- Die siebente Ruder Regatta verlief gestern, von schönem Wetter begünstigt, tn derselben Weise, wie die früheren. Trotzdem die Sonne ihre Strahlen recht eindringlich auf die Erde uiedersandte, hatte sich auf dem BootSplatz ein zahl- reiche- Publikum eingefunden, um Zeuge der im wahrsten Sinne de» Worte» heißen Kämpfe der von au»wärt» erschienenen Radergäste zu sein. Unsere Rudergesellschaft war allerdings vom Glück nicht begünstigt, denn unter den vier gemeldeten Rennen führte nicht ein» zum Siege. Sowohl die beiden Vierer, wie der Einer fielen schon im Bor- rennen aus, während beim Achter um den GroßherzogpreiS schon beim Borrenneu die Oberroder Rudergesell^chaft mit ca. 41/* * Secunden die hiesige Rudergesellschaft hinter sich ließ und damit entschied, daß Gießen beim Hauptrennen über- Haupt nicht zum Starten kam.
Nachstehend laffeo wir den Verlauf der Hauptreuneu folgen :
Einer für Juniors. Ehrenpreis, gestiftet vou Freunden des Rudersport-, nebst 1 Ehreuzeichea: 1) Mainzer Ruderverein 8 Mtn. 11 Sec., 2) Ruder-Club Wüten 8 Mio. 351/, Sec.
Erster Vierer. Wanderpreis der Stadt Gießen. 6 Ehrenzetchell: 1) Mainzer Ruder-Beretn 7 Min. 17»/, gec , 2) Frankfurter Rudergesellschaft 7 Mtn. 26’/, Sec. Leicht gewonnen.
Dollenzweter für Junior». Ehrenpreis, gestiftet von den passiven Mitgliedern der Gießener Ruder- Gesellschaft, nebst 3 Ehrenzeichen: 1) Kreuzuacher Ruderverein 9 Mtn. 1’/, Sec-, 2) Ruderverein „Weser", Hameln, 9 Mtn. 19«/, Src. Sicher gewonnen.
Zweiter Vierer. Offen für Ruderer, welche nicht zu Rennen 2 genannt find. Ehrenpreis, gestiftet von dem Professoren Collegium der Universität, nebst 5 Ehrenzeichen: 1) Frankfurter Ruder - Gesellschaft „Sachsen- kaufen" 7 Mtn. 16 Sec., 2) Ruderverein Cassel 7 Mtn. 28*/5 Sec. Sicher gewonnen.
Einer, Lahn-Pokal, gestiftet vom deutschen Ruder- verband. Wanderpreis nebst 1 Ehrenzeichen: Frankfurter Ruderclub ging tn 8 Mio. '53*/, Src. allein über die Bahn, da die Gießener Ruder-Gesellschaft wegen der auf ärztliche- Anrathen erfolgten Verhinderung des Herrn Rüb- famttt nicht am Start erscheinen konnte.
Vierer für Junior» Ehrenpreis der Gießener Damen nebst 5 Ehrenzeichen: 1) Frankfurter Ruder- Gesellschaft „Sachsenhausen" 7 Mtn. 28’/, Sec., 2) Frankfurter Ruderverein 7 Mtn. 29*/, Sec. Im Ziel gewonnen.
Zweiter Einer. Ehrenpreis des Regatta Comitäs. 1) Offenbacher Ruder - Gesellschaft „Undine" 8 Mtn. 22’/, Sec., 2) Hanauer Ruder-Gesellschaft von 1879 8 Min. 56*/, Sec. Die Boote collidtrten auf halber Bahn, doch wurde Protest nicht eingelegt.
Dritter Vierer. Offen für Ruderer, welche noch kein offene» Rennen tn Vierer (AuSlege-Renuboot) gewonnen haben und nicht im Rennen Nr. 6 rudern. Ehrenpreis von einem Gönner des Rudersports: 1) Frankfurt er Ruder- Gefellfchafr „Sachsenhausen" 7 Mtn. 24’/, Sec., 2) Ruderverein Cassel 7 Mtn. 32*/, Sec. Ueberlegen gewonnen.
Achter, Großherzog Sprei». WanderpretS, verlachen von Seiner Königlichen Hoheit dem Grobherzog. 9 Ehrenzeichen: 1) Frankfurter Ruder-Gesellschaft „Sachsenhausen" 6 Mtn. 25*/, Sec., 2) Oberroder Ruder-Gesellschaft 6 Mw. 35’/, Src. Ueberlegen gewonnen.
Hierauf folgte die Preisvertheilung. Der2.Vor- sitzende des Regatta-Comitös, Herr Ernst Balser, leitete dieselbe mit einer Ansprache ein, in der er betonte, daß die heutige Regatta sportlich an die Seite der früheren gestellt werden könne, und die Hoffnung aussprach, daß die jungen Ruderer mit neuen Siegen den älteren Ruderern Vorgehen möchten. Er dankte dem ComirS, den Damen, den pafftven Mitgliedern und besonders dem Prosefforen Collegium, welche die Regatta mit Preisen bedacht. Herr Balser schloß unter Ausdruck der Hoffnung, daß die an der heutigen Regatta betheiligten Ruderer sich tm nächsten Jahre wieder sehen möchten, mit einem dreimaligen „Hip Hip Hurrah!" auf die allerhöchsten Protectoren des Rudersports, Se. Majestät den Kaiser und Se. Kgl. Hoheit den Großherzog.
Die prachtvollen Preise, von denen die „Sachsenhäuser" allein vier erhielten, wurden hierauf von den Vertretern der Stifter den Siegern überreicht. Da ein Unwetter aufzu- ziehen drohte, leerte sich der BootSplatz rasch- daS befürchtete Unwetter trat tadeß nicht ein und so sah der BootSplatz am Spätabend bei Lawpionbeleuchtung wieder ein zahlreiches Publikum, daS bei den Klängen der Musik, die auch Gelegen- heil zu einem im BootShause arrangirten Tänzchen gab, dasselbe biß'nad) Mitternacht zusammenhielt.
• • Am gestrigen Sonntage hielt der Verein „Frohsinn" (gegr. 1864) bei recht zahlreicher Betheiliguug sein dies- jähriges Sommervergnügen ab und zwar in Garben- heim bet Wetzlar. War die Stimmung zu Anfang schon durch die überaus günstige Witterung eine gehobene, so wurde selbige noch bestärkt durch die Reichhaltigkeit des Programm». Vorträge, Reden, Gesang, Tanz und Feuerwerk wechselten mit einander ab, sodaß jedem Theilnehmcr die Stunden gar rasch entschwanden und man sich trotz der späten Stunde nur ungern vom Festplatze zu trennen vermochte.
• • Feuer. Am SamStag Vormittag entstand durch die Unvorsichtigkeit einer Haushälterin in einer Villa aus der Frankfurterstraße ein Kamin brand. Die auS dem Schorn- steine hervorkommenden Flammen und die überaus starke Rauchentwicklung erregten da» Aufsehen der Nachbarschaft und der Paffanten. Ohne weiteren Schaden anzurichten, war der Schornstein bald au»gebrannt, sodaß die Feuerwehr nicht benachrichtigt zu werden brauchte. Diese allerding» glücklich abgelausene Gelegenheit möchten wir nicht vorübergehen laffeu, ohne Jedermann, besonders den Dienstboten und sonstigem Personal einzuschärfen, gerade jetzt in der trockenen, heißen
Jahreszeit äußerst vorsichtig mit dem Feuer und feuer- gefährlichen Sachen umzugehen.
• • Zimmerbrand Die 10jährige Tochter eine» Haus- befitzer» in der Ludwigstraße hatte gestern Abend eine Lampe angezündet und daS brennende Streichholz achtlo» fortgeschleudert. Dasselbe war tn einen Vorhang geflogen und entstand dadurch ein Zimmerbrand.
Unfall. In der Gartevwirthschaft „zum Schützen- hauS" vergnügten sich gestern Nachmittag eine Anzahl junger Leute auf drr Schaukel. Hierbei sprang ein 17jähriger Junge ab, während die Schaukel noch im Fluge war, blieb hierbei mit der Hose an einem eisernen Schraubengewinde hängen und wurde ihm ein großes Stück Fleisch auS dem Schenkel gertffeu. Nachdem ein Nothverbaud angelegt, wurde der Junge tn die Klinik gefahren.
* • Zwischen vudenbesitzeru und Backfteinmacheru kam » gestern Nachmittag auf demOSwaldSgarten zu einer Keilerei. Anzeigen wurden erhoben.
+ Nidda, 25. Juli. Heute Früh gegen 7 Uhr trafen mehrere Zigeunerfamilien per Wagen auS der Richtung von Ranstadt her in unserer Stadt ein und lagerten theilweise vor dem KarlShofe, während die Weiber in den Geschäftshäusern und bei Bauersleuten Lebensmittel für ihre Familien zu kaufen suchten. Hierdurch entstand in der Schloßgaffe ein kleiner Zusamwenlaul, da den Frauen verschiedentlich nicht geöffnet wurde und Unberufene die offenbar wohlhabende Wanderfippe sich zu entfernen hießen. Bet dieser Gelegenheit offenbarte sich wieder ein Stückchen Aberglauben unseres Volkes- als nämlich eine hiesige Wittwe vernahm, daß die „Heidenfrauen" ihre von einem Handelsmann gekaufte Waare baar bezahlt hätten, meinte sie: „Ach, da wird ja da» Geld bei ihm (dem Verkäufer) behext!" — UebrigenS wurde da» fahrende Häuflein noch vor 9 Uhr weiter befördert, nachdem eS — jedenfalls über die Begriffe von Mein und Dein — in Streitigkeit gerochen war.
B. Büdingen, 25. Juli. Ihre Zeitung brachte kürzlich einige Notizen über die Fürsorge, die die Regierung den sogen, erweiterten Volksschulen und höheren Bürgerschulen durch Zuwendung von größeren Geldbeiträgen erweist. Daß die Handwerkerschulen nicht minder bedacht werden, beweist die Thatsache, daß die hiesige erweiterte Handwerkerschule einen Zuschuß von jährlich 1500 Mk. und diejenige in Nidda einen solchen von 1400 Mk. erhält. Volksschule, Handwerk und Landwirthschaft (wir haben erst kürzlich die prächtigen Geldpreise in Ihrer Zeitung gelesen, die tm September in Dieburg zur Vertheilung gelangen sollen) finden also in gleicher Weise Förderung und Berücksichtigung.
A Mainz, 25. Juli. DaS von dem „Mainzer Journ." über daS Besitzrecht des in Mainz und Kastel demnächst frei- werdenden FeftuugSgeländes angeregte Thema hat in weitesten Kreisen großes Jntereffe hervorgerufen und mehr- festig Veranlaffung gegeben, zu Nachforschungen über die Richtigkeit der Sachlage anzustellen. Diese Nachforschungen haben, wie man uns von sachkundiger Seite versichert, dos Resultat gehabt, daß die vom „M. I." aufgestellte Behaup- tung richtig ist, und e« außer allem Zweifel steht, daß daS FeftungSgelände Eigenthum de» hessischen Staates ist, und dem preußischen MilitärfiScuS keinerlei DispositiouSrecht über dasselbe zusteht. Durch den Wiener Coogreß im Jahre 1814 wurde Mainz nebst Kastel dem Großherzog von Heffen zu- gesprochen und zwar unter der Bedingung, daß es eine deutsche Bundesfestung bleibe und von österreichischen, preußischen und hessischen Truppen gemeinschaftlich besetzt werde. Diese Wiener Vereinbarung wurde noch durch einen SlaaiSvertrag vom 20. Juni 1816 ergänzt, welcher hie Festung Mainz mit Kastel als Festung des deutschen Bundes erklärt und ihr Territorium dem Großherzog von Heffen und seinen Nachkommen mit voller Souveränität zutheilt. Durch die kriegerischen Ereigniffe der Jahre 1866 und 1870/71 wurde hieran nicht- geändert, indem Mainz nicht erobert, sondern Preußen und später dem Deutschen Reiche nach den getroffenen militärischen Vereinbarungen lediglich daS frühere, dem deutschen Bunde zugestaudene Besatzungsrecht eingeräumt wurde.
A Mainz. 25. Juli. In dem nahen Bodenheim feierte gestern eine Wittwe Codini ihren 101. Geburtstag. Die Frau befindet sich noch ganz wohl und bat ihren jüngsten 60 jährigen Sohn, bei dem sie sich in Pflege befindet, daß er sie doch nach den nothwendigften Erntearbeiten zu einem Besuche einiger Enkel und Enkelinnen nach Amerika begleiten möchte.
X Aus Rheinheffen, 24. Juli. Die General-Versammlung deS Landesgewerbevereins wird Heuer zum erstenmole an einem Sonntag und zwar am 8. August in Alzey abgehaltrn. Die damit zugleich geplante Industrie- usw. Ausstellung wurde schließlich fallengelaffen, dagegen sind, wie dies üblich, die Arbeiten der gewerblichen Fortbildungsschulen RheinhcffenS au» dem letzten Schuljahre ausgestellt. Außer dem Geschäftlichen steht zur Tagesordnung ein Vortrag deS HülfSarbeiterS bei der gewerblichen Centralftelle, Herrn Regierungsbaumeister Noack über Handwerkergenossenschaften und StaatShülfe - daran wird sich voraussichtlich eine DiScussion über die immer noch brennende Handwerkerorganisationsfrage anschließen. Auch der Punkt der Tagesordnung: Erweiterung der Aufgaben de» LandeSgewerbevereinS wird zu lehrreicher Aussprache auf diesem Gebiete wohl sühren. Die nächstjährige Generalversammlung ist in Oberheffen. — lieber die Alzeyer Versammlung werden wir Ihnen berichten.
• Sbiugen, 24. Juli. Da« vor einiger Zeit dem Postamt Sigmaringen abhanden gekommene Kistchen mit vierzig!aus end Mark ist im Donaukanal bei der Pa- piersabrik Scheer gesuoden worden.
* Madrid, 24. Juli. In der St. PeterSkirche in
Sevilla wurden die Leichen von 26 Kindern gefunden.
Die Kinder waren nicht ermordet, vielmehr hatten die Eltern derselben au» Aberglauben den Kirchendiener bewogen, die Leichen in der Kirche unterzubrinzen, statt sie anf dem Kirch- Hofe zu beerdigen. Der Kirchendiener ist verhaftet.
• Son einet lustigen und zugleich vohlthatig» Set- steigern«- in einem weftpreußischen Dorfe wird au» Saalefeld geichrieben: Die geringe Habe einer Wittwe, Familien- erbstücke, sollte, da die arme Frau durch unglückliche Specu- lattonen ihres Sohnes Alles verloren hatte, versteigert werden, schließlich auch eine Ziege, die Ernährerin der Greisin. „Zwölf Mark zum Ersten!" verkündete der Auctiouator. Lautlose Stille im Haufen der kauflustigen Männer und Weiber — Spannung auf dem Gesichte de» Bieter». „Zwölf Mark zum Zweiten!" — Au» dem nahegelegenen Gasthaus ertönte lautes „Hallo", „Zwanzig Mark!" ruft in Chorus die her- beistürmende, mit blauen Schleifen geschmückte Männerschaar. Der Gerichtsvollzieher kennt sie. „Zwanzig Mark zum Ersten!" — „Dreißig Mark!" — Der Gutsherr bietet. — „Vierzig Mark!" — Der Gutsherr stellt sich vor. — Ein Händedruck herüber, hinüber. — „vierzig Mark zum Ersten — »Fünfzig Mark!" — Bei dem Gebote „Siebenzig Mark!" fällt der Hammer. Der Zuschlag ist den vom Sängerfest heimkehrenden Männern ertheilt worden. — Dor der Hütte der alten Frau versammelt fich Alles. Die Versteigerung hat ein sehr gutes Resultat ergeben. Bi» in die spate Nacht hinein hatte die Ortschaft Feiertag und nie im Ledm und an keinem anderen Orte hat der Gesang der Sanger reiner und schöner geklungen. Am anderen Morgen nach dem Gesänge deS herrlichen Sonnenliedchens: „Zieh hinaus beim Morgengrauen, will daS Dorf verlaff.n!" empfahlen sich die lieben Wohlthäter. Man erzählt, daß die beschenkte Greisin noch lange von hrer HauSihüre auS, mit gefalteten Händen dastehend, den Sängern nachgeschaut habe, bis daS Meckern ihres neu geschenk.en Lieblings sie an ihre Pflicht erinnerte.
* 900,000 Mark vergelohu. Dem „Berl. Loc. Anz." schreibt man auS Bremerhaven: Ein interessantes Streiflicht auf die heutigen Schifffahrtsoerhältnisse wirft der letzthin vorgekommene Unfall des Norddeutschen Lloyd-DampferS „Spree" und daS fich daran knüpfende Kapitel vom Lohn für geleistete Schleppdienste. Die „Spree", wie erinnerlich, auf der Heimreise in Folge schwerer Maschinenhavarie drei Tage auf dem Atlantischen Ocean herumtreibend, befand sich allerdings tnx einer Verfassung, die füglich Alle» gutgcheißen hatte, was der Hilfe gewährende französische Dampfer „Maine" beansprucht hätte. Der Schaden an der Maschine war ernster Natur und dabei keine Aussicht, ihn mit den Bordmitteln beheben zu können. Das frische Fletsch an Bord der „Spree" war bereits zu Ende — am dritten Tage, als der Vieh- tranSportdampfer „Maine" io Sicht kam. Er war auf der Ausreife begriffen, und eS läßt fich daraus die Höhe deS verlangten Hilfslohnes einigermaßen erklären. Er verlangte rundweg 900,000 Mark — fein Befehlshaber hatte offenbar die Situation und den Werth deS zu bergeudeu Eigenthum» rasch ersaßt. Die „Spree" kann auf sechs Millionen Maik geschätzt werden, d. h. incl. Ladung, Poft rc. — Da» Schiff geht nämlich noch ungefähr so zu Buch wie damal», al» e» seine erste Reise machte. Nun hat sich der Capitän der „Spree" zwar aus den Anspruch deS „Maine" nicht eingelassen, trotz der Verlegenheit, in der er sich schon der amerikanischen Passagiere wegen befand, da er ohne Zweifel darüber Bescheid wußte, wie auf der anderen Seite de» großen Wassers über den Norddeutschen Lloyd hergezogen würde, fall» er bie unter solchen Umständen dringend nothweudige Hülfe ablehnte. Statt dessen wurde ein Vertrag ftipulirt, nach welchem eß den Rhedern des „Maine" überlassen werden sollte, sich bezüglich de» HÜlfs- lohneS mit dem „Norddeutschen Lloyd" zu einigen — der beste Ausweg, der dem Capitän der „Spree" noch blieb . . . Voraussichtlich wird diese Frage doch noch die Gerichte be- schästigen und dem „Maine" tn Erwägung der geleisteten Dienste, seines Zeitverlustes rc. und deS WertheS de» geborgenen Eigenthum» etwa 250,000 Mk. zuerkannt werden, vielleicht auch 300,000, mehr aber schwerlich.
♦ 3m Theater der Stadt Barletta m Apulien wurde jüngst ein aufregende» Melodrama gegeben. Ein junger Schauspieler, der die Rolle de» Erzschurken sp.elte, gab fich die erdenklichste Mühe, seine hervorragende Scene gut herauszubringen. Seinen D alog mit anderen Schurken hatte er gerade beendet und gab nun das Stichwort für die Heroive. „Fort! Sie kommt! Ich höte ihren Schritt!" rief der junge Künstler mit großem Pathos. In demselben Augenblick) ließ Jemand — ob au» Versehen oder mit Ad» ficht, konnte nicht festgestellt werden — hinter den Coulissen einen etwa zwanzig Pfund schweren eisernen Requisiiengegen- stand auf der zu den Garderoben hinauf führenden Treppe niederfallen. Der Gegenstand war ziemlich rund und rollte daher mit furchtbarem Gepolter von Stufe zu Stufe, vier unten hinter einer spanischen Wand liegen blieb. Krach aus Krach folgte in fo gleichmäßiger Reihenfolge, daß man wirklich glauben konnte, die Fußtritte eine» fchrecklichen eifer* beschuhten Rresennngeheuer» zu vernehmen. DaS Publikum, welche- sofort die drollige Seite der Situation erfaßte, brach in schallendes Gelächter au8 und rief stürmisch nach der fich so geräuschvoll anmeldenden Heroine. Der junge Schauspieler stand wie angewurzelt und wußte nicht, ob er lachen oder sich ärgern sollte. Unglücklicher Weise war die Dame, welche die Heldin vorstellte, sehr corpulent. AIS sie daentsetzliche Getöse und baß Lachen be» Publikum» vernahm, weigerte sie sich entschieden, vor die Lampen zu treten. Sie war außer fich vor Wuth und wollte daraus schwören, daß die ganze Sache ein abgekartete» Spiel sei, um sie zu bla- mtreo. Weder Versprechungen noch Drohungen hatten Er- solg — die Signora blieb obstinat. Der Vorhang mußte fallen und die Zuschauer konnten nach Hause gehen. Natürlich verließ auch bte tödtltch beleidigte Heroine da» Theater, um nicht wieder dahin zurückzukehren.
* Wärmeausstrahlung der Städte. Die großen Städte speichern im Sommer, wenn die Sonne aus ihre Häuser- masseu hemiederdrennt, ungemein viel Wärme auf. Ihr
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