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Mittwoch dm 27. Januar
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2lnrts- und ZTnzeigebltttt für den Kreis Mefzen
chratisöeikage: Gießener Kamikienölätter
Rudolf Walb-Lpeude
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'eyers Konversations? Lexikon
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de« folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.
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iV.SUHr, lthorstraße
Während der folgenden Wochen kam mir die Schneiderin nicht aus dem Haufe. Erst wollte ich mir etwas Fertiges bei Hertzog oder Serfou kaufen, aber die Roben paßten mir nicht mehr fo recht: ich mußte doch aus der Normalfigur herauSgewachfen fein. Also die Schneiderin meinte, ich thate »m besten, wenn ich so den goldenen Mittelweg einschlüge,
Zweites Blatt.
Die Expedition des „Echo" hält Sammellisten vorräthig, auf Verlangen gern und in jeder Anzahl frei abgegeben werden.
An die Wochenschrift „DaS Echo".
Vierteljähriger Monnemenisprei» r 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.
Redaction, Expedition und Druckerei:
Kchulstraße Hlr.7.
Fernsprecher 51.
Ach, so ein Subscriptionöball, — eS ist und bleibt eine Wonne, da mitten mang zu sein. Toiletten, Brillanten, Schmuck, und die Dame«, — da war doch mindestens jede einzelne eine Schönheit, wie fie im Buche steht.
In goldstrotzendeu Uniformen waren eine Menge Herren da, Bart grau oder weiß, Haare: kahle Platte, — aber ihre Gemahlinnen? frisch, strahlend, jugendschän. Ich machte eine dahin zielende Bemerkung zu meinem Manne.
„AllenS jeforbeu," flüsterte er mir zu, indem er sich den Chapeau claque vor den Mund hielt.
(Schluß folgt.)
(auch- in Umtausch gegen ältere Werke) sowie alle andern tiucner liefert gegen Teilzahlungen von monatl. 3 M. an w» H. 0. Sperling, Buchhandlung, Stuttgart VII.
und seine Familie überreicht werden soll. Ungezählte Tausende haben auS Falbs Büchern und Abhandlungen, sowie aus den Vorträgen, die er in ungefähr 400 Städten Deutschlands und Oesterretch- UngarnS, in den 70er Jahren auch in Nord- und Südamerika gehalten hat, Belehrung und Unterhaltung geschöpft. An alle diese besonders wendet sich unsere Bitte. Der Name Rudolf Falb ist wohl einer der volksthümlichsten in beiden Erdhälften — möge der Tag, wo wir das Ergebniß der Sammlungen überreichen, für den schwergeprüften Mann ein kritischer Tag erster Ordnung in erfreulichem Sinne sein. _
K. Adolf Bachofen v. Echt, Wien. Dr. Emil Ertl, Graz. Justizratb Gtmktewicz, Berlin. Hofrath Dr. Ernst v. Gnad, Graz. Geh. Eommerzienrath Ludw. Max Goldberger, Berlin. HanS Grasberger, Wien. Prof. Dr. Leo Grunmach, an der Technischen Hochschule in Berlin. Rentier Herm. Gr a t w etl, Berlin. Kgl. Baurath v. Groszheim, Berlin. Dr. Friedrich v. Hausegger, Graz. Herm. Gerh. Heller, Berlin. Hugo Herold, Berlin. Dr. Wilhelm Kienzl, Graz. Dr. Victor v Kraus, RetchsrathSabgeordneter,Wien. GeneralconlulEugen Landau in Berlin. Julius Lippert, Landesausschuß Beisitzer in Prag. Fritz Mauthner, Berlin. Paul Michaelis, Rechtsanwalt in Berlin. Kgl. Hofopernsänger Jos. Mödling er, " Berlin. Hofcapellmeister Dr. Karl Muck, Berlin. Netzler, Prediger der französischen Gemeinde, Berlin. Max Pechstein, Berlin. Prof. Dr. Franz Raab, Wien. Prof. Dr. Leo Retntsch, z. Zt. Rector Magnificus der Universität Wien. Peter Rosegger, Graz. Hofrath Prof.Dr.LeopoldSchrötter, Ritter von Kristellt, Wien. Dr. Otto Steinwender, Landtagsund RetchsrathSabgeordneter, Wien. Geheimer Mediginairath Prof. Dr. Rudolf Virchow, Berlin. Hofcapellmeister Felix Weingartner, Berlin.
Hand auf den Thürgriff gelegt.
„Und heute? Was ist heute?" rief ich erregt. „Komm heraus mit Deinen Schmeicheleien."
„Heute bist Du zweifache Familienwutter, schlank wie eine zwethundertjährtge Eiche und graziös wie eine Dahomey- Dame aus dem Panoptikum. Du wirst Dich also decolletirt famos auSnehmen."
Damit verschwand er und das war die höchste Zeit, denn mit meiner Geduld war eS Matthäi am Vorletzten. Dazu ist doch ein Mann nicht da, daß er mich, die ich am letzten internationalen Frauen-Congreß theilgenommen habe, derart moralisch mißhandelt. Er war in den acht Jahren nach nicht schlanker geworden, dazu hatte fich seine Bequemlichkeit in unerhörter Weise gesteigert, — im Backenbart gabS sogar schon ganze Büschel weißer und altersgrauer Haare. Eigentlich konnte mich ein solcher Mann gar nicht mehr di» leidigen - aber ich war auss Höchste erbittert und so rief ich denn dem Davoneilenden nach: „Asmus Du . . .! Ich bediente mich des klassischen Latein mit Rückficht auf das Dienstmädchen, daS brauchte nicht zu verstehen, wie zärtlich ich gegen meinen Mann sein konnte.
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so halb und halb: kleinen Hals, und Nackenausschnitt, Halbärmel . . . Damit war ich einverstanden, als „zweifache Familienwutter" mußte ich so decent wie möglich erscheinen, das war ich schließlich den Kindern schuldig. Und siehe da, eS wurde ein Prachtkleid, daS mir saß wie angegossen, ich hatte meine helle Freude darüber.
Um meinem Manne nicht noch wehr Gelegenheit zu geben, seine faulen Bemerkungen an die Frau zu bringen, faßte ich den hochherzigen Entschluß, meinen Reservefonds anzugreifen, den ich mit in der Sparbüchse der Kinder der« wahrte. Ich entnahm demselben einen „Blauen", denn ich wollte um jeden Preis die Familie auf dem Hofball würdig vertreten und außerdem sollte mein Mann mal sehen, was für eine niedliche Frau er besaß, — trotz unseres schon ver- floffenen achtjährigen EhekriegeS.
An dem denkwürdigen 25. Januar traten die Schneiderin um 4 Uhr, die Friseuse um sechs und meine Coufine Erna, welche bei mir sozusagen Vaterstelle vertrat, um halb 7 Uhr bei mir an. Das Ankleiden dauerte zwei volle Stunden, es hätte vielleicht noch länger gedauert, aber daS Dienstmädchen erklärte auf das Bestimmteste, daß es die Petroleumlampe nicht länger halten könne, ihr Arm fei ihr rein abgestorben. Da müffe ich schon sehen, daß ich beim Licht der GaSkrone fertig würde. Also da hieß eS, fich beeilen.
Um 8Vt Uhr stand ich fix und fertig vor dem Spiegel — er warf mir ein Bild von . . . na, ich will bescheiden fein, aber alles, was recht ist: für eine BürgerSfrau war das allerhand Hochachtung. Meine Coufine holte nun einen Tot- lettensptegel herbei, so daß ich in dem Wandspiegel vorder- und Rückanficht genießen konnte. Ich entdeckte kein Fehl — doch halt, da an der rechten Schulter: „Ach, liebe Erna, sagte ich zu meiner Cousine, „bitte, gib mir doch noch mal die Puderquaste." Ich „retouchirte" dann die unharmonisch auSsehende Stelle.
Inzwischen hatte fich mein Mann auch ballfähig gemacht: Frack, weite PantalonS, tief auSgefchnitteue Weste, aus dem gestickten Oberhemd glitzerten zwei Brillantknöpfe, weiße Cravatte — hm, eine ganz stattliche Erscheinung. Der Schnurrbart strebte talentvoll in die Höhe und im Backenbart . . .
„Jemine," platzte ich da heraus, „Du hast ja heute 'nen so schwarzen Bart, daß er ordentlich knistern möchte, wenn man darüberftreicht."
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Alle Annoncen-Bnrcaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
„AllenS jeforben," meinte mein Mann kaltlächelnd, den verstorbenen Director Engel nachahmend. „Kosmetik nennt man daS, Du wirst in diesem Artikel heut wohl auch schon gearbeitet haben."
„Ich?" fragte ich harmlos, „daß ich nicht wüßte."
Er beäugte mich von oben bis unten, von vorn und von hinten.
„Sehr hübsch," meinte er schließlich, „recht geschmackvoll, Du stehst allerliebst auS. Ich übersehe leider so oft Deine körperlichen und geistigen Vorzüge."
Ganz geschmeichelt lehnte ich jedes weitere Lob ab.
„Du hast immer im Geschäft so viel zu thun und über Deinen geschäftlichen Aerger vergißt Da das Zunächstliegende.'
„Da hast Du recht," lachte er. „Aber Du scheintft heute auch stark „geforben" zu haben."
Er wollte mir mit dem auSgestreckten Zeigefinger über den Nacken fahren, ich vermied aber durch eine geschickte Wendung die Berührung.
„Puuh!" schüttelte er fich, „Du wirbelst ja eine ganze Wolke von GhpS oder Kartoffelmehl auf." Da kam wieder der hämische Zug über sein Gesicht. „Zu Oswald Nter können wir nach Schluß des Balles entschieden nicht gehen und doch muß man dann was effen."
„Warum nicht zu Oswald Nier?" fragte ich hastig und unüberlegt. „ „ rwr ,
„Weil dort nur Platz ist für „Ungegipste" .höhnte er.
-h Bieber bei Rodheim, 24. Januar. Unser Dörfchen ist in so starker Vermehrung begriffen, daß mit dem 15. April Hierselbst die zweite Lehrerstelle errichtet werden soll. Da wir erst vor etwa 15 Jahren ein SchulhauS erbaut haben, so wird der nunmehr wiederum geforderte Neubau nicht so leicht zur AuSsührung gelangen können. Jedoch fehlt eS hier nicht an Räumlichkeiten, woselbst man einstweilen die zweite Schule uuterbrtngen könnte. König!. Regierung wird wohl nie auf den von gewtffer Sette geplanten Entschluß eingehen, wonach die älteren Schüler von hier wieder nach Rodheim gehen sollen.
Der Ktehener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener Mamikienvtäiter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
^milkton.
Der Sttbfrriptioneball.
Von Lina Fabian.
(Fortsetzung.)
1 .Stritt geM ber
erein.
ss** Rechners. Anteilscheine, d-r «otftaab.
nut 1896.
Silbrnw« jold-Kate
*1881
Bitte.
Ein Gelehrter, dessen Name der ganzen gebildeten Welt bekannt ist. ward von einem schrecklichen Unglück heimgesucht.
Rudolf Falb
hat das schwere Schicksal erlitten, an beiden Füßen gelähmt zu »erden, sodaß der bejahrte Mann, an Bett und Rollstuhl gefesselt, sich nicht mehr selbstständig fortzubewegen vermag. Aerztltche Kunst und hetlkrästige Bäder sind seinem Leiden gegenüber machtlos geblieben. Ein langes, grausames Siechthum, dem bereits harte Krankheit vsranging, sind das Loos seines greisen Alters.
Rudolf Falb steht nicht allein; eine Frau, die nun sich ganz der Pflege des geliebten Kranken widmen muß, und fünf Kinder im Ater von 4 bis 14 Jahren umgeben hilflos das Stechenlager des Familienhauptes.
Mit der Krankheit ist nicht allein der grenzenlose Schmerz und die Sorge um den Leidenden, es ist auch der harte Kummer und die bittere Roth um das nackte tägliche Leben in da« Heim des unglücklichen Gelehrten eingezogen. Denn während Falb dem Aufbau seiner Wetter- und Erdbeben-Theorien sich hingab und außerdem in den letzten IVe Jahrzehnten umfassenden sprachwissenschaftlichen Studien oblag, - Falbs sehnlichster Wunsch ist, daß es ihm vergönnt sein wöge, ein groß angelegtes Werk über die Urgeschichte der Sprache und Schrift zu vollenden — verstand er es nie, irgendwie irdische Güter für sich und die Seinen zu erwerben. Er war und blieb stets ein armer Gelehrter und ist jetzt der Aermsten einer.
An Alle, die noch ein warmes Herz und eine offene Hand für so schweres fremdes Leid haben, richtet sich unsere Bitte um Beiträge zu einer
Rudolf Falb-Speude,
w«lche dem von einem unverschuldeten Schicksal so schwer heimgesuchten Manne, der sein ganzes bisheriges Leben selbstlos der Wissenschaft gewidmet hat, zur Abwehr der härtesten Noth für sich
„Hm," machte c ganz ernsthaft, „ich möchte gern mal den Unterschied sehe zwischen der Frau Fabian von anno 1889 und der von a io 1897. Damals schlank, schmächtig, bescheiden, graziös i den Bewegungen, — ein Frauchen, über das man seine F ende haben konnte. Und heute —" Er brach plötzlich ab, holte sich Ueberrock, Hut und Stock und begann fich eine Cigarre anzuzünden. Ehe ich noch die Ergänzung seiner Rede erlangen konnte, hatte er schon die
Gießener Anzeig er
Henerat-Anzeiger.
Verkehr, tanO- und üoltsroirtbfcbah
— Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller belief fich die Roheisanp*od«etto« des Deutschen Reiches (einschließlich Luxemburgs im Monat December 1896 aus 552 719 Tonnen, darunter Pudbelrohetsen und Sptegeleisen 148 300 Tonnen, Bessemerroheisen 42 642 Tonnen, Thomasroheisen 283 395 Tonnen und Gießereiroheisen 78 382 Sonnen. Die Production im November 1896 betrug 544667 Tonnen. Vom 1. Januar bis 31. December 1896 wurden producirt 6 360 982 Tonnen.
Zu der große« la«dwirthschattliche«i A«»st<ll««g in Hamburg vom 17. bis 21. Juni d. I. sind 157 Dauerwaaren für Ausfuhr und Schiffsbedarf eingeliefert und am 14. d. Mts. mit dem neuen prächtigen Lloyd-Dampfer „Barbarossa auf die Prüfungsreise nach Australien geschickt. Auch von Geralhen mrd Vieh sind schon zahlreiche Anmeldungen eingelaufen, so z. B. von etwa 300 Pferden und 800 Rindern, und von diesen beiden Thiergattungen stehen große, einheitlich zusammengestellte Vertretungen der Hauptzuchtgebiete in Aussicht. Die Pserdeabtheilung, welche ja bei allen, auch den städtischen Besuchern der Ausstellung das lebhafteste Interesse findet, wird die berühmten Zuchten der warmblütigen Schläge Ostpreußens, Hannovers, Oldenburgs und Holsteins in angennssener, glänzender Vertretung zeigen, besonders in den eleganten Wagen-, Rett- und Militär pferden. Daneben werden aus Rheinland, Provinz Sachsen u. s. w. stärkere sogen, kaltblütige Kreuzungspferde (für schwere landwtrthschastliche Arbeiten und für Frachtfuhrleistungen) einen anregenden Vergleich ermöglichen, der durch Zugprüfungen unterstützt wird und durch Vorführung von Mili'ärpserden und Remonten an Leben gewinnt. Welche materielle Bedeutung der Hebung der Pferdezucht innewohnt, erhellt aus diesen wenigen Wahlen: der Verkaufswerth des Pferdebestandes im Deutschen Reich wird von der Statistik für den 1. December 1892 angegeben auf 30 Mk. für jeden Einwohner, also auf etwa 1900 Mill. M^tm Ganzen, dabet hat die Mehreinfuhr von Pferden 1895 etwa 66 Mill.
r 24. Januar. (Allgemeiner Deutscher Versicherungs-
Verein.) Vom 1. Januar bis 31. December 1896 wurden 50634 neue Versicherungen abgeschlossen und 9152 Schadenfälle regulirt. Von letzteren entfallen auf die Haftpflichtversicherung 2150 Me wegen Körperverletzung und 1336 wegen Sachbeschädigung; auf die Unfallversicherung 5005 Fälle, von denen 17 den sofortigen Tod und 80 eine gänzliche oder theilwetse Invalidität der Verletzten zur Folge batten. Von den Mitgliedern der Sterbekasse sind im gleichen Zeiträume 661 gestorben. Am Schluß des Jahres 1896 waren 213178 Policen über 1435865 versicherte Personen in Straft.
Die Geldfendungen, über welche öffentliche Quittung im redaciionellen Theil des „Echo" geleistet wird, sind gefl. wie folgt zu adresstren:
Berlin SW., Wilhelmstraße 29.
Marrn, melier Ostern b IW, MiWWW den EngtoS-G-Mit. rten beliebe man unter K, ,Hon d- B! ni.derzuleM
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