werde nur geringe Aussicht auf Annahme zugeschrieben. Für den Rest der Session hofft man noch daS Handelsgesetzbuch fertigzustellen. Neber die Gehaltsaufbesserung für Reichsbeamte sollen sich Centrum und Conservative gestern in negativem Sinne geeinigt haben und würde somit sür dieses Jahr fallen gelassen werden. Die Milit är-Straf- proceß-Reform soll in der BundeSraths-Jnftanz keinerlei Schwierigkeiten mehr begegnen und bestimmt noch wahrend dieser Session dem Reichstage zugehen. Da aber die parlamentarische Session schwerlich über Pfingsten hinaus zu erstrecken fein wird, dürfte eine Erledigung für diesmal völlig ausgeschlossen sein.
Berlin, 27. März. Wie der „Reichs-Anzeiger" meldet, hat der Kaiser seinem Leibarzt, Professor vr. Leuthold, den erblichen Adelsstand verliehen.
Berlin, 27. März. Die Commission des Reichstages für das Handelsgesetzbuch hat heute die zweite Lesung der Vorlage beendet. Am Montag soll die Redactionscom- Mission behufs Formulirung der Beschlüsse zusawmentreten. Zum Berichterstatter ist Abg. Bassermann bestellt.
Wien, 27. März. Das Amtsblatt publicirt die Blokade Kretas. DaS „Fremdenblatt" kündigt an, daß schon in allernächster Zeit die Blokade auch auf die Häfen Griechen- landS ausgedehnt werde und daß die Actionen der Groß* Mächte, da jetzt unter ihnen vollständige Einigkeit herrsche, nunmehr ein rascheres Tempo annehmen würden.
Paris, 27. März. Bei der gestrigen feierlichen Sitzung der geographischen Gesellschaft hielt Nansen einen Vor- trag, worin er seine Nordpolfahrt beschrieb. Der Vortrag war begleitet von Lichtbildern. Am Schluß desselben erklärte Nansen, er sei ermüdet, um nochmals eine solche Nordpolsahrt zu unternehmen. Diese Mtttheilung rief eine große Bewegung hervor. Dem Vortrage wohnte Ministerpräfident Meline, der Unterrichtsminister, sowie viele andere hervor- ragende Persönlichkeiten bei.
Straßburg i. E., 27. März. Die amtliche „Straßburger Correspondenz" veröffentlicht folgende Bekanntmachung: Die „Colmarer Zeitung" und das „Mülhauser VolkSblatt" haben in ihrer Nummer vom 21. März d. I. unter der Neber- fdjrlft: „Wir machen nicht mit" gleichlautende Artikel über die Gentenorfeier Kaiser Wilhelms I. gebracht, in welchen sie gegen eine Theilnahme der eingeborenen Bevölkerung in schroffer Weise Stellung nehmen. Wenn für diesen Standpunkt nur sachliche Gründe geltend gemacht wären, hatte die Regierung zu einem Vorgehen gegen diese Blatter keinen Anlaß. Der Artikel verunglimpfte aber das Andenken an die Person des großen Kaisers: er werde al« blutdürstiger Eroberer hingestellt. Blätter, von welchen derartige Schmähungen bei e'ner Feier, die von Gesammt- Deutschland in höchster Begeisterung begangen wurde, ausgehen, beleidigen in gröbster Weise das Gefühl des deutschen Volkes und verfolgen offenbar den Zweck, die Bevölkerung mit Haß gegen da» deutsche Kaiserthum zu erfüllen. Sie i en™U?ter 6en *n Glsaß-Lothringen gegebenen Verhältnissen dne Gefahr für die öffentliche Sicherheit dar, welche die Regierung mit den ihr zu Gebote stehenden Machtmitteln abzuwenden verpflichtet ist. Dementsprechend hat der Kaiserliche Statthalter auf Grund der ihm verliehenen außerordent- lichen Gewalten des Staates da» Erscheinen der genannten I beiden Blätter verboten.
Deutsche» Reich.
Die hundertjährige Wiederkehr des Geburtstage» Meine» Hochseligen Herrn Großvaters, weiland Seiner Majestät des Kaiser» und Königs Wilhelm des Großen ist von allen deutschen Patrioten ohne Unterschied de» Bekenntnisse», der Parteistellung und des Berufe» in ^ord und Süd, Ost und West des großen Vaterlandes und Überall, wo Deutsche weilen, mit einer Begeisterung gefeiert worden, die von der tiefempfundenen Dankbarkeit und herzlichen Verehrung für dcn Hohen Herrn ein glänzendes Zeugniß abgelegt hat. Ich preise Mich glücklich, diese Festtage inmitten Erlauchter deutscher Fürsten und Vertreter von befreundeten europäischen Fürstenhäusern angesichts des von dem deutschen Volke erlisteten Standbildes des Verewigten erlebt zu haben und Zeuge der herzerhebenden Kundgebungen in der Reichshaupt, ftadt gewesen zu sein. Die überaus zahlreichen schriftlichen und telegraphischen Begrüßungen, die zum Theil tn poetischer Form Mir zugegangen find, haben Mich mit inniger Be- friedigung ersehen lassen, daß bet den mannigfachen festlichen Veranstaltungen, welche die Bewohner von Stadt und Land, die staatlichen und communalen Behörden, die Krieger-, Schützen-, Gesang-, Turn- und sonstigen Vereine, besonders auch die deutschen Vereine im Auslande in diesen Tagen zu- sammengeführt haben, auch Meiner in treuer Liebe gedacht worden ist. Durch diese Beweise vertrauensvoller Zuneigung bin Ich hoch beglückt worben und e» ist Mir Bedürfniß, Allen, welche zur Verherrlichung diese» nationalen Festtage» beigetrngen haben, Meinen wärmsten Dank hiermit auszu- sprechen. Mein besonderer Dank gebührt Denen, welche da» i Andenken de» Großen Kaiser» durch die Errichtung von Standbildern oder hochherzigen Stiftungen an Seinem Geburtstage verherrlicht haben. Die schönste Ehrung deS Entschlafenen, wie fie Seinem schlichten und demuthvollen Sinne am meisten entspricht, erblicke Ich aber in dem gemeinsamen Gelöbniß, allezeit mit unermüdlicher Pflichttreue Seinem er* habenen Vorbilde nachzueifern, Seine heiligen Vermächtnisse zu bewahren und die volle Kraft für die Größe und das Wohl de» durch Ihn neu geeinten deutschen Vaterlandes ein- I zusetzen. Auch Meine Kräfte gehören dem Baterlande und I hoffe Ich zu Gott, daß Er auch Mir und Meiner Regie- rang Seine Gnade zu Theil werden lassen und da» deutsche Volk aus friedlichen Bahnen zu einer gesunden Weiter- tntwidelung führen wirb.
tMtoL thält eine Beilage Viehveger w
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Der Hteßener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montag».
Die Gießener Aamilienvkätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
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Nicht jeder verträgt
JH? ^ch W sich diese sehr nahrhafte Speise bedeutend leichter verdaulich machen, wenn mit Brown u. PolsonS Mondamin ö bis 10 Minuten durchgekocht, eben nur so viel von diesem, daß ste ein wmig seimig wird. Mondamin besitzt den Vorzug, das ©erinnen der Milch im Magen zu verhindern und wirkt außerdem durch seinen eigenen Wohlgeschmack anregend zum Genießen. Zusatz von etwas Salz und Zucker, wie auch Citrone, Vanille rc., je nach BAieben erhöhen den Geschmack. Für die gute Qualität bürgt am
J*a8 denn 50jährige Bestehen dieser weltbekannten, schottischen Firma. ES ist zu haben in Packeten ä 60, 30 u. 15 Pf
EngroS bei Türk u. Pabst, Frankfurt a. M. 3m
Athen, 27. März. Gestern Nachmittag wurde die Antwortnote Griechenland» auf die Ankündigung der Blokade Kreta» den hiefigen Vertretern der Großmächte überreicht. In derfelben erklärt Griechenland, die Blokade müsse Kreta in schwere Bedrängniß bringen, da sofort Mangel an Lebensmitteln eintreten würde. Dieses Vorgehen widerspreche . strikte den menschenfreundlichen Ideen der Großmächte.
für Immission de» Reichstages Athen, 27. März. Meldungen von der Grenze zufolge
K Unfallversichernngsgefetze hat heute — nach setzen die Griechen die Befestigungen fort. Die Grenze 29«T^Un*n ~~ ? ec CTfte 8efun8 der Novelle zum Gewerbe- I nach der griechischen Seite ist streng abgesperrt um die d^m^ckst^di^Redartib^s ,®bfcI,Iu6( Spracht. Es tritt Übertragung der im türkischen Lager mit großer Heftigkeit ^bactionscowmiffion zusammen, um die Be- I auftretenden Blattern zu verhindern.
B 8in relt\ »Unä4ft d"s° Htb«. 27. MS«. A(n«. Kb..b i„n hl. vn.
ycoöeue tn zweiter Lesung zu erledigen. Daß sämmtliche vier Novellen zu den Unfallverficherungsgesetzen in dieser Sesfion zur Verabschiedung gelangen, gilt für unwahrscheinlich.
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mal}, rein, aaSgtl id. 43 M.
t i Wb. 30 Pfg.
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Anrtticher Theil.
Gießen, den 27. März 1897.
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Broßh Kreis-SchnlrommWou Gießen
au die Schulvorstände des Kreises.
Bon nachstehender Verfügung geben wir Ihnen Kenntniß. v. Gag ern.
Darmstadt, den 17. März 1897.
Betreffend: Die einheimischen Schlangen, Echsen und Lurche, tn ihrer Bedeutung für dte Land- wirthschaft dargestellt von S. Schlitzberger in Kassel.
Das Großh. Ministerium des Innern
Abtheilung für Schulangelegenheiten
a» die Grotzherzoglichen Direciioneu der Bchnl- lehrerseminariei, und die Grotzher,-glichen Kreis.
schuleommisstoue«.
Im Verlag der Amthor'schen Verlagsbuchhandlung zu Leipzig ist vor Kurzem das obige Werk erschienen. Dasselbe besteht au» vier großen colorirten Bilder-Wandtafeln (Schlangen, Echsen, Froschlurche und Schwanzlurche) mit je einem Textheft und beträgt der Preis für das vollständige SJetP 4 awf., auf Leinwand aufgezogen mit Oesen 8 Mk. Im Falle eine gewisse Anzahl gleichzeitig und von einer Stelle aus bezogen wirb, tritt ein nicht unerheblicher Preis- Nachlaß ein.
Mr machen Sie auf bieseS in jeher Hinficht empfehlens- werthe Werk behufs gelegentlicher Anschaffung für bte Ihnen unterstellten Anstalten, bezw. Schulen aufmerksam.
v. Knorr.
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