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25.11.1897 Zweites Blatt
 
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1897

Br. 277 Aweites Blatt. Donnerstag den 25. November

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Alle Unnoncen-Vnreaux be» In« und Auslandes nehm« i Anzeige» für denGießener Anzeiger" entgeh». «>

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Amtliche»' Theil.

Gießen, den 22. November 1897.

Betr.: Die Viehzählung am 1. December 1897.

ei Grotzherzogliche Kreisamt Siehrn

Jade« wir die von Ihnen als Mitglieder der Zähl- conmrtsfiou vorgeschlagenen Personen zu solchen hiermit er nennen, beauftragen wir Die jetzt gemäß unserer Bekannt­machung vom 27. October 1897 abgedruckt im KretSblatt Rr. 255 und der Ihnen ertheilteu Instruction zu verfahren. __________________________v. Gager »._________________________

Bekanntmachung.

Der auf den 1. December d.J. in Wetzlar anstehende Kram- und viehmarkt ist wegen der an diese« Tage statt« findenden Viehzählung auf Donnerstag den 25. No­vember d. I. verlegt worden.

So die Abhaltung des BiehmarkteS werden zur Ver­hütung der Verschleppung der Maul- und Klauenseuche folgende Bedingungen geknüpft:

1. Für den Auf- und Abtrieb der Thiere ist je eine bestimmte Stelle zu schaffen. Die Benutzung anderer Stellen für den Auf- und Abtrieb, ebeuso da» Handrlu mit Vieh außerhalb des Marktplatzes ist verboten.

Der Auftrieb beginnt um 81/, Uhr vormittags.

2 Auf deu Markt dürfen our Thiere aus seuchefreieo Orten, deren Führer mit gültigen behördlichen UrsprungSzeugutffeu versehen find, aufgetrieben werden, Thiere von Händlern aber nur daun, wenn iu jenen UrsprungSzeugutffeu weiter bescheinigt ist, daß die Thiere sich die letzten fiebeu Tage in un­verseuchtem Zustand tu sruchefreten Orten befunden haben.

Im Uebrtgen gilt für die Einführung von Händlervieh in deu Kreis Wetzlar die iu Nr. 109 des Wetzlarer Anzeigers vom 11. Mai 1897 veröffent­lichte polizeiliche Anordnung des Herrn RegterungS- Präfideuteu zu Coblenz vom 13. April 1897.

3. Aus dem Großherzogthum Heffen hülfen Rindvieh, Schweine und Schafe nicht aufgetrieben werden.

4. Bet dem Auftrieb der Thiere hat der Etgeuthümer oder Führer dem anwesenden Poltzeibeamten da» unter Nr. 2 erwähnte UrspruugSzeuguiß vorzuzeigen.

Außer von der Controle der UrsprungSzeugniffe ist der Auftrieb von der vorherigen Besichtigung und Nichtbeaostandung der Thiere durch deu ldrei»- thierarzt abhängig.

Wetzlar, deu 19. November 1897.

Der Königliche Laudrath.

_____________________gez. Go edecke._____________________

Au» Anlaß der Allerhöchsten Geburtstagsfeier bleibt das OrtSgericht Gießen Donnerstag den 25, ds. Mts. geschloffen.

Großh. OrtSgericht Gießen.

Gros.

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Laubach, 21. November. Bon böswilliger Seite wurde tu der Nacht von SamStag auf Souvtag, in welcher ein größeres Schützeneffeu l«Hotel zum Vchützenhof* stattfaod, da» Geländer eine» Steg» auf der einen Seite abgerissen. Zum Glück wurde die Beschädigung noch so rechtzeitig be­merkt, daß UuglückSfälle«, bei der herrschenden Duukelheit leicht möglich, vorgebengt werden tonnte. Im Laden des hiesigen Kaufmann» H. zeigte ein Säufer zwei Jungen einen Revolver. Derselbe entlud sich plötzlich und die Kugel flog zwischen den beiden Käufer« hindurch, so daß dieselben glücklicher Weise mit dem bloßen Schrecken davoukameu.

Merlan, 22. November. Am vergaugeueu Sonntag fand zu Merlau im Saale de» Gastwirth» Hörle der S ä u g e r- tag de» Ohm-Lumdathal-Diugerbunde» statt. Al» Festort für das nächstjährige 8. BundeSfest, verbunden mit Fahnen­weihe, wurde Wettsaaseu bestimmt.

Welche enormen Lapitalverluste Deutschland an aus­ländischen Werthpapieren erleidet, davon haben nur die Wenigsten eine richtige Vorstellung. Nach den Berechnungen Schmoller» in der Börfenenquöte hat das deutsche Capital an den nothleidenden argentinischen, brasilianischen, grie­

chischen, portugiesischen, serbischen und nordamerikanischen Papieren etwa 700 bi» 800 Millionen Mark verloren. In Wirklichkeit dürfte dieser Verlust nicht unerheblich größer gewesen sein, da allein von den deutschen Bankhäusern an argentinischen Papieren für 310 und an griechischen für 415 Millionen Mark in den Jahren von 1886 bis 1891 übernommen wurden. Da die betreffenden Emissionsbanken sich vermuchlich rechtzeitig zu sichern wußten, ebenso, wie die Zwischenhändler, welche dabei besonders hohe Provisionen einstrichen, so ist von diesen empfindlichen Verlusten fast ausschließlich das private Sparcapital betroffen worden.

* Für 800 000 Franc» Briefmarken gestohlen. Au» dem Gebäude der Generaldirection der Posten in Athen find mittel» Einbruch» für mehr als 300 000 Francs Postwerth­zeichen entwendet worden, aber nicht neue, sondern, das ist das Bezeichnende, Briefmarken, die bereit» einen Stempel trugen und von der Pofiverwaltuug lediglich zum verkauf an Sammler bestimmt waren. Unter den entwendeten Stücken befinden sich namentlich viele Marken der olympischen Spiele, die damals zu« großen Theil unverkauft geblieben waren.

* Die größte Sefiugelzüchterei der Welt. Diese befindet fich in den vereinigten Staaten von Nordamerika, und ist Little Camptou im Staate Rhode Island. Die Ri es en- farm, welche dem Engländer Wilbur gehört, enthält 120 Stück je 10 Fuß lauge und 8 Fuß breite Hühuerhäuser, iu deren jedem sich etwa 40 bis 50 Hühner befinden. Die Farm versendet jährlich 30 000 Schock Eier, die sie speciell in den großen Hafenstädten am atlantischen Ocean abfetzt. Die Hühnerzucht ist hier eine äußerst rationelle; die Hühner werden täglich zweimal gefüttert, und zwar Morgen» mit grünem Gemüse, Nachmittag» mit geschrotenem Mat». Die Eier werden jeden Nachmittag gesammett und kommen auch an demselben Tage zum versandt.

Höchste Klatschsucht. . . Wissen Sie, die verhält- uiffe bei Ihrer Nachbarin find doch höchst erbärmlich- a« 20. hat sie nicht einmal mehr (Selb.*Ach, da wollte sie Sie wohl anpumpeu?*Da» gerade nicht, aber ich wollte rasch einmal von ihr drei Mark geborgt haben."

Etrafeßen. Vater:Wird denn in Eurer Kochschule auch gestraft?" Tochter:O ja. Wer fich schlecht auf­führt, oder zu spät kommt, muß da» essen, wa» er ge­kocht hat.*

Feuilleton.

Gras Pänyi.

Eine Geschichte auS Slavonien' von M. Roda-Roda.

(Schluß.)

Er hatte einmal herrliche Tage gesehen. Wenn er Lust hätte zum Reden und die hat er niemal» er könnte drei Tage erzählen nur allein vom König, an deffen Hof er ein hoher Herr gewesen.

Wenn ihm Jemand schriebe und da» thut wiederum Niemand er müßte ihn tituliren:Ew. Excellenz*,Sr. Majestät Wirklicher Geheimer Rath.*

Wenn er nach Budapest ginge aber et thut» nicht wüßten ihm alle Minister den Bortritt lassen, denn er ist Ordensritter deö goldenen Vließes.

Er aber lebt verbittert in der Wtlduiß, seit sie ge­storben, für die er sein Augenlicht gegeben hätte, sein liebe» Töchterchen Daniela.

Am Tage ihrer Beerdigung rief der Alte die Directoren zu fich, die auf seinen weiten Gütern schalteten, die Forst­leute, Lugaren, Verwalter, Jspim», Gazda», die Kutscher and BLrese, die conveutionirteu Zigeuner, die Haiducken und Panduren, die Kasatoren und Partieführer, theilte olle feine Felder unter fie auf noch Treue und Dienstjahren und nahm von Allen Abschied. Behielt nur den Wald für fich.

Seinem Diener Ferko aber gab er nicht». Den nahm u mit fich in die Oede, damit er ihm da» künftige Heim bauen helfe,- und diese» künftige Heim herbergt ihn nun fünfzehn Jahre.

Fünfzehn Jahre lang hat er keinen Schritt au» seinem Gebiete gethav. Mit den Behörden hat er nicht» zu thun. Seine Steuer hatte er, noch bevor er in den Wald zog, auf ewige Zeiten entrichtet, indem er eine Dumme deponirte, 'bereu Zinsen auch in den schlechtesten Zeiten die Grundabgaben decken mußten.

Seit fünfzehn Jahren hatten ihn kaum sech», fiebeu Menschen gesehen. Rein Weg, kein Steg führten durch Heinen Wald, den zu betreten er strengt verboten hatte. Dazu lag der Wald so unwirthlich auf der Höhe de» Papuk,

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in so seifigem Grund, daß unr Schwärzet, Diebe, Wilderet, Räuber nach ihm gelüsten konnte. Die aber hielt fich der alte PLuhi fest vom Leibe.

Und so kam», daß Niemand in der Welt die Phantasie de» Volkes so sehr beschäftigte, wie der alte Pämhi. Ein blüthenreicher Kranz von Sagen hatte fich um sein greises Haupt gesponnen.

Auf einem weißen Hirsch reite er bei Nacht durch die Thäler, sagten die Leute, und segne die Fluren. Sein Mantel sei purpurroth, golden die Gewe'^ de» Thieres.

Durch Zauberei lockte er die Füchse au» dem Bau, die Adler uud Bussarde aus der Höhe, um fie dann mit Ruthen- streichen zu tödteu.

Und wa» de» Unfinn» mehr ist. Richt zu vergessen: Sein Grab sei bereit auf der höchsten Spitze de» Rimski put und jeden Freitag müsse et dort wachen, denn dorthin komme gar oft der König selber, als Schafhirt verkleidet aus Wien, um Rath» zu Pflegen mit dem alten Pchcihi oder Geld zu borgen von ihm, denn er besitze ungeheure Schätze.

Et und Ferko schliefen auf dem Lager von Moo», al» die Hunde leise anschlugen.

Wortlos griff PLnhi zu seinen Waffen, bet alte Ferko nahm zwei lange Stangen--die Tragbahre--

Dann standen fie still vor der Hütte und horchten in die ungewisse Nacht.

Fern im Walde verhallte, kaum gehört, ein Schuß. Dahin wandten fich die beiden ruhig und gemeffeu, wie eS Alten geziemt, ohne Erregung.

Sie gingen wohl eine Stunde lang, al» wieder ein Schuß ertönte, diesmal nahe genug, um ihnen genaue Richtung zu geben, und nun folgten fie den Hunden.

Bei einem großen Felsblocke blieben fie stehen. Päwhi winkte zurück. Gehorsam kroch der graue Ferko iu die Deckuug und die Hunde setzten fich zu ihm.

Hier mündet da» enge Thal in den weiten Kessel. Hier war der Schuß gefallen, hier wußten die Wilderer wechseln.

Wieder stand der alte Piboyi da, die Rechte aus die Mündung seiner Büchse gestützt, da» seltsam träumerische Auge in die Ferne gerichtet, die der Mond kau« erkennbar beleuchtete.

Da da kamen fie, die fich unbeobachtet glaubten. Sie gingen ziemlich geräuschvoll.

Gliso mit einer GaiS auf den Schultern.

Und mit au-gestreckten Händen donnerte ihnen Pünhi seinHalt?*

Sie waren versteift. Der Mond, der hell an» de« Wolken trat, beleuchtete den Grei» mit weißem, wallendem Barte so seltsam . . . Die ausgestreckten Arme die mäch­tige, tiefe Stimme ...

Bor Furcht und Zittern vergaßen fie an Flucht ober Gegenwehr.

Und als er auf fie zuschritt, da fielen fie anbetend auf die Kniee. Die Gais hatte Gliso längst von fich geworfen.

Sr nahm ihre Gewehre unö Rick! Rack! zerschmetterte er eins ums andere schwingend an dem Fel-block, daß die Splitter flogen.

Dann herrschte er deu ersten an, der ihm ängstlich zu- gesehen hatte:Wie heißest Du?*

Ivo ZfigicSk* zähneklapperte der.

Und Du?*

»Gliso, der Schäfer!*

Ivo und Gliso knieet nebeneinander. So! Und nun betet Euer letztesVaterunser* denn gleich nachher müßt Ihr beide sterben! Ferko, bring die Bahre! Seht, aus dieser Bahre wird man Euch wegtragen--*

Todtenbläffe deckte ihre verzerrten Züge. Hätten fie'S gekonnt, fie hätten um ihr Leben gebeten doch kein Hauch kam über ihre blutlosen Lippen.

Die Rechte auf die Büchse gestützt, stand PLnhi vor ihnen, al» warte er ungeduldig.

Habt Ihr geendet?*

Er erhob langsam, fie fest auschauend, die Mündung ---- dann wandte er fich zum Gehen und von ferne, al» fie ihn nicht mehr sahen, rief er ihnen nach:Geht nach Hause und erzählt, wie mau wildert in meinem Revier!*

Hat fich lange Keiner wieder beifallen lassen, eS zn probiren.