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M 198 Zweites Blatt. Mittwoch den 25 August
Der Hietzener ^njetger erscheint täglich, mit Ausnahme bc8 MontagS.
Die Gießener Aamirtenötälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Gießener Anzeiger
Kemrak-Wnzeiger.
Vierteljähriger ^üottncmcntspreis: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge, 2 Mark 50 Pfg.
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Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Gieren.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de, folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
Hratisöeitage: Hießener Kamikienötätter.
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme« । Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgeg«.
Amtlicher Lheil.
Bekanntmachung, detr.: das Aufsetzen von Stroh, Hm und dergleichen leicht entzündlichen Gegenständen in allzu großer Nähe von Gebäuden.
In neuerer Zeit findet die Bestimmung des Art. 147 de« Polizeistrafgesetzes nicht die nöthige Beachtung, indem häufig Haufen von Stroh, Heu und sonstigen leicht entzündlichen Gegenständen in nächster Nähe von Gebäuden aufgesetzt werden, so daß für diese eine wesentliche Erhöhung der FeuerSgefahr eintrilt.
Wir bringen deshalb den angezogenen Artikel des Polt- zristrafgesetzbuchS hierunter mit dem Anfügen zum Abdruck, daß das Poltzeipersonal angewiesen worden ist, in Zuwider- chandlungsfällen unvachfichtig Strafanzeige zu erheben.
Gießen, den 23. August 1897.
GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen. I. V.: vr. Wagner.
Art. 147. Stroh, unouSgedroscheneS Getreide, Heu, Krümmet, dürrer unbereiteter Hanf und Flachs, dürre Streu- riittel und dergleichen leicht entzündliche Gegenstände dürfen unter freiem Himmel zum Zwecke längerer Aufbewahrung Itt größerer Menge, bet Vermeidung einer Strafe von 1 bis 5 fl, nicht anders als in einer Entfernung von hundert Fuß — 25 Meter — von jedem nicht feurrficher gedeckten, fünfzig Foß — 12,5 Meter — von jedem feuer- ficher gedeckten und mit einer Feuerung versehenen, endlich dreißig Fuß — 7,5 Meter — von jedem anderen feuerficher gedeckten Gebäude, aufgeschichtet werden.
Gießen, den 23. August 1897.
Betr : Wie oben.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grosth. Bürgermeistereien und die GenSdarmcrie des Kreises.
Indem wir Sie auf obige Bekanntmachung verweisen, Jeauftrageu wir Sie, in Zuwiderhandlungsfällen unoachfichtig Strafanzeige zu erheben.
I. V.: vr. Wagner.
Feuilleton.
Kitty und Litty.
Eine Manövergeschichte von Hermann Birkenfeld.
(2. Fortsetzung.)
Jetzt brummte und schnurrte das Ungethüm richtig um die Kerze — da wars Zeit--und Hauptmann v. Poll-
Hammer griff nach etwas Tödtendem. ES war das Handtuch, rin derber — man möchte sagen vierschrötiger — Quadrat- setzen aus Gerstenkornleiowand. Aber vergeblich Wards geschwungen — — einmal, zweimal und noch öfter. Et denn! Nun in der Ecke Über dem zerwühlten Lager — daun in der entgegengesetzten — nun über dem Kleider- jrfiranEe — — klatsch — klitsch — klatsch — allemal vorbei! fZollhammer gerteth in iofernaltsche Wuth. Eben, da er die Verfolgung aufgeben wollte, da saust ihm daS Jnsect wie zum Hohn um die Nase selber. Deßhalb noch einmal wenigstens zugeschlagen! — Klingltngling — — klapper- diklapper!--da war entschieden etwas gefallen. WaS?
das konnte der Unglücksjäger nicht eher genau beurtheilen, bi« er — nach etlichem Suchen — feine Streichhölzer gesunden hatte. Zugleich aber — beim ersten Lichtschimmer — klopfte etwas an seine Alkoventhür.
„Herein!" rief Erich v. Pollhammer, ohne daran zu denken, daß er sich in seinem Schlafzimmer befand. Er dachte momentan überhaupt au nichts GescheidteS, denn was ex da auf Schrank und Stuhl und Boden an Chaos sah beim Zündholzscheine —
„Uemme Gott'Swill'n, Herr Hauptmann!"
Da stand sie, das Jüngste auf dem Arme, die zwei Stangen hinter fich.
„Dat Spettakel hett mi Angst makt, un do wull'k doch joihn, wat paffeert iß, un — — oh, Du leiwe Moder Sott's van Telgte — «in Bestestuwenlüchterl Un de Hoch- tidSlampe, de'k van min olle Herrschaft kregen hew, aß Jan Graßmück mt friggede! Nee, Herr Hauptmann, 'k hew all
CocaUs unb ptovinjicUo«
□ Darmstadt. 23. August. Die Nebenbahn Darmstadt—Roßdorf — Groß-Zimmern wurde heute unter Theilnahme von Vertretern des Ministeriums der Finanzen, der Kreisämter Darmstadt und Dieburg, der Stadt Darmstadt und der betheiligten Landgemeinden feierlich ein geweiht. Auf die Begrüßungen der Ortsvorstände antwortete auf den einzelnen Stationen Herr Geheimerath Schäffer Namens der StaatSregieruug. Letzterer wurde in Toasten bei dem gemeinsamen Mahle in Groß Zimmern dankend gedacht , ebenso der Kammer der Stände, insbesondere des Landtagsabgeordneten Friedrich, der sich wesentliches Verdienst um das Zustandekommen der Bahn erworben hat. Ein Toast galt ferner der Eiseubahndirection Mainz, Namens deren Herr Baurath Stahl erwiderte. Für die Wasser- beschädigten wurden im Laufe des Mahles 70 Mk. gesammelt. Die Bahn nach den stattlichen Orten Roßdorf und Groß- Zimmern, insbesondere dem letzteren über 3000 Einwohner zählenden wohlhabenden Orte hat sicherlich eine Zukunft und dürfte in der Rentabilität manche ihrer Colleginnen übertreffen.
Darmstadt, 22. August. Radwettfahren. Runden- prämienfahren. 5000 Meter. 1. Herth Klein Steinheim. 2. Grogna-Lüttich. — Fahren um den Ehrenpreis des Deut- schen Radfahrer-Bundes. 3000 Meter. 1. Albert Becker- Hofheim, 2. L. Opel-Rüsselsheim, 3. Abert Biebrich. Zeit: 5:52%. — Hauptfahren. 2000 Meter. 1. Arend- Hannover, 2. Frz. Verhryen-Frankfurt, 3. Struth-Mainz. Zeit: 3:24%. — Meisterschaftsfahren in Hesien über 5000 Meter. 1. L. Opel, 2. Pfeifer-WormS, 3. Treber- RüffelSheim. Zeit: 7:49%. — Mehrsitzerfahrer mit Vorgabe für Berufsfahrer. 2000 Meter. 1. Lautermann. Koch (60 Meter), 2. Gebr. Verhetzen (40 Meter). 3. Grogna- Damrh (10 Meter). Zeit: 2:36. — Mehrfitzerfahren mit Vorgabe für Amateure. 2000 Meter. 1- A lbert-Opel (0 Meter), 2. Dmll-Leichum (70 Meter), 3. Steber-SillieS- Raup (90 Meter). Zeit: 2:37%. — Vorgabefahren um die gestifteten Ehrenpreise. 2000 Meter. 1. Albert- Biebrich (0 Meter), 2. Möbs - Frankfurt (80 Meter), 3. Treber-Rüffelsheim (60 Meter). Zeit: 3:49%.
Gan-Oderuheim, 20. August. Ein hiesiger Einwohner hatte vor dem Fenster seiner im ersten Stockwerk gelegenen Wohnung eine Flasche mit angesetztem Branntwein ausgestellt, nach deren Inhalt verschiedene junge Burschen lüstern
min Lebdag glöwt, dat ’n Offsehr wat eislick*) Apatteß wihr un fick minschlich beneihm, äwer dir iß unminschlich. De fine Lampe mei ’n Harmonikabauch oder wo dat Tug heit't! Ftner äß Berliner Porßlan, seggt de Lü' all! Un brennt hett se noch nich mal — nee, dortau wthr se mi to schad, un nich 'mal in de Bestestuwen hew'k se seit wegen de Kinner — hier kümmt de nich rin — — Un nu alles, alles kapott!"
Fran Graßmück weinte.
Daß daß Nesthäkchen auf ihrem Arme half, versteht fich von selbst. Jan Bernd und Fritze aber starrten Erich v. Pollhammer an, alß wäre er rin Meuchelmörder und habe ihnen nie — nie im Leben — eine Düte von Conditor Schwabe mitgebracht. Sie war ja auch längst nicht mehr da. Düten sind kurzlebig, wie Ktnderdank.
Da stand nun der Hauptmann und Compagniechef von Seiner Majestät sechster und hatte seine liebe Noth, ein un- glücklicheß Frauenherz zu trösten.
Für den Schaden kam er ja selbstverständlich auf. Aber — mochte die Stadt noch so stark „belegt" sein, ein bißchen verfehlt kam ihm sein Quartier jetzt doch vor. Fellenberg war doch immerhin eine reguläre Stadt mit 5400 Einwohnern und hatte ihn am Ende auch anderßwo unterbringen können. Ob da nicht der Sergeant Trappe, sein Fourier- unterosfizier, eine Dummheit gemacht hatte? Er hatte ihn schon längst im Verdacht, ein Windhund zu sein. Mußte dem Menschen 'mal auf diezFinger paffen. Auch den Leuten hier nicht ordnungßmäßig augesagt zu werden sie hätten ein Pferd haben sollen, sagte ja Frau Graßmück — ja, waß denn? — Blitz und Donner! Der Fourierlieutenaut hatte doch die Offiziers quartiere persönlich bestchtigen müssen --Der Herr schien fich'ö recht bequem gemacht zu haben 1
Verdrießlich machte Pollhammer Toilette und brannte eine Cigarre an.
„Fernand!"
Fernand Schrattenholz war nicht da.
•) Anm.: besonders.
wurden. Sie versuchten, die Flasche Abends auszuführeu, wurden aber dabei von dem Eigenthümer verjagt. In der richtigen Voraussetzung, daß der Versuch wiederholt werde, ließ sich der Mann in der Apotheke ein starkes Abführmittel verabreichen, daß er mit etwaß verdünntem Branntwein auffüllte und an den bestimmten Platz stellte. Schon am folgenden Abend fehlte die Flasche, allein in der Nacht wurde auch der Arzt zu>ier Burschen geholt, welche an furchtbarem Durchfall mit Erbrechen litten. Der Bestohlene lachte sich inß Fäustchen und dachte „Das kommt davon".
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„Hei iß nah stn Pird gohu," sagte Mutter Graßmück.
Daß frischte ihreß Hauptmannß Laune nicht auf. Fernand hatte ihm den Sergeanten Trappe holen sollen. Ja — wo wohnte denn der Kerl? — Er hatte doch die Quartierliste der sechsten Compagnie vom Feldwebel erhalten und — heiliger Antoniuß von Padua! — die stak in der Sattrltasche seiner braven Karline!
Eine Weile trommelten deß Hauptmannß Finger auf den kleinen Scheiben seineß Beftestubenfensterß, während er miserabelmüthig auf daß löcherige Pflaster der Dachßgrube hiustierte.
Da--ging nicht da drüben der Einjährige Heinrke,
der kurzsichtige Brillenonkel und Drückeberger, der fick freiwillig zu Trappe'ß Unterstützung erboten hatte? — Auch so ’n Windhund, aber zahlungßfähig, wie Trappe ihn sich nur wünschen konnte.
Ein Flügel deß Fensters flog auf.
„He! . , . Einjähriger Hetneke!"
Hetneke sah fich um. Eß dauerte eine Weile, biß er den winkenden Compagutechef entdeckte. Aber wie!
„Die Dtckthuerei kann Dir theuer zu stehen kommen, Fernand. Paßt ja auch mit Deinem Quadratkopf gar nicht in 'ne Offizierßuniform. Und 'mal wieder eine von deß Alten Cigarren im Schnabel, wie?"
Nein, nun--—!
„Hetneke! Sofort kommen Sie herüber! — Hetneke!" „Blaß mich' auf ’n Kopp, unverschämte Burschenseele l" Der Mensch hatte sich nicht einmal wieder umgesehea. Daß war eine Antwort für einen Hauptmann und Com- paguiechef! I — daß Dich--1
Eß dauerte etwas, biß Erich v. Pollhammer über die Verwechselung mit seinem eigenen Burschen lächeln konnte.
Also sein Fernand leistete fich zuweilen den Spaß, sich in einer Hauptmannßuniform bewundern zu lassen. Und dazu seine Havannahs! Und die waren ächt. Denn der einzige Luxus, den Hauptmann v. Pollhammer fich gestattete, war eine theure Cigarre.
(Fortsetzung folgt.)


