Nr. 148
Der
Hktzeiier Anzeiger erscheint täglich, mit Au-nahme bei Montags.
Die Gießener IKmittenktätler werben bem Anzeiger wöchentlich dreimal deigelegt.
Zweites Blatt. Souuta- den 27.
1897
Gießener Anzeiger
Generat-Mnzeiger.
vierteljähriger Abou»ewentsprei« r 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.
Rdxution, Expedition und Sendetet:
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Zum Bezug des „Gietzener Anzeiger" für das 3. Vierteljahr 1897 laden wir hiermit ergebenst ein. Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die Tcigesereignisfe in kurzer den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Nachrichten-Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorkommnisse in demselben aus dem Laufenden. Unterstütztdurch an allenOrtender Provinz Oberhessen ansässig e Berichterstatter, ist der „ Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so fttihzeittg wie möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhessen betriebenen Landwirthschäft wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wissens- werthen aus dem Gebiete derselben besondere Berücksichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in Haus- wirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Artikeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten Unterhaltungsstoff bieten. Außerdem werden die „Gietzener Familienblütter", welche dem Anzeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unterhaltungsstoff bringen, namentlich im Kreise der Familien eine beliäte Beigabe bieten.
Wir ersuchen nun namentlich auswärttge Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Neuhinzutretende erhalten vom Tage der
Bestellung bis 1. Juli den Anzeiger kostenfrei zu- gesteüt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswärts postfrei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Abonnements- betrag durch Quittung erheben lassen, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt.
Hochachtend
Verlag des „Gießener Anzeiger" Brühl'sche Univ.-Buch u. Steindruckerei (Pietsch & Scheyda).
Vernichte».
* Spandau, 22. Juni. Die Militär-Verwaltung hrtte in Erwägung gezogen, ob es nicht zweckmäßig wäre, die in der Armee benöthigten Fahrräder in eigenen Werkstätten herzustrllen - man wollte in diesem Falle die Grwehr- fabrikeu mit den zur Fahrradfabrikatiou erforderlichen Ein« richtungen versehen. Die daraufhin angestellten genaueren Berechnungen haben aber zu dem Ergebntß geführt, daß eS sich nicht lohnen würde, bei dem noch immerhin beschränkten Bedarf in der einen oder anderen staatlichen Gewehrfabrik die Maschinen zur Fahrradfabrikation aufzustellen. Der Plan ist daher fallen gelaffen worden. Nur die Reparatur der Fahrräder für die Armee soll militärischerseits, und zwar durch die Büchsenmacher, bewerkstelligt werden, die zu diesem Zweck die erforderliche Unterweisung erhalten.
* Bom Pfarrer Kneipp erzählt die „Köln. Zeitung": Kneipp fragte jeden Kranken nach Stand und DermögenS- verhältniffen, um darnach die Gebühren zu bemessen. Einer Patientin, die sich als Hofdame einer deutschen Großherzogin zu erkennen gab, bemerkte er darauf: „Also a Dienscht- bot'! Zohlt nix!"
Universität- - Nachrichten.
— UniverfUät» - Areque«». Freiburg i. B.: An den Unioersitälsvorlesungen nehmen tn vielem L>ommeisemester 1544 Besucher theil, 1449 Studirende und 95 Hospitanten. 218 Studtrende sind Theologen, 467 Angehörige der rechts- und staatswtflenschaft- lichen Facaltät, 461 Medictner, 50 Pharmaceuten, 253 Angehörige der philosophischen Facultät. — Tübingen: An der UntversttSt sind in diesem Sommersemester 1289 Studirende immatriculirt,
i
Httrilleton.
Wochrnbritse au« der Resident.
(Originalbericht deS »Gießener Anzeigers").
Z. Darmstadt, 25. Juni.
Versammlung de» deutsche» Ehewikervereia» tu Darmstadt. — Eommertheater. — Persoualverauderung. — Alicedenkmal. — Verschiedenes.
In Hamburg hat in der letzten Woche der bedeutende Verein deutscher Chemiker, zu dem die größten Fabrikanten und ersten Vertreter der Wissenschaft gehören, getagt und zum Schluffe seiner Beralhungen auf Vorschlag deS Herrn Dr. Merck von Darmstadt die hessische Residenz als Versammlungsplatz für das nächste Jahr gewählt. Dieser Entschluß wurde in Darmstadt um so freudiger begrüß-, als die Stadtverwaltung noch vor nicht langer Zeit dem deutschen Naturforschertag unsere Stadt nicht als geeigneten Versammlungsort empfehlen konnte, was freilich viel Kopfschüttelu verursacht hat. So werden denn im künftigen Jahre Hunderte von deutschen Chemikern bei uns zu ernster Berathung und froher Festfeier einkehren, und in der That bietet gerade für die Jünger des Altmeister» Liebig Darmstadt mit seinen großen chemischen Werkstätten — wir erinnern nur an die Weltfirma Merck — und den mustergültigen Einrichtungen der Technischen Hochschule, die einen eigenen Bau sür Chemie besitzt, viel JntereffanteS. Auch für ein reichhaltiges Programm von Vergnügungen wird natürlich Sorge getragen werden und schon jetzt widmet' die gesammte hiesige Preffe den zu erwartenden Gästen freundliche Grüße zum Willkommen.
Bon der Sommerbühne im städtischen Saalbau bleibt sür diese Woche Gutes zu melden. Am SamStag machte die Direction einen Versuch mit einer Volksvorstellung zu ganz kleinen Preisen. Man gab HeyseS prächtiges Schauspiel „HanS Lange" und Herr Director Corn eck spielte die Titelrolle so mustergültig, daß er damit auch auf der Hofbühne Ehre eingelegt hätte. DaS Publikum war freilich nur in
ganz geringer Zahl erschienen, ernste Stücke, die eS von den Aufführungen im Hoftheater her kennt, will es anscheinend nicht im Saalbau sehen. DaS bewies auch der Sonntag, wo SuppsS Operette „DaS Modell" vor ausverkauftem Hause unter großem Beifall in Scene ging. In allernächster Zeit soll auch das erste Sommerfest im Saalbau stattfinden und das dürste den gewünschten finanziellen Erfolg, den die tüchtige Direction vollauf verdient, finden. DaS Publikum sollte dem Unternehmen entschieden mehr Jntereffe schenken, weiß eS ja doch auch den Weg zum Orpheum zu finden und hat es doch jüngst dem CirkuS ausverkaufte Häuser in Menge bescheert.
Im Personal der Oberpostdirection Darmstadt hat sich in diesen Tagen ein bemerkeuSwerther Wechsel vollzogen, indem Herr Geh. Oberpostrath Clavel auS dem aetiven Dienst osficiell auSschied. Dem allbeliebten und verdienten Chef der hiesigen Oberpostdirection wurden in besonderer Abschiedsfeier die herzlichsten Ovationen von seinen Beamten dargebracht. An seine Stelle tritt nunmehr ein geborener Süddeutscher, Herr Oberpostdirector Maier, der seither in Ltegnitz thätig war und als hervorragender Fachmann gilt. Wenn fich übrigens Darmstadt an der Peripherie weiter so ausdehnt, wie gerade jetzt, so wird in absehbarer Zeit die Errichtung einiger Postfilialen in der Stadt nicht umgangen «erden können.
Eine Angelegenheit, die über die engen Grenzen der hessischen Residenz hinaus Interesse erregen wird, ist dieser Tage wieder in der Presse aufgetaucht. ES handelt fich um die Errichtung eine» Denkmale» schlichter Art für die verewigte Mutter unseres GroßherzogS, die Großherzogin Alice. Durch ihre nimmer obstende Wohlthätigkeit hat fich die hohe Frau zwar ein Denkmal in den Herzen ihre» Volkes schon lange errichtet, doch soll nun ein fi^tbareS Zeugniß der Dankbarkeit geschaffen werden, deffen Herstellung in erster Linie auf Veranlassung der Alice- Vereine deS Großherzogthums, deren Gründerin die verstorbene Fürstin ist, erfolgen soll. In WormS wurde die erste Anregung zu dem schönen neuen Unternehmen gegeben, und dort hat fich auch schon unter den Damen ein Comitö
256 in der evang.-thrologischen, 176 tn der kath.-theologtschen, 331 in der juristischen, 270 in der mediciniichm, 37 in der philosophischen, 142 in der staalSwissenschaitlichen, 77 in der naturwissenschaftlichen Facultät. Außerdem sind 21 Personen zum Besuch der Vorlesungen ermächtigt. — Halle wird im Sommerhalbjahr 1897 von 1534©tue direnden besucht: davon studtren: Theologie 419, Rechtswissenschaft 335, Medicin 240, Wissenschaften der philosophischen Facultät 540. Außer diesen Studirenden haben Erlaubniß zum Hören der Vorlesungen erhalten 101 Personen (darunter 6 Damen), so daß die Gesammtzahl der Hörer 1635 beträgt. — Jena: Der Gesammzzahl der Besucher beträgt 754, von denen 704 immatriculirt sind, 50 besondere Erlaubniß zum Hören der Vorlesungen erhalten haben. 39 Sludirende find Theologen, 186 Juristen, 210 Medictner, 269 Philosophen. — Breslau: Die hiesige Untverfttät wird tn diesem Semester von 1541 immatriculirten Studirenden besucht, von denen 307 der kath. theologischen Facultät angehören, 93 der evang.-- theologischen, 415 der juristischen, 346 der medizinischen, 380 der phtlosovhischen. Die Zahl der Hörer, einschließlich 22 Damen, beträgt 83. — Königsberg: An der Universität sind in diesem Sommer 695 Studirende eingeschrieben, in der theologischen Facultät 79, in der juristischen 206, in der medictnischen 245, in der philosophischen 165. Die Zahl der Hörer, einschließlich 11 Damen, beträgt 31. — Kiel: Die Gesammtzahl der immatriculirten Studirenden beträgt tn diesem Semester 727 (im letzlen Wintersemester 546). Davon zählt die theologische Facultät 52, die juristische 176, die medicinische 362, die philosophische 137. Außer diesen haben die Erlaubniß zum Hören der Dorlesunam 37. — Greifswald: An unserer Universität sind in diesem Sommersemester 834 Studirende immatriculirt. Die theologische Facultät zählt 256, die juristische 155, die medicinische 328, die philosophische 95. Außerdem haben 19 Personen die Erlaubniß zum Hören von Vorlesungen erhalten. — Die schweizerischen Universitäten weisen im laufenden Sommer Semester 1897 keine von der Frequenz des verflossenen Winter-Semesters stark abweichende Besucherzahl auf. Die meisten immatriculirten Studenten (ohne Hörer) zählt Zürich, nämlich 684; davon entfallen auf die theologische Facultät 23, auf die juristische 81 (4 Studentinnen), die medicinische 312 (100 Studentinnen), die philosophische 268 (37 Studentinnen). Die Universität Bern zählt 649 Studirende: 29 Theologen, 149 Juristen, 195Medi- ciner, 276 Philosophen. Die Zahl der weiblichen ©lubhcnbtn beläuft fich auf 84. In Basel studtren insgefaurmt 444 Studenten, davon find 49 Theologen, 44 Juristen, 152 Medictner (2 Studentinnen) und 199 Philosophen. Die Auskultanten hinzu gerechnet zeigt die Untoersttäl eine Totalfrequenz von 571. Die Universität Lausanne weist 447 immatriculirte Studenten auf; die Zahl der AuScultanten ist 65 (total 512). Davon entfallen auf die Theologie 38, Juriöp'udenz 169, Medicin 114, Philosophie 191. An der Universitär ®<nf zählt man 707 Studirende und Hörer; davon sind 66 Theologen, 118 Juristen, 248 Medictner, 176 Naturwissenschaftler, 99 Literaten. Auffallend ist das Ueberwiegen des ausländischen Eümentes an diesen beiden westschweizerischen Universitäten: tn Genf beträgt di« Zabl der Ausländer 486 gegenüber 221 Schweizern, in Lausanne 269, worunter allein 129 Deutsche gegenüber 243 Schweizern. Studentinnen befinden sich auch tn Genf und Lausanne. Frkf. Ztg.
gebildet, dar emsig an der Arbeit ist. Bei der Sammlung von Beiträgen soll nicht auf die Höhe der Summe gesehen werden, vielmehr ist jede, auch die kleinste Spende für da» Denkmal der wohlthätigen Frau willkommen. Der Gedanke liegt um so näher, als die Enthüllung des Ludwigs-Denkmals wohl auch nicht mehr allzu lange auf fich warten laffcn wird. Man hört zur Zett freilich kein Sterbenswörtchen über da» Projekt. Die Platzfrage wird nicht mehr erörtert, obgleich eine definitive Entscheidung in dieser Hinficht auch noch auSsteht, und ebenso ist eS ganz unbekannt, wie wett die Statue des Herrn Prof. Schoper in Berlin schon vorgerückt ist. Was lange währt, währt gut, aber hoffentlich dauert» mit der Errichtung des Denkmals nicht so lange wie mit dem Beginn unseres Museumsbaues, des anderen Schmerzens Kinde», von deffen Gedeihen kein Wort zu vernehmen ist.
Die winterliche Witterung der ersten Wochentage hatte alle Pläne von Sommerfesten, von denen schon gesprochen wurde, für diesmal vereitelt, nun aber, da die Sonne ihrem sommerlichen Amte wieder mehr Ehre macht, tauchen die Pläne wieder auf. Außer dem Sommertheater plant der Mozartveretn die Abhaltung eine» großen Sommerfestes mit Concert, italienischer Nacht, Ball rc. und andere werden bald folgen. Mit Beginn der nächsten Woche fängt für Darmstadt zwar auch die „stille Zeit" an. Die höheren Schulen schließen nämlich und wer es irgend erschwingen kann, pilgert hinaus tn die Sommerfrischen, deren Zahl von Jahr zu Jahr wächst, und die namentlich im nahen Odenwalde immer größeren Anspruch finden. Im nächsten Jahr werden wir wohl auch schon daS Waldhotel besitzen, von dem schon so diel die Rede war. Angeblich ist seine Errichtung durch einen Privatunternehmer nunmehr beschloffene Sache. Sonst giebt eS auS der vergangenen Woche nicht» Neues von Wichtigkeit zu melden, und wenn wir noch constatirt haben, dass nach einer längeren Pause da» Orpheum unter starker Be- iheiltgung de» Publikums seine Thätigkeit am vergangenen Samstag wieder ausgenommen hat, so haben wir unsere Wochenrefcrentenpflicht erfüllt.


