Ausgabe 
29.6.1897 Zweites Blatt
 
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1897

Dienstag dm 29. Juni

Nr. 149 Zweites Blatt

I

Aints- und Anzeigeblatt für den "Kreis Gieren.

chratisöeikage: Hießener Aamitienökätter

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de« folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Sonn. 10 Uhr.

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Gefahr zurückziehen kann. Da« Weibchen ist bedeutend größer als daS Männchen, so daß letzteres sich seiner besseren Hälfte nur mit großer Vorficht zu näheren wagt, da fürchten muß, vor Liebe aufgefreffen zu werden. Beachtenswerth ist die prophetische Begabung der Spionen. Sie find als Wetterpropheten berühmt und geschätzt, da sie gegen Aende« ningen tu den Strömungen der Luft ungemein empfindlich sind und den Wechsel derselben mehrere Stunden vorher an- zeigen. In einer Specialschrist über diesen Gegenstand finden wir nachstehende Winke zum Verständniß der Spinnen. Prognosen: Die Wtnkclsptnnen versprechen gutes Wetter, wenn fie uns aus ihrem Gewebe den Kopf zeigen und ihre Füße weit vorstrecken- ferner wenn fie ihre Gier legen. An- haltend schönes Wetter steht bevor, wenn fie ihre Beine möglichst weit von sich auSftrecken und wenn sie NachtS ihr Netz vergrößert haben. Regen tritt ein, wenn fie sich in ihrem Gewebe ganz umkehren und uns ihren Hinterthell zeigen. Eine HauSspinne war eS, welche Christian II. von Dänemark in seinem Kerker so an sich gewöhnte, daß sie auf seinen Ruf herbeietlte und Nahrung von ihm entgegennahm.

Doch waS für ein langbeiniger, steifer Geselle wackelt, von UNS aufgescheucht, über den Fußboden. ES ist ein Kacker. Au anderen Orten heißt er Tod, Schneider, Schuster, in Büchern Weberknecht. Abergläubische Menschen meinen, daß er, Abends gesehen, Glück, Morgens Unglück bringe und baß mau ihn in letzterem Falle todttreten mllffe. Das ist natür- lich eine Grausamkeit, denn der Kanker ist ein harmloser, so« gar nützlicher Geselle. Er spinnt nicht nur kein Netz, dadurch unsere Zimmer verunzierend, sondern geht auch NachlS eifrig auf die Jnsektenjagd. Behend versteht er seine Beute im Laufe zu erhaschen, überhaupt zeigt er sich NachtS als ein munteres, aufgewecktes Thterchen, daS sogar mit seinesgleichen luftig zu spielen pflegt. Kinder spielen ihm ost grausam mit, indem fie ihm die langen Beine herauSretßen, um die stunden« lang dauernden Zuckungen dieser nervenreichen Glieder zu bewundern.

Wir zählen indefien nock mehr Spinnenthiere als die HauSspinne und den zu den Afrersptuuen gehörigen Kanker , zu unseren Stuben«, resp. HauSgenosien. Nehmen wir ein« mal den alten Kalender dort von dem Bücherbrett, schütteln wir den Stand ab und forschen zwischen den einzelnen Jahr­gängen. Richtig, da haben wir schon, waS wir suchen. Sin

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Vierteljähriger Avonnementspreiar 2 Mark 20 Psg. «it Bringerlohn.

Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Psg.

Redaction, Expedition und Druckerei:

Kchulstraße Ar.?. Fernsprecher 51.

3 Millimeter langes, borstenbesetztes Kerlchen mit lange« Scheerentaftern, der Bücherscorpion, dem wir häufig unter alten Papieren und in Schränken begegnen. Meist büßt der Arme die Entdeckung mit dem Tode, denn der Entdecker sieht ihn für einen Feind seiner Bücher an. Grundfalsch! Gerade der Bücherscorpion hilft un- unser gedrucktes Etgenthum von Milben und Staubläusen zu befreien. Dagegen verdient jenes rasche kleine Insekt mit dem silberglänzenden, spindel­förmigen Körperchen keine Schonung. ES ist ein sogen. Fischchen oder ein Zuckergast. Tags über hält eS sich, wenn eS nicht gestört wird, in dunklen Schlupfwinkeln, wie Ritzen, Balken u. s. w. auf, des NachtS gehr es in Küchen und Speisekammern zu Gaste und benagt alles, was ihm in den Weg geräth. Vor allem ist es ein Freund von Süßigkeiten, daher der Name.

Doch was ist daS sür ein leises Klopfen? Klingt eS nicht wie daS Ticken einer Uhr? Wir wissen, daß eS ein kleiner Käfer ist, welcher dieses seltsame Pochen hervorbringt. Abergläubische Personen bezeichnen daS Geräusch als daß Ticken der Todtenuhr und behaupten, ein Kranker, der diese Uhr klopfen höre, sei dem Tode verfallen. Der Käfer wird daher Todtenuhr genannt, man bezeichnet ihn jedoch auch als denTrotzkopf", weil er sich hartnäckig todt stellt, wenn wir ihn überraschen. DaS Ticken Hai etwa dieselbe Bedeutung, wie daS Zirpen der Heimchen. Männchen und Weibchen ver« künden sich gegenseitig ihre Anwesenheit oder locken einander herbei. Den regelmäßigen Ton bringen fie hervor, indem fie den Kopf vorschnellen und mit Stirn und Vorderwaud deS HalsschlldeS gegen das Holz schlagen.

Doch eS ist Zeit, unsere Excurfion sür heute abzubrecheu. Am Ziele find wir freilich noch lange nicht. Unser Wohn« zimmer ist eine wahre Fundgrube für den Wissensdrang, natürlich im Allgemeinen gesprochen. Roch mancherlei In« teressanteS gäbe eS zu erzählen von den Schwaben, Heimchen, Mäusen, Kellerasseln, den Mücken und Wespen, die fich zeit­weilig hineinoertrren, den Bewohnern unseres Fischglases und Aquariums, unseren Vögeln und Zimmerpflanzen. Selbst daS Streichhölzchen, mit dem wir uns die Cigarre anbrenueu, könnte uns Anlaß zu einer interessanten Betrachtung bieten. Vielleicht setzen wir ein andermal unsere Sntdeckangsreise durch daö Wohnzimmer fort.

yp.M.imk.b.1905 10L- A.U.wk.b.1905 10L- .OLunf.b.1906 101.- rtb.8Limtb.1900 10150

Alle «nnonccn.Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für dmGießener Anzeiger" mtgeg«.

Hichtm ta mtWn jralchadr toto|ratn.

Opernhaus.

Dienstag den 29. Juni: Hans Helling Mittwoch den 30. Juni: Cyclus klalstscher Dramen. Achter Abend: Wi Helm Teil (Schauspiel). Donnerstag den 1. Juli: Königskinder. Freitag den 2. Juli geschlossen. Samstag den 3. Juli: Waffen-

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!t Vorstand.

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Bekanntmachung.

An die Abhaltung des auf den 1. Juli d. I. in Ehringshausen anstehenden Viehmarktes werden zur Ver­hütung der Verschleppung der Maul« und Klauenseuche folgende Bedingungen geknüpft:

1. Für den Auf« und Abtrieb der Thiere ist je eine bestimmte Stelle zu schaffen. Die Benutzung anderer Stellen für den Auf. und Abtrieb, ebenso daS Handeln mit Vieh außerhalb des Marktplatzes ist verboten.

Der Auftrieb beginnt um 9 Uhr Vormittags.

2. Auf den Markt dürfen nur Thiere aus seuchefreien Orten, deren Führer mit gültigen behördlichen Ursprungszeugnissen versehen sind, aufgetrieben werden, Thiere von Händlern aber nur dann, wenn in jenen Ursprungszeugnissen weiter bescheinigt ist, daß die Thiere sich die letzten sieben Tage in un« verseuchtem Zustand in seuchefreien Orten befunden haben.

Im Uebrigen gilt für die Einführung von Händlervieh in den Kreis Wetzlar die in Nr. 159 des Wetzlarer Anzeiger- vom 11. Mai 1897 veröffent-

Feuilleton.

Eine Entdeckungsreise im Wohnzimmer.

Von Hermann Grelling.

(Schluß.)

Doch zurück zu unserer Stubenfliege. Wir haben ihre Biographie noch nicht beendet, denn die Lebensbeschreibung eine- Individuum- muß doch natürlich mit seinem Tode aufhöreu. Was nimmt unsere Stubenfliege für ein Ende? Vielleicht haben wir schon alle die Wahrnehmung gemacht, daß im Herbste oftmals die vorher so zahlreichen Fliegen wie weggeblasen sind. Wo find fie hingekommen? Wer schärfer beobachtet, dürfte leicht eine Antwort hierauf finden. Tr hat gewiß schon tobte Fliegen mit ausgespreizten Beinen und Flügeln an Wänden und Fensterscheiben hängen sehen, mit geschwollenem Leib und weißen Ringeln am Hinterleib. DaS ist die Art, wie die Natur unter den kleinen Plage­geistern aufräumt. Sie find die Opfer einer durch einen Pilz verursachten Krankheit, die im Herbste Massen von ihnen dahinrafft. Wenn wir unseren Widerwillen überwinden und einen solchen Fliegenleichnam von der Wand ablöseu, so sehen wir, daß er durch einen zarten Schimmel feftgehalteu wird, eben jenem Pilz, der uns von dem Ungeziefer

Nicht jeder verträgt

Milch und doch läßt sich diese sehr nahrhafte Speise bedeutend leichter verdaulich machen, wenn mit Brown u. Polsons Mondamin 5 bis 10 Minuten durchgekocht, eben nur so viel von diesem, vag sie ein wenig seimig wird. Mondamin besitzt den Vorzug, das Gerinnen der Milch im Magen zu verhindern und wirkt außerdem durch seinen eigenen Wohlgeschmack anregend zum Genießen. Zusatz von etwas Salz und Zucker, wie auch Cttrone, Vanille rc.,,ie nach Belieben erhöhen den Geschmack. Für die gute Qualität bürgt am besten daS mehr denn 50jahrtge Bestehen dieser weltbekannt«,, schottischen Firma. Es ist zu haben in Packeten t 60, 30 u. 15 Pf.

Engroö bei Türk u. Pabst, Frankfurt a. M. 3134

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Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.

Die Gießener AlamiktenSkälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelrgt.

Gichmer Anzeiger

Aenerat-Mnzeiger.

befreit.

Setzen wir unsere Entdeckungsreise fort. Winkel erblicken wir das Netz einer Spinne, nenau hin, so finden wir die Verfertigeriu selbst, d e im Winkel au( Beute lauert. ES ist die Haus« ober Winkel­

spinne, und daS Netz ist ihr Fangapparat, den sie aus folgende Weise herftellt:Bei Begründung eines solchen befestigt die Baukünstlerin einige Zoll von der Ecke einen Faden an die Wand, spaziert im Winkel nach der anderen Seite und zieht den Faden straff an, worauf sie daS eben errichtete Fundament durch mehrmaliges Hin« und Hergehen verstärkt. Mit Benutzung dieser Brücke wird nun ein -«etter, hierauf ein dritter Faden angelegt, bis daS Dreieck auSgefÜllr ist. Senkrecht zu diesemZettel" verlaufende Faden bilden denEinschlag", und daS Fangnetz ist fertig." Daraus sab- ricirt sich die HauSspinne noch eine Art Röhre, die in ein Loch ober eine Spalte mündet, wohn fie fich bei nahender

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schmied. Sonntag den 4. Juli: Letzte Opern-Vorstellung vor den Ferien: Undine. Montag den 5., Dienstag den 6. unb Mittwoch den 7. Juli geschlossen. Donnerstag den 8. Juli: Bet ermäßigten Preisen. EycluS klassischer Dramen. Zwölfter (letzter) Abend. Hermannschlacht.

SGaufptetHaus.

Dienstag den 29. Juni: CyciuS klassischer Dramm. Siebenter Abend: Sappho. Mittwoch den 30. Juni geschloffen. Donnerstag den 1. Juli geschlossen. Freitag den 2 Juli: CycluS «asfischer Dramen- Neunter Abend: Richter von Zalamea. SamStag dm 3. Juli: Goldfische. Sonntag dm 4. Juli: E h a r l e y s Tante. Hierauf: Der Atz em er und sein Sohn. Montag den 5. Juli. Officielle Frau.___________

Verfcbe, £an». nnö Volfsivirtbicbaft.

Gründer« 26. Juni. Fruchtpreise. Weizm X 15,20, Korn X 14,50, Gerste X 14,00, Laser -*_^M), Erbsm ** 00,00, Ltnsm X 00,00, Wickm X 00,00, Lein X 00,00, Kartoffeln X 5,86, 23. Juni. Heute sand der eigentliche Vtehmarkt deS so berühmten Herchenhainer Johannt-MarkteS statt. An Rindvieh war verhältnißmäßig wenig aufgetrieben, etwa 60 Stück, meistens Rinder, wovon da« Stück einjährige mit 120 bis 130 verkauft wurde, das Stück zweijährige Rinder kostete 160 bis 170 Mark. An Kühen waren nur einige da, doch wurden dieselben meistms verkauft, das Stück durchschnittlich für 240 bis 270 Mark. Saug­kälber und fettes Rindvieh war nicht da. Der Handel in Rindvieh war ziemlich lebhaft. Allgemein sind die Preise tm Steigen begriffen infolge der günstigen Futter-.Ernte-Ausfichten. In Schweinen war der Markt gut besahrm, es waren etwa 600 Stück Schweine aus- getrieben, meistens FrühjahrSferkel, sogenannte Läufer. Das Paar wurde verkauft durchschnittlich zu 80 bis 120 Mark. Junge Ferkel, 6 dtS 7 Wochen alt, kosteten 80 bis 38 Mark, fette Schweine daS Pfund Schlachtgewicht 46 btS 48 Pfg. An Zuchtschwetnen warm etwa 90 Stück aufgetrieben und wurde hiervon ziemlich verkauft.

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Gießen, den 26. Juni 1897.

Betr.: Die Strafregister: hier die Nachweisungen der im 1. Halbjahr 1897 verstorbenen bestraften Personen.

Der Großherzogl. Erste Staatsanwalt beim Landgericht der Provinz Oberheffen

«u sämmtliche Ortspolizeibehördeu des Kreises.

Sie werden ersucht, die obenerwähnten Nachweisungen bezw. Fehlanzeigen bis zum 1. August 1897 ohne nochmalige Erinnerung an mich einzusenden.

Dr. Güngerich.

lichte polizeiliche Anordnung deS Herrn Regierungs- Präsidenten zu Coblenz vom 13. April 1897.

3. AuS dem Großherzogthum Hessen, dem Dillkreise und dem Kreise Marburg dürfen Rindvieh, Schweine und Schafe Überhaupt nicht aufgetrieben werden.

4. Bei dem Auftrieb der Thiere hat der EigenthÜmer ober Führer dem anwesenden Polizeibeamten daö unter Nr. 2 erwähnte UrsprnngSzeugniß vorzuzeigen.

Außer von der Controle der Ursprungszeugnisse ist der Auftrieb von der vorherigen Besichtigung und Nichtbeanstandung der Thiere durch den Kreis« thierarzt abhängig.

Wetzlar, den 23. Juni 1897.

Der Königliche Landrath.

Unterhaltungen in Bad-Nauheiw.

Die Kurcapelle spielt täglich Morgen« von 7 bis 8 Uhr am Kurbrunven, Nachmittags unb Abends stehe unten, bet weniger als 10° R. Wärme tm großen Spetsesaale des Kurhauses.

Dienstag den 29. Junt, Nachmittags von 4»/, bis 7 Uhr: Concert der Kurcapelle auf der Terrasse. Abends 8 Uhr tm Saale: Concert der Köntglich Sächsischen Hosopernsängertn Fräulein Erika Wedekind unter gütiger Mitwirkung von Frl. Mari, Ltenkamp und der Kurcavelle. Mittwoch den 30. Juni, Nachmittags von 5 bis 7 und von 8 bi« 10 Uhr: Concert der Kurcapelle auf der Terrasse, von 5 btS 7 Uhr Operettenconcert. Abends 8 Uhr tm Saale: Theater­vorstellung. Trilby. Donnerstag den 1. Juli, Nachmittag« von 4 bis 7 und von 8 bis 10 Uhr auf der Terrasse Concert der Capelle des 5. Großh. Hess. Infanterie-Regiments Nr. 168 AberdS 8 Uhr tm Saale Tanz. Freitag den 2. Juli, Nachmittags von 4 bis 7 Uhr: Concert der Kurcapelle auf der Terrasse. Abends 8 Uhr tm Saale: Theatervorstellung unter Mitwirkung der Kmcapelle. Gastspiel von Frl. Hedwig Schacko vom Opernhause in Frankfurt a.sM. Marie, di« Tochter des Regiment«. SamStag den 3. Juli, Nachmittags von 5 bis 7 unb von 8 bis 10 Uhr: Concert der Kurcapelle auf der Terrasse. Abends 8 Uhr im Saale: Concert von Lilltan Sanderson unter Mitwirkung von Arthur Speed (Clavler.)