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23.6.1897 Erstes Blatt
 
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Mt- 144 Erstes Blatt Mittwoch dm 23 IM 1897

Der Hithtnrr Anzeiger erscheint täglich, Bitt Lu-vahme bei MonlagS

Die Gießener A««ttte»örLtter H)erben dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Itnzeiger.

Vierteljähriger A0o«llementspre1s: 2 Mark 20 Pfg. mit vrmgerloh». Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Rebactto«. LxpediNo« und Druckerei:

Kchukßratze Ar.7.

Fernsprecher 51.

Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Gieren.

chrattsöeikage: Hießener Kamikienötätter.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de, folgenden Lag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

Amtlicher Tbeil.

Nr. 26 des ReichS-GesetzblattS, ausgegeben den 17. d. M., enthält:

(Nr. 2393.) Gesetz über das Auswanderungswesen. Bom 9. Juni 1897.

(Nr. 2394.) Verordnung zur Ausführung des Patent­gesetzes vom 7. April 1891. vom 5. Juni 1897.

Gieße rr, den 21. Juni 1897.

Großherzogliches KreiSamt Gießen, v. Gagern.

Bekanntmachung, AmtStage des Großherzoglichen KreiSamtS Gießen betreffend. Die unterzeichnete Behörde wird

Samstag den 3. Juli 1897, von Vormittags 9 Uhr an, einen AmtStag im Rathhause zu Grünberg abhalten und wird den KreiS-Eingeseffenen auS den AmtSgertchtS-Bezirken Grünberg, Homberg und Laubach anheimgestellt, etwaige An­liegen in diesem Termine vorzubrinqen.

Gießen, den 21. Juni 1897.

Großherzogliches KreiSamt Gießen, v. Gagern.

Gießen, den 21. Juni 1897. Betr.: Wie vorher.

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der in den Amtsgerichtsbezirken Grünberg, Homberg nnd Lanbach gelegenen Gemeinden des Kreises Gießen.

vorstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen laffen.

v. Gagern.

Bekanntmachung, betreffend: Maßregeln zur Abwehr und Unterdrückung der Maul- und Klauenseuche, hier Aufhebung deS allgemeinen Verbote- der Biehwärkte.

Im Anschluffe an unsere Bekanntmachung vom 11. d. M. (KreiSblatt Nr. 93) bringen wir zur öffentlichen Kenntniß, daß die Bedingungen, unter denen die freigegebenen Märkte bislang gestattet waren, auch bis auf Weiteres in Geltung bleiben, für den Biehmarkt in Hoch-Weisel am 21. d. M. jedoch auch der Auftrieb von Bieh auS den König!. Preußischen Kreisen Wetzlar und Ufingen mit den für den Markt zu Butzbach am 3. d. M. gegebenen Einschränkungen (KreiSblatt Nr. 81) gestattet wird.

Die Großh. Bürgermeistereien werden hiermit angewiesen, vorstehendes ortsüblich zu veröffentlichen.

Friedberg, den 16. Juni 1897.

Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Dr. Braden.

Bekanntmachung, betreffend: Bildung einer öffentlichen Waffergeuoffenschaft zur Be- und Entwässerung in den Fluren I bis VII der Ge­markung Feldheim und eines Thetls der Flur VIII der Gemarkung BlllerSheiw.

Nachdem zur Ausführung einer Be- und Entwässerung von Grundstücken in den Fluren I bis VII der Gemarkung Feldheim und eines Theils der Flur VIII der Gemarkung Bellersheim Antrag auf Bildung einer öffentlichen Wasser- genoffenfchaft gestellt worden ist und die Großherzogliche Obere landwirthschaftliche Behörde als fachliche Centralbehörde daS beabflchtigte Unternehmen als zweckmäßig und zuläffig erachtet und die Einleitung des Verfahrens zur Bildung einer öffent­lichen Waffergenoflenschaft augeordnet hat, wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Vorarbeiten hierzu vom 28. Juni 1897 bis zum 12. Juli 1897 auf dem Bureau der Großh. Bürgermeisterei Bellersheim und vom 15. Juli 1897 bis zum 29. Juli 1897 auf dem Bureau der Großh. Bürgermeisterei Utphe zur Eiuficht sämmtlicher Grundeigen- tbümer, deren Grundstücke in die zu verbefferude Fläche fallen, offen liegen.

Gleichzeitig werden diese Grundeigenthümer zur verhaud- lung und Beschlußfassung, sowie zur Wahl ihrer Vertreter für daS weitere Verfahren auf

Freitag den 30. Juli 1897, Rachmittrgs 3 Uhr, in daS Gemeindehaus zu Bellersheim vorgeladen, unter An­drohung des RechtSnachtheilS, daß die Nichterscheinende«, sowie

die Nichtabftimmenden als dem beantragten Unternehmen bei- stimmend mit der Wahl der Vertreter einverstanden angesehen und mit ihren Einwendungen gegen die Art der Ausführung spater nicht mehr gehört werden.

Dtejeutgen Grundeigenthümer und WaffernutzungS- berechtigten, die an dem Unternehmen nicht unmittelbar be- theiligt erscheinen, werden hiermit aufgefordert, etwaige Ein­sprachen gegen daS Unternehmen in der vorerwähnten Tagfahrt geltend zu machen, widrigenfalls die Einsprachen nach Ablauf der Frist nicht mehr berückfichtigt würden und nur noch privatrechtliche Entschädigungsansprüche gegenüber dem Unter­nehmen geltend gemacht werden könnten.

Gießen, den 18. Juni 1897.

Großherzogliches KreiSamt Gießen, v. Gagern.

Zum Beginn der Jubiläumsfeier in London.

Nicht Loudon allein, sondern daS ganze vereinigte Königreich, ja daS gewaltige britische Weltreich ist nunmehr in daS Zeichen der Jubtläumsfestlichkeiteu ein­getreten. In der Presse, in den Clubs, in der Gesell­schaft, in den geschäftlichen Kreisen ist nur noch von der gracious Majesty, von den sechSzig Jahren ihrer gesegneten Regierung und von der feierlichen Begehung dieses in der englischen Geschichte ohne Präcedenz dastehenden Jubiläums die Rede. Za Tausenden und aber Tausenden, wenn auch nicht in ganz so breitem Strome, wie gewisse Speculanten es erhoffe hatten, find die Fremden in London eingetroffen, und wenn heute irgend etwas noch dazu beitragen kann, die Freude der Londoner an der Jubiläumsfeier zu erhöhen, so ist es die Wahrnehmung, daß diejenigen Personen, welche darauf auSgegaugen waren, tzu Ehrentag der Königin zu einer über die Grenzen des Erlaubten weit hinauSgeheuden Schröpfung des einigermaßen solventen Publikums zu be­nützen, sich bei ihrer Rechnung gründlich geirrt haben, denn die Preise der Sitze, von denen aus man den JubiläumS- umzug leidlich bequem avschauen kann, find rapide gefallen, seitdem fich gezeigt hat, daß das Publikum nicht gewillt ist, die Anfangs geforderten exorbitanten Summen zu zahlen. Auf der ganzen Strecke, die der Zug pasfirt, hat man Tri­büne» errichtet, welche nach ungefährer Schätzung 300- bis 400,000 Sitze aufnehmen, für solche Plätze nun, wo mau eine weniger gute Aussicht genießt, wurden im Anfang zwei Guineen (42 Mk.) gefordert, während man für die besseren Plätze bis zu 25 Guineen verlangte. Es ist daher leicht verständlich, wie sich die Speculation beim Anfang der Tri­bünen und Fenster b-mächtigt hat, die meisten sind in Bausch und Bogen zu einer bestimmten Summe vermiethet worden, und während geraumer Zeit hat man diese ungeheuren Preise aufrecht erhalten- in den letzten Tagen jedoch find viele Händler bereit gewesen, gute Plätze, für welche vor 8 Tagen noch fünf oder zehn Guineen gefordert wurden, zu einer Guinee zu vermiethen. ES nimmt daher kein Wunder, daß man schon jetzt den Verlust der Speculanten, die die viex größten Tribünen auf der Strecke des JubiläumSzugeS er­richtet haben, auf ca. eine Million berechnen kann.

Was nun die Transportmittel anbetrifft, so haben die Eisenbahn-Gesellschaften für diesen Tag Einrichtungen ge­troffen, wie solche wohl nirgends bis jetzt gesehen worden find. Auf fast allen Linien folgen die Züge in Zwischen­räumen von nur einigen Minuten und zwar während 24 Stunden ohne Unterbrechung- daß ein solcher Dienst mit den größten Gefahren verbunden ist, liegt auf der Hand, auS diesem Grunde ist denn auch die Funktionirung mit der größten Sorgfalt vorbereitet worden. Wenn nun einerseits die fortwährend auf den verschiedenen Stationen einlaufenden Züge die ungeheuren Menschenmassen in London zu zer­streuen suchen, so constatirt man andrerseits, daß eine große Anzahl Personen während den Festlichkeiten London verläßt, um anscheinend der Menge auS dem Wege zu gehen. Der Verkehr in den Straßen der Metropole, besonders in den vierteln der Innenstadt hat beunruhigende Proportionen an­genommen. Die Wagen verkehren nur noch im Schritt und halten ungefähr alle zwei Minuten vollständig. Die Hotels im Centrum der Stadt find überfüllt trotz den Preisen, die lebhaft an die Krönungsfestlichkeiten in Moskau erinnern. Im Uebrigen ist so ziemlich Alles in die Höhe gegangen, die OmnibuSgeselllchaften haben in den lctztenTagen schon den sogen. Jubilee-Tariff" in Kraft treten laffen, dieser neue ist genau der frühere mit drei multiplicirt. In den Restaurants wird man in der Eile bedient, d. h. schlecht, trotz der ungeheuren Zahl Kellner, die von ollen Theilen deS ContinevtS ge­kommen find, und die sich noch als ungenügend erweist.

ES wurde bereits erwähnt, daß die Prinzelfin von

Alle Ätmoncen-Snreee? öeS In- und Au-lande- nehme» i Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgey*.

Wales die Initiative ergriffen hat, zu Gunsten aller Arme« der Hauptstadt ein Bankett zu veranstalten, welches für den 24. vorgesehen ist und über welches nunmehr ganz in­teressante Details vorliegen. Zweihuuderttausend Arme find bis jetzt von dem Comits auerwählt worden. Gewiffe äußere Quartiere liefern einen ganz besonders starken Bei­trag- in jeder Gemeinde ist ein besonderes Local bezeichnet worden - jedes derselben ist in der Weise eingerichtet, um 2000 Personen aufnehmen zu können. DaS Mahl beginnt in allen Bankettsälen gleichzeitig um 12 Uhr Mittags und muß um 3 Uhr beendigt sein. Die Frage, die fich nun un­willkürlich stellt ist die, waS dieses Mahl kostet, und was wohl bei einem solchen verspeist werden mag. Der Preis per Kopf ist auf Mk. 1.40 festgesetzt worden, wa- einen Total von 296,000 Mk. ergiebt. Zu dieser Zahl muß mau nun die Miethe der Säle und das Entleihen deS Geschirrs hinzufügen, was auch ungefähr eine Auslage von 80,000 Mk. bedeutet, schließlich hat das Comitö noch zehntausend Kellner und Köche engagirt, deren Salär fich iuSgesammt ebenfalls auf 50,000 Mk. beläuft. Die zweihuuderttausend Ein- geladenen der Prinzesfin von Wales werden u. A. 10,000 Brode zu 4 Pfd.. 4000 Schinken, 50,000 Kilo Salat, Bohnen und Erbsen, 60,000 Kilo Kartoffeln verzehren. Als Ge­tränk wird nur Thee verabreicht (2000 Kilo) und Kaffee (1500 Kilo) ohne das Wasser zu rechnen, welches ä discretio« servirt wird. Würde man nun zum Schlüsse die fünftausend Tische, die zum Bankett benöthigt werden, in einer Reihe aufstellen, fo würde eine Länge von 33 Kilometer erzielt werden, gewiß eine stattliche Tafel, wo es schwer halten dürfte, das Präfidium zu führen.

Zum Schlüsse sei noch die Galavorstellung erwähnt, welche zu Ehren des Prinzen von Wales und der königlichen Familien am Donner-tag im Covent Garden gegeben wird, und welche fich aus dem 2. Act aus Tannhäuser, dem 3. auS Romeo und Julie, und dem 4. aus den Hugenotten zu­sammensetzt. von den beiheiligten Künstlern fei unter Anderen -Herr Ban Dyck von der Pariser Oper erwähnt, der die Rolle deS Tannhauser übernommen hat.

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Washington, 20. Juni. Auf Wunsch deS Präfideuten Mac Kinley wurde ein neuer Entwurf zu einem Schieds­gericht-Verträge zwischen den Bereinigten Staaten und Groß­britannien ausgearbeitet.

Neueste

Wolffs telegraphisches Correfpondenz-Bureau.

Berlin, 21. Juni. DerReichsanzeiger" veröffentlicht ein Gesetz, beireffend den Verkehr mit Butter, Käse, Schmalz und deren Ersatzmitteln, vom 15. Juni dS. IS. Das Gesetz tritt am 1. October dS. J-. in Kraft. Die Bestimmungen des § 4 treten erst am 1. April 1898 in Kraft.

Berlin, 21. Juni. Der Abgeordnete Diedrich Hahn ist zum Director deS Bundes der Landwtrrhe gewählt worden.

Leipzig, 21. Juni. DemLeipziger Tageblatt" zufolge stimmten die Bauhandarbeiter in einer gestern veran­stalteten, von etwa 500 Personen besuchten Versammlung einem Beschlußantrag zu, in dem fie sich mit dem Vorgehen der ausständigen Maurer zur Erreichung einer 9stündigen Arbeitszeit, sowie eines StuudenlohueS von 55 Pfg. ein­verstanden erklärten und fich ihrerseits verpflichteten, die Ar­beit heute dort nicht wieder aufzunehmen, wo die Arbeitgeber 9ftÜndige Arbeitszeit und 45 Pfg. Stundenlohn für Bau­handwerker nicht bewilligten. Die Maurer wurden ver­pflichtet, die Handarbeiter bet dieser Forderung moralisch z« unterstützen.

Göttingen, 21. Juni. Amtlich wird gemeldet: Der Schnellzug Kassel-Berlin ist bet der Station Hede­münden um 4Uhr Morgens entgleist. Die Ursache ist mit Sicherheit noch nicht festgestellt. Ein Wagen wurde um­geworfen; von den darin befindlichen Reisenden wurden sieben nur unerheblich verletzt, so daß fie die Reise sortsetzen konnten. Der Verkehr war um 2 Uhr Nachmittags wieder hergestellt.

Hamburg, 21. Juni. Der PacketdampferGothia", welcher am 18. Juni mit Stückgütern nach Westindien ab­gegangen war, entdeckte AngefichtS der englischen Küste Feuer im Schiffsraum. Er kehrte nach Hamburg zurück, woselbst er in letzter Nacht eiutraf. Die Feuerwehr löschte mit sechs Rohren das Feuer.

Loudon, 21. Juni. Unterhaus. Der erste Lord des Schatzes, Balfour, beantragte heute eine Glückwunsch-