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27.7.1897 Erstes Blatt
 
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2999

Nr. 173

Der

<U|ener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener .Ack«ikien0tLlter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Erstes Blatt

Dienstag den 27. Juli

Gießener Anzeiger

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Bekanntmachung,

betreffend öle Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst im Hei du 1897.

Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im .Herbst 1897 stattfindenden rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßfallsigen besuche um Zulassung bei Meidung des Ausschlusses von dieser Prüfung

spätestens bis zum 1. August 1897

bei der unterzeichneten Commission einzureichen.

Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Spe­ziellen das Folgende bemerkt:

1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfuugs - Com­mission nur dann auzubriugen, wenn der sich Meldende im Grohherzogthum Hessen seinen dauernden Aufenthalts­ort hat.

2. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen.

3. Das Gesuch muh von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adreffe angegeben wird.

-4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:

a. Geburlszeugniß;

b. Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen und muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt fein;

c. ein Unbescholtenheitszeuguih, welches von der Polizei- Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde aus­zustellen ist,

d. ein selbstgeschriebener Lebenslauf.

Z. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (von Französisch, Englisch, La­teinisch und Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will.

6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prü­fung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheitszeugniß beizulegen.

Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anlage 2 zur Wehr-Ordnung vom 22. Novbr. 1888 Regierungs-Blatt Nr. 27 von 1894) Aufschluß.

Bezüglich des Prüfungstermins, sowie des Locals, in welchem die Prüfung stattsindet, erfolgt eventuell weitere Bekanntmachung; auf specielle Ladung kann nicht gerechnet werden.

Darmstadt, den 6. Jtti 1896.

Großh. Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende: Dr. Kayser.

deutsches Reich.

Berlin, 24. Juli. Nach einer aus Molde vorliegenden Drahtnachrlcht ist dieHohenzollern" gestern Abend 8^ Uhr bet schönem Werter dort etngetroffen. Der Kaiser verweilte gestern Abend längere Zeit auf Deck, wo die Musik spielte. Dadurch und durch das schöne Wetter wurden zahlreiche Einwohner der Sradt herbeigelockt, sodaß die //Hohenzollern" bald von einer großen Menge von Booten umschwärmt war. Inzwischen war ein Telegraphenkabel an das Ufer gelegt und dadurch das Schiff in directe Verbindung mit Berlin gesetzt. Um lOVa Uhr verkündeten Raketen die Annäherung der Gefion", die um IV/i Uhr eintraf.

Cttlie, 24. Juli. Der bisherige Gesandte Vicomt Toki reiste gestern mit seiner Familie nach Japan ab.

Königsberg i. Pr., 24. Juli. Dr. Rodewald, der Generalsekretär der LandwirthschaftSkammer (früher General- secretär deS Landwirthschaftlichen Vereins des Großherzog- thnms Hessen) erklärt in derOstpreuß. Ztg.", daß er, nachdem das Vorsteheramt der Kaufmannschaft gegen seine Mitgliedschaft im Börsenvorstand der Productenbörse Einspruch rrhoben hat, dem Oberpräfidenten mitgetheilt habe, daß er daS Amt freiwillig niedergelegt habe. Trotzdem sei er über­zeugt, daß er das Amt zu bekleiden berechtigt gewesen sei. Er habe aber einen Schritt gethan, um die Hand zum Frieden zu bieten und der gedeihlichen und harmonischen Entwicklung )er hiesigen Productenbörse die Wege zu ebnen.

Kola, 24. Juli. Bon den infolge Genuß von ver­dorbenem Fleisch in Kalk schwer erkrankten Personen ist in der verflossenen Nacht einer gestorben. Behördlicher­seits wurde die Sektion der Leiche angeordnet, um die Ursache der Erkrankung bestimmt festzustellen. Der Untersuchungs­richter ist bereits gestern mit den städtischen und polizeilichen Behörden an Ort und Stelle abgereist, um bei den in Rede stehenden und anderen Schlächtern Untersuchungen vornehmen zu lassen. Die Sachverständigen versichern, das von den Erkrankten genossene Fleisch sei von Spaltpilzen inftcirt gewesen.

Köln, 24. Juli. In der Kasse der Güterstation Köln wurden Unterschlagungen in Höhe von 7 bis 8000 Mk. entdeckt. Die Summe ist angeblich durch Caution gedeckt. Der betreffende Beamte wurde vom Dienst suSpendirt.

Hamburg, 24. Juli. Die Elbe hat gestern zwei weitere Opfer gefordert. Zwei beim Störsung beschäftigte Fischer kenterten mit ihrem Boot und ertranken beide.

Arr-laud.

MonS, 24. Juli. Gestern strikten nur noch 9500 Berg­leute. Man glaubt, daß der Ausstand in einigen Tagen beigelegt sein wird.

vrüffel, 24. Juli. Die Kammer Central-Section verlas gestern die vom Senat angenommenen besonderen Prive- legi en für die Spielbanken in Spaa und Ostende und nahm eine Resolution an, wonach die geschlossenen Spiel­gesellschaften denselben gesetzlichen Maßregeln unterworfen sein sollen, wie die öffentlichen.

Paris, 24. Juli. Die Budgetcommission nahm bei der heutigen Berathunz des Marinc-Budgctö eine Resolution an, die dahin lautet, die Regierung aufzufordern, ihre Vorschläge über die Erneuerung der Flotte in der Weise abzuändern, daß diese Erneuerung innerhalb dreier Jahre gesichert sei.

Loudon, 24. Juli. DaS neueste Heft derQuartally Rewiew" bringt von einer anscheinend hochgestellten, gut unterrichteten Persönlichkeit einen sensationellen Artikel über die endgültige Lösung der orientalischen Frage, worin der Vorschlag gemacht wird, die Türkei nach dem.Bor­bilde Polens zu theilen. England, so meint der Verfasser, solle sich trotz aller traditionellen Vorurtheile mtt Rußland verständigen. Egypten und Syrien müsse England, Klein­asien und Armenien Rußland, Macedonten und Albanien Oesterreich zufallen. Eine Verständigung Englands mit Rußland sei auch wegen der sichtlichen Tendenz Deutschlands sich mit Frankreich gegen England zu alliiren, dringend noth- wendig. Der Artikel schließt mtt der Anregung einer persön­lichen Intervention der Königin Victoria, unter welcher die Intervention unbedingt Erfolg haben müßte.

Molde (Norwegen), 24. Juli. Se. Majestät der Kaiser machte heute Vormittag mit mehreren Offizieren einen Spaziergang an Land.

Petersburg, 24. Juli. Nach bisheriger Bestimmung werden auf der großen Rhede von Kronstadt anläßlich der Ankunft Ihrer Majestäten des deutschen Kaisers und der Kaiserin außer einer Anzahl Kanonenboote und Torpedoboote die nachfolgenden Kriegsschiffe liegen: DaS Geschwader-PanzerschiffPjetr Delikt", die Küstenpanzer­schiffeAdmiral Uschakow",Admiral Sptridow" und Amiral Ssenjawin", die Kreuzer ersten RangesRossija" undHerzog v. Ediuburg", der Kreuzer zweiten Ranges Arija" und das SchulschiffWerny",- auf der kleinen Rhede werden die KaiseryachtStandart" und kleinere Schiffe liegen.

Wolff» telegraphisches Correspondmz-Bureau.

Tegernsee, 25. Juli. Ihre Majestät die Kaiserin begab ftch heute Vormittag mit den Prinzen in die pro­testantische Kirche, wo von dem Generalsuperintendenten Drhander der Gottesdienst abgehalten wurde. Nach Been­digung desselben fuhr Ihre Majestät mit den Prinzen in daS herzogliche Schloß, um der Hkrzogin Elisabeth, Tochter de» Herzogs Carl Theodor, zu deren heut stattfindendem Geburts­tage zu gratuliren.

Amberg, 25. Juli. Bei einer Feuersbrunst, die gestern in dem Dorfe Freihölz wülhere, kamen, wie die Amberger Volkszeitung" meldet, vier Kinder in den Flammen um.

Havannah, 25. Juli. Die Aufständischen warfen eine Dhuamitbombe gegen einen zum Schutze der Eisenbahn

NuevllasPueno pnnctpe errichteten kleinen militärischen Posten. Zwei Soldaten wurden getödtet.

Depeschen de» Bureau »Herold.*

Berlin, 25. Juli. Der Vorstand der uationalliberaleu Fractton des Abgeordnetenhauses yat den Abgeordneten Schoof, welcher bei der gestrigen Abstimmung über da» Vereinsgesetz für die Vorlage gestimmt hat, durch ein an denselben noch gestern gerichtetes Schreiben al» Mitglied der nationalliberalen Fractton ausgeschlossen.

Berlin, 25. Juli. Die Blätter veröffentlichen heute Betrachtungen über die gestern im preußischen Abgeordneten­hause erfolgte Ablehnung des Vereinsgesetzes und geben dabei je nach der Parteistellung ihrer Befriedigung oder ihrem Unwillen über das Ergebniß der Abstimmung Ausdruck. DieKreuz-Ztg." sagt: Rein formell betrachtet, hat die Regierung eine Niederlage erlitten, aber in den Augen aller besonnenen Vaterlandsfreunde hat ihr Ansehen unzweifelhaft gewonnen, indem sie den ernsten Willen gezeigt hat, dem Mißbrauch der Versammlungsfreiheit durch die Um­sturzparteien zu staatsfeindlichen Zwecken endlich ein Ende zu machen. DiePost" beschäftigt sich vorläufig nur mit der Miquel'schen Rede und sagt, der Zweck derselben, eine scharfe Spaltung unter den nationalen Parteien zu verhin­dern, sei jedenfalls voll erreicht. DieDeutsche Tagesztg." schreibt: Ebenso kühl, wie wir die Annahme des Gesetzes behandelt hätten, läßt uns seine- Ablehnung. DieBerl. Neuesten Nachr." führen aus, der Fall der Vorlage sei durch eine so winzige Mehrheit befiegelt worden, daß sich politisch keine weiteren Schlußfolgerungen daran knüpfen lassen. Die Voss. Ztg." sagt, die gestrige Abstimmung habe einen Alp von ihr genommen, der lange auf ihr gelastet habe. Ueber die Sacke selbst habe fie nicht- mehr hioznzufügen. Die Berl. Börsenztg." schreibt, der Vorlage wurde lediglich zu Theil, wa» fie verdiente. DasBerl. Tagebl/ gibt seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß da» Volk noch in zwölfter Stunde davor bewahrt wurde, daß daSkleine Socialistengesetz" seinen Segen über Gerechte und Ungerechte ausströmen konnte. DieVolkS-Ztg." macht der Regierung zum Vorwurf, daß sie sich mit der Einbringung der Vorlage bewußt in einen Gegensatz zu mindestens einem Factor der Reichsgesetzgebung gesetzt hat. Mit Bezug auf die geringe Mehrheit, mit welcher die Ablehnung erfolgte, empfindet der Vorwärts" dies Resultat der Abstimmung als einen Schand­fleck am deutschen Namen.

Grandevz, 26. Juli. In der Gegend von Lautenburg find schwere Unwetter niedergegangen, zehn Personen wurden durch Blitzschlag getödtet.

Versailles, 26. Juli. Unweit deS Schlosses wurde auf der Promenade eine Bombe gefunden. Dieselbe wurde von einem Sachverständigen untersucht und erwies sich al»ge­fährlich" genug, um großen Schaden anrichten zu können. Der Thäter blieb bisher unbekannt.

Grenoble, 26. Juli. Der 20 jährige Anatole Sorpel, ein pasfionirter Hoch-Tourist, der die Höhe von Taillefer bestieg, stürzte ab. Die Leiche wurde nach fünftägigem Suchen schrecklich verstümmelt in einem schneebedeckten Ab­grunde gefunden.

Cocefcs tmb

Meßen, den 26. Juli.

* Ernennungen. Seine Königliche Hoheit der Groß­herzog haben Allergnädigst geruht, am 17. Juli den Director des Gymnasiums zu Bensheim Dr. Peter Ditt­weiler zum Director des Ludwig-GeorgS-Gymnafium zu Darmstadt und den Director der höheren Mädchenschule zu Offenbach Dr. Gustav Forbach zum Director deS Gym­nasiums zu BenSheim, beide mit Wirkung vom 1. October d. I. an, zu ernennen.

* Empfang. Se. König!. Hoheit der Großherzog empfingen am 24. Juli u. A. den Oberst v. Madai, Com- mandenr des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, den Hauptmann H00S, den Premierlieute­nant Schroeder und den Secondelieutenant Jebens von demselben Regiment, den Pfarrer Kleberger von Friedberg.

Starke Eavallerie-Abtheilungen, die in den Dörfern der Umgegend einqnartirt gewesen, zogen heute Morgen u« und theilweise durch die Stadt. Die Truppen (6. Ulanen, 7. und 21. Dragoner) befinden fich auf dem Marsche nach Westfalen, woselbst größere Cavallerie-Uebungen ftattfinden.