m. 25 Zweites Blatt. Samstag dm 30. Januar
1807
Der
Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme drS Montags.
Die Gießener
IamikienvtLIter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Gießener Anzeiger
Keneral-Mnzeiger.
Vierteljähriger Abonnementsprcis r 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezöge« 2 Mark 50 Pfg.
Redaction, Expedition und Druckerei:
Kchukftraße Ar.7.
Fernsprecher 51.
Amts- und AnZeigeblatt für den "Kreis Gieren.
chratisöeikage: chreßener Aamitienbtätter
Aintlicher Thril
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den falzenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
feit Monaten mit den Vorbereitungen des Festes beschäftigt. Für dasselbe ist ein sehr geeigneter Platz gewonnen, dircct an den Kuranlagen und von hoher landschaftlicher Schönheit. Mit der letzter Tage erfolgten Vergebung der Bauarbeiten für die Festhalle, welche 2200 Sitzplätze enthält, find die Festvorbereitungen wiederum einen bedeutenden Schritt vorwärts gekommen. Fest- und Turnplatz liegen dicht nebeneinander, doch so getrennt, daß das Turnen durch den Festverkehr nicht gestört wird. Einem großen Theil unserer Turnerschast wird Homburg von den Feldbergfesten her oder als Badeplatz und beliebter Ausflugspunkt bereits bekannt sein. Für sie ist eine besondere Hervorhebung der vielfachen Vorzüge unserer schönen Stadt nicht erforderlich. Wem aber Homburg noch unbekannt fein sollte, der nutze die Gelegenheit, um mit einem Besuch des KreiSturnsesteS nicht nur die edle Turnerei zu fördern, sondern auch für sich selbst ein Fleckchen Erde kennen zu lernen, das einer besonderen Aufmerksamkeit wohl würdig ist. Homburg und seine Turnerschaft werden zur gegebenen Zeit bereit sein, ihre Gäste würdig zu empfangen, und bestrebt, ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten.
* Köln. 27. Januar. Die gestrigen Schnee stürme haben im Westen Deutschlands allenthalben erhebliche Verkehrs- störnngen hervorgerufen. Die Züge von und nach Köln in allen Richtungen hatten gestern Abend mehrstündige Ber- spatunpen. Gesperrt find die Strecken Stolberg-Alsdorf und Jülich-M. Gladbach durch Güterzüge, die im Schnee stecken. Die Strecke N'PpeS-Worringen kann nur eingeleifig befahren werden, da dort feit gestern Abend ein Güterzug im Schnee festgefahren ist.
♦ Ein «»angebrachter Beifall. Tin Zuhörer, der fich am 16. d. M. in Berlin in der 6. Berufungsstrafkammer des Landgerichts I befand, ließ fich hinreißen, die Ausführungen des VertheidigerS mit einem „Bravo!" zu belohnen. Der Vorfitzende ließ ihn fich vorführen und auf den Antrag des Staatsanwalts wurde er zur Verbüßung einer sechsstündigen Haftstrafe sofort abgeführt.
* Bremen. 22. Januar. Auf sonderbare Weise machte hier bei einem Stafette die Capelle des 1. hanseatischen Infanterie Regiments Nr. 75 mit den Fluthen des HollerfeeS Bekanntschaft. 20 Musiker spielten Abends auf einem Podium, dessen Umgebung durch einen großen CokeLofen erwärmt wurde. Dadurch scheint daS Eis schwach geworden zu sein- plötzlich brach eS durch und die Musiker stürzten sammt Podium in den See, in dem einige bis zum Kopf,
P.A. Homburg v. d. H.. 27. Januar. Nach Beschluß deS KreiStnrntages zu Mainz 1895 findet das 23. Mittel- rheinische KreiSturnfest in diesem Jahre in Hom bürg v. d. H. statt. Als Hauptfesttag ist der Sonntag 11. Juli bestimmt. Der „Homburger Turnverein" und der „Turn- »erein Vorwärts" dahier, waren fich bei Uebernahme des Festes der großen Schwierigkeiten und Mühewaltungen voll bewußt, welche ihnen damit auferlegt werden. Sie haben zur Sicherstellung des Festes schon Anfangs vergangenen JahreS einen Appell an die Homburger Behörden und Bürgerschaft um allseitige Unterstützung ihrer Aufgabe gerichtet. Diesem ist in weitestem Maße entsprochen worden. ES ist nicht zu viel gesagt: Ganz Homburg nimmt an unserem Turnfest Theil. Die Zeichnung deS Garantiefonds hat die namhafte Summe von Mk. 75,900 ergeben, der Gesammt- etat deS Festes beträgt nach genauesten Berechnungen in Einnahmen und Ausgabe Mk. 42,500. Ist das Fest solcher weise nach der finanziellen Seite fichergestellt, so ist dies nicht minder der Fall für dir Thätigkeit der einzelnen AuS- schüffe. Eine Reihe der angeiehendsten Bürger Homburgs haben ihre Mitwirkung bereitwllligst zugesagt und sind schon
Bekanntmachung, betreffend: die Veranstaltung von Berloosungen innerhalb deS GroßherzogthumS.
DaS Comitö für Abhaltung des Alzeyer Fett - und Zuchtviehmarktes beabsichtigt, mit dem für den am 11. Mai l. I. stattfindenden Fett- und Zuchtviehmarkte eine Berloosung von Zuchtthieren, landwirthschaftlichen Geräthen und Gebrauchsgegenständen zu verbinden.
Großh. Ministerium des Innern hat die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Berloosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 10000 Loose zu 1 Mk. daS Stück ausgegeben werden dürfen und mindestens L5pCt. deS BruttoerlöseS aus dem Verkaufe der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden find, sowie zugleich den Vertrieb der Loose im Großherzogthum gestattet.
Gießen, den 26. Januar 1897.
Großherzogliches KreiSamt Gießen.
v. Gagern.
Alle Annoncen-Bureaux dcS In- und Auslandes «h«rn Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
andere bis zur Brust faßen. DaS Podium verhinderte ein Weiterfinken. Die Rähe deS UferS erleichterte fchlennge Hülfe, und fo kamen Alle mit einem »affin Bade davon, nur einige Instrumente gingen verloren.
• DaS „hohe C". Vom Tenoristen Ban Dyk in Wien erzählt ein dortiges Blatt, er habe in irgend einer Angelegenheit als Zeuge zu erscheinen gehabt. Der functto- nirende Beamte fragte den Künstler: „Schreiben Sie fich mit „ck" oder blos mit „k"? „BloS mit „k", antwortete Van Dyk, „das „C" können Sie heute Abend im Hofopern- theater hören!"______________________
Citeratur und Knttft
- WkM M«dirv«ber» - Kaleudea 18S7 -Preis 60 Pfg., der tm Verlag von Rich. Eckstein Nchflgr. (H. Ärügcr), Berlin, erschien, bietet um das Wohl ihrer Kinder besorgten Müttern nützliche Belehrung, practische Winke, sowie UnterhaltungSmotzregeln bei Störungen der Gesundheit. Das Kalendarium ift für Notizen über die Entwicklung des Kindes practisch eingerichtet.
— „«e«este «rstndttnge« «nd «rfahruuge«^ auf de» Gebieten der practischen Technik, der Electrotechnik, der Gewerbe, Industrie, Chemie, der Land- und Hauswirthfchaft rc. (A. Hartlebens Verlag in Wien). Pränumerationsprels ganzjährig für 13 Hefte franco 7,50 Mk. Einzelne Hefte für 60 W- in Briefmarken. Diese gewerblich-technische Zeitschrift ist ausschließlich der Praxis gewidmet. Zahlreiche Mitarbeiter geben darin ihre in eigener Arbeit gewonnenen Erfahrungen bekannt und Techniker« wie Industriellen werden alle wirklich practischen Neuheiten dar- geboten. Zahlreiche constructive Abbildungen zeigen überall die practischen Anwendungen aller Neuerungen. Alle Fortschritte im gewerblichen Leben werden mitgetheilt. Diese Zeitschrift gibt hum« neue Wege zu verschiedenen, noch nicht existirenden Erwerbungsarle« bekannt, unterrichtet die Leier von allen practischen Verteuerung«* in Arbeitseimichtungen und Werkzeugen und beantwo,tu hunderte von Fragen in durchaus fachmännischer Weise. Die Zeitschrift bringt nur praclische Mittheilungen aus eigener Erfahrung und M unentbehrlich für Jeden, welcher in der Concurren, besteben «A seine Leistungen auf dem heutigen modernen Siande erhalten «m.
— Valmir». Es dürste gewiß interesstien, daß es den sort- gesetzten Bemühungen der Mannheimer CocoSnußbutterfabrik gelrmgen ist, ihr Erzeugniß derart zu oeiblssern, daß dasselbe nunmehr auch den weitgehendsten Anforderungen entspricht, und als Speisefett der besten Kuhbutter ebenbürtig zur Seite gestellt werden kann. — DaS jetzige Product ist von einem buttcrähnlichen Geschmack, geruchlos und eignet fich zum Backen und Biaten, wie zum Kochen gleich vorzüglich. — Um diese feine Qualität Cocusnußbu'ter schon durch den Namen von jeder minderwerthi^en Nachahmung zu unterscheiden, bringt die Fabrik dieselbe mit der gef«tzlich geschützten Bezeichnung „Palmin" in den Handel. — Im Uebrigen verweisen wir 1 aus daS Inserat in der heutigen Nummer. WM
„DaS ist jedoch möchte Spur find."
Bon Wilhelm Thal.
(Nachdruck verboten.) allerdings keine sehr vielversprechende Adresse, Ich annehmen, daß wir auf der richtigen
„Wer ist der Schreiber?"
„Gr hat feine Karte dem Briese beigelegt: Mr. Alfonso Martin, Professor der Magie, JoblingS Renis Parker
Feuilleton.
Kie Juwelen der Gräfin Mountfield.
Eine Gaunergeschichte nach dem Englischen.
Diese Worte wurden zwischen den beiden Chefs deS Privat Detectiv BureauS Beauchamp u. Co. gewechselt- es handelte sich um nichts Geringeres, als um die Juwelen der Gräfin Mountfield, die fich in den Händen einer Gauner- bande befanden. Alle polizeilichen Nachforschungen waren erfolglos geblieben, weßhalb schließlich der Graf die Dienste der Firma Beauchamp u. Co. in Anspruch genommen hatte. Ein schlau abgefaßtes Inserat war daraufhin in den bedeu- tendsten Zeitungen erschienen, worauf einige Wochen spater eine a^°fl?aube”l0wir thaten am besten, Seiner Lordschast Mittheilung zu machen, bevor wir Weiteres in der Sache unternehmen) bemerkte Mr. Sharpe, der altere der beiden Socien. „Wir werden mit der Geschichte nod^ blei Herger habe». Das Abstandsgeld von fünfhundert Pfund, das dieser Mr. Alfonso Martin verlangt, ift ziemlich hoch- werde die Angelegenheit felbst in die Hand nehmen, Fisher. Wir können damit keinen von unseren jungen Leuten be- trauen, während unsere anderen Geschäste Ihre Anwesenheit hier unbedingt erfordern."
Der jüngere Chef nickte zustimmend, indeß schien er nicht ganz der Anficht SharpeS zu sein. „
B „Mr. Martins Brief ist nicht sehr vertrauenerweckend, «einte er.
„Sie find noch neu in dem Geschäft, Fifher, sonst würden Sie wissen, daß dies der gewöhnliche Weg ist. Martin ist ja nur der Vermittler. Die Hauptacteure treten nicht in den Vordergrund, wie bei uns. Denken Sie doch, ein Graf sollte mit einem Einbrecher verhandeln!"
„Das ist allerdings richtig, aber Martin ist ja nicht einmal Agent. Er weiß nur Jemand, der wiederum Einen kennt, der uns sagen kann, wo fich die Juwelen befinden. Wollen wir aus eia derartiges Weibergewäsch fünfhundert Pfund geben',?"
„Ich werde natürlich mit dem Gelbe nicht eher herauß- rücken, als bi» ich die Juwelen gesehen und in meinen Besitz gebracht habe. Einen alten Pfiffikus, wie mich, fängt man nicht fo leicht. Inzwischen werde ich an Seine Lordschaft schreiben und ihm mittheilen, die Sache wäre so hochwichtig, daß ich persönlich ihre Erledigung übernommen hätte, das wird ficher Eindruck auf ihn machen. Dann werde ich an Mr. Martin schreiben und eine Zusammenkunft mit ihm verabreden."
» _ »
Aus diese Weise wurden zwei entgegengesetzte Pole der socialen Gesellschaft, der Lord und der Einbrecher, durch die Vermittelung deS Mr. Sharpe miteinander in Verbindung gebracht. Fünfhundert.Psund find zwar eine große Summe, doch da eS fich um Famlliendiamanten handelte, deren Werth fich auf Hunderitausend^bellef, fo durste man kein Mittel unversucht lassen. *
Mr. Alfonso Martin hatte fich den Wünschen deS Privat- DetectlveS in sehr geringem Maße geneigt bewiesen. Er war wohl einmal in dem Bureau erschienen und hatte dort mit Mr. Fisher verhandelt, dieser hatte indeß keinen günstigen Eindruck von ihm gewonnen und fich seinem SociuS gegenüber bei dessen Rückkehr von Mountfield Castle In diesem Sinne auch ausgesprochen. Doch Mr. Sharpe schrieb die Zweifel feines jungen Freundes feiner Unerfahrenheit zu und nahm fich vor, den Profeffor der Magie bei feinem nächsten Besuche ernsthaft aufs Korn zu nehmen.
„Ich vermuthe," sagte er zu ihm, als er wieder tat Bureau erschien, „Sie find nur der Agent in dieser Angelegenheit."
„DaS ist richtig- doch warum fragen Sie?"
„O, ich meine nur; nun, als Männer von der Welt wiffen wir, was wir von einander zu halten haben."
„Sehr wohl; Sie find aber auch nur der Agent des Herrn oder der Dame, welche die Juwelen zurückerhalten möchte?"
„Ja, doch ich habe, was Sie wünschen," versetzte Mr. Sharpe, nahm ein Packet Banknoten auS der Tasche und zeigte diese dem Fremden.
Mr. Martins Augen funkelten; er sah deutlich, daS Geschäft war ernst.
„Ich bin bereit, Ihre Wünsche zu erfüllen, wenn Sie Ihr Versprechen halten," sagte er.
„Ich will Ihnen etwa» sagen," fuhr Mr. Sharpe fort, „ich glaube, Sie meinen eS ehrlich und ich kann Ihnen vertrauen; doch ich bin in der Sache nicht mein eigener Herr."
„Ich ebenfalls nicht," versetzte der andere. „Ich habe mit drei Männern zu thun, die ich gar nicht kenne, darauf gebe ich Ihnen mein Wort. Doch werden diese nichts unternehmen, was nicht unter Gentlemeu üblich wäre, vorausgesetzt, daß Sie ebenso handeln "
„Ich verstehe; gut denn, Mr. Martin, ich bin in der Sage, Ihnen sofort vierhundert Pfund zu zahlen, wenn Sie mir die Juwelen hier auShändigen, und —"
„Sprechen Sie nicht weiter, mein Herr," unterbrach der andere, „erstens würden meine Auftraggeber nicht einen halben Penny ablassen und zweitens habe ich die Juwelen gar nicht mitgebracht. Ich bin nicht so dumm, daß ich mich der Gefahr aussetzen sollte, von der Polizei mit Juwelen in der Tasche, über deren Erwerb ich mich nicht auSweisen kann, abfaffen zu lassen. Außerdem würden mich auch die Leute nicht gehen lassen, ohne daS Geld erhalten zu haben."
(Schluß folgt.)


