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Nr. 47
Zweites Blatt
DoimerAaq de» 2». Februar
1807
Gießener Anzeiger
Kenerat-Wnzeiger.
Amts- und Zlnzeigsblatt für den ICreis Metzen.
Hratisöeikage: Gießener Aamitienökätter.
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.
Die Gießener
Alamltienötälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Der
Kteßener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de- MontagS.
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Amtlichem Theil.
Bekanntmachung, da- Grsatzgeschäft pro 1897 betreffend. Die Musterung und Loosziehung der Militärpflichtigen des Kreises Gießen für das Jahr 1897 findet an den nach- benannten Tagen statt und zwar:
I. Zu Gießen in der Restauration „Zum Lahnstein", Nordanlage.
Samstag den 6. März, Vormittags von 8 Uhr an:
Musterung
der Militärpflichtigen der Gemeinden Allendorf an der Lahn, Allendorf a. d. Lda., Alten - Buseck, Annerod, Bersrod mit Winnerod, Beuern, Burkhardsfelden, Daubringen, Großen- Buseck, Haltenrod, Mainzlar, Oppenrod und Reiskirchen;
Montag den 8. März, Vormittag von 8 Uhr an. derjenigen der Stadt Gießen der beiden ältesten Jahrgänge (1895 und 1896) und der Gemeinde Rödgen;
Dienstag den 9. März, Vormittags von 8 Uhr an: derjenigen des jüngsten Jahrgangs (1897) der Stadt Gießen und derjenigen der Gemeinde Großen-Linden-
Mittwoch den 10. März, Vormittags von 8 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Heuchelheim, Klein-Linden, Lollar, Ruttershausen, Staufenberg, Treis a. d. Lda., Trohe und Wieseck;
Donnerstag den 11. März, Vormittags von 9 Uhr an:
Loosziehung.
II. Zu Lich im Rathhaussaale.
Freitag den 12. März, Vormittags von 9 Uhr an:
Musterung
der Militärpflichtigen der Gemeinden Albach, Bellersheim, Bettenhausen, Birklar, Dorf-Gill, Eberstadt, Ettingshausen, «Garbenteich und Grüningen;
Samstag den 13. März, Vormittags von 9 Uhr an: «Derjenigen der Gemeinden Hausen, Holzheim, Hungen, Inheiden, Langd, Lang-Göns und Langsdorf;
Montag den 15. März, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Leihgestern, Lich, Muschenheim, Münster, Rieder-Bessingen, Ronnenroth, Obbornhofen, Ober- Bessingen, Ober-Hörgern, Rabertshausen und Rodheim;
Dienstag den 16. März, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Röthges, Steinbach, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen und Watzenborn mit Steinberg.
Mittwoch den 17. März, Vormittags von 9 Uhr an:
Loosziehung.
in. Zu Grünberg im Gasthaus zum Rappen.
Donnerstag den 18. März, Vormittags von 9 Uhr an:
Musterung
der Militärpflichtigen der Gemeinden Allertshausen, Beltershain, Climbach, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg, Harbach, Keffelbach, Lauter und Lindenstruth;
Freitag den 19. März, Vormittags von 9 Uhr an: derjenigen der Gemeinden Londorf, Lumda, Odenhausen, Queckborn, Reinhardshain, Mddingshausen, Saasen, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain und Weitershain.
Samstag den 20. März, Vormittags von 9 Uhr an:
Loosziehung.
Besondere Bestimmungen.
1) Zur Musterung haben sich, bei Meidung der gesetzlichen Strafen, zu stellen:
Diejenigen, dem Großherzogthum Hessen oder einem andern Staate des deutschen Reiches angehörigen Militär- pflichttgen, welche
a) in einer Gemeinde des Kreises Gießen ihr gesetzliches Domicil — ihre Heimath oder ihren ständigen Wohnsitz — haben und sich nicht in einem andern Theile des Großherzogthums Hessen oder einem andern Staate in einer der nachstehend unter b) angegebenen Eigenschaften aufhalten;
b) in einer Gemeinde des Kreises Gießen sich als Dienst, boten, Haus- oder Wirthschaftsbeamte, HandlungS- diener und Lehrlinge, Handwerksgesellen und Lehrburschen, Fabrikarbeiter oder in ähnlicher Eigenschaft aufhalten, oder die Universität Gießen oder das Gymnasium daselbst oder eine sonstige Lehranstalt in einer Gemeinde des Kreises Gießen besuchen;
c) in einer Gemeinde des Kreises Gießen, oder während ihre Eltern einer solchen angehörten, im Auslande geboren sind, und weder im Großherzogthum Hessen, noch in einem andern deutschen Staate Domicil be. sitzen oder sich aufhalten;
und im Jahre 1877 geboren sind;
ferner
Sämmtliche Militärpflichtige, welche im Jahre 1895 bezw. 1896 zur ückgestellt worden, oder nach ihrer gezogenen Nummer disponibel geblieben, d. h. nicht einberufen worden sind.
Entbunden von der persönlichen Gestellung sind Diejenigen, welchen Ausstand bewilligt, oder Be- rechtigung zum einjährig.freiwilligen Militärdienst ertheilt worden ist.
2) Diejenigen Militärpflichtigen, welche zum zweiten- oder drittenmale erscheinen, haben,ihre Loosungsscheine mitzubringen.
3) Wenn von einem Militärpflichttgen, oder für einen solchen von seinem Vater, oder seiner Mutter Zurück« ffeÜuug in Anspruch genommen wird, so ist für Vorlage der zur Beurkundung der behaupteten Thatsachen erforderlichen Nachweise und Zeugnisse vor dem zur Musterung anberaumten Termine zu sorgen. Die Zeugnisse müssen amtlich ausgestellt oder beglaubigt sein.
Wenn die Zurückstellung auf die Arbeitsunfähigkeit eines Familienangehörigen gegründet wird, so hat der betreffende Familienangehörige sich selbst persönlich im Termin vor der Ersatz-Commission einzufinden.
Noch nicht eingereichte ZurückffellurrgSanfprüche sind bei der Großherzoglichen Bürgermeisterei vorzubringen und die Verhandlungen baldigff — unter alle« Um« ffänderr Dor Beginn de- Grsatzgeschäfte- — an die Ersatz-Commission einzusenden. Verspätete Gesuche haben keinen Anspruch auf Berücksichtigung. Frühere Recla- matioueu, welche pro 1897 erneuert werden sollen, find mittelst Berichts sofort eiuzusorderu.
4) Wenn ein Militärpflichtiger an Gebrechen leidet, die äußerlich nicht wahrnehmbar sind, z. B. Taubheit, Harthörigkeit, Kurzsichtigkeit, Geistesschwäche u. s. w., so ist dies durch amtlich ausgestellte oder beglaubigte Zeugnisse des Arztes, sowie des Bürgermeisters, Geistlichen, Lehrers u. s. w. nachzuweisen. Da- Vorhandensein von Gpilepffe ist durch die eidliche Erklärung von mindesten- drei glaubwürdigen Zeugen zu erhärten.
5) An der Loosziehung persönlich Theil zu nehmen, steht jedem Militärpflichtigen frei; für Diejenigen, welche bei dem Aufrufe nicht anwesend find, zieht ein Mitglied der Ersatz-Commission das Loos.
6) Die Großherzoglicheu Bürgermeistereie« haben sämmtliche ihrer Gemeinde angehörigen oder in ihrer Gemeinde gestellungspflichtigen Militärpflichtige auf Grund der ihnen bereit- zugegangenen Stammrollen zu der Musterung vorzuladen. Bemerkt wird hierbei, daß Militärpflichtige, welche sich au-wärt- aufhalte», zur Musterung nicht geladen werden dürfen, da solche nur au ihrem Aufenthaltsort gestellungspflichtig sind.
Die Großherzoglichen Bürgermeister oder Beigeordneten haben mit den Militärpflichtigen ihrer Gemeinde im Musterungstermin rechtzeitig anwesend zu sein und sich darum zu bemühen, daß die Letzteren i/2 StMrde vor der bestimmten Zeit zur Stelle sind, nüchtern und reinlich
Feuilleton.
Schillers Hochzeit.
Ein Erinnerungsblatt zum 22. Februar.
Von Dr. Ernst Maasburg.
(Schluß.)
Für uns, seine Verehrer, ein entzückend lieblicher Ge» danke: der Mann des Ideals, der Geistesheros, als prac- ttfcher, sorgsamer Hausvater, welcher ernsthaft-liebreich die vortheilhaftesten Wege und Mittel für die häusliche Zukunft mit seiner Schwiegermutter beräth! Und auf welch einfache Einrichtungen stützt er die Chancen seines ehelichen Glückes, wie harmlos und bescheiden find seine Ansprüche, wenn man diejenige eines Mannes seines Standes und Berufes unter heutigen Verhältnissen dagegen hält! Und Lotte, die treuliebende Braut, war mit allem zufrieden! So wurde die baldige Verbindung beschlossen. In aller Stille sollte sie gefeiert werden, in Jena oder einem nahen Dorfe. Nur „Mama" und Karoltne, die Schwester Lottens, sollten dabei sein. Von Jena wollte er Niemand dazu nehmev, weil er die Familie GrieSback, die er nicht dazu haben mochte, nicht gut hätte umgehen können.
Der 22. Februar 1790 vereinte die Liebenden für das Leben. ES war ein Montag. Frau v. Lengefeld kam von Rudolstadt, Schiller fuhr ihr mit seiner Braut und deren Schwester entgegen. Nach Einholung der Mutter hielt man bet dem kleinen, reizvollen Gotteshause in Wentgenjena, wo Djunct Schmidt das Brautpaar tn aller Stille vereinigte. „Ein sehr kurzweiliger Auftritt für mich," schreibt der glückliche Bräutigam an seinen Freund Körner. „DaS Geheimniß ist ganz über meine Erwartung geglückt, und alle Anschläge bon Studenten und Professoren, mich zu überraschen, wurden
dadurch hintertrieben. Mit meiner Schwiegermutter verlebten wir nun noch einige angenehme Tage, und da unsere Einrichtung gleich ordentlich gemacht war, so gaben wir schon die ersten Tage ein volles, schönes Bild des häuslichen Lebens."
Und so blieb es immer. Der edle Manu, fand in seiner Ehe alle seine Hoffnungen bestätigt. Alle seine Briefe gaben seiner Freude den erhebendsten Ausdruck. An seinen Vater schrieb er bald darauf: „Könnten Sie sich nur einen Augenblick zu mir versetzen. Sie würden sich des Glückes Ihres Sohnes erfreuen!" — An seine Schwiegermutter am 3. März 1790: „Ich verwundere mich noch über den ruhigen Uebergang tn das häusliche Leben. Wir haben uns so still und bescheiden darein gesunden . . . eS wird so bleiben, und bei unseren mäßigen Wünschen wird eS uns nie an der schönsten Lebensfreude fehlen, die man doch nur tn seinem eigenen Herzen finden kann."
„WaS für ein schönes Leben führe ich jetzt!" ruft er seinem Freunde Körner zu. „Mein Dasein ist tn harmonische Gleichheit gerückt: nicht leidenschaftlich gespannt, aber ruhig und hell gehen die Tage dahin." Und ein andermal: „Wir führen miteinander das seligste Leben . . auch ist eS hier sehr wohlfeil und dies besonders kommt uns beim Anfang eigner Haushaltung sehr zu gut." — Seiner Schwägerin schildert er (einige Monate spater) Jena und den Aufenthalt in seinem Hause als gar hold und freundlich. „Wir gehen jetzt alle Tage ins Freie und lernen immer neue schöne Plätze kennen, die Dir sehr gefallen werden ..."
So verwandelte sich Schiller, der Stürmer, in einen glücklichen Gatten, denn das war er ganz und immer. Seine Lotte lebte aber auch einzig für ihn. „Sie war," läßt sich ein älterer Biograph vernehmen, „ganz daS Weib, dessen er bedurfte. Er konnte auf den klaren Grund dieser
Seele schauen, in der nichts Verborgenes lag, ja, der es unmöglich war, ein Wort anders, denn als treues Bild ihrer Gefühle und Gedanken auszusprechen. Der erfrischende Hauck blühender Phantasie wehte durch ihr Leben, und ihre Begleiterin, die Hoffnung, erhielt in Charlotten die Schiller so noihwendtge Heiterkeit."
Bier Kinder befestigten im Laufe der Zeit daS innige Glück der Schiller'schen Ehe. Der liebende Gatte zeigte sich nun als ebenso zärtlicher Vater. Voß, der jüngere, hat oft Gelegenheit gehabt, ihn als solchen zu überraschen. „Die Griesbach hat mir oft erzählt, wie Schiller, als er noch im GrteSbach'schen Hause wohnte, mit seinem Knaben gespielt habe. Eines seiner LieblingSspiele mit ihm sei Löwe und Hund gewesen, und bald habe Schiller, bald sein Karl den Löwen agirt und alle beide seien dann auf vier Füßen im Zimmer herumgekrochen. So habe auch ich ihn mehrmals gefunden, daß er auf der Erde lag und mit einem seiner Kinder spielte- und dann kam er mir größer vor als jener König, der so von einem spanischen Ambassadeur überrascht wurde. Am heitersten war Schiller bei Tische, wenn er sein Häufchen beisammen hatte. Dann saß er beständig zwischen zweien seiner Kinder und liebkoste und tändelte mit ihnen bei jeder Gelegenheit."
Leider sollten Krankheit und Sorge nur zu bald als Wolken den heiteren Himmel des Schtllrr'chen Lebens überziehen. Doch wir folgen ihm nicht in diese Zeiten der Be- drängniß, wir verlassen ihn auf dem Höhenpunkte seiner jungen Liebeswonne, wie sie sich ausspricht in den schönen Worten:
Und der Vater mit frohem Blick
Von deS Hauses weitschauendem Giebel
AeberzShlet sein blühend Glück . . .


