Ausgabe 
24.6.1897 Zweites Blatt
 
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Alle Annoncen-Burcaux d«S In- und LutlandeS nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgeg«.

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Saatenstand

Note 1 --- sehr guter, 2 guter, 3 --- mittlerer, 4geringer, 5---- sehr geringer Stand

Provinzen und ErhebungSbezirkt

und Verletzungen am Kopf.

U. Ulrichstein, 22. Juni. Welche Futteraussichten und Preise bet uns, auf dem höchsten Vogelsberge vor«

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Prov. Oberhessen. Kreis Alsfeld. . .

Bingen Flonheim Ingelheim Mainz. Nteder-Olm Oppenheim Osthofen .

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vierteljShrig« Adonnemeutspreiar 2 Mark 20 Psg. eit vringerlohn.

Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Psg.

Redaction, Txpeditio« und Druckerei:

-chutSrahe Ar.7.

Fernsprecher 51.

Nr. 145 Aweites Blatt.

Durchschn. s. Oberhessen _ iProv.Rheinhessen. 14lL-ndw. Ver.-Bez. Alzey

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Darmstadt .

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Erbach. . .

, Groß-Gerau.

Heppenheim .

Offenbach. .

DK Kiehener Anzeiger erscheint täglich. Mit Ausnahme deS MontagS.

Die Gießmer S»a«itte«5tätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegl.

Gießener Anzeiger

Kenerak-Mzeiger.

Wir glauben der Zustimmung unserer Leser sicher zu sein, wenn wir ihnen, da seit Kurzem nicht wenig beuu« ruhtgende Nachrichten über neue Ausbrüche des BesuvS durch die Zeitungen gehen, in Folgendem aus dem reichhaltigen Material einige der characteristtschsten und bedeutungsvollsten Falle herauSgreifeu, um an der Hand derselben von der Entsetzlichkeit und Großartigkeit der vulkanischen Thätigkeit ein flüchtiges Bild vor Augen zu führen.

Wohl jeder von uns hat schon in der Schule von dem Untergang der drei Städte Pompeji, Herkulanum und Stabiä vernommen. Der tückische Vulkan, welcher ihnen Vernichtung brachte, war ebenfalls der Vesuv, wohl der bekannteste aller feuerspeienden" Berge. Ahnungslos hatten sich die Menschen zu Füßen des unheimlichen Berges angebaut, war doch die Gegend so schön und verlockend, der Boden so fruchtbar und ertragsreich. Wer hätte auch das schreckliche Geheimniß des Riesen ahnen können? Freilich, ganz ohne Warnungen blieben die Bewohner der Gegend nicht. Schon aus der Beschreibung des Völker- und länderkuvdigen Strabon klingt es wie eine Warnung heraus, und ein Erdbrben, das im Jahre 63 n. Chr. in Pompeji plötzlich eine große Menge öffentlicher und Privatbauteu über den Haufen warf, hätte Leute wohl stutzig machen sollen. Doch Niemand dachte an so Schreckliches und gänzlich unvorbereitet traf der Ausbruch vom 24. August 79 - also 16 Jahre später - die in harmloser Sicherheit befindlichen Menschen. Der Neffe deß bet der Eruption umgkkommenen Naturforschers Plinius gibt eine ausführliche Schilderung dieses EretgntffeS. Man sah plötzlich eine ungeheure Wolke tu Gestalt einer Pinte fich über dem Vesuv erheben, eine hohe Feuersäule leuchtete vom Gipfel, wie bei naß oft Schnee, so fiel hier Asche in solcher Menge, daß die Bewohner kau« den AuSgaug au» ihren Häusern zu gewinnen vermochten.AlleS flüchtet jetzt, mit Kiffen über dem Kopfe zu« Schutze gegen die Sterne und

bet Fackelschein, da der Aschenregen den Tag verfinstert. Daß nahe Meer braust und ein erstickender Gasgeruch macht fich bemerkbar. Solche Gase, auß einer Spalte jäh auf. geschossen, setzten Pliniuß Flucht ein jäheß Ende. Auf zwer Sclaveu gestützt, wollte er dem Meere zueilen, sank aber, kurzathmig wie er ohnehin war, von dem Dunst erstickt, tobt zu Boden. In Mtsenum stob alles in jäher Flucht aus« einander. Hinter den Flüchtenden kam der Dampf her wie ein auf die Erde gegoffeoer Strom. Auf der Landstraße kollerten die eilenden Menschenmaffen in ihrer Hast und Ftnsterntß übereinander und zertraten fich. Denn schwarze Nacht brach herein, im Dunkeln schrieen, beteten und fluchten tausend Stimmen. Immer dichter aber fiel die Asche, so daß die Htugekauerten alle Augenblicke ausstehen mußten, nm fie abzuschüttelu. Als später endlich die Sonne wieder ficht« bar wurde, lag die Landschaft unter der Asche wie unter einer Schneedecke da." So enorm war der Aschen« und Steinregen, daß drei blühende Städte vollständig verschüttet wurden, die Asche stieg bis zu zwölf Fuß über die Dächer der höchsten Gebäude. Die Zahl der Opfer ist nicht be­kannt, scheint jedoch, nach der Menge der zu Tage kommenden Leichen zu urtheilen, eine keineswegs geringe zu sein. Bei Herkulanum wurde, wie der Forscher Bölsche mittheilt, die Asche durch Verbindung mit dem Regen zu einem Schlamm« ströme vereinigt, der in jede Ritze eindrang und Menschen im Moment ihres Erstickungstodes derartig mit zähem Teig umknetete,daß man bet nachträglicher Ausfüllung des vom verwesten Körper gebildeten Hohlraumes mit Gyps die voll« ständigen Modelle der armen Opfer erhalten hat, «. a. daß eines schönen jungen Mädchens, daß mit unter dem Kopfe gekreuzten Armen wie schlafend daltegt."

(Fortsetzung folgt.)

^euitteten.

Vulksnischr Eruptionen.

Von Dr. Fritz GustavuS.

(Nachdruck verboten.)

Wenn wir von den Außbrüchen jener gewaltigen Feuer« Lerge hören, welche die Erdoberfläche auf weite Strecken verwüsten und verändern, die Errungenschaften vtelhundert« jähriger Cultur in wenigen Stunden vernichten und Hunderte und Tausende vsn Menschen im Nu dem Untergänge zu« führen, so überkommt unß mehr denn je daß durchbohrende Gefühl unsereß Nichts, und wir beginnen, unserer Stellung in der Natur miß bewußt zu werden. Wir fangen aber auch an, nachdenklich zu werden über die Dinge um unß her und ihre Hr.achen und suchen mit Spannung in den Büchern der Wiffeuschaft nach den Ergebntffen der Forschung, welche uns die überall greifbaren Naturräthsel erklären sollen. Da «.den wir d7°°, daß zwar dir Chraa.k der Th°.<°ch°n, fo- weit Menschenkenntnisse zurückretchen, umständlich und genau geführt ist, daß aber die Erklärung der Ursachen nirgends voll befriedigen will, daß man unß fast immer nur Hypo« thesen und immer wieder Hypothesen bietet - Steine für Brod und zwar Hypothesen, denen wieder andere dia metral entgegenstehen. Wir machen daraus der Wissenschaf keinen Vorwurf: die Erfahrungslehre ist noch jung und hat in kurzer Zett gewaltige Leistungen °ufzuwetfen. Durch Jrrthum zur Wahrheit! Der Satz gilt auch hier. Und auch schon die Thatsachen selbst find gigantisch genug, um unser Jntereffe zu fesseln, um unsere Seele mit flammendem W ffenßdrang zu erfüllen. Welch ungeheuerliche Katastrophen 7ffLr. unV allem ,ch°° di. Geschichte des SultanUmu« von dem allbekannten Untergang Pompejis biß zu der furcht- Haren Eruption deß Krakatau im Jahre 1886.

Meyers

Konversations-Lexikon.

Karten und PUnen. 17 Bände in Helbioder gebunden ai je 10 Mk. (Im Enchnntn-J

Meyers Kleiner Hand-Atlas.

Mit 100 Kettenblättern und 9 Textbcilagen. In Hälbleder gebunden 10 Mark.

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Hand-Lexikon des allgem. Wissens.

In einem Band. Fünfte, ntubearbeiUU Auflage. In Leinen gebunden 6 Mark

Das Deutsche Reich zur Zeit Bismarcks.

Politische Geschichte von 1871-1890. Von Dr. Hans Blum. In Leinen geb. 5 Mk.

Geschichte der Englischen Litteratur von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, von Prof. Dr. Richard*ker" 162 Abbildungen im Text, 25 Tafeln in Farbendruck, Kupferstich und Holzschnitt und 11 Faksimile-Beilagen. In Halbleder gebunden 1b Mark.

Geschichte der Deutschen Litteratur von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, von Professor Dr. Fr. Vogt Md Profesaor Dr. Max Koch. Mit etwa 170 Abbildungen im Text, 25 Tafeln in tarbendruck, Kupferstich u. Holzschnitt und 23 Faksimile-Beilagen. In Halbleder gebunden 16 Mark

Probehefte liefert jede Buchhandlung zur Ansicht. Prospekte gratis.

= Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig. =

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Gießen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Lorm. 10 Uhr.

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Nachrichten über den Saatenstand im Grotzherzogthum Hessen

um die Mitte des Monats Juni 1897.

Yusammeogestellt bei der Großherzoglichen Oberen landwirthfchaft- a ltchen Behörde.

Händen sind, dafür dürften fich die freundlichen Leser Ihrer Zeitung doch wohl auch iuteresfiren, darum nachstehende wenige Worte: Bei uns flieht sog. einschürige Wiesen, die nur einmal geschnitten werden. Der Morgen kam aus ö bt» 15 Mk., dos Futter steht recht befriedigend. Die zwei- chürtgeu Wiesen, bet denen aber nur das HeugraS ver« teigert wurde, das auch besser in der Qualität ist, brachte« etwa das Doppelte. Wir hätten jetzt trockenes Wetter nöthig, das fich heute etnzustellen scheint, damit wir daß schöne Futter glücklich unter Dach bringen könnten. ___

Kunst-Ausstellung,

3 Uhr. Eintrittspreis für Ntchtmttglteder an Werktagen 50 Pfg., an Sonntagen 20 Pfg. __

Empfehlenswerte Werke für die Hausbibliothek.

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Bemerkungen. Im Allgemeinen ist gegenüber dem vorigen Bericht eine wesentliche Amderung nicht zu verzeichnen. Alle Saaten haben sich gut weiter entwickelt, auch find die Kartoffeln gut auf- gegangNL Die Befürchtungen wegen Frostschadens in den Wein« bergen, welche in einigen Erhebungsbezirken im vorigen Monat

h. Q«eckborv,21.Juvi. Nächsten Sonntag, den 27. Juni, wird dah,er daß Bezirkßkrtegerfest deß Hasfiabezirks 2 | Grünbrrg, verbunden mit der Fahnenweihe deß hiefigen Kriegerveretnß, abgehalten. Genannter Verein hat, den Vor­bereitungen nach zu schließen, Alles oufeeboten, seine Gäste würdig zu empfangen. ES würde fich deshalb für die Be«

- wohner Gießens sicher lohnen, au diesem Tage einen Ausflug - | nach unserem schön gelegenen Orte zu unternehmen, zumal - ja Gießen uuS durch sein Wafferwett sehr nahe gerückt ist.

4- Rtdda, 22. Juni. Hier kamen heute die ersten Walderdbeeren zum Verkaufe. Der Topf, etwa \tL Schoppen, kostete 15 Pfg. Nächsten Sonntag findet zu Bad«Salzhausen Nachmittags wieder ein Concert der verstärkten Grüninger Mufikcapelle statt- der Eintritts­preis ist auf den mäßigen Betrag von 50 Pfg. festgesetzt. Im verflossenen Jahre ist tu der Provinz Oberhesseu nur der Kreiß Büdingen von Hag elf chl 8g en verschont ge­blieben, während z. B. im Kreiß Alßfeld 77 Hectar und im Kreise Schotten 132 Hectar Land beschädigt wurden.

-r Renzendorf. 22. Juni. Der um 2" Uhr Nachmit« tag-von Gießen nach Fulda laufende Schnellzug caram« boltrte am 21. auf hiesiger Station mit dem in entgegen« gesetzter Richtung fahrenden Güterzug, zwei Wagen deß letz­teren wurden zertrümmert. Bon den Fahrgästen wurde der allseitß bekannte und beliebte Arzt Herr Dr. Weißgerber von Lauterbach schwer verletzt, er erlitt einen doppelten Armbrnch

geäußert wurden, heben fich erfreulicher Weise nicht "Mt. Im Odenwald (Gem. Breitenbrunn) fand am 5. l. Mts. starker Hagel­schlag statt. Sämmtltche Feldfrüchte wurden hierdurch stark be­schädigt; Roggen dürfte nur Vio Ernte geben.

Deutsches Reich,

Berlin, 21. Juni. Prinz Heinrich wird, wie die ^Post" erfährt, nach Schluß der diesjährigen Flottenhaupt, Manöver von dem Commando der zweiten Division des ersten Geschwaders zurücktreteu, um für den nächsten Winter ein Eommavdo in der Stellung als Eoutre«Admiral bei den Marinetheilen am Laude zu übernehmen. In erster Linie dürfte hierfür die JnfpectiouSstelle der 1. Marine« Inspektion mit dem Sitz in Kiel, in Berückfichttguug kommen.

I Da Prinz Heinrich während der bevorstehenden Flotten« Manöver zum ersten Male eine Pauzer-Divifion befehligt, nimmt man an, daß der Kaiser einem Theil der Haupt« Flottenmanöver an Bord der Hoheuzollern beiwohnen wird, um die Kritik der tactischen Hebungen abzuhalteu.