Berlin, 27. September. Bet dem am SarnStag nach ie» Stapellauf des neuen Panzerkreuzers Fürst Bt-marck hn Kieler Schloß stattgefundeueu Frühstück brachte, wie die „Nordd. Allgem. Ztg.* meldet, Prinz Heinrich einen kurzen Trtoksprnch auf den Fürsten Bismarck auS.
Berlin, 27. September. Der Kaiser hat folgende» Telegramm an den Fürsten Bißmarck gerichtet: Seine Durchlaucht dem Fürsten von Bismarck in FriedrichSruh. Bon Herzen wünsche ich Euer Durchlaucht Glück zu« Stapel- lauf meines Panzerkreuzers Fürst BtSmarck und freue mich, dadurch für alle Zeiten Euer Durchlaucht Namen mit meiner Motte in engster Beziehung zu wissen. Sie wird um so stolzer fein, als eS der erste große Panzerkreuzer ist, welcher von uns gebaut ist. Ein Modell desselben wird Admiral Tirpitz Euer Durchlaucht in meinem Auftrage überreichen. Wilhelm I. B. Hierauf hat Fürst Bismarck nach- stehendes Telegramm an den Kaiser nach Romioten ge- richtet: Euer Majestät bitte ich alleruvterthänigst für die Auszeichnung, die mir durch die heutige Taufe des Kreuzers Euer Majestät zu Theil geworden ist, weinen ehrfurchtsvollen Dank in Gnaden evtgegenzuvehmen. Gleichzeitig danke ich in Ehrfurcht für das soeben eingehende allerhöchste Telegramm, durch dessen Inhalt die Ehre, die Euer Majestät meinem Namen in allerhöchstdereu Flotte gewährt haben, wesentlich erhöht wird. v. Bismarck.
Frankfurt a. M., 27. September. Die „Franks. Ztg.* meldet auS Berlin: Für den Botschafterposten in Konstantinopel kommt Freiherr v. Marschall nicht mehr in Frage. ES heißt, daß für den im März nächsten Jahre» von dort fortgehenden Botschafter Freiher v. Saurma-Jeltsch Herr v. Kid er len «Wächter als Nachfolger bestimmt sei. — Was die projectirte Reise deS Kaiser- nach Jerusalem betrifft, so verlautet, daß der Kaiser mit der Kaiserin und den ältesten Prinzen in Begleitung deS Hof- Predigers Dry an der gegen Ende April sich nach Jerusalem begeben wird, um bei der Einweihung der auf dem ehemaligen Johanuiterplatze gebauten Kirche zugegen zu sein. Die Kirche wird voraussichtlich den Namen Johanniskirche erhalten. Ob daS Kaiserpaar dem Sultan einen Besuch ab« statten wird, ist noch unbestimmt.
Karlsruhe, 27. September. Gestern fand in Heidelberg eine Cooferenz der natioualli beralen Pa riet männer au» Baden, Hessen, Württemberg, der Pfalz und Frankfurt behufs Erörterung der politischen Lage statt. Es wurde beschlossen, vor der Reichstagswahl einen größeren Parteitag von Südwestdeutschlaud auf den 14. November nach Neustadt a. H. etozuberufeu.
Wien, 27. September. Au» Budapest trifft die Meldung ein, daß der Kaiser angeordnet habe, daß die Einleitung eines strafgerichtlichen Verfahrens gegen Badeni und Wolf wegen Duellvergehens zu unterbleiben habe. Badeni couferirte Vormittags mit mehreren Ministern. Der aus dem Bade zurückgekehrte Finanzminister hatte beim Kaiser Vortrag in der Angelegen- heit des dem Reich-rath vorzulegenden Budgets.
Budapest, 27. September. Für die Hierselbst zu er- richtenden National-Denkmäler bestimmte der Kaiser vorläufig eine halbe Million Gulden.
Budapest, 27. September. In politischen Kreisen ver- lautet, daß anläßlich der Anwesenheit des Königs von Rumänien hterfelbst der Anschluß Rumäniens an den Dreibund einen osfictellen Ausdruck erlangen werde.
Fiume, 27. September. Die Hebung der „Jka" ist mißglückt, und zwar in Folge Reißens der Ketten. Dieser Zwischenfall hätte beinahe eine neue Katastrophe herbeigeführt, da viele in der Nähe befindliche Barken und Schiff-ponton» in Folge der heftigen Meereserschütterungen umzuschlagen drohten.
Agram, 27. September. Anläßlich der Bauernrevolten ist in acht Bezirken das Standrecht proclamirt worden.
Madrid, 27. September. Die Minister des Krieges und der Marine haben beschlossen, die Küste von Marokko durch ein Kanonenboot bewachen zu lassen.
Koustautiuopel, 27. September. In der gestrigen Audienz, welche die Vertreter Oesterreichs, Rußlands und Frankreich- beim Sultan hatten, forderten dieselben categorifch die sofortige Amnestie aller am Kriege betheiltgten Griechen, um deren Rückkehr zu ermöglichen. Die übrigen Botschafter schlossen fich der Forderung an und werden einen gemeinsamen Schritt in dieser Richtung thun.
Revyork, 27. September. Au- Rete-le in Colorado wird gemeldet, daß ein Personenzug mit einem mit Vieh beladenen Zuge zusammenstieß. Der Zusammenstoß
*a bcr Zahlreiche Personen wurden verletzt und 30 getödtet. Eine große Menge getödtete- Vieh bedeckt die Unglücksstätte.
k c 28. September. Herr v. PodbielSkt ordnete an, daß die Post-Eleven vorläufig nicht eingestellt «erden sollen. Es soll erst die Conferenz im nächsten Monat ab» gewartet werden.
Berlin, 28. September. Von der gestrigen Ausschuß, sitzung des deutschen HandelStageS wurde über die Conferenz, welche vom Reichsamt deS Innern wegen der Bor« bereitung der Handelsverträge stattfand, Bericht erstattet. ES geht daraus hervor, daß eine volle Uebereinstimmung da- hin erzielt worden ist, daß eine Ceotralstelle oder ein Zoll- beirath, vom Reichskanzler berufen, gebildet werden soll. Der Ausschuß des HandelStageS erklärte fich damit durchaus einverstanden.
T-ulou, 28. September. Zwischen den Offizieren der hiesigen Marine-Infanterie und den in Acta stationirten Offizieren wurden gestern Freundschaftstelegramme gewechselt.
San Francis», 28. September. Ein zum Walfischfang ausgefahrener Dampfer wurde im Eismeer von Eisschollen zerdrückt. 30 Personen ertranken, 7 wurden gerettet.
- und
Gieße», den 28. September.
** Tagesordnung fit die Sitzung der Stadt, er »ebneten- Bersammlung Donnerstag den 30. September 18S7, Nachmittags i/i4 Uhr pünktlich: 1. Stiftung der Counnercienrath Heichelheim Eheleute. 2. Gesuch des F. Klenker um Erlaubniß zur Anbringung eines Aushängeschildes am Haufe Seltersweg 16. 3. Gesuch der Firma A. Enler um Erlaubniß zur Aufführung eine- Hintergebäudes- hier: Dispeusation-gesuch. 4. Arbeiten im Bürgermeisteretgebäude- hier: Einrichtung deS Dienstzimmers Nr. 5. 5. DaS nörd« ThorhauS an der Neustadt- hier: Anbringung von Fensterläden und einer Marquise. 6. Ausbau der Moltkestraße hier: Anschüttung deS StraßevkörperS. 7. Umbau der Wieseck- brücke in der BiSmarckftraße. 8. Ausbau der Schützeoftraße; hier: Gesuche der H. Dörr Wwe. und I. Leyerzapf Wwe. um Erlaß von Straßenkoftenbeitrag. 9. Verwerthung von Bauplätzen an der Bismarckstraße- hier: Fristgesuche zum Verbauen von Bauplätzen. 10. Gesuch deS Friedrich Wenzel in Gießen um Ertheilung der Erlaubniß zu« WirthschaftS« betrieb im Hause Neustadt 48. 11. DeSgl. des Heinrich Sauer im Hause Neustadt 58. 12. Unterstützung der durch Wetter« und Wasserschäden heimgesuchteu BeoölkerungSkreise der Provinz Schlesien, sowie der Königreiche Sachsen und Württemberg. 13. Erneuerung der Stadtkirche- hier: Gas« beleuchtung des Ktrchenplatzes. 14. Voranschläge des städtischen GaS- und Wasserwerks für 1896/97- hier: Rechnung»« abschlüsse.
** Der Finanzausschuß bet zweite» Staudekammer wird am Dienstag den 5. October zur Berathung des Beamtengesetzes und des Finanz «Budgets zusammentreteu. Das Plenum der Kammer soll sodann im November einberufen werden.
•• Die Einweihung der Revbaustreckeu Friedberg-Hungeu vnd Nidda-Beienheim findet, wie bekannt, am 30. September fiatt. AuS diesem Anlaß werden die Theilnehmer an den Feierlichkeiten mittelst Sonderzügen nach sämmtlicheo Stationen der Neubaustrecken befördert, woselbst kürzerer oder längerer Aufenthalt stattfindet. Der erste, auS einem Schutzwagen, einem Salonwagen, drei Wagen zweiter und einem Wagen dritter Klaffe bestehende Zug wird Friedberg um 9 Uhr 30 Win. Vorm. verlassen und nach je fünf Minuten Aufenthalt auf den Stationen Dorheim, Beienheim, Melbach, Wölfersheim, Berstadt«Wohnbach, Obbornhofen-Bellersheim und Inheiden um 11 Uhr 2 Min. in Hungen eirnreffeu. Don dort aus wird nach zweistündiger Frühstückspause um 1 Uhr 5 Min. die Reise auf der alten Linie der Oberhessischen Bahn nach Nidda fortgesetzt- um 1 Uhr 35 Min. geht die Fahrt dann ebenfalls mit je fünf Minuten (in Beienheim zehn Minuten) Aufenthalt über Salzhausen, Geiß-Nidda, Häuserhof, Grundschwalheiw, Echzell, Gettenau«Bingenheim, Reichelsheim, Meckesheim, Beienheim und Dorheim nach Friedberg, woselbst der Zug um 3 Uhr 36 Min. ankommt. In Friedberg findet ein Festmahl der Theilnehmer statt. Um 8 Uhr Abends erfolgt sodann von Friedberg aus eine aber« malige Fahrt mit nur je einer Minute Aufenthalt nach Hungen, sowie um 8 Uhr 10 Min. ebenfalls von Friedberg aus eine Fahrt nach Nidda.
" Patente und Gebrauchsmuster von im Sroßherzogthum lebenden Erfindern. Patent-Ertheilungeu. Cl. 36, 94447. Luftzuführung für Dauerbrandöfen, C. Buderus, Lollar, 28. 7. 96. — Gebrauchsmuster - Eintragungen. Cl. 51, 80137. Clavier mit nur einer Saite für jeden Ton - Wilh. Rudolph, Gießen, 22. 7. 97, R. 4510.
* Die diesjährige Prüfung der «fpirantinueu für de» Bolttfchvldienst im Großherzogthum Hesse» findet in der Zeit vom 29. September bis zum 2. October im Großh. Schul- lehrer-Seminar zu Alzey unter dem Vorsitz des Herrn Oberschulraths Dr. Eisenhuth, sowie in Anwesenheit der zuständigen kirchlichen Behörden statt. Wie verlautet, werden fich diesmal neun Damen der betr. Prüfung unterziehen.
*• Militärischer. Dem 3. Großh. Hess. Infanterie- (Leib-)Regiment Nr. 117 ist der Althessische Marsch des „KreiSregimentS" und des Regiments „Landgraf* mit der Maßgabe verliehen, daß da» Regiment allein berechtigt sein soll, diesen Marsch bei großen Paraden zu spielen.
** Wetterbericht. Der hohe Druck behauptet die Herrschaft über dem größten Theile Europas und hat seinen Bereich nunmehr auch über die britischen Inseln ausgedehnt. Die Jnteufität der Barometerstände ist indessen in Central« Europa etwas geringer geworden und ist außer dem Südosten Europas nur noch ein flacher Kern über Südbahern und Böhmen vorhanden. Das nördliche DepreffionSgebiet besteht noch fort, scheint aber in nordöstlicher Richtung ab« zuziehen. In den WitterungSverhältniffen unseres Gebietes ist zunächst wenig Aenderung eingetreten. Der Himmel ist meist heiter. Nur Morgens und Abends tritt stellenweise Nebelbildung auf. — Voraussichtliche Witterung: Von localen Morgen- und Abendnebeln abgesehen noch meist heiteres und warmes Wetter.
Bad-Nanheim, 27. September. Heute Nacht erstickte hier ein Knecht. Er kam gestern Abend betrunken nach Hause und legte fich mit der brennenden Cigarre zu Belt. DaS Bettzeug und Stroh gerieth ins Glimmen und in de« fürchterlichen Qualm, welcher entstand, erstickte der Knecht, nachdem er noch versucht hatte, daS Fenster zu öffnen, was ihm aber nicht mehr gelungen war.
-a- Merlau, 26. September. Wunderschönes Herbstwetter begleitete gestern dic Einweihung unsere» neuen Schulhauses und führte diesem eigenartigen und bedeutsamen Feste eine sehr große Zahl von Gästen au» näherer und fernerer Umgebung zu. Herrliches Festwetter, zahlreiche Festgäste und die Wichtigkeit de» Feste» selbst lassen ein solche» stet» gelungen und schön verlaufen. Die Vertreter Großherzoglicher Behörde, die Herren Krei»rath Dr. Melior und KreiSschulinspector MatheS nebst de« Bauleiter, Herrn i
SreiStechniker Braun, wurden von der Schuljugend und ihre» Lehrer und de« hiesigen Bürgermeister vo« nahen Bahnhof Mücke abgeholt. Am Orte angekommen, stellte fich der Feftzug auf und durchzog unter Vorantritt einer Musikcapelle und der Schüler die Ort-straßen. Am neuen Schulhanse eröffnete den Weiheact der Gesang de» hiesigen Gesangverein»: „Laßt freudig fromme Lieder schallen.* Herr Pfarrer Frank hier hielt die Festrede- von Herzen kam sie, zu aller Herze» drang sie. In wirklich fesselnder Weise führte der Festredner au»: 1. Die hohe Bedeutung de» neuen Baue» al» eine Quelle, aus der die Ströme der Zucht und Bildung, wahrer Frömmigkeit und achter Menschenliebe hiogelettet würden i» die einzelnen Herzen vnd Häuser, al» eine Stätte zur Er» ziehnng alles Wahren, Guten, Schönen. 2. Die hohe Bestimmung de» neuen Hanse» für die Heranwachsende Jugend und 3. einen Vergleich der Zeit, die da- alte Schulhau» geschaffen, mit der Gegenwart. Am alten Schulhause, a» dessen Stelle das neue steht, fand fich bei seine« Abbruch die eingemeifelte Inschrift: »I« Jahr 1651 ward diese- Schulhaus als ein Pflanzgarten der christlichen Kirche erbaut durch Meister Philipp Engelbach. Gott erhalte es!" Da- mal», so schilderte der Festredner weiter, wuchs die Schule im Schatten der christlichen Kirche, heute stehen beide gleichberechtigt neben einander. Dem neuen Schulhause im Geiste die Inschrift widmend: „Lasset die Kindlein zu mir kommen* schloß Herr Pfarrer Frank mit innigem Gebet seine inhalt»- tiefe Weiherede. Herr KreiSschulinspector MatheS koüpfte seine eindrucksvolle Ansprache an daS Wort: „Wer die Schule hat, der hat die Zukunft*, führte au» wie dieses Wort wahr zu machen auch die Festgemeinde bestrebt gewesen sei und würzte und schloß seine ernste Mahnung an Eltern und Schüler durch sehr schön gewählte poetische Stellen. Hiernach überreichte Herr Krei-techniker Braun den Schlüssel Herrn Kreisrath Dr. Melior, der ihn eutgegennah« unter herzlichen DankeSworten für alle Mitwirkenden an dem schönen Ban und de« Wunsche, daß dieser seine hohe Bestimmung ganz erfüllen möge. Im neuen Schulsaale gab Herr Lehrer Gewmer nach einem schönen Gesang der Schüler das Versprechen, seine besten Kräfte im neuen Gebäude dem Wohle der Jugend widmen zu wollen und bat die Eltern, ihn i» dieser Abficht stets zu unterstützen. Wie alle neuen Schul- Hauser, deren Herr Braun im Kreise bereit- eine stattliche Anzahl erbaut, «acht auch diese-, dessen Grundstein am 18. Octobee v. I. gelegt wurde, seinem Erbauer alle Ehre und findet ungeteilte Anerkennung.
§§ Dom Bogel»berg, 22. September. Endlich scheint doch unser Vogelsberg dem Verkehr geöffnet zu werden, denn nachdem vor einigen Jahren eine Nebenbahn von Stock- heim nach Gedern erbaut worden ist, ist nun der Verkehr mitten durch den Vogelsberg weiter geplant auch, schon theil« weise beschlossene Sache, nämlich die Verbindungslinie Gedern —Lauterbach. Eine Theilstrecke, Lauterbach—Grebenhain, ist dem Vernehmen nach schon endgültig vermessen, während vo» der weiteren Verbindung-strecke Grebenhain—Gedern der Bau noch nicht in Angriff genommen worden ist. Nachdem in diesem Frühjahr mit dem Vermessen einer Nebenbahn Birstein—Wächtersbach begonnen worden ist, ist der Bau derselben schon in Angriff genommen worden- es find hundert italienische Arbeiter schon dabei beschäftigt, weitere hundert Arbeiter werden noch eingestellt. Ferner wird beabsichtigt, den Bau dieser Bahnlinie von Birstein noch eine Stunde weiter, nämlich bi- nach Fischborn auszudehnen. Ein Geleise -nr Herbeischaffnng des Materials ist bereit- bi» Schlierbach gelegt. Dem Vernehmen nach soll diese Bahn später weiter gesührt werden zum Anschluß au die projectirte Linie Gedern —Lauterbach in der Nahe vou Völzberg oder Lichenroth.
Darmstadt, 26. September. Ein interessanter Fall vou Bigamie gelangte in der gestrigen Sitzung der hiesigen Strafkammer I zur Verhandlung und Aburtheilung. An- geklagt war der zu Neu-Isenburg geborene Wolfgang Ernst Fäßl er. Derselbe hatte fich vor etwa 17 Jahren in Ham- bürg verheirathet und der Ehe eutsproßten Kinder. Nach kurzer Zeit und infolge häuslichen Zwiste» beantragten die beiden Ehegatten Ehescheidung. Auf Betreiben de» Fäßler fand ein Sühneverfuch statt, der aber al» gescheitert anzn- sehen war, da die Ehefrau im Termin nicht erschien. Der Angeklagte glaubte nun, die Ehe sei damit geschieden, und auch sein Anwalt hatte ihm in diese« Sinne Mittheiluug gewacht. Demgemäß ging er in Altenburg i. S. eine zweite Ehe ein und lebte dort bi» vor kurzer Zett, wo er fich in Neu Isenburg wieder nieberloffen wollte. Bei den dort stattgehabten Niederlassung-Verhandlungen stellte fich nn» heran-, daß der Angeklagte beim Eingehen seiner zweiten Ehe verschwiegen hatte, daß er schon verheirathet war und daß die erste Ehe noch zu Recht bestand. Der Angeklagte wurde verhaftet und fitzt seit zwei Monaten in Untersuchung-« baft. Gestern erhielt derselbe trotz einer vorzüglichen 8er« theidigovg seine» Recht-beistonde» Dr. Osann II. 9 Monate Gefängniß unter Aufrechnung der Untersuchungshaft. Auch die Kosten de» Verfahren» werden ihm zur Last gesetzt. Der Angeklagte nahm die Strafe nicht an.
Mainz. 27. September. Gestern Abend stürzte eia Metzgerbursche bei de« Herau»heben eine» Schweine- in de» mit kochendem Wasser gefüllten Kessel- er wurde so furcht« bar verbrüht, daß ihm da- Fleisch in Fetzen vom Körper fiel. Hoffnung-lo- wurde der Unglückliche in da« Ho»pital verbracht. — Am Sam-tag Abend verunglückte eine Fran durch Explosion einer Petroleumlampe, die sie an-- löschen wollte. Die Fran ist im Ho»pital gestorben.
* Frankfurt a. M., 27. September. An einem Neubau neben dem Grundstück de» „Pariser Hose-* auf de« Schiller- Platz stürzte heute Nachmittag ein Gewölbe ein. Ei» Arbeiter wurde von dem fallenden Gestein verletzt und mußte in- Spital gebracht werden.
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