Ausgabe 
26.1.1897 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 2t Zweites Blatt. Dienstag den 26. Januar

etIocttI- H

und Vt, ^Bimabgai hier. früflT Vhr Adeiidz iV.

115 N Wttz

811 '$en und aiidet'u, herein ^kiam, daß nach §; )roie in die Haupts »g auf diese WM Hauptproben werde» k mb gestattet, er Vorstand, ich»- A burtstages K och den 27. l. M

bend

>e 7-

Lmsch.

8 Stiomtll'LM Abends 8 Uhr.

Leib:

führung

MM-SM

iflft e®17

Siegelnd .ereif*"tS

Wer!

ü>e.

hlossei Chambord.

1 M, 6ftrabe K t

-u HM bei d« g dl unb 5D. Sui, W Neuenbäue.

»*

DerVorrtMi

81!

3 V K»lkb0f'

und Airzeigeblatt suv den We» Gieren.

chratisßeikage: Gießener Aamitienölütter.

1.

2.

3.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.

* Au Eltern und Vormuader. Mit dem heraunahendeu Ostertermtn kommt die Zeit, wo die der Schule entwachsenen Knaben den Berufen zugeführt werden, die dereinst für fie die Quelle bieten sollen, zunächst sich selbst versorgt zu sehen, die in späteren Jahren aber auch so reichlich fließen soll, um einen eignen Herd begründen und den Pflichten gegen Staat und Familie nachkommen zu können. Da- gilt eS denn von vornherein zu prüfen, den Knaben vor allem in eine Lehr­stelle zu bringen, wo 1. die Bedingungen vorhanden, daß ihm die nöihtge Anleitung und tüchtige Ausbildung zu theil wird, und wo 2. die Lehrwerkstatt ihm eine Empfehlung für die spätere Gehilfenzeit garanlirt. Punkt 1 wird sich nur bann für den Lehrling ergeben, wenn er in eine Werkstatt kommt, wo die LehrltngSzahl zu der der Geh'lfen in eine» gesunden Berhältniß steht, und wo demnach Kräfte vorhanden find, die dem Lernenden fördernd zur Seite stehen- dort wo die Lehrlinge in der Mehrzahl oder fast nur Lehrlinge vor- Händen find, wird eS fich meist nur um eine einseitige Aus­bildung derselben zwecks möglichst frühzeitigen Gewinnbezuges aus der Arbeitskraft des Lehrlings handeln, um denselben nach beendeter Lehrzeit als untauglichen Gehilfen für vogel­frei und stellungslos zu erklären, damit Platz für eine neue Lehrkraft gewonnen ist. Um diesen verwerflichen Gebühren im eigenen Beruf entgegeuzutreten, hat sich im Buchdruck- gewerbe nahezu die Gesammtheit der Prinzipale und Gehilfen vereint und beschloffen, daß für die Folge nur solche Gehilfen Aussicht auf Unterkommen in den befieren Geschäften haben sollen, die in Druckereien gelernt, dessen Inhaber 1. den deutschen Buchdrucker- tarif beim Tarifamb der deutschen Buchdrucker durch eine schriftliche Erklärung anerkannt, und wo 2. die LehrltngSzahl der im deutschen Buchdruckertarif aufgestellten Lehrlingsskala entspricht. Für Eltern oder Dormünder entsteht nun die Pflicht, falls fie Knaben dem Buchdruckerberuf zuführen wollen, sich unter allen Umständen zu vergewisiern, daß der L-Hrplinzipal den deutschen Buchdruckertarif anerkannt hat- beachtcn dieselben daS nicht, können fie fich des VorwurfeS nicht erwehren, über die Zukunft ihres KiudeS in leichtfer­tigster Weife verfügt und diesem daS spätere Fortkommens bedenklichster Weise erschwert, wenn nicht ganz verschloffen zu haben. Die eingesetzte Tarifbehörde im Buchdruckergewerbe wird streng darauf achten, daß diese Schutzmaßnahme gegen

angestellt, sind bestimmte Sätze für ihre Bezahlung vorhanden und welche Sätze werden effrctiv bezahlt? Sind Gemeinden vorhanden, in denen eine Art von Penfiontrung dienstunfähig gewordener Handarbeits­lehrerinnen auf Gemeindekosten vorgesehen ist?

Eventuell: Welche Grundsätze find hierbei maß­gebend ?

Wie viele beruflich ausgebildete Handarbeitslehrerinnen find vorhanden, die ausschließlich dem HandarbeitS- unterrichte leben und welche Belohnung erhalten sie?

Gießen, den 23. Januar 1897.

B etr.: Statistik Über die Placirung hessischer Staatspapiere. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien und.die Kirchen­vorstände des Kreises.

Wir fordern Sie hiermit auf, unö innerhalb acht Tagen ein Verzeichnt nach untenstehendem Schema über bte im Besitze Ihrer resp. Gemeinde und bezw. den Kirchen- und Pfarrbesoldungt-fonds befindlichen vierprocentigen Großh. Hessischen Staatsschuldverschreibungen, getrennt nach den Anlehrn von 1876 unb 1882, Staatsrentenschuld und Schuld der LandeSculturrentenkaffe einzureichen, oder zu berichten, daß Sie derartige Papiere nicht befitzen.

v. Gagern.

Vierteljähriger Aöonnemeutspreisr 2 Mar! 20 Pfg. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Redactton, Expedition und Druckerei:

Kchulstraste Zlr.7.

Fernsprecher 51.

4. Sind Gemeinden vorhanden, die Allerszutagen ge­währen?

5. Wie viele Handarbeitslehrerinnen haben eine Prüfung abgelegt?

6. Von wem sind die abgelegten Prüfungen angenommen worden?

7. Wie viele geprüfte Handarbeitslehrerinnen find in reinen Landgemeinden verwendet?

8. Sind Gemeinden vorhanden, in denen gegenwärtig aus irgend einem Grunde kein Handarbeitsunterricht er- theilt wird?

Zu den Fragen unter O.-Nr. 1 und 3 bemerken wir, daß nur eine kurze und allgemeine Beantwortung ge­wünscht wird, und daß fich der Gleichmäßigkeit wegen empfiehlt, die Remuneration pro Jahresstunde zu berechnen.

v. Knorr.

Alle Annonccn-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Balle, welchen der Hof gab, theilnehmen konnte. In mir alS Ahnfrau waren also die Fabians Hoffähig geworden. Na, wenn sonst nichts, so gehörte doch baß in daS Familienbuch.

Der Kampf mit meinem Manne wurde von mir geradezu heldenhaft geführt. Erst schlug ich die sentimentale Sette an, denn ich weiß, daß er die gar nicht vertragen kann.

Männchen," meinte ich mit wrhmüih'gem Lächeln,einen Ball, einen großen Ball, an dem tout Berlin tbeilnlmmt, möchten wir diesen Winter doch miimachen . . . Sieh mal, ich habe doch so gar nich'ß immer den Aerger mit den Kindern, mit dem Dienstmädchen, mit" ich langte nach dem Taschentuche, um ein paar Thränen, die ich in Bereit« schäft gehalten hatte, abwifchen zu können.

Höre mit dem Jammern auf," brummte ärgerlich mein Mann.Wenn in der Saison ein Ball mitgemacht werden soll, so habe ich nichts dagegen. Bei dem bleibtS ja'aber gar nicht, da haben wir den Ball des Bezirksvereins, daS Wintervergnügen der SanitätSwache, die Abendunterhaltung des Comltsß für Speisung verarmter Junggesellen, die Matinä zu Gunsten der Wittwen der Billethändler"

Aber Mann," wandte ich ein,sei doch nur vernünftig, diese kleinen Scherze meine ich ja gar nicht. Ich denke an einen Ball, an einen richtigen, großen, vornehmen Ball, an einen Ball, der ausschließlich von den Spitzen der Gesellschaft, den allerhöchsten, höchsten und hohen Herrschaften besucht wird. Also kurz und gut, an den SubscriptionSball."

Nun war eS heraus, ich blickte ihn trlumphirend an, denn daS hatte er von mir bescheidenen anspruchslosen Bürgers- frau wahrscheinlich nicht vermachet.

Er wandte fich auch ganz überrascht um. Aber wenn ich erwartet hatte, daß er fich ablehnend verhalten würde, so hatte ich mich getäuscht. Er that ganz ernst, alt er erwiderte:

SubscriptionSball? Aeh, coloffal schneidig, Karten kriege ich schon."

Karten kriegst Du! DaS ist herrlich, daS ist groß­artig, und wirst Du welche besorgen?" fragte ich, ganz roth vor freudiger Aufregung.

thunlichst rasche Auskunft zu erhalten:

In welcher Weise werden die Handarbeitslehrerinnen

Feuilleton.

ADrr Iudsrriptionsdall.

Von Lina Fabian.

(Nachdruck verboten.)

Ich war eben dabei, in unser Familienstammbuch ein mueS, hochbedeutsames Datum einzutragen. DaS ist immer ein feierlicher Augenblick, denn das Stammbuch hole ich nur selten auS meinem Verticow, und wenn ich zum Schreib­tisch trage, dann herrscht unter meinen Sprößlingen großer Jubel: der rothe Einband mit dem dick aufgelegten Gold­druck wacht ihnen baß größte Vergnügen und bet Junge buchstabirt stets, indem er mit seinem Zeigefinger auf bte Goldruck Inschrift rechtß unten in derEcke tippt:Familie Fabtan".

In diesem Heiligthum der Familie ist auf der ersten Seite, von meiner Hand geschrieben, der Name meines Mannes zu lesen und sein Geburtstag, mein Geburtstag, das Datum unserer Verlobung und unserer Heirath, der Geburtstag meiner Mutter, meiner Schwiegermutter, der Kinder und so et cetera. Diese Daten wurden heute durch einen weiteren Eintrag ergänzt, der einen Markstein in unserer Familiengeschichte bilden soll. Ich ergriff die Feder und schrieb in den mit eigenen festen Zögen:

25. Januar 1897 SubscriptionSball!"

Diese Eintragung war ich mir unb meiner Familie schuldig, sprach sie doch eine beredte Sprache über die Ent- wickeluugSfähigkeit des Geschlechts der Fabian : künftige Generationen mußten fich diesen Tag in das Gedächtniß ein- prägen. Ich hatte das erhebende Gefühl, als ob ich mit dieser EintragungAhne" geworden sei, Ahne für nufere nunmehr hoffähig gewordene Familie.

25. Januar 1897 SubscriptionSball!"

Beneiden freilich brauchen mich meine Nachkommen um all die schweren Tage und Stunden, welche dem denkwürdigen Ballabend voraufgegangen sind, durchaus nicht. Denn hat wahrlich einen harten Kampf gekostet, ehe ich eS er- reichen konnte, daß daS erste Glied der Fabians an einem

Der Hießencr Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener Aamitiendkäiter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal heigelegt.

Gießener Anzeig er

Kenerak-Mnzeiger.

M. w., machen wir," antwortete et und jener un­angenehme Zug trat um feine Lippen, den ich immer schon bemerkt hatte, wenn et irgend eine Bosheit für mich auf Lager hatte.Ich werde also zwei Eintrittskarten besorgen. DaS kostet mich zwar mein schweres Geld, aber für Dich ist mir wirklich nichts zu theuer. Aber sag mal, wie stehts denn mit Deiner Balltoilette?"

Ach," machte ich etwas verlegen,mit der na, ich denke, daS wird sich rangiten lassen. Du weißt doch, als wir vor acht Jahren bei der Hochzeit in meiner Heirnath da hatte ich ein Ballkleid, das erregte den Neid des ganzen weiblichen Priegnitz, wenn ich nun daS mal wieder vorsuchte . .

Mein Mann lachte auS vollem Halse.

Natürlich," setzte ich wie zur Entschuldigung hinzu, modernifirt." Und als ich sah, daß er von einem Lach- krampf in den andern sich hinüberkichette, faßte ich Muth. Oder meinst Du, daß ich ganz waS Neues?"

Aber Frauchen," antwortete er, als er fich beruhigt hatte,das ist doch selbstverständlich," dabei wischte er fich einige Thränen ab, die ihm daS herzliche Lachen über die Wangen getrieben hatten.Du mußt Dich ganz neu, funkel- nagelneu einpuppen. Ballftaat erster, allererster Güte, weiße Seidengace, unb bann natürlich becolletirt."

Ich traute meinen Ohren kaum. Sollte ich wirklich so ganz mobern, beinahe fin de siede . .?

Decolletirt?" .fragte ich erstaunt und erfreut.Muß ich denn daS.?"

Gewiß mußt Du baß," commonbtrte er, batet aber zog er ble Oberlippe in verdächtiger Weise hoch.Erstens Deiner Gesunbheit wegen, zweitens beß Hofeß wegen und brittenß, weilß mir auch vergnügen macht."

Daß würbe Dir Vergnügen machen?"

Na, unb ob, riesiges Vergnügen."

Gib mir Deine Gründe an," verlangte ich kategorffch, weil ich befürchtete, er würde wieder feinen dummen Witz au-laffen an mir unschuldigem Geschöpf.

(Fortsetzung folgt.)

Amtlicher Theil.

Gießen, den 22. Januar 1897. Betr.: Die Verhältnisse der Handarbeitslehrerinnen.

Die

Srvßh. Kreis-Schulcommisfion Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Bon nachstehender Ve'füaung geben wir Ihnen mit dem Auftrage Kenntniß, uns nmgehend über unten angeführte einzelne Punkte zu berichten.

v. (Sagern.

Darmstadt, 15. Januar 1897.

Betr.: Die Verhältniffe der Handarbeitslehrerinnen.

Das Großh. Ministerium des Innern

Abtheilung für Schulangclegenheiten

an die Gr. Kreisschulcommissionen.

Um eine an uns gelangte Anfrage beantworten zu können, ist uns von Interesse, über die folgenden Punkte

Ord.- Nr.

Bez eichnung der Fonds unb Kassen

Anleben von 1876

Summa in Mark

Anlehen von 1882

Summa in Mark

StaatSrenten- schuld

LandeScultur­rentenkaffe

Hauptsumme