Ausgabe 
29.7.1897 Zweites Blatt
 
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Juli.

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1897

Donnerstag den 29. Juli

Nr. 175 Zweites Blatt

757

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

Amts- und Anzeigeblatt für bett Itrck Gieren.

Redaction, Expedition und Druckerei:

-Lvkstraße Kr.7.

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Vierteljähriger AöounemeutspreiLr 2 Mark 20 Pfg. eit Bringerlohn.

Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Psg.

Die Gießener

A«mtt1enßtSlter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelrgt.

Der

Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de- MontagS.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dorm. 10 Uhr.

Gratisbeilage: Hießener Iamikienökätter

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgeg«.

Bahnhofftr.

' b-khre ichich iben.

2lmtlid>er Theil.

Bekanntmachung,

betreffend: die Maul- und Klauenseuche zu Oppenrod.

Die Maul- und Klauenseuche zu Oppenrod ist er- loschen und find die verfügten Sperrmaßregeln aufgehoben worden.

Gieße», den 27. Juli 1897.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gag er«.

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die mich beehrenden GLÜ!

wunder Löwenbräu rrbacher Bier, * 'les Porter.

Zeine ist bestens ge,G i)me, baß bai von ui: chleasaarehanbiM

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August lenade", -w drliger Vereine. Tiav' fiivgswetttnrueu uni-

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Bekanntmachung.

Betr.: Feldbereiuiguvg in der Gemarkung RüddtugShausen.

In der Zett vom 30. Juli lfd. IS. bis einschließlich 12. August lfd. IS. und zwar an jedem Tage, auch den Sonntagen, von 8 bis 12 Uhr Vormittags und 2 bis 6 Uhr Nachmittags, liegen auf dem Amtszimmer der Gr. Bürger­meisterei RüddtugShausen die Arbeiten des IIIt Ab­schnittes rubr. Feldbereintgung, nämlich:

23 Blatt ZutheiluugSkarteu,

1 Band ZutheilungSverzetchniß,

3 Bände topographische BefitzstandSverzetchniffe,

2 Bände Gütergeschoffe,

1 Heft Zusammenstellung der Gütergeschoffe,

1 Heft Berechnung der Bonitätserhöhungen,

1 Heft GeldauSgleichungSverzetchniß,

1 Band AbschätzungSverzetchniß der Obftbäume nach dem alten und neuen Stand,

das Protocollbuch, zur Einsicht der Betheiligten offen.

Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hier­gegen findet statt:

Freitag, 13. August 1897, Vorm. 910 Uhr, tut Amtszimmer der Gr. Bürgermeisterei RüddiugShausen, vozu ich die Betheiltgten unter dem Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschlossen find. Einwendungen find schriftlich abzufassen, zu begründen und auf Papier in Actengröße (mindestens */2 Bogen) einzureichen.

Frtedb erg, den 27. Juli 1897.

Der BereinigungS - Commiffär:

7137 Dr. Göttelmann, Gr. KretSamtmanu.

Feuilleton.

Dir Hundstagr".

Von F. Kunze.

(Nachdruck verboten.)

ES ist bekannt, daß ein vierwöchentlicher Theil der heißen Sommerzeit alsbit Hundstage" bezeichnet wird, und zwar währen dieselben vom 24. Juli bis 24. August.

Vielfach hat die Meinung Platz gegriffen, daß jener Zeitabschnitt darum alsdie Hundstage" benannt worden sei, weil sie infolge ihr fast nie ouebletbeuden hochgradigen Sonnenhitzedie Entstehung der Hundswuth befördere" und somit gleichsambic Zeit ber tollen Hunde" sei. Judeß, schon die alten Römer kannten die gluthvolleudies cani- culares". Es waren dies jene Tage, von denen ein alter Kalender irrthümlich behauptet, daß sieanheben auf Margarethen (13. Juli) und enden auf Laurentii»Tag (10. August)", in Wirklichkeit hat man selbige jedoch nach dem SiriuS oder HundSgestirn benannt, dessen Aufgang gleich dem mahnenden Bellen deS Hundes die alten Aegypter alljährlich auf das Herannahen der Nilfluth hinwies. DaS griechische WortSeirios", aus dem die klassischen Römer SiriuS" machten, entstammt dem ägyptischen Ausdruck rSihor, womit mau den segenspendenden Nil bezeichnete. Mit demselben Namen bedachten die alten Aegypter auch das HundSgestirn, weil nach ihrer Erfahrung mit seinem Sichtbar- werden die laudbedeckeude Nilfluth anhob.

Die hohe Verehrung des wichtigen Gestirns beruhte eben auf dem Umstande, daß es Wasser verlieh und die lang­ersehnte Ueberschwemmuog deS hetmathltcheu Stromes mit heraufbrachte, von der doch alle Vegetation uud Erntefülle abhängig war. Die astromonisch sehr tüchtigen Magier im schwarzen Lund" OstafrikaS berechneten auch schon in alters­grauen Zeiten den Aufgang des Hundes uud, darauf weiter laßend, den ganzen JahreSlauf.Die Beobachtung des Sirius war die Bedingung des ganzen priesterlichen Kalenders",

Homburg v. d. Hohe, 26. Juli. Zwei große Diners während der Kaisermanöver werden im hiesigen Kur­hause stattfinden: und zwar ein großes militärisches Diner am Tage der Kaiserparade und ein Civtl-Dtuer, zu welchem die Etvtlbehördeu der Provinz Einladungen erhalten. Zu den Diners wird die Kaiserliche Hosküche alles lteferu und wird im KurhauShofe am Schwedenpfad infolgedessen eine Küche eingerichtet, mit deren Bau, welcher auf etwa 8000 Mk. veranschlagt ist, demnächst begonnen werden soll.

* HaderSleben, 27. Juli. Auf dem Wege von Heils nach hier wurde ein Handwerksbursche ermordet auf- gefundeu. Als der That dringend verdächtig ist sein Reise­gefährte verhaftet und hier eingeliefert worden.

BreSlau, 26. Juli. In Niederschlesteu wird ein großer Milttärschießplatz südlich von AroSdorf au der Gassener Bahn in der Klitschdorfer und Mallmitzer Heide bet Sprottau errichtet- der FiScuS hat Uuterhaud- laugen mit den Grundbesitzern angeknüpft.

* Fast 8000 Staaroperatioueu hat Herzog Karl Theodor in Bayern bisher vollführt, alle in früher Morgenstunde zwischen 6 und 8 Uhr, da sein Geist am frischesten, die Hand am ruhigsten ist.

' Au fin de stecle Einbrecher. Die romantische Diebesbande derBefrackten", die vor etwa zwanzig Jahren die reichen Quartiere von Paris heimsuchte, scheint noch nicht ganz auSgestorben zu sein. An einem der letzten Abende bemerkte ein Mtether im ersten Stock der Rue de la Bieu- faisance, daß die Entreethür seines Nachbars Mr. Mage an- gelehnt war, obgleich er wußte, daß dieser verreist sei. Er trat behutsam ein und bemerkte, im Vorzimmer stehend, wie im Salon ein Mann in tadelloser GesellichaftStoilette, mit einer weißen Nelke im Knopfloch seines Fracks, damit be­schäftigt war, die Fächer der Commoden aufzuzieheu und alle tragbaren Werthgegenstände in die Tasche zu stecken. Der Beobachter entfernte sich leise, holte den Portier und der noble Einbrecher wurde festgenommen. Er nannte seinen Namen und gab seine Wohnung in der Avenue der Ehamps ElYseeS an. Man fand dort in einer eleganten Gar^on- wohnuvg einen vollständigenSatz" Etnbrecherhaudwerkzeug und eine ebenso vollständige Wohnungsliste reicher Pariser, die gegenwärtig verreist find und deren Häuser daher ein geeignetes Operationsfeld für den befrackten Räuber bildeten.

sagt Creuzer. War doch der Neumond und deS Hundssternes Aufgang für Aegyptens Bewohner der Anfang der Erzeugung in der Welt, und nach der Art seine» HervortreteuS urtheilte der sachkundige Bewohner auf ein fettes oder dürre» Jahr und ein reichliches oder spärliche» Anwachsen des NtlwasserS. In anderen Ländern, für welche das letztere Ereigniß nicht in Betracht kam, worin die HundStage besonders wegen ihrer hochgradigen Sonnenhitze bekannt, wenn auch weniger rühm­lich. So schreibt schon Plinius:Ist es nicht bekannt genug, daß der Hundsstern bet seinem Aufgange die Sonnen- Wärme vermehrt? Auf der Erde bemerkt man gewiß eine nicht geringe Wirkung des Gestirns. Zeigt es sich, so kocht da» Meer, der Wein im Keller braust und die Sümpfe ge- rathen in Gährung. Es gibt eine Art wilder Ziegen, welche die Aegypter Oahx nennen- von dieser erzählt mau, daß fie sich gegen den ausgehenden Huudkstern stelle, ihn auschaue und durch ihr Niesen gleichsam begrüße. Daß die Hunde zur Zeit des Hundssternes mehr als gewöhnlich wüthig werden, ist hinlänglich bekannt." An einer auderrn Stelle heißt es wieder:Dieser Stern entflammt die Sonne und trägt viel zur Hitze bei."

Eine solche Sonnengluth konnte natürlich nicht segen- bringend sein, sondern wies im Gegeutheil sehr schädliche Wirkungen auf. Die vielgeplagte Menschheit wurde in diesen sengenden Tagen von allerlei Seuchen heimgesucht, und schon die srühhtstorischeu Aegypter wurden veranlaßt, um diese Zeit den bösen Seuchrnbringer Typhon durch Opferung rother Hunde zu versöhnen. Auch dem satanischen Todsender AreS wurden in Karten und Phönicieu Huudsopfer dar­gebracht, ja selbst die götzendienerischen Ebräer huldigten dieser heidnischen Sitte, wie man aus JesaiaS 66,3 folgern will. Der Talmud berichtet, daß das Feuer tu Gestalt eines Hundes vom Himmel herabgekommen sei und daS erste Opfer auf dem Altar deS salomonischen Tempels verzehrt habe. Den unterworfenen Karthagern wurde das Opfer des Hundes vom römischen Feldherrn Marin» untersagt, während wiederum die Griechen tu den Tagen der Herr­schaft de»SeirioS" dem AeSculap al» Gott der Heilkunde

Dertopr, Cxmb« tmO Dolf» wirt

Postalisches. Zur Verminderung und Erleichterung des Baargeldumsatzes besteht bet der ReichSpostverwaltung seit dem Jahre 1883 die Einrichtung, daß die aus Postanweisungen auszuzahlenden Beträge den Empfängern nicht baar gezahlt, sondern auf deren Gtro- conto bei der Retchsbank gut geschrieben werden können. Diese Ein­richtung erspart den betheiltgten Empfängern die Zeit und Müh« deS Geldzählens für jede einzelne Zahlung, die Aufbewahrung des Geldes und die Beförderung desselben zur Reichsbank; sie verhindert, waS für die Abholer von Postanweisungen von besonderer Wichtig­keit ist, die Auszahlung der Beträge an Unberechtigte und vereinfacht das Verfahren insofern, als nicht über den Betrag jeder einzelnen Postanweisung, sondern über alle zur gleichen Zett überbrachten Postanweisungen zusammen ein Anerkenntnttz zu ertvetlen ist. Außer­dem werden durch da» Postgtroverfahren alle Gefahren und Weite­rungen beseitigt, welche mit der Geldbeförderung von Stelle zu Stelle, mit der Zählung deS Geldes und der Ausstellung vieler Etnzelquittungen verbunden sind.

An dem Giroauszahlungsverfahren können solche Empfänger von Postanweisungen Theil nehmen, welche zu den Gtrokunden der RetchSdank gehören und mindestens monatlich 1000 Mk. (in Ham­burg 500 Mk.) auf Postanweisungen empfangen. DaS Verfahren kann auch auf solche Personen Anwendung finden, welche zwar an einem anderen als dem mit dem Postgiroverfahren ausgeftatteten Orte wohnen, aber ihr Gtroconto bet der Reichsbankanstalt deS letzteren haben. In Hamburg tst daS Verfahren auch auf Gtro­kunden derjenigen Privatbanken ausgedehnt, welche ihrerseits tat Giroverkehr mit der Retchsbank stehen.

Dte mtt dem Verfahren verbundenen Vortheile find im Lause der Jahre von den betheiltgten Kreisen immer mehr erkannt worden, so daß die neue Einrichtung von Jahr zu Jahr einen erfreulichen Fortschritt genommen hat. Ende März 1897 bestand die mit nur 91 Theilnehmern in Berlin ins Leben getretene Einrichtung bereits an 161 Orten.

ES betrug

die Zahl der Theilnehrner 3071 33,1 pCt. der zum Beitritt be­rechtigten Gtrokunden,

dte Zahl der jährlich durch Giroverkehr beglichenen Postanweisungen 9,337,076 15,9 pCt. der an den bethetligten Orten über­haupt etngegangenen Postanweisungen,

dte Summe der jährlich durch Giroverkehr beglichenen Postanwet» sungsbeträge 655 Millionen Mark 19,5 pCt. der an den be­thetligten Orten überhaupt ausgezahlten Postanweisungsbeiräge. Hiernach hat der Postgtrooerkehr in der verhältnißmäßig kurzen Zeit seines Bestehens bereits einen namhaften Umfang erreicht. Indessen ist das Verfahren noch einer erheblichen weiteren Ausdeh­nung fähig, da von 9283 zur Tbetlnahme berechtigten Inhabern eines Girocontos bet der Retchsbank noch nicht der dritte TheU dem Verfahren beigetreten ist.

Durch den Postanwetsungs-Girooerkebr werden alle beim Baar- verkebr betheiltgten Stellen entlastet, dte Baarsendungen vermindert, der Umlauf der Zahlungsmittel beschleunigt. Angesichts dieser wirthschoftlichen Vortheile tst es in hohem Maße wünschenswerth, daß die Ueberzeugung von dem Nutzen der Einrichtung noch mehr als bisher in dte betheiltgten Kreise dringen möge.

und der Hygteia Hunde darbrachten. Man wollte auf diese Weise den rücksichtslosen HuadSstern, der durch seine nieder- drückende Hitze die HuudSwuth uud andereUebel des Leibes" bei der Menschheit erzeugte, mit Hundsopfern ver­söhnen, denn schon im grauen Alterthum suchte mau dem bekannten Grundsätze zu huldigen:Wenn man vom Hunde gebissen wird, muß man Hundehaare auf die Wunde legen", d. h. der Urheber deS Schadens sollte auch zugleich der au», bessernde Arzt sein, waS noch bei anderen symbolischen Heil­weisen voll Aberglauben» beobachtet wurde und noch wird. UebrigenS ist ja der 16. August, der in die Hund»tags- periode fällt, dem heiligen RochuS gewidmet, welcher vom Hunde (roquet) seinen Namen erhalten und, von einem Hunde begleitet, gegen die Pest augerufen wird. Die alten Römer opferten jährlich beim Beginn der gefürchtetendies caniculares einen braunen Hund, um den Sirius zu be­sänftigen, ja, e» soll noch zu unseren Zeiten in England vorgk kommen sein, daß man in den HundStagen hin und wieder Hunde tödtete, um vor der Tollwuth sicher zu sein.

Der uralte Glaube an die schädliche Einwirkung deS SiriuS auf die Gesundheit de» Menschen hat sich aber er­halten bis auf den heutigen Tag. Noch um» Jahr 1674 schreibt Anhorn in seinerMagtologia":Die Erfahrung selber bezeugt, daß bey aufgehendem Hundsstern gern hitzige Fieber entstehen, vnd wenn irgend an einem Orte pestileuzia- lische Seuchen grasfiren, solche demzumahlen am heftigste« wüthen." Wie Lcoprechting aus der bayerischen Lech- gegend berichtet, darf man in den Hundstagen weder baden noch Ader lassen, ein thörichter Glaube, der auch in Schwaben herrscht und zwar unter der Begründung des letzteren Ver­bots,weil alles Wasser vergift ist. Zum deutlichen Zeichen dieser schlechten Beschaffenheit de» Wassers sieht man um jene Zeit in den meisten Wasserlachen dieHundSköps', giftige Thierchen herumschwimmen" (Birlinger:Au» Schwaben"), womit die unschuldigen Kaulquappen gemeint find.

(Schluß folgt.)