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Air 250 Erstes Blatt Somit-, dm 2-1. October
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Der
<ie|enec Anzeiger erscheint täglich, Wiü Ausnahme des Montags.
Die Gießener ^^mirtenötätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Gießener Anzeiger
Kemrat-Mnzeiger.
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Gesunde«: 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Cigarren- Etuis, 2 Schirme, 1 Knabenmütze, 1 Schürze, 4 Kragen und 2 Säcke.
Gießen, den 23. October 1897. Grobherzogliches Polizeiamt Gießen.
v. Bechtold.
ArrsUnr-.
Antwerpen, 22. Oktober. Um 10 Uhr MorgeuS waren die deutschen Gäste auf dem belgischen RegterungSdampfer ^Prinzesse Clementine" versammelt,- fie waren von zahlreichen Vertretern des hiesigen Handels geleitet. Die Fahrt ging erst einige Meilen abwärt», dann aufwärts, wo 2000 Meter neue QuatS angelegt werden, bis Burght, dem Sitze von OllendorffS Guanofabrtk, wo eine zahlreiche Arbeiterschaft Spalier bildete. Auf dem Dampfer begrüßte der Bicepräfideut der Handelskammer, HertoghS, die Gäste, indem er auf die bis in das achte Jahrhundert zurückreichendeu Handelsbeziehungen Antwerpens zu Deutschland hinwieS und einzelne interessante Epochen der Handelsgeschichte erwähnte. Er schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß das letzte Verbindungsglied des Verkehrs mit dem Oberrhein, der Schelde-Rhein« Canal, bald auSgeführt werden möge. Ihm antwortete Geheimrath Michels (Köln), indem er dafür dankte, daß der Antwerpener vlämische Handelsstand die große deutsche Antwerpener HandelScolonie so sympathisch In seine Mitte ausgenommen habe und mit ihr gemeinsam am gleichen Werke, an der Entwicklung Antwerpens arbeite. Um 12 Uhr landete die Gesellschaft am Steen und begab sich auf den Lloyd- Kämpfer „Bremen", daS kolossale Schwesterschiff „Friedrich der Große", daS eben auf seiner ersten Fahrt nach Australien begriffen ist. Bet dem in dem trefflichen Speisesaal erster Cajüte gegebenen Luncheon ergriff zuerst der Direktor drS Bremer „Lloyd", Herr Wiegand, das Wort. Er bedauerte, daß der „Lloyd" nicht die Vertreter deS deutschen HandelS- staudeS in Bremen begrüßen könne; aus der „Bremen" sei aber auch deutscher Boden. UcbrigenS habe der „Lloyd" tu Antwerpen eine zweite Heimath gefunden. Seine Beziehungen zu der großen Handelsstadt seien die denkbar besten. Wenn man in Deutschland einen zweiten AuSgangShasen in den Niederlanden wünsche, werde der „Lloyd" dies gründlich prüfen. Er könne aber jetzt schon erklären, daß die Jntereffen Antwerpens nicht geschädigt werden dürften. Aufgabe deS „Lloyd" sei, die Interessen der deutschen Industrie zu fördern. Sr habe unter Bismarck in großer Zeit die Fahrten nach Dftaften und Australien übernommen, er habe den deutschen Schiffsbau dabei wesentlich gefördert. Er hoffe, dio gleichen Aufgaben weiter in noch ausgedehnterem Maße erfüllen zu können, zur Förderung des deutschen Handels und der deutschen Industrie. Geheimrath Michel (Mainz) erinnerte an die kleinen Anfänge des „Lloyd" im Jahr 1857 mit 4 Millionen Capital gegen jetzt 75 Millionen. Die Subvention an den „Lloyd" habe gute Früchte getragen. In Antwerpen sei der Fracht Andrang so stark, daß die Witter oft liegen bleiben müssen - darum sei die Ausdehnung auf vierzehmägige Fahrten uothwendig. ES dürfe aber nicht heißen, Antwerpen ober Rotterdam, sondern: Antwerpen und Rotterdam. Albert v. Bary schilderte die Eotwickelung des Antwerpener HafenS und erklärte, daß der hiesige Handelsstand jederzeit für gute Rathschläge zugänglich sei. Er brachte schließlich ein Hoch auf die Gäste au«. Oberbürgermeister Becker (Köln) dankte tn äußerst humorvoller Form der Regierung, der Stadt und dem deutschen ComitL für den glänzenden Empfang der Gäste - er zweifelt nicht daran, daß der von der Einladung erhoffte Erfolg für beide Theile eintreten werde. Insbesondere galt sein Hoch auch dem unermüdlichen Vorsitzenden des ComitvS, Albert von Bary. Schöffe Berspreeuwen brachte ein Hoch aus auf daS Wohl der vertretenen deutschen Städte. Um 2Vt Uhr begann die Rundfahrt durch die Hafen-Anlagen in 42 Wagen. DaS Wetter ist herrlich. Die Rundfahrt durch die verschiedenen Bassins des HafenS, Holzlager, Trockendocks, amerikanische und russische Petroleum tank- und den Petroleumhafen dauerte zwei Stunden. Um •6 Uhr gab Herr Albert de Bary in seinem Hanse ein Diner jon 150 Gedecken, zu dem Prinz Albert, der präsumtive 'belgische Thronfolger, .otoie die Minister deS Aeußeren, der Finanzen und des Ackerbaues erschienen waren. Es wurden :inr zwei Toaste ausgebracht. Der Hausherr brachte ein Hoch auf den König, den unermüdlichen Beschützer der In- idustrie, de« Handels, der Kunst und Wissenschaft, und auf Wen Prinzen Albert au«. Prinz Albert erwiderte mit seinem Hoch auf den Deutschen Kaiser und die Kaiserin. Dem
Diner folgte ein Empfang, zu dem noch eine große Anzahl Personen erschien. Damit find die Festlichkeiten in Antwerpen beendet. Morgen früh begeben sich die deutschen Gäste per Extrazug nach Brüssel, wo um halb 11 Uhr Empfang beim König und nachher Frühstück im Rathhause stattfindet.
Franks. Ztg.
Wolff« telegraphisches Correspondenz-Burean
Bertie, 22. Oktober. Im Reichspostamt trat heute eine von Staatssekretär v. PodbielSki einberufene Konferenz zusammen, die von den meisten hervorragendsten' Handelskammern und anderen kaufmännischen Körperschaften besucht ist.
Wie«, 22. Oktober. Der Goldberger'sche Stif- tungSpreiS von 100 fl. wurde für die beste Abhandlung über da« Thema: .Ist Erkältung eine Krankheitsursache und inwiefern?" von der Wiener Gesellschaft der Aerzte dem Berliner Arzte Dr Ruhemann zuerkannt.
Rom, 22. Oktober. Starker ununterbrochener Regen hat in Rimini, Ancona und Recanatt erhebliche lieber- schwemmungen verursacht. In Rimini find die tiefer gelegenen Stadttheile und Ländereien der Umgegend über- fiuthet. In Ancona wurden die Bahnlinien nach Bologna, Rom und Foggia durchbrochen und in den benachbarten Ortschaften hat daS Hochwasser schweren Schaden und auch einige Verluste an Menschenleben zur Folge gehabt. In Recanati stürzte ein HauS und ein Theil der Stadtmauer ein. Die Stadt und die Felder find durch das AuStreien der Flußläufe unter Wasser gefetzt und die VerkehrSstraßeu infolge von Dammrutschungen unterbrochen.
Pari«, 22. Oktober. In der Kammer gelangte heute der Gesetzentwurf, betreffend die Bildung eines neuen Armeekorps - Bezirkes in Frankreich, zur 8er- theilung. In der Begründung wird ausgeführt, der Effektiv- bestand der in fech« CorpSbezirkeu bereinigten Truppen lege dem Commando eine schwere Ausgabe auf, die zu erleichtern von Bedeutung sei, um daS Functioniren der verschiedenen Dienstzweige unter besseren Bedingungen zu fichern. ES sei vortheilhaft, das 6. Armeecorps sogleich in zwei Theile zu zerlegen und die Zweitheilung könne schon heute ohne nennen«» werthe Kosten durchgeführt werden.
Pari», 22. Oktober. Heute früh gegen 6 Uhr wurde Rauch in den unteren Räumen der deutschen Botschaft bemerkt. Es brannten Holzvorräthe im Keller. Die Feuerwehr, die alsbald zur Stelle war, hatte das Feuer um 8 Uhr vollständig bewältigt. Der ganze Holzvorrath ist verbrannt. Den ganzen Vormittag über war eine beträchtliche Menschenmenge vor dem Botschaftsgebäude angesammelt. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt.
Petersburg, 22. October. Der ,$Regierungflboie" ver- öffentltcht den Bericht der Commisfion zur Feststellung der Persönlichkeiten der auf dem ChodynSktfelde im Mai 1896 Verunglückten. Die Gesammtzahl wird auf 1429 angegeben. An die Angehörigen der Verunglückten wurde eine Unterstützung im Betrage von 390,000 Rubel vertheilt.
Depeschen bei Bureau .Herold."
Berlin, 22. October. Der Kaiser ist heute vormittag
8 Uhr auf der Wildparkstation eingetroffen und von der Kaiserin empfangen worden.
Berlin,22. Oktober. Reichskanzler Fürst Hohenlohe wird, wie die .Nordd. Allgem. Ztg." meldet, vorauSfichtlich Montag hierher zurückkehren.
Berlin, 22. Oktober. Am hiesigen Hofe wurde heute der Geburtstag der Kaiserin gefeiert. Um 9 Uhr Vormittag« fand bet der Kaiserin im Neuen Palais zunächst die Gratulation des engsten Familienkreise« statt. Um 11 Uhr folgte sodann die Beglückwünschung Seitens der nächsten Umgebung deS Kaiserpaares. Um 1 Uhr fand Familientafel statt, zu welcher die in Berlin und Potsdam anwesenden Mitglieder fürstlicher Häuser geladen waren. Um 8 Uhr Abends findet im Neuen Palais Concert statt und große Abendtafel, wozu die jetzige und frühere Umgebung des Kaiser- Paares Einladungen erhielt.
Berlin, 22. Oktober. In der heute begonnenen Ziehung der preußischen Kl assen lotterte fiel ein Gewinn von 75000 Mk. auf Nr. 116943.
München, 22. Oktober. Die Ueberführnng der Leiche GrillendergerS nach dem Bahnhofe, von wo aus fie zwecks Feuerbestattung nach Gotha gebracht werden soll, hat heute Nachmittag um 4* * * * * * * 8/< Uhr unter ungeheurer Teilnahme der Socialdemokraten stattgefunden. Etwa 5000 Personen, darunter viele Abgeordnete, folgten im Zuge. Außerdem
hielt eine große Menschenmenge die Straßen, welche der Zug zu pasfiren hatte, dicht besetzt.
Pari», 22. Oktober. Bei einer Besprechung der Situation des Graf en Badeni bezeichnet der „Figaro" dieselbe alß eine sehr feste und fügt hinzu, daß, wenn eS de« Grafen Badeni gelinge, die Richtung der Politik Oesterreich» dem Einflüsse zu entreißen, welcher heute noch maßgebend sei — die Wahrscheinlichkeit spreche für diesen Erfolg — bei die Auflösung der Tripelallianz bedeuten würde.
Antwerpen, 22. October. Bei herrlichem Wetter fand heute die Besichtigung der H'afenanlagen durch die deutschen Bürgermeister und Vertreter deS HandelSstandel statt.
Antwerpen,22.Oktober. DaS gestrige Fest zuChren der deutschen Städte und Handelsvertreter nahm einen glänzenden Verlauf.
Antwerpen, 22. Oktober. Eine Drahtnachricht aus St. John meldet, daß die drei Schiffe „Garibaldi", „Erebus" und „Papph" an der Küste zu Grunde gegangen find. Sech» Personen find ertrunken.
Belgrad, 22. Oktober. Da« neue Ministerin« dürfte heute unter dem Vorfitz Ölabano Georgiewic, welcher auch das Auswärtige übernimmt, gebildet werden. Finanz- Minister wird Popovic, Justizmtnlster der bisherige Gesandte in Bukarest, Chrlstlc, Kriegsminister der bisherige Gouverneur tn Wolzewo, Wutschkovic.
Petersburg, 22. Oktober. Infolge neuer Unruhen an dem Bahnbau durch die Mandschurei ist zur Sicherung der Bahnarbeiter ein zweites Commando von 400 Mann dorthin entsandt worden. Außerdem hat der Leiter des Bahnbaues den Auftrag erhalten, nach deutschem Muster eine ständige Schutztruppe aus den Reserven, die im Amur-Gebiet leben, für die Sicherheit der Bahn zu organifiren.
Panbio, 22. October. Da der von Syra ankommende Dampfer au« dem Piräus zahlreiche kretenflfche Flüchtlinge mitbringt, befahl der Pascha, die Frauen nicht au«- zuschiffen, um Katastrophen von Selten der Türken zu vermelden. ____________
Berlin, 23. Oktober. Wie der „Vorwärts" meldet, wurde gestern Abend tn Kiel Königs au« London verhaftet. Derselbe wollte in einer Versammlung über den Achtstundentag sprechen. Die von etwa 2000 Personen besuchte Versammlung fand trotzdem statt.
Berlin, 23. October. Demnächst wird hier unter dem Vorsitz de« Oberbürgermeisters Zelle eine Corn miss on von Vertretern deutscher Städte zusammentreten, um über die Beteiligung an der Pariser Weltausstellung zu beraten.
Berlin, 23. October. Für die Einberufung des Reich «- tagt ist der „BolkSztg." zufolge der 23. oder 24. November in Aussicht genommen. Bis dahin glaubt man die vor- arbeiten so weit fördern zu können, daß dem Zusammentritt Nicht« mehr im Wege stehen dürfte.
Kiel, 23. Oktober. Der Aufenthalt deS Prinzen Heinrich von Preußen mit seiner Familie in Darmstadt wird länger ausgedehnt als ursprünglich beabsichtigt war. Die Rückkehr nach Kiel erfolgt erst Mitte November. Alsdann wird Prinz Heinrich fein neues Commando als Inspekteur der ersten Matrosen-Divifion antreten.
Brussel, 23. Oktober. Auf dem Bahuhofe Namur explodirten 150 Tonnen Petroleum. Der StaatSbahnhos sowie der französische Nordbahnhof find gefährdet. Der Brand dauert noch fort. Man befürchtet, daß Menschen verunglückt find.
Cocalcs uttö prottiniieffei.
Gießen, den 23. Oktober 1897.
** DaS JohreSfest de« Oderheffischeu Vereins für taten Mission wird am 10. und 11. November gefeiert werden. AIS Festpredtger in dem am Abend des 10. November statt- findenden FestgotteSdienst ist der als Dichter und begeisterter deutscher Patriot bekannte elsäsfische Pfarrer D. theol, Karl Hackenschmidt auS Straßburg gewonnen. Wichtige Fragen werden in den Versammlungen verhandelt werden. Zunächst tn der mehr vertraulichen Versammlung am Nachmittag del 10. November die Frage über „Stand und Pflege der Sittlichkeit auf dem Lande", tn der Hauptversammlung am 11. November dal Thema: „Die innere Mission und die Gebildeten". DaS Hauptreferat über letztere« Thema hat an Stelle de« verhinderten Referenten zu dieser schon vorgerückten Zeit Herr Professor D. Stamm übernommen. Da auch für die Abendversammlung anregende Ansprachen z« erwarten find, und der Kircheugesangverein seine gewohnte Mitwirkung zugesagt hat, so dürfen wir schönen und gesegnete« Festtagen entgegensehen.


