*g!
10824
«tbititn, 10' ’5, ä0 U
irasse 1.
tler
ingerem Leiden bei geworben ist.
■t Pfarrer.
November, M 10840
8650
iemit die traurige ! liebe Echivester, f Pfeiff« N-
bereif;
chtvister.
: 1891.
. b. M-, M-
jUL 10842
40, Mk- 4,30 rosten-
1897
Nr. 27S Zweites Blatt. Samstag den 27. November
Der
>ic|eutr Anzeiger erscheint täglich, eilt Ausnahme deS Montag».
Die Gießener
A^mirienvtätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
icßciter Anzeiger
Keneral-Wnzeiger.
Bierteljährig« AöonncmeutLpreiLr 2 Mark 20 Pfg. eU vringerlohn. Durch die Post bezog» 2 Mark 50 Psg.
Rebaction, Lxpeditiov und Druckerei: Kchntstratze Ar.t.
Fernsprecher 51.
Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Giefzeir.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für de, folgenden tag erscheinenden Nummer bi« Bor». 10 Uh».
Hratisöeilage; Hießener Kamitienülatter.
Alle Annoncen-Vnreaux de« In- und Auslandes nehm«» . Anzeigen für de» „Gießener Anzeiger- entgegM.
Amtlicher Theil.
vekauutmachuug.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Schrcinermeister Heinrich Zimmer IX. zu Lich zum Ersatzmann des Vertrauensmannes aus dem Kreise der Arbeitgeber an Stelle des Zimmermeisters Friedrich Eise zu Lich von der Invalidität«- und Altersverficherungs-Anstalt Großherzogthum Hessen ernannt worden ist.
Gießen, am 24. November 1897.
GroßherzoglicheS KreiSamt Gießen, v. Gagern.
Bekanntmachung, die zu veranstaltenden Erhebungen für den diesjährigen Jahresbericht des FabrtktnspectorS für beide FabriktufpectiouS- bezirke betreffend.
Die rubrtcirteu Erhebungen sollen, wie bereit» im Jahre 1895, in der Weise bewirkt werden, daß sür jeden der Ausficht uuterltegeudeu Gewerbebetrieb von dem Gewerbeunternehmer selbst ein besonderer Fragebogen autgefüllt wird. Diese Fragebogen werden in den nächsten Tagen den Gewerbeuvteruehmern von den OrtSpolizeibehördeu zur Ausfüllung übermittelt werden. Wir weisen die Gewerbeunternehmer hierdurch darauf hin, daß sie nach § 139b, Abs. 5 der Gewerbeordnung verpflichtet find, die gewünschten statistischen Angaben innerhalb der vorgeschriebenen Frist und tu der vorgeschrtebenen Form zu machen, widrigenfalls sie im UaterlaffungSfalle nach § 149, Abf. 1, Nr. 7 der Gewerbeordnung sich strafbar machen würde». Da die OrtS- Polizeibehörden von unS angewiesen find, bi» zum 1. Januar 1898 die ausgefüllten Fragebogen wieder einzusenden, so wird rechtzeitige Aussülluug Seitens der Unternehmer erwartet.
Soweit Fragebogen für Betriebe auSzufülleu find, welche nur zu gewissen Zeiten des Jahres betrieben werden, find die für die Zett des Betriebs solcher Anlagen im Jahre 1897 gültigen Arbetterzahlen in dieselben einzutragen. Tewerbeunteruehmer, deren Betrieb der Aufsicht des Fabrik-
iuspector» unterstellt ist und die keinen Fragebogen zugestellt erhalten, wollen solchen bei der Polizeibehörde reklamiren.
Gießen, den 22. November 1897.
GroßherzoglicheS KreiSamt Gießen, v. Gagern.
Gießen, den 22. November 1897.
Betr.: Wie oben.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Großherzoglicheu Bürgermeistereien «nd Polizeibehörden des Kreises.
Unter Bezugnahme auf unser heutige» Ihnen besonders zugehendes Amtsblatt ohne Nummer machen wir Sie auf vorstehende Bekanntmachung noch ausdrücklich aufmerksam.
v. Gageru.
CoceUi unö provinzielles»
** Die neu Serie der Kartenbriefe gelaugt gegenwärtig schon in Berlin tu einzelnen Postämtern zur Ausgabe. Reben besserer Gumwtrung weist der vtelbemängelte Frankaturvermerk auf der Rückseite nunmehr die folgende Fassung auf: „Da» Briefporto ist für Kartenbriefe bet etufache« Gewicht 10 Pfg. für Deutschland, Oesterreich-Ungarn einschließlich voSnten und Herzegowina, Greuzverkehr (30 Kilometer) mit Belgien, Dänemark, Rlederlande und der Schweiz, für die übrigen Länder 20 Pfg.*
•• Die Invalidität»- «ad Alterl-ver-cher«uglaustalt des Großherzogthum« Hessen defiadet fich, so w,rd der „Frkf. Zi»-* geschrieben, zur Zett tu einem Dilemua: sie möchte gerne einen Theil der großen Lapitalien, die sich bet ihr angesammelt haben, zur Errichtung von v o l k» h e t l st ä t t e u behuf» Bekämpfung der Tuberkulose verwenden, weiß aber sehr wohl, daß fie nur daun berechtigt ist, Kranke auf ihre Kosten in Pflege zu nehmen, weun zu erwarten steht, daß die in Pflege Genommenen auch wieder erwerbsfähig werden, und so fich die aufgewaudteu HetluogSkosten durch den späteren Ausfall von Invalidenrenten lohnen. Nun ist die Institution der BolkSheilstätteu noch zu neu, um statistische» Material bezüglich der Heilerfolge bet Tuberkulose bereit« geliefert zu haben, das allein die Aufbringung großer Lapitalien sür den Bau einer eigenen Heilstätte rechtfertigen könnte. Deshalb
beabsichtigt der Vorstand der heffischeu Anstalt durch die Gewährung eine» relativ kleinen Darlehens den Bau einer Prtvathetlanftalt zu subventiouiren, die ausschließlich für die Zwecke der Versicherung zu errichten und außerdem jederzeit zum Selbstkostenpreis von dem Besitzer an die Versicherung käuflich abzutreten wäre, wenn diese eS tm Laufe der Zeit vorzteheu sollte, eine eigene Anstalt zu besitzen. Aus dtese Weise hätte die hessische JovaliditätSverficherung vorläufig alle vorthetle einer eigenen Anstalt, ohne deren Rtfiko zu tragen, und könnte jederzeit eine eigene Anstalt haben durch einfache käufliche Uebernahme de» PrtvattnstitutS, wenn fich eben allmählich die Verhältnisse so weit klärten, daß eine derartige Lapttalaulage von Seiten der verficherung gerechtfertigt erscheint. E« kann dieser Gedanke al» eine gute Lösung der momentanen Schwierigkeiten betrachtet werden.
•• Zu den kreise» der Post-Unterbeamten wird, nach einer Meldung de» „Berl. Loc.-Anz.", eine Massenein- gäbe an den neuen Leiter des Reichspostamt» vorbereitet, worin eine Anfbefferung ihrer L-ge nach mehrfachen Richtungen befürwortet wird. So regen fie eine Verminderung ihrer Dienststunden von 70 und mehr auf 60 Stunden in der Woche unter gleichzeitiger Beschränkung de» Sonntag»dienste» auf da» thunlichft geringste Maß, die Gewährung eines alljährlichen Urlaubs von sieben 61» zehn Tagen, die Anrechnung der Miliiärdienstzeit auf da» Be- foldungSdienstalter, die unbedingte, unkündbare etatSmäßige Anstellung nach Ablauf bestimmter Dienstjahre (etwa zwölf), die Erhöhung de» Anfang»- uab Höchstgehalt» auf 1000 beziehungsweise 1800 Mk., eine Reform des BestrafungSwejenS, die Einsetzung eine» unparteiischen DiScipltnargerichtS, bestehend aus Beamten und Unterbeamten in gleicher Anzahl, die Einführung einer leichten Sowmerkleidung und endlich die Bezeichnung „Herr" in der Anrede Seiten» der Vorgesetzten an.
-f- Nidda, 25. November. An Stelle des verstorbenen Herrn Dr. Prinz hat fich Herr Dr. Wehnervon Groß-Gerau heute als prscrischer Arzt dahier niedergelassen. — Der nächste h'efige Markt findet am 7. und 8. December statt.
■Ä* Dis ntaen Frrtterbretter für Vögel, die der hieffge Tdierschntzverei« in nnseren Anlagen an verschiedenen Bäumen hat audringen taffen, werden hiermit de» Schutz« de» Pubtiknm» empfahlen.
Feuilleton.
Das Tüpfelchen auf dem i.
Von E. Ritter.
(1. Fortsetzung.)
Der Herzmuskel Gründlich» begann fich wieder zu regen. Das mußte anders werden. Sollte er es wagen, ahne tieferen Einblick in Magda« Charakter frischweg um sie zu werben? Nein, niemals! Aber wa» sonst? Die zu corrigirenden Arbeiten ruhten, Gründlich dachte nach. Plötzlich stieß er einen frohen Rus an». Er hatte e»I Er gab einen Weg — die Graphologie mußte ihm helfen. Gründlich war sehr sür Graphologie. DaS war so recht eine Wissenschaft nach seinem Sinne. Tr hatte fich selbst schon vielfach damit beschäftigt und auch vor längerer Zeit bereit» eine Probe seiner eigenen Handschrift an einen der ersten Schriftdeuter geschickt. Da» Resultat war überraschend gewesen, der ganze Mustermensch, der er zu sein glaubte, war bi» auf den kleinsten Zug an» den steifen Linien seiner Schrift herauSgedeutet worden. Das hatte ihm damals große Freude gemacht. Jetzt nun sollte ihm die Graphologie in der wichtigen Frage bienen; dazu wußte er vor allen Dingen ein Autogramm von Magda besitzen. Aber wie sollte er dazu gelangen? Ein Schreibalbum besaß er nicht, «r konnte fich auch unmöglich eines zutragen und Magda zuerst bitten, fich in dasselbe einzutragen. Sie würde ihn schön auSlachen. Die Zeiten, da ernsthafte Männer fich von i tzren Freunden und Freundinnen geistreiche Verse in« Stammbuch schreiben ließen, find ja längst vorbei. Höhere Töchter- s chülerinneu thunS höchstens noch.
Und doch — er wußte das Autogramm haben, mußte er« bald haben, um aus der Ungewißheit und Unruhe, die iihn bereit» in seinem BerufSgeschäfte zu stören drohte — drabei warf er einen Blick nach den Heften — heran«- z -kommen. Er wollte wissen, woran er war. Halt! So tonnte e» gehen. War doch heute SamStag. Nachher um sirchS Uhr sollte er Fritz Gendoer, Magda» Bruder, der lange tränt gewesen und noch das Zimmer hüten wußte, eine I Drivatstunde geben. Der Gerichrsrath hatte ihn so dringend |
gebeten, dew Jungen nachzuhelfen, und ihm war die Ge- legenheit, öfters in die Familie zu kommen, sehr erwünscht gewesen.
Heute sollte ihm die Stunde zu etwas Anderem dienen. Der GerichtSrath war nicht zu Haufe,- er war ihm heute Morgen begegnet auf dem Schulwege und hatte ihm zu- gerufen, er habe eine TageStour vor. Magda war also allein. Der „Musterwensch" griff schnell nach einer Bifitenkarte und schrieb: „Hochgeehrte« Fräulein! Leider bin ich heute verhindert, die Stunde zu halten. Wollen Sie die Güte haben, da Ihr Herr Vater nicht hier ist, an den ich mich sonst gewendet haben würde, «tr nur durch einige Zeilen mitzutheilen, ob und um welche Zeit ich die Stunde morgen, am Sonntag, nachhalten kann. Ich möchte nicht, daß Fritz durch mein verschulde» zurückbliebe. Mit er- gebenstem Gruß —--*
bo, darauf mußte ihm Magda antworten, wohl oder Übel. Die Auswärterin erschien auf sein Klingeln und erhielt die Karte zur Bestellung, mit dem Befehl, auf Bescheid zu warten.
Schon nach wenigen Minuten kam fie zurück: ,(5tne Empfehlung von Fränlein Gendner, und der Herr Doctor möchte die Güte haben, morgen Nachmittag um drei Uhr zu kommen."
Da hatte er'» — mündlichen Bescheid! Und er hatte doch ausdrücklich um „einige Zeilen" gebeten. Oberflächlich, flüchtig, wie er gefürchtet. ES war ihr schon zu viel, die Feder zur Hand zu nehmen und ihm so zu antworten, wie er e» erbeten. Sie hätte fich doch Überlegen müssen, daß er da- nicht ohne Grund gethan. Was nützte ihm nun die aufgeschobene Stunde? Seufzend zog Gründlich endlich die Hefte wieder näher, schüttelte energisch alle überflüssigen Gedanken ab und vertiefte fich in die Arbeiten seiner Secundaner. —
Am folgenöen Nachmittag pünktlich um 3 Uhr begab er fich ins Nachbarhaus. Schon im Vorplatz tönte ihm helle» Lachen au» der Familienstube entgegen — Magda natürlich! Mein Gott, auch heute an diesem schauderhaften Regensonntag schien fie wieder besonderen Grund zur Fröhlichkeit zu haben. Ernsthafte Leute ärgerten fich, denn an einem Sonntag im
I Mai hatte man von rechtSwegen Anspruch auf schöne» Wetter- Gründlich klopfte an das Zimmer seines Schüler» au unb vertiefte fich alsbald mit demselben in die gehelwnißvolleu Formeln der Algebra.
Al» es vier Uhr schlug, erhob er sich und fragte de« Jüngling Fritz, ob der Herr GerichtSrath zu sprechen sei, — er mußte fich doch noch entschuldigen wegen der verlegte« Stunde. Gründliche Menschen versäumen so etwa« rncht. Fritz öffnete ihm bereitwillig die Thür zum Wohnzimmer unb btt bot fich ben Augen beö Oberlehrer» ein gar behagliche« Familienbilb. Der Hausherr saß auf bem Sopha am zierlich gebeckten Kaffeetisch unb rauchte seine Cigarre. Magba hatte ihm zur Seite mit einer Handarbeit Platz genommen unb Max, ber jüngste Sproß beS Hauses, ein hoffnungsvoller Quintaner, stützte ben Arm auf den Tisch unb beugte sein Haupt über einen bieten Schmöker, sicherlich ben Leberstruwpf.
Mit großer Herzlichkeit empfing man Grünblich und nach einigem Hin- und Herreben forberte ber Rath ihn auf, doch, wenn er nichts Besseres vorhabe, eine Taffe Kaffee mit- zmrinken — bei bem Regenwetter könne man ja gar nicht» weiter ansangen. Mit fast zu lebhafter Zustimmung nahm Grünblich an unb fügte, um tiefe etwa» zu milbern, bei „wenn er nicht störe".
„Stören, nein, im Gegentheil,- rief Magba, ,e» gißt ja nichts Hübschere», als so gemüthlich tm Zimmer zu fitzen unb zu plaudern, wenn es braußen stürmt nno regnet — ach, da« liebe ich so — gerade SonrnagS, wo Jede« im Hause Zeit hat, freue ich mich übet« Regenwetter.-
Merkwürdig," dachte Gründlich, ,ba« Mädchen freut sich in der That Über Dinge, die normale Menschen ärgern." Ueberhaupt, fie schien baS ganze Dasein sehr von ber leichte» Seite zu nehmen, lachte und scherzte mit ben Brübern, neckte ben Papa unb strahlte habet mit bem ganzen hübschen Gesichtchen. Uab sonderbar — der Doctor fand trotzdem die Situation nicht einmal unbehaglich, er besann fich bald gar nicht wehr Über Magba« Wesen, sonbern ließ fich umspinne» vom Zauber beffelben, als wenn er kein ernsthafter Oberlehrer, sondern ein verliebter Primaner wäre.
(Fortsetzung folgt.)


