Ausgabe 
27.6.1897 Drittes Blatt
 
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Rr. 148 Drittes Blatt. Sonntag den 27 Juni

1897

Amts- und Anzeigeblutt für den Aireis Giefzen.

Hratisöeilage: Gießener Iamilienötätter

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den felgmbnt Lag erscheinenden Nummer bi« Corrn. 10 Uhr.

Alle Annoncen.vureaux de« In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgegen.

liche Witterung: Bet wechselnder Bewölkung zunächst noch warmes Wetter jedoch mit andauernder Neigung zu Gewitterbildung.

H Aus dem Horlossthale, 25. Juni. Seit Menschen­gedenken ist keine so ausgezeichnete Heuernte, sowohl an Güte als auch an Menge gemacht worden, wie sie gegen- wärtig unter Dach kommt. DaS Futter legt sich so dicht, daß es auf der abgemähten Fläche kaum untergebracht und getrocknet werden kann. Die drei letzten heißen Tage halfen jedoch dörren und Wagen folgt Wagen, oft haushoch auf- gethürmt. Viele Leute ernten 30 bis 70 pLt. mehr, als sie sich geschätzt haben, folglich ist daö gepachtete Futter sehr billig. Ein einträgliches Geschäft betrieben mehrere Handarbeiter auf der nunmehr fast ganz vollendeten Bahn­strecke: sie gingen nämlich Sonntags fechten und brachten dadurch manchen schönen Nickel zusammen. Bald merkte daS Publikum denSchnuppen" und wie» die Schnorrer ab. Die Maseru rücken immer noch sachte von Ort zu Ort, jetzt find fie auch in Heuchelheim augelangt, nachdem fie eine ganze Reihe von Wetterauer Ortschaften durchzogen haben.

n- Hungen, 25. Juni. Der Schulvorstand der hiefigen Volksschule hat fich an die oberste Schulbehörde um einen jährlichen Zuschuß au» Staatsmitteln gewandt. DaS Gesuch hat Erfolg gehabt, wie bei den ähnlichen Schulen in Nidda, Schotten, Reichelsheim und an anderen Orten, denn unsere Schule erhält einen Zuschuß von 400 Mk., der in vierteljährlichen Raten ausbezahlt werden wird. Wir haben hier auch einen Beweis dasür, wie unsere Staatsregierung in jeder Beziehung bestrebt ist, das Schulwesen zu fördern.

N. Nidda, 25. Juni. Von verschiedenen Oberförstereien des BogelSberge» werden, wie Ihre Zeitung von anderer Seite meldete, alljährlich viele Taus end Fichtenpflanzen aus Holstein bezogen. Die hiesige Oberförsterei ist mit ihrem Bedarfe im Lande geblieben, denn fie bezog 20,000 Pflanzen von Heppenheim a. d. B., denen e» in unserem trefflichen Waldboden gewiß nicht an fröhlichem Gedeihen fehlen wird.

Darmstadt, 25. Juni. Au- dem Jahresbericht des Diaconissenhauses Elisabethenstift in Darmstadt theilen wir Folgendes mit: Im Mutterhause wurden 1895 verpflegt 736 Personen, davon 64 Personen auf Freiheiten. Ambulatorisch wurden behandelt 607 Patienten. Privatpflege wurde vom Mutterhause aus 91 Kranken gewährt mit 580 Tagpflegrn und 785 Nachtwachen. Im Pflegehaus waren 9 Damen. DaS MarthahauS beherbergte 237 Mädchen- 633 Mädchen erhielten Stelle durch Vermittlung deS Haufe». Die Kinderschule des Mutterhauses besuchten durchschnittlich 64 Kinder, die Krippe 15 Kinder täglich. Der Jungfrauen- veretn war durchschnittlich von 30 Mädchen, der Mütterabend

von 40 Frauen, der Lydiavereto von 25 Ladnerinnen besucht. Die Paramentik arbeitete für 40 Gemeinden und lieferte unter anderem 13 Altar- und 3 Kanzrlbekleiduugen, 7 Altar­decken, 15 Kanzel- und Stehpultdecken, 4 Taufsteindecken rc. Die Hostienbäckerei versandte 78500 Hostien. Außerhalb deS Mutterhauses arbeiteten die Schwestern in 18 Hospitälern, 4 Pfründen, 32 Gemetndepflegen, 17 Kleinkmderschulrn, eine Krippe, 1 Rettungshaus, 1 Erholungshaus, also auf 74 Arbeit», gebieten, wobei circa 18000 Personen der Thättgkeit der Schwestern unterstanden. Auf den Außenstationen waren die Schwestern auch in 15 Jungfrauenvereinen, 5 Mütterabenden, 4 Sonntagsschulen und 6 Strtckschulen thätig. Bon den Arbeitsgebieten wurde 1 aufgegeben und 7 wurden neu über­nommen, nämlich 6 Gemetndepflegen, davon 1 mit kleinem Hospital, und 1 Kleinkinderschule. Die Einnahmen betrugen 148363 Mk. 12 Pfg. und die Ausgaben 147 022 Mk. 87 Pfg. Ein aufgenommenrS Kapital von 200 000 Mk. muß mit 8000 Mk. jährlich verzinst werden. Die Ausgaben und die Ausgaben wachsen. Möge auch die christliche L ebe wachsen, die unser HauS mit ihren Gaben unterstützt und mit ihren Gebeten trägt. Wir verweisen in dieser Beziehung auf da» Inserat im heutigen Blatte.

Mainz, 25. Juni. Unterhalb der hiesigen Eisen- bahndrücke ereignete fich heute Vormittag auf dem Rhein eine Katastrophe, bei der eS ein große» Glück genannt werden muß, daß keine Menschenleben verloren g-gangm sind. In der bereits ziemlich alten Militärschwimmschule br- fanden fich ca. 100 Mann de» 88. Regiment», zu welchem fich später noch die gleiche Anzahl Mannschaften des 117. Regt- mentS gesellten. Diese Last konnten die Pontons und Unter- lagen der Schwimmanstalt nicht tragen, eS krachte plötzlich in allen Ecken und Enden und unter dem furchtbaren Ge­schrei der tu der Anstalt fich befindlichen Soldaten, begann diese zusammen zu brechen, zu finken und stromabwärts zu treiben. Die Mannschaften krochen auS dem zertrümmerten Gebälk hervor und suchten fich theilweise durch Schwimmen an das Ufer zu retten. Gleichzeitig wurden von allen in der Nähe ankernden Schiffen, Boote und Kähne abgrlaffen, welche den Mannschaften zu Hülfe eilten, und so umsichtig eingriffen, daß die Rettung sämmtlicher Soldaten gelang. Während diesen RettuugSarbeiten verursachte daS forttreibende Wrack der Schwimmanstalt in einem weiter unten gelegenen PrtvatbadhauS eine zweite Katastrophe, indem der Anprall bei den Insassen der letztgenannten Badeanstalt Helle» Ent­setzen hervorrtef. Alles stürzte unter Geschrei heraus, wobei fich besonders die Damen derart übereilten, daß sie meisten» erst aus dem Ufer ihre Toiletten beendigten.

Loyales und provinzielles.

Sießeu, den 26. Juni 1897.

* Sine neue Telegraphen Ordnung tritt mit dem 15. Juli d. I. in Kraft. Daraus find folgende wichtige Neue- tun Q en hervorzuheben: Im außereuropäischen Verkehr dürfen die Wörter fortan 15 Buchstaben oder 5 Ziffern, statt tote bisher 10 Buchstaben oder 3 Ziffern haben. Ferner kann fortan eine Empfangsanzeige durch die Post verlangt werden, zu welchem Zwecke dem Telegramm die Buchstaben PCP htnzuzufügen sind. Bisher gab eS nur telegraphische Empfangs­anzeigen, die fich oft recht theuer stellten. Auch können fernerhin Telegrammepostlagernd eingeschrieben" zur Ab- sendung gelangen, was bisher nur postlagernd möglich war; den Wunsch des Absenders, daß daS Telegramm bei der Poststation alseingeschrieben" aufbewahrt werden soll, drücken die dem Telegramm beizufügenden Buchstaben PGR aus. In Wegfall kommt dagegen die bisherige Gebührenfreiheit für Rrc amationen. Für solche sind fortan 20 Pfg. zu ent­richten, deren Rückerstattung indeffeo bei begründeter Rekla­mation erfolgt.

Wetterbericht. Für die WitterungS-Verhaltniffe in Central-Europa ist zunächst noch der Einfluß deS hohen Baro- Meterstandes maßgebend, wrnnschon der hohe Luftdruck all- gemein an Intensität etwas verloren hat. Zahlreiche Thetl- minima, welche in den kontinentalen Lagen vorhanden sind, haben stellenweise zu stärkerer Zunahme der Bewölkung und theilweise auch zu Niederschlägen Veranlaffung gegeben. Ebenso besteht unter der Einwirkung dieser kleinen Unregelmäßig­keiten die Neigung zur Gewitterbildung fort. Die Trmpa- raturen, die in den kontinentalen Lagen gestern schon sehr hoch waren, find noch etwas gestiegen. Voraussicht-

Der fhfener Anzeiger erscheint täglich, eit Ausnahme bt« Montag«

Die Gießener Damikienötälter werden dem Anzeiger »öchnrtlich dreimal drigelegt.

Dersuche» Reichstag.

237. Sitzung. Freitag, den 25. Juni 1897.

Am BundeSrathStische: Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe, StaaiSsecretär o. Bötticher, Graf v. PosadowSky, v. Gotzler.

Vor fast leeren Bänken tritt daS Haus in die dritte Lesung deS Nachtragsetats, hauptsächlich für Artillerie-Material, ein. Eine Generaldebatte entsteht nicht. Auch die Specialberathung verläuft debatteloS; die Nachtragsetats werden sodann in der Gesammt- abstimmung d.finitiv genehmigt.

Präsident v. Buol gibt sodann die herkömmliche Uebersicht über die abgelaufene Session, und nach dem üblichen Dankestausch zwischen Haus und Präsidium bezw. Bureau erhebt sich

Reichskanzler Fürst Hohenlohe, um die kaiserlicheCabinetS- ordre zu verlesen und aus Grund der ihm darin ertheillen Ermäch­tigung die Session zu schließen.

Präsident v. Buol bringt sodann daS Hoch auS aufunseren hochverehrten und lieben Kaiser", in welches die Mitglieder des Hauses (die Socialdemokraten hatten fich kurz zuvor entfernt) dreimal lebhaft dn ft Immen und schließt die Sitzung um 12a/< Uhr.

Greßmer Anzeiger M

Kenerat-Wnzeiger.äs-

BehördlicheAnzeigen

Frchraccord.

Die Stellung der Gespanne für zwei Gießwagen beim Walzen der Strecken:

Ober vesfingeuEttiugShauftu und Harbach-Gründers

soll vergeben werden und sind An- geböte bei dem Unterzeichneten, in dessen Amtszimmer die Bedingungen zur Einsicht offen liegen, bi»

Freitag den 2 Juli l. Js., Vormittags 10 Uhr, schriftlich einzureichen.

Gießen, am 26. Juni 1897.

Der Großh. Kreisbauinspector.

__________Stahl.__6169

Bekanntmachung

Die Kirschen von den Bäumen aus b?m Trieb sollen

Montag den 28. Juni, Nachmittags 5 Uhr, an Ort und Stelle meistbietend ver­steigert werden.

Die Zusammenkunft ist an der WtrthschaftGermania".

Gießen, 26. Juni 1897.

Großh. Bürgermeisterei Gießen.

Gnauth. 6170

Generalversammlung*

6153

der

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* ** ** . ' Ton v ___r. . nm__»A Hwk iHvA.4

Linie A

Linie D

Borverkauf bei den Herren Ä. u. G. Wallenfels, Markt. Marburgerstraße-Wieseck und zurück.

Marburgerstraßr - MarktB.-chithof und zurück.

Grünbergerstratze Markt Baänhof und zurück.

Pflichtfeuerwehr.

Gemäß § 16 der Ortsfeuerlöschordnung werden die Pflichtigen hier, durch zu folgenden Hebungen geladen:

Freitag, 2. Juli: Rotten 1 und 2.

Mittwoch, 7. Juli: Rotten 3 und 4.

In beiden Hebungen ist pünktlich um ,8i/r Uhr im Hofe des Thurm­hauses am Brand anzutreten. 6178

Gießen, den 26. Juni 1897.

Der Branddirektor: Traber.

Dmlnnnssenhaus Clisabethenstist in Darmstadt.

Collecteur Lutz wird in diesen Tagen die Beiträge für das Mutter­laus, aus dem auch unsere Schwestern stammen, erheben. Die Samm ung wird hiermit herzlich empfohlen.

Schlosser, Pfarrer.

Gießener

Mittwoch deu 30. Juni 1897, Abends 9 Nhr,

bei Wirth Sauer (früher Restauration Spieß).

Tagesordnung: 1) Ergänzung des Vorstandes.

2) Wichtige Mittheilungen.

Qinte B Grünbergerftrißr-Markt «abnhof und zurua.

Linie C MarktLudwigSplatz-Schiffenbergerwald und zurück.

iBei günstiger Witterung täglich Nachmittags.) Fahrschein-

welche den Festzug wenn sie bei dieser

wenn 6166

Gießener Zitherclub

(WohlthStigkeitrverein).

Heule Sonntag den 27. Juni, Abends 8 Uhr, auf dem Len »'scheu Felsenkeller:

Allgem. Mitglieder-Znsamnienkanft r wegen wichtiger Besprechung des Sommerfestes. Erscheinen der Familien, besonders der Damen und Herren, mttmachen wollen (denn solche können nur berücksichtigt werden, Bufcmmentunlt erscheinen), wird höflichst gebeten.

Der Vorstand.

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