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Nr. 247 Zweites Blatt. DmumStaa dm 2« Oktober
1897
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Die hauptsächlichsten politischen Fragen in England.
Eine ganze Reihe von Mintsterkrtsen sind in den letzten Wochen erledigt oder stehen bevor. Griechenland und Spanien haben ganz neue Tadtnene erhalten, in Oesterreich, Serbien, Rumänien, Portugal bereiten fich Veränderungen vor, und un kommt auch aus OldEngland die Meldung, daß Lord Salisbury demisfiontreu wolle. Freilich wurde diese Nachricht sofort widerrufen, aber unmöglich ist eS nicht, daß Salisbury die Leitung der auswärtigen Angelegenheit abgiebt, und fich auf die Premierschaft zurückzieht. Wenn übrigens auch die Meldung von der AmtSmüdigkeit des englischen Ministerprästdenten nicht richtig ist, so hat fie doch eine ge- wisse symptomatische Bedeutung insofern, al- in manchen Kreisen die Ansicht vorzuherrschen scheint, eS sei au der Zeit, wenn der Lord jetzt einmal einem Anderen Platz mache.
Die letzte Regierungsperiode dieses TabinetS hat nicht viel dazu beigetragen, England- Prestige tm Auslände zu heben; im Gegentheil, da- Ansehen der britischen Regierung hat unendlich viel etngebüßt. In dieser Beziehung sind eS besonders zwei Punkte, die als Klippe angesehen werden iköonen, an denen die englische Selbstsucht Schiffbruch gelitten hat: das ist die Orientfrage und die TranSvaal-Augelegen- heit. Bet der ersteren har England, wie wir mehrfach berichtet haben, zuweilen eine recht zweifelhafte Rolle gespielt, bte mit den Jntereffen des europäischen ConcerteS arg con- erafttrte. Früher hatte eS eine ganze Zeit laug den Sultan iaß Schlepptau genommen und ihn protegirt- da- entsprach damals den englischen Jntereffen und wurde durchgeführt, bis der Sultan mehr und mehr Rußland tu die Arme sank .uab Schützling des Zaren wurde. Da war eS natürlich mit der englischen Freundschaft für ihn vorbei, und auf alle mögliche Weise suchte da» britische Labtnet dem Sultan beizu- kommen und ihm ein Bein zu stellen. DaS hat fich noch so recht evident bet der Entwicklung der griechisch-türkischen Angelegenheit gezeigt, wo England lange Zeit Griechenland den Rücken gedeckt und rechtzeitige Maßregeln zur Dämpfung deS griechischen UebermuthS verhindert hatte. Würde fich damals kZogland dem europäischen Eoucert augeschloffeu und tu dte Blocade des PträuS gewilligt haben, so wäre vielleicht der Ausbruch des Krieges verhindert worden, da dann Griechen- lanb feine Flotte nicht hätte können auSlaufen laffeu. Madie englische Regierung veranlaßt zu ihrem Borgeheu, liegt so klar, daß auch wir kein Geheimntß daraus zu machen brauchen. Je mehr dte Dinge drunter und drüber gehen, desto leichter glaubt England im Trüben fischen zu können oder unter Aobietung seiner Vermittlung möglichst große
Bortheile zu erzteleu. Es Hal fich bisher nur feiten als »ehrlicher Makler" gezeigt, und fich seine Hülfe immer theuer bezahlen laffen. Daß in der Ortentfrage, insbesondere bet den FrtedenSverhandluugen der Mächte, England schließlich hat uachgeben müffen, trotzdem eS Weiterungen genug gemacht hatte, welche dte FrtedeuSverhaudlungen erheblich verzögerten, trägt nicht zum Ruhme der britischen Diplomatie bei.
Stark blamirt hat fich das jetzige Cabtnet bekanntlich auch in der Trausvaalfrage. Trotzdem wünschen englische Heißsporne, daß die Regierung gegen dte südafrikanische Republik ohne jede Rücksicht vorgehe und den Präsidenten Krüger zur Raison bringe, obwohl daS ganze Verbrechen der Boeren nur darin besteht, den unberechtigten Eingriffen der Engländer in dte Rechte jene- Staates entgegengetreteu zu setu. Aber man scheint eS dem Präfidenten Krüger nte verzeihen zu können, daß er unbewußt eine so herbe Kritik des englischen GewaltacteS, al» welcher der Einfall Dr. JamesonS in Transvaal angesehen werden kann, seitens des deutschen Kaisers veranlaßt hatte. Die englische Regierung dürfte übrigen- vorläufig eine abwartende Haltung in der Transvaal- frage etnuehmen, da dem Eolonialmtnister wenig daran liegen kann, so bald wieder dte Erinnerung aufzufrtschen «n die Eretguiffe de» letzten JahrrS, wo er eine so zweifelhafte Rolle gespielt und fich als Helfershelfer des edlen Str Cecil Rhode» erwiesen hat.
Große Aufmerksamkeiten widmen dte Londoner maßgebenden Kreise natürlich den Dingen in Westafrika, wo dte englischen Jnterreffen bekanntlich mit den französischen colltdiren. England schickt eine stattliche Zahl Truppen nach dem Niger und scheint dte Absicht zu haben, unter keinen Umständen seine Ansprüche dort fallen zu laffen- e» verlangt mindesten» soviel von jenen Strichen, daß da» ganze rechte Ufer deS Niger England gehören würde. Ob aber diese Trnppen- sendungev nicht einem bloßen Raffeln mit dem Säbel gletch- kommen, ist durchau» nicht von der Hand zu weisen- denn England dürfte einem ernsteren Conflicr mit Frankreich jedenfalls aus dem Wege gehen, weil e» sonst Fragen von ganz anderer Bedeutung aufrollen würde. ES fitzt z. B. jetzt so warm in Egypten, daß eS ihm sicherlich schwer fallen würde, daS Pharaoneulaud wieder zu verlaffen. Deshalb hütet es fich ängstlich, die eghptische Frage aufS Tapet zu bringen, was aber geschehen würde, wenn e» ernstlich mit Frankreich fich überwirft. Ueberhaupt kann der Londoner Regierung gegenwärtig ein auswärtiger Conflict nur ungelegen kommen, da ihre Aufmerksamkeit noch immer in Indien voll in Anspruch genommen wird. Außerdem hat fie scharfen Auslug nach Petersburg zu halten über die Schritte, welche Rußland in Ostafien unternimmt.
Wir sehen also, das am vorigen Freitag wieder zu- sammengetretene englische Cabinet hat der Sorgen viele, was freilich bet der gewaltigen Ausdehnung des britischen Reiches nicht Wunder nehmen kann. (xx)
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Gruuberg, 18. October. Welch bedeutender Verkehr am diesmaligen Gallusmarkte hier geherrscht hat, tst auch aus dem Umstande zu entnehmen, daß feiten» der hiesigen Station 2034 Fahrkarten ausgegeben wurden- ein zum mindesten wohl ebenso großer Theil von Marktbesucherv wird mit Rückfahrkarten versehen gewesen sein. In erheblicher Weise au der Vermittelung des Verkehr» war wieder dte Strecke Grünberg-Loudorf betheiligt.
n. Reichelsheim t. d. W., 18. October. Am letzten Freitag Nachmittag fiel -wischen Staden und Leidhecken ein zerplatzter Luftballon nieder. Im Felde beschäftigte Leute wurden durch ein eigenthümliches, zischendes Geräusch in der Luft auf ihn aufmerksam. Sie gewahrten eine« großen zerfetzten Gegenstand, der in tollem Wirbel von Süden kommend, durch die Luft trieb, und, als er kaum die Nidda pasfirt hatte, mit rasender Schnelligkeit zur Erde stürzte. Laudwirth König von Leidhecken, der zuerst zur Stelle war, hat die -erriffeoe Hülle mitgenommen. Eine Gondel war nicht mehr am Ballon. — Die fetten Schweine schlagen rasch auf. An einzelnen Orten in unserer Um- gegend bezahlen die Metzger schon 66 Pfg. für daS Pfund Schlachtgewicht.
-11- Eichenrod, 16. Oetober. Gestern Abend war die Dampfdreschmaschine der Gemeinde HopsmauuSftld vor der Hofraithe des Beigeordneten Wehner aufgestellt worden. Al» mau heute Morgen mit dem Dreschen beginnen wollte, stellte fich heraus, daß der große TrauSmiffiou»rie»e« fehlte. Bei näherem Umfchaueu fand mau deufelbeu in acht Stücke zerschnitten auf der Erde liegen. Der Riemen war fast neu und repräsentirte einen Werth von 200 IRL Man ist in unserer Gemeinde aufgebracht über diesen nichtswürdigen Streich.
H An» dem «reife Uttfeld, 19. October. Einen recht übermüthigen Streich begingen einige Burschen au» Badenrod in den Nächten am 1. und 2. September d. I». Sie zündeten auf dem abgeholzten District „Hachberg" fitzende» Loo»- und Steigholz, ungefähr 100 Rmtr. Knüppel und Reisig, an, jedenfalls wollten fie ein Sedaufeuer abbreuueu. Geschädigt find dadurch zumeist arme Leute aus Storndorf und Meiches. Die jungen Leute haben ihre That eingestanden und müffen fich demnächst vor dem Strafrichter verantworten.
Feuilleton.
Heimalh.
Novelle ,von H. Renä.
(Nachdruck verboten.)
Wilde Rosen! die wuchsen ja auch einst an der alten Mauer, die den väterlichen warten von dem Nachbargrund- fiück trennte.
Der einsame Spaziergänger zog mit seinem Stockgriff einen vollen Zweig zu fich herab.
Richtig, daS waren ja dieselben rothen Blüthen, die fiel» unter den plumpen Knabenhändeu zu entblättern pflegten, und hier auch ein Dorn! Ob er wohl noch ebenso stach? Richtig, ein kleiner Blutstropfen. Wie merkwürdig! Welch seltsamer Fund!
Pah, wa» war denn Seltsame» dabei! Solch wilde» Heckenzeug wuch» ja hier an jedem Straßenrain, und nur bei seinen langen Weltenfahrten, auf dem steinigen Boden Kalifornien» und später inmitten der exotischen Pflauzenpracht Konstantinopel» war e» ihm au» dem Gesicht gekommen. Was ging ihn überhaupt die Vergangenheit noch an! Zwanzig Jahre find doch Zeit genug, um mit allem fertig zu werden. Die deutsche Luft war Schuld daran- sie lag voll ungesunder Sentimentalität. Weg damit!
Der große, breitschulterige Mann, deffen dunkle» Bart- und Haupthaar leise zu ergrauen begann, hieb mit dem Stock vor fich hin, al» sei damit alles abgethav, und schlug den Weg nach belebteren Stadttheileu ein.
Da lagen fie, in rothgraueu Dunst gehüllt, vor ihm, die endlosen, menschenwimmelnden Straßen. Die Pferdebahn klingelte, hoch beladene Omnibusse schwankten einher und alles stieß, drängte, hastete aneinander vorüber. Obgleich augenscheinlich ein Fremder, hatte er für da» bunte Straßengewirr kaum einen neugierigen Blick. Parts, Newhork, London, im Grunde sah doch eine Riesenstadt der andern gleich.
Er winkte einem Tramway-Wagen. Als er nun eingekeilt zwischen Arbeitern, Commis, Ladenmädchen stand, mußte er unwillkürlich lächeln. Was würde doch seine türkische Dienerschaft bei dem Anblick ihres gestrengen Effendi sagen !
ES dunkelte bereits, al» er nach langer Kreuz- und Querfahrt sein Hotel erreichte. Unmuthig schüttelte er den Kops, als er den bequemen Fahrstuhl betrat, der ihn mehrere Stockwerke hinauf nach der langen Zimmerflucht brachte, die er Geschäfte halber seit fast einer Woche bewohnte.
„Al» ob man hundert Jahre alt wäre oder gelähmte Glieder hätte," murmelte er, und dann gedachte er regenfeuchter, ausgetretener Steinstuftv vor einer HausthÜr, einer knarrenden, schmalen Holztreppe, die htv aufführte zu dem freundlichen Giebelstübchen, da» er, ein trotziger Knabe, in ungebändigter Wildheit heimlich de» Nacht- verlaffen auf Nimmerwiederkehr.
Undeutlich, wie im Nebel, tauchen die Berhältuiffe, die ihn damal» au» Elternhaus und Vaterland vertrieben, vor ihm auf. So etwa- verwischt die Zeit. Aber daß Barer und Mutter einsam, kinderlos dahingegavgen waren, ohne daß er in ihren brechenden Augen Derzeihung gelesen hatte, das war eine Wunde, dte dte Reue ätzend offenhielt. Wieder diese Erinnerung l Seitdem er deutschen Boden betreten, ließ fie ihn nicht los.
Wie heiß eß hier drinnen war, zum Ersticken! Er lüftete die Halsbinde, ohne doch freier athmen zu können. Stürmisch öffnete er die breiten Fensterflügel und trat auf den Balkon. Auch hier dieselbe dumpfe, athcmraubende Schwüle, dazu der Staub und Straßenlärm.
Wie der Kopf ihm wie Im Fieber brannte! Unruhig ging er auf den warmen Steinplatten hin und her- die Sonne mochte wohl den Nachmittag hier gelegen und eine Nach- Wirkung ihrer Gluth zurückgelaffrn haben.
Nun stand über den „süßen Wassern" groß und filberu der Mond am tiefblauen Himmel, dm Magnolien und dem
Rosenlorbeer entstieg berauschender Duft, aber feine Gärten waren einsam und die Gefichter seiner tüikischen Diener fo dunkel und ernsthaft wie die Cypreffen, um deren Stamm sich träumerisch die wilde MandelblÜthe schlang. Dorthin sehnte er fich nicht, nein, dorthin nicht.
Sein Auge verlor fich in die Weite, al» suche er hinter den hohen Thürmen und Riesenbauten etwa» Bestimmtes, dem er nur nachzugehen brauche. Unwillkürlich hob fich die breite Brust.
Welche Wonne, diese laue, sternenklare Sommernacht in einem richtigen, altmodischen, deutschen Garten unter blühenden Linden und leise duftenden Centifolien zu verbringen I Gab e» Überhaupt noch solche Gärten auf der Welt? Ueberall ga»flimmernde Restaurant», verkümmerte Bäume, fade Teppichgärtnerei!
Wieder folgte fein Blick den schnell segelnden Abend- wölken. Vielleicht trafen fie auf ihrem Zuge jenen Garten tief in den Bergen.
Unmuthig fuhr er auf. Träumereien im Mondschein, die paßten wohl schlecht zu ihm und dem wilden Leben, das hinter ihm lag.
Im Zimmer respectvolle» Klopfen. Der Oberkellner brachte Briefe, Depeschen für den Großkaufmann Robert Hetder aus Konstantinopel, zur Zeit „Hotel Kaiserhof".
Hastig öffnete er fie und ein Schimmer von Befriedigung erhellte sein finstere» Geficht. Die Krifi» war abgewandt, seine Firma stand fester denn je, ja, dem Diamanten- und Elfenbeinhandel schienen sogar neue Bahne« geöffnet. Er konnte reicher, mächtiger denn je zurückkehren, adreisen sofort.
Aber in seinem einsamen Gartenschloß am Bosporus erwartete ihn Niemand, al» die träge Dienerschaar, und er hatte, in seine Geschäfte vertieft, so gut wie gar nicht» von der deutschen Reichshauptstadt gesehen.
(Fortsetzung folgt.)


