Nr. 305 Zweites Blatt. Mittwoch de« 29. December
Der
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= Mendorf a. d. Lda., 26. December. Die hier schon lauge tn Aussicht genommene Kleinktnderschule soll nun zu Ostern tn» Leben treten. In unserer Kirche ist zwar schon mehrere Jahre hindurch für den genannten Zwlck collecttrt worden, aber die Gaden waren doch nur spärlich geflossen, so daß der »Klrtnktnderschul-FondS" vor kurzer Zett noch recht kuapp war. Da erk.arten auf Anregung des Herrn Pfarrer Eckstein einige gut fituirten Familien ihre Bereitwilligkeit zur unentgeltlichen Aufnahme der Schwester, welche al« Lehrerin und Pflegerin der zu gründenden Schule ange« stellt werden soll, andere stifteten Geräthe für das bereits gemiethete Haus, weitere Gaben von auswärts standen in Aussicht, uud so konnte gelegentlich der gestrigen besonderen Weihnachtsfeier tn der Kirche bet nochmaliger Aufforderung zu freiwilligen Spenden verkündet werden, daß wahrscheinlich bet dem nächstjährigen WeihnachtSbaum die »Ganz Kleinen" ihre Sprüchlein hersageu und da« Fest verherrlichen könnten. Möge auch die Erziehung im Sinne Fröbel« Berücksichtigung finden.
Alsfeld, 24. December. In die Billa des Herrn I. C. Th. Bücktag am »Gretfenhain" wurde tn verflosiener Rächt ein gebrochen. Die Diebe eutweudeten eine Anzahl Gegenstände von beträchtlichem Werth. Aus dem Umstand, daß die Einbrecher nach gethaner Arbeit auch die sämmtltche Räume der Btlla schließenden Schlüsiel mitgenommen haben, kann man auf ihre Absicht, wiederzukommen, schließen. Eine Anzahl vor der Btlla ausgefundener, vou den Räubern verlorener Sachen läßt ferner vermuthen, daß diese in ihrem Treiben gestört wurden und einen schleunigen Rückzug genommen haben.
Alsfeld, 27. December. Am 3. Januar 1898 feiert Herr Georg Schopbach sein 50jähriges Dteuftjubtläum als Stadtrechnergehilfe.
O. Aus Oberhesseu, 27. December. Ein Gruß aus Jenseits wurde dem Schreiber dieser Zeilen am ersten Feiertage bestellt — und zwar vou einem Soldaten, der über die Festtage io Urlaub kam. Er hatte die Manöver in der Wetterau mitgemacht, kam nach Rieder-Florstadt ins Quartier und lernte hier den Einjährig Freiwilligen Jacobi kennen. Als dieser erfuhr, daß der Soldat aus dem Dorfe de« Einsender« wäre, fragte Jacobi sogleich nach dessen Familie, erinnerte sich daran, daß er vor etlichen Jahren näher bekannt mit ihr wurde und trug dem Soldaten viele Grüße auf. Diese find jetzt, nach einem Vierteljahre, auch bestellt worden, während der Auftraggeber schon seit vielen Wochen in tragischer Weile da« Leben verlor und in« bessere ^eniett« hinüber ging. Man kann fich vorstelleu, daß diese Grüße mehr al« viele andere einen tiefen Eindruck hinterließen^____________
• Eine merkwürdige Entdeckung hat «an dieser Tage in der kleinen dänischenProvinzstadtRödby gemacht. Während
„Da ist Einer gekommen uud hat Euren Claim gequetscht," war die langsame Antwort.
Alles stand mit offenem Munde, in Erwartung de« Ausbruche«, der nun unvermeidlich schien. Der Sauste Luka« aber stand wie vom Donner gerührt. Er konnte den Gedanken ,°r nicht ,affen, daß Jemand fich g-,-° ihn I» etwa« herauszunehmen wagte. Er schnappte nach Athem, er vergaß sogar zu fluchen.
Diese Wahrnehmung war den Digger» so neu, daß «ehr al« ein« der gebräunten Gesichter fich zu einem Grinsen verzog, ja, die Fernerstehenden kicherten sogar ganz hörbar. Ehe Luka« fich noch gefaßt hatte, sagte eine Stimme von der Xt,ÖrffUnb Euer HuiSje hat er auch gequetscht!"
Gulpendam stierte einige Augenblicke wie abwesend um fich, daun aber fand er seine Zunge wieder. Rach einer Saldi nvn Flüchen, die da, Haa« uni die ^-müth-r wie ein Lawinensturz erschütterten, schlug er mit der Faust droheub auf deu Tisch.
Wo finde ich deu diebischen Hund?" brüllte er tn wrtth. »Ich will htngeheu und ihm die Leber auSschneideu."
»Ich sah ihn vorhin tu Euer HutSje gehen, berichtet« etue Stimme au« dem Hause.
Der Sanfte Luka« rauute wie ein toller Stier zm Thür hiuau«. Die Digger folgten ihm, theil"« ^o Spaß «it anzusehr«, theil« auch um zu verhindern, daßt ber «üthrnde de« junge« Grevelaud gaoz und gar den Garau« «achte.
(Schluß folgt.)
ganze« vermögen find fünf Pfund - die verwette ich gegen dieselbe Summe darauf, daß ich dm Claim behalte und daß der Sanfte Luka« mich weder auffrißt, noch mir deu Kopf spaltet. Uud setzt ihr zehn gegen meine fünf, dann quetsche ich auch noch sein »HuiSje" (Häuschen, Hütte) obendrein."
Diese Wette wurde angenommen. Darauf wies «au de« kühnen Fremdling die Bretterhütte de« Tyranueu von Merryberg, uud er nahm tn größter GewüthSruhe davon Befitz. Gr richtete fich häuslich ein und begann daun die Arbeit tu der Grube.
Zwei Tage später langte eiu Ochseuwageu im Kamp au uud demselben entstieg Luka« Gulpendam. Die wüst ver- lebte Zeit hatte deutliche Spuren auf seinem gedunsenen Geficht zurückgelaffen. Sein erster Gang war in den »Lehmigen Stiefel", wo eiu Dutzend Digger soeben tu leb- hafte« Gespräch Über Grevelaud begriffen war.
Beim Erscheinen des Sausten LukaS aber ve,stu««te jegltcher Mund uud eine Grabesstille verbreitete fich in dem von SchuapSdünsten durchzogenen Raume, verwundert, forschend uud argwöhulich sah Luka« fich im Kreise um, den Grund dieser ungewöhulicheu Schweigsamkeit zuersahre«. Keiner aber wollte deu Aufaog machen, jeder scheute sich, deu brutalen Menschen auf den jungen Fremdling za Hetzen, der fich durch seine Kühnhett uud sein ruhiges, zielbewutzte« Wesen bereüs allgemeine Achtung erworben hatte.
Gulpendam aber hielt diese Ungewißheit nicht lange au«.
«Wo» ist lo«?" rief er, dm «ächststehendeu ravh bei der Schulter p-ckeu». ,®o« gibt® hin? ThuU Maul *nf, Ihr Rabeafraß!"
Feuilleton.
Der B« rlscher.
®fae Geschichte aus Transvaal von Friedrich Meister.
(Fortsetzung.)
»Wie heißt denn dieser gefährliche Manu?" fragte der Reue ganz kühl.
»Sanfter Luka« heißt er."
f»at er nicht noch einen anderen Namen t
"O ia, Gulpendam, glaub ich," sagte der Haarige Tom.
«U. wenn Myuher Gulpendam zurückkommt, daun kann -rr fich einen anderen Claim suchen," fuhr bet junge Manu Fort. »Hier ist Gold, daS aber wird fich Grevelaud Holm. Unl wenn der Taufte Luka« noch Wetter tu diese« Claim arbt'te» sollte, daun wird rr eben auch für Grevelaud arbeiten.
Die Umstehende« sahm einander erschrocken an und bann ^ersnchtt« fie, dem kecken Gesellen von stimm vor-
-bzur.deu. Deffm Emlchlnß aber Mte dadurch nur ”” '“Ä «ach auf,“ warnte der Haarige Tom wohl- meluend. ,6r ist noch 'mal so groß wie Ihr- in den ganzen DiaaiugS ist keiner, der 'S mit ihm aufntmwt.
® fl8 Daun wird er einen zähen Btffen an mir finden, ver- fP«uÄ den «opf mit dem Spaten,“ b°""^enn chm"i'!n-r nicht zuerst gespalten wird,“ ent- <l|nÄÄ. % wi° Such -<• «-V«, -«*■
ein« Abendgesellschaft bei einem der augeseheuste» Handwerksmeister wurde bei einem der Gäste, einem reichen Kaufmann, ein EinbruchSüiebstahl verübt und wurden bei ihm mehrere Hundert Kronen gestohlen. Die Polizei lenkte ihre Aufmerksamkeit auf die Gastgeberin, die fich von der Zusammen- kauft eine halbe Stunde entfernt hatte, angeblich um in der Küche die letzten Vorbereitungen zu treffen, aber keine fünf Minuten dort weilte. Hierüber befragt, verwickelte sie sich in Widersprüche und gestand bann plötzlich, daß sie den Diebstahl begangen, ferner, daß sie vor einigen Jahren unter fast ähnlichen Umständen einen Diebstahl bei ihrem Schwager ausgeführt habe. Ein 14jähriger Knabe wurde damals als der That verdächtig verhaftet, beging aber Selbstmord, nachdem er mit feinem Blut die Worte »Ich bin unschuldig!" auf die Wand geschrieben hatte. Die ruchlose Frau bewohnt jetzt im Gefäuguiß dieselbe Zelle, tn welcher fich der Unglück- liche Knabe grtödtet.
♦ Aus Effet! wird gemeldet, daß diese jüngste rheinische Großstadt die Hunderttausend bereits überschritten und zur Zett über 105000 Einwohner zählt. Eine außerordent- liche Vergrößerung EffenS steht aber bevor, denn tn Bälde dürste die Einverleibung deS Vorortes Altendorf, eine« RtesendorfeS mit 47 000 Einwohner, erfolgen, uud dann wird Effen unter den rheinischen Großstädten der Einwohnerzahl nach an dritter Stelle rangiren. Bor genau 70 Jahren zählte Effen 4000 Einwohner und Altendorf 1300. Noch 1864 besaß Effen 21000 Einwohner - Düffeldorf 50000 (heute 190000): Krefeld 50000 (108000); Elberfeld 57000 155000); Barmen 45000 (140000); Duisburg 12000 (85000); Köln 120000 (350000); kleine Städte, die damals kaum genannt wurden, zählen heute 40- 60000 Einwohner : M.-Gladbach, Solingen uud viele andere.
• Empfang lei« Botschafter Freiherr« v. Marschall. Man schreibt der »Franks. Ztg." au« Konstantinopel: Am Boulevard Aja- Pascha herrschte Freitag in den Nachmittagsstunden reges Leben. Nach mehrwöcheutlichem an» haltendem Regenwetter brach die Sonne wieder siegreich durch und bescheerte uns wieder einmal den langentbehrten tiefblauen Himmel. Der schwerfällige aber vornehme Bau deS deutschen Botschaft-Palastes im Winkel de« Boulevard AjaS Pascha, mit dem erhabenen, einzig-schönen Panorama zu feinen Füßen, bildete da« Ziel der deutschen und der unter Deutschland» Schutz stehenden Schweizer Colonie. Mit dem Einzu, de« neuen Botschafterpaares tn das Botschaftsgebäude scheint in diese wetten Räume, welche seit dem Fortgang de« Fürsten Radoltn fast verödet dastanden, wieder neues Leben emzukehren. Nachdem schon früher die Auffahrt und Vorstellung der ge- summten hohen türkischen Beamtenschaft stattgefunden hatte, wurde vorigen Donnerstag da« stattliche Kontingent der im türkischen Dienst befindlichen Beamten und Offiziere uud am Tage darauf die Colonie empfangen. Gegen 4 Uhr füllten fich die Räume. Alle Berufsklaffeu waren vertreten und für Jedermann hatten Baron Marschall und seine aumuthige jugendliche Gemahlin sympathische Worte gefunden. Unterstützt
wurde daS Botschafterpaar bet diesem Empfang von den Mtt- gliedern der Botschaft, LegationSrath v. Schloezer und deffen tebenswürdiger Gemahlin, dem Militärattache GeneralstabS- >auptmann Morgen, den Herren v. Below, v. Eckhardt und Graf York, sowie dem von der Colonie allgemein geschätzten Generalconsnl Stemrich. Ein reichhaltiges Büffet war in der großen Empfangshalle aufgestellt, die vom katserltchen Gartenbandirector Wentzel mit dichten Palmengruppen decortrt war. Die Besucher schieden tu vorgerückter Abendstunde mit hem befriedigenden Bewußtsein, daß die Botschaft von Neuem ein wird, was fie auch in früheren Jahren tn so hohe« Maße war, die Hetmath des seinem Baterlande entrückten Deutschen.
• Im zoologische» Garte». Carl (beim Anblick der Kameele): »Sag doch, Mama, welches ist denn hier der 83ater?» — Mutter. »Aber, liebes Kind, da« solltest Du doch schon wiffen. Der Vater ist immer da« größere Kamee!!"___________ .
Universität- - Nachrichten.
— Würzburg. An der hiefigen Universität wurde ein Institut für Pflanzenschutz errichtet, dessen LUtung dem Assistenten am hygienischen Institut Dr. Apvel übertragen wurde
— Die ägyptologische Sammlung der Straßberger Universität. Durch eine Veröffentlichung der amtlichen ^ ratz- durger Eorrespondenz wird daraus hingewtesm, daß die ägyptische Philologie und AUerlhumskunde an der lungm Stra^uraer Hochschule sich in bemerkenswerther Weise entwickelt hat. Bet derersten Organisation ist in Straßburg ein Lehrstuhl für diese Disciplin n- richtet worden, den der bekannte Aegyptologe Pros. Dümtchen bis zu seinem Tode im Frühjahre 189s tnnegehabt hat. Ein ^ner Iah es' etat von 300 Mk. machte die Beschaffung einer SpecialbtbUothek, eine einmalige Bewilligung im Jahr«: 1884l bteL ägyptologische» Sammlung möglich, welch letztere sich in der neuesten Zett so bedeutend vermehrt hat, daß fir zwar selbstverständl ch mit den großen Sammlungen von Berlin und Parts nieftt wett eifern kann, wohl aber unter den kleineren eine hervorragendeStell-ein- utmmt. Dem gegenwärtigen Vertreter der Aegyptologie inStraßburg, Privatdocent Spiegelberg, find bei Gelegenheit eines längeren Studienaufenthalts in Aegypten vor zwei Jahren der Regierung die Mittel zur Verfügung gestellt worden, um eine Sammlung von Ortginalmonumenten a?zukausem d e sich über alle Epochen der ägyptischen Geschichte erstreckt: Sculpturmreste au« Gräbern> von Memphis, die dem alten Reiche (ca. 2800 bis 2100) angebören, technisch außerordentlich hochstehende Statuetten aus dem mittleren Reiche (2100 bi« 1800), dann besonders zahlreiche Dmkmäler au» dem neuen Reiche (1800 bis 1000), fast sammtlich auä bet ^ttn- stadt des alten Theben. - Skulpturen, Werke der Kleinkunst 'n Fayencefiguren und Broncen, dann Baumaterialien, Ackergeräch- schasten, Stuckmodelle für Steinmetzen, Waffen, Alabasterschalen, Proben von Geweben usw. Besonders wichtig ist ^ne Sammlung von Thongefäßen, die einen Ueberbl^ über die ganze En Wicklung der Töpferet gibt. Dazu kommen Brtessragmentt und ^^stttche Urkunden auf Papyrus und Scherben, von 2600 biS 300 n. tL-yr. reifend. Gl<tchzeiüg mit diesen Ankäufen wurden dem Musnim von dem englischen Archäologen FltnderS Petrie zahlreiche Dmkmäler der ältesten Epoche (um 3000) geschenkt, die von ^inen »usgrabuoaen im Jahre 1895 stammen, ebenso wieder eine Anzahl Stücke von den Ergebnissen seiner gemeinschaftlich mit Quibell^im^Jahr«: 1896 vor- aenommenen Ausgrabungen. Auch bet ihren diesjährigen Aus- grabungen haben die beiden Herren daS Straßburger Museum neuerdings bedacht.


