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Nr. 247 Erstes Blatt Donnerstag den 21. October
Der
Lietzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montag«.
Die Gießener Zr^mirienötälter werden dem Anzeiger ßvöchentlich dreimal beigelegt.
Gießener Anzeiger
Kenerat-Anzeiger.
1897
vierteljähriger Flöonncmcntsprei«< 2 Mark 20 Pfg. eit Bringerlohu.
Durch die Post bezöge, 2 Mark 50 Pfg.
Redaction, Expedition und Druckerei:
ZchulstraßeNr.7.
Fernsprecher 61.
2lsnts- und Anzeigeblutt für den Ureis Giefzen.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für de, iotqrnbcn Tag erscheinenden Nummer bi« Borm. 10 Uhr. FfMürf-TZ.' • —
Gratisbeilage: Hießener Kamilienbtätter.
Alle Annonccn-Bureaux de« In- und Auslande« nehm« < Anzeigen für den „Gießener Anzeiger* mtgeye.
atntik^er CfreiL
Oberhesfischer Obstbauverein, Vereinsbezirk Gießen.
Am Samstag den 30. October d. Js., Abends Ä Uhr, findet im Gasthause zum Wilden Mann in Grüu- berg eine Versammlung statt, in welcher der Geschäftsführer des Vereins, Herr R. Reichen, Lehrer für Naturwissenschaften und Obstbau an der Großh Obstbauschule und landw. Winter- fchule in Friedberg, sprechen wird über:
1. Auswahl werthvoller Obstsorten,
2. Obstverwerthung im Haushalt.
Mit den Vorträgen find Demonstrationen verbunden.
Die Mitglieder des Oberhessischen Obstbauvereins, sowie sonstige Interessenten werden hierzu freundlichst eingeladen.
Gießen, den 19. October 1897.
Der Vorsitzende ses Vereinsbezirks Gießen des Oberhessischen Obstbauvereins. Dr. Wallau, Regierungsrath.
Deutsche» Leich»
Darmstadt, 19. Oclober. Mit dem russischen Kaiser« paar und dem GroßherzogSpaar speisten heute Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen im Neuen Palat». Nachmittag- besuchten die Fürstlichkeiten den Caton« Tennisplatz, Abends das Hostheater, wo Grtllparzerr „Wehe dem, der lügt", gegeben wurde.
— Ueber den Einfluß der Wohlhabenheit auf die Sterblichkeit in Breslau veröffentlichte vor Kurzem der Breslauer Statistiker Neefe in der „Zeitschrift für Hygiene und Infektionskrankheiten" eine längere Arbeit. Als Kriterium der Wohlhabenheit wurde die Höhe der WohnnngS« miethe betrachtet, welche die ärztlichen Todtenbeschauer auf den Todtenbesundszetteln notirteu. Da dies nicht allgemein geschehen konnte, wurden auch nicht alle Verstorbenen rubricirt, Don 9241 mußten 3610 gleich 39 pEt. unberücksichtigt bleiben. DaS Ergebniß der Berechnung ist folgendes: ES starben im Jahre 1896 von je 1000 Lebenden, die eine WohnungSmiethe bis zu 300 Mk. zahlten, 20,7, bei einer WohnungSmiethe von 301 bis 750 Mk. 11,2, bei einer Mielhe von 751 bis 1500 Mk. gar nur 6,5, im Durchschnitt 17,6 Personen. Ist schon nach diesen Zahlen die Sterblichkeit der armen Breslauer Bevölkerung dreimal so groß, wie die der reichen, so ist sie in Wahrheit doch noch größer, weil die nicht mit sirgerechneten Verstorbenen (Dienstboten, Gewerbegehilfen, Spitalverstorbene rc.) wohl ausschließlich in die erste Mieth« -lasse gehören. Die größte Sterbltchkeits Differenz wiesen natürlich die Säuglinge auf- mehr als die Hälfte der Lebend- geborenen starben bei der armen Bevölkerung im Säuglingsalter, weniger als ein Sechstel bei der reichen Bevölkerung. Mau fieht aus dieser Untersuchung wieder, wie uothwendig «6 ist, die Lebenshaltung der minder bemittelten Bevölkerung»- schichten zu heben.
Wolff» telegraphisches Eorrespondenz-Lurea«.
Berlin, 19. October. Die „Berl. Corresp." meldet: Die juristische Faeultät der Universität Göttingen gab dem Wunsche Ausdruck, erledigte Prozeßacten zu akademischen UnterrichtSzwecken zeitweilig überlaffeo zu erhalten, und erklärte, nur lediglich Auszüge hieraus den Gtudirendeu mittheilen zu wollen. Da der Justizminister in der Benutzung solcher Auszüge zu Lehrzwrcken eine wesentliche Förderung des UntversttätSunterrichtS erblickt, veranlaßte er den LandgeriätSpräfidrnten in Göttingen und die anderen Landgericht-Präsidenten der Universitätsstädte, den betreffenden juristischen Fakultäten für diejenigen Professoren des Land- gerichtSbezirkS, die die oben angedeutete Erklärung abgebeu, erledigte Prozehacten leihweise zur Auswahl abgebeu zu wollen.
Berlin, 19. October. Das „Armee-Berordnuna-blatt" veröffentlicht eine Allerhöchste CabinetSordre vom 17. October, b-etreffend die Fahnenverleihuug an die durch Aller« HSchste EabinetSordre vom 31. März d. I. errichteten Regimenter und Bataillone. Nach der Aufzählung derselben heißt r4: „Ich hege daß zuversichtliche vertrauen, daß diese Truppeutheile die von Mir ihnen anvertrauten Feldzeichen jederzeit in hohen Ehren halten und bis in die fernste Zu- Zunfi zum Heile Deutschlands und zum Ruhme des Heeres fuhren werden."
München, 19. October. Der Abgeordnete Grillen- s-rger wurde nach der Sitzung auf der Straße vom
. Schlag getroffen und halbseitig gelähmt in da» Krankenhaus | verbracht.
Straßburg t. 6., 19. October. Wie der „Elsässer" j meldet, hat der Reichstagsabgeordnete Bueb, der am 9. d. M. wegen Verächtlichmachung von Staatseinrichtungen, ! wegen ColportagevergehevS und wegen Beiseiteschaffung von ‘ beschlagnahmten Gegenständen zu 10 Monaten Gefängniß verurthrilt worden war, gegen seine Berurtheiluug Revision eingelegt.
Mailand, 19. October. DaS hiesige Tribunal verur« theilte heute drei Anarchisten, in deren Wohnung eine mit Pulver gefüllte Blechbüchse gefunden wurde, zu 21/t Jahren Gefängniß. Einer der Angeklagten hatte eingeftanden, daß die Büchse zu einem Attentat auf den König Humbert bestimmt gewesen sei.
Pari-, 19. October. In Oran sollten dieser Tage vier Fremdenlegionäre, zwei deutsche und zwei belgische, hingerichtet werden, weil sie daS Arrestlocal in Braud gesteckt hatten. Gestern kam die Entscheidung, daß die Legionäre zu 20jähriger, resp. lebenslänglicher Zwangsarbeit begnadigt w-rden sollen.
Paris, 19. October. Die Delegirteu der Stadt Paris, die der Enthüllung des BertheidiguugSdeukmalS in Chateaudun beiwohnen sollten, blieben der Feier fern, weil der Marineminister verlangte, daß sie ihm vorher den Wortlaut ihrer Reden unterbreiten sollten. Auö demselben Grunde lehnte Deroulede die Theilnahme an der Feier ab.
Barcelona, 19. October. In der vergangenen Nacht erfolgte die Freilassung aller jener Personen, die als Anarchisten gefangen saßen, aber in keinen Prozeß verwickelt find.
Chicago, 19 October. Der Vorsitzende der Pullman- Schlafwagen-Gesellschaft, George M. Pullman, ist heute plötzlich an einem Herzleiden gestorben.
Depesche» bet Bureem .Herold.*
Berlin, 19. October. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Bekanntmachung betreffend Maßnahmen für ein Verbot der SonntagSarbeit im Gewerbebetriebe vom 16. October 1897.
Berlin, 19. October. Der „Poft" zufolge wird Reichskanzler Fürst Hohenlohe in 10 bis 12 Tagen nach Berlin zurückkehren.
Berlin, 19. Octoder. Im „Reichsanzeiger" wird heute der Entwurf eines Gesetzes über die frriwtlligeGerichtS- barkeit veröffentlicht.
Berlin, 19.October. Die Einberufung des Colo- uialraths wird sich, wie der „Deutschen Tageszeitung" versichert wird, vor Mitte November noch ermöglichen lassen. Frühestens würde der Colonialrath am 10. oder 12. October zusammentreten. Der „Poft" zufolge soll der Colonialrath nicht vor dem 15. November zusammeutreteu.
Berlin, 19. October. Die „Kreuzzritung" hat Grund zu der Annahme, daß momentan die Frage, ob der Reichskanzler Fürst Hohenlohe gehe oder nicht, nichts weniger als acut sei und die kommende Session des Parlaments den Reichskanzler auf seinem Platze finden werde. DaS entspreche auch der Lage der Dinge und dürfte mit den Wünschen de» Fürsten Hohenlohe nicht im Widerspruch stehen. Die Conser- vativen hätten jedenfalls keinen Grund, damit unzufrieden zu sein.
Wiesbaden, 19. October. Der Kaiser empfing heute Vormittag 10 Uhr da» OsfiziercorpS des .80. Füfilier-Regi- mentS, zu dessen Chef der Kaiser gestern die Kaiserin Friedrich ernannt hat. Später unternahm die kaiserliche Familie eine Spazierfahrt in den Wald. Heute Mittag IV« Uhr fand Frühstückstafel statt und Abends 6*/, Uhr wird Familientafel im Königlichen Schlosse stattfinden, zu der etwa 20 Personen geladen find. Heute Abend wird auf allerhöchsten Befehl im Königlichen Theater der „Sommernachtstraum" aufgeführt werden, welchem die Kaiserliche Familie beiwohnen wird. Nach Schluß des Theaters wird der Kaiser einem Bierabend beim Intendanten v. Hülsen beiwohnen. — Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen find heute Vormittag 7 Uhr nach Crouberg zurückgereist.
Leipzig, 19. October. Die sächsisch-thüringische Ausstellung wurde heute Mittag in Anwesenheit der sächsisch-altenburgischen Minister nach verschiedenen Ansprachen geschlossen.
Wien, 19. October. Zwischen dem Eisenbahn-Ministerium und den österreichischen cartellirten Eisenwerken ist ein Lieferungsvertrag zu Stande gekommen, nach welchem die Staat»- bahnen ihren ganzen Bedarf an Schienen auf fünf Jahre zu erhöhten Preisen festlegeu. Der jährliche Bedarf beträgt ca. 250000 M. Ctr.
Budapest, 19. October. Der heute hier etngetroffene Graf Badeni wird sofort vom Kaiser in Audienz empfangen. Von dem Resultat dieser Audienz wird es abhängen, ob Badeni nicht das beabsichtigte DemisfionSgesuch zur Ausführung bringen wird.
Paris, 19. October. Heute ist hier ein neue« radikales Organ, betitelt „Aurora", an dessen Spitze Clsmenceau steht, erschienen.
Paris, 19. October. Dem „Tempß" wird von seinem Correspondenten in Rom telegraphirt, Herr v. Bülow werde nach seiner Verabschiedung vom König Humbert in Monza sich nach Rom begeben und vom Papste empfangen werden, um diesem die Versicherung abzugeben, daß die preußische Gesandtschaft beim Vatikan nicht adgeschafft werden würde.
Pari«, 19. October. Der Municipalrath hat gestern in der BrodvertheuerungSfrage den Wunsch ausgedrückt, daß die EingangSzvlle auf Getreide auf 4 FrcS. herabgesetzt werden und deren Ertrag dem Wohle der arbeitenden Klassen zugewendet werden sollen.
Kanea, 19. October. Als heute Gendarmen versuchten, mehrere Muselmanen zu verhaften, wurden sie von den Letzteren mit Revolverschüffen empfangen. Beiderseits kamen Verwundungen vor. Die Gendarmen hatten daS Feuer erwidert. In der Stadt herrscht große Aufregung.
Newyork, 19. October. Auf der Rock Island Linie wurde ein Eisenbahnzug von fünf vermummten Leuten an gehalt en und die Reisenden geplündert.
Berlin, 20. October. Zur Militär-Strafproceß- ordnung schreiben die „Verl. Polit. Nachr.", daß die Schwierigkeiten lediglich in der Forderung Bayern» auf einen besonderen höchsten Gerichtshof liegen, durch welche die vor Allem zu erstrebende Einheit der Rechtshandhabung in der Armee durchbrochen würde.
Berlin, 20. October. Gestern Abend fanden sechs focialdemokratische Parteiversammlungen statt, in welchen über den Parteitag berichtet wurde. Die meisten Redner verurtheilteu die beschlossene Betheiligung an den Landtagswahlen. Die Versammlungen waren stark besucht, die Debatten thcilweise sehr lebhaft.
Berlin, 20. October. Dem Abgeordueteohause soll in der bevorstehenden Session ein Gesetzentwurf Über die Einführung der Anerbenrechtes in der Provinz Westfalen zugehen.
Berlin, 20. October. Zu der in der Ausführung begriffenen BefoldungSreform für die Universitäts- Professoren erklärt die „Nattonalztg.", daß nunmehr Seitens des CultuSministeriumS an eine zweite Gruppe von Universität-Professoren die Anfrage ergangen ist, ob sie e» vorziehen, daS neue GehaltSsystem auf sich angewendet zu sehen oder ob sie bet dem alten System verbleiben wollen.
FriedrichSrnh, 20. October. GrafHerbert Bismarck und Lord Rosebery trafen zum Besuch BiSmarck» hier ein.
Mönchen, 20. October. Der socialdemokratische Reichs- tagSabgeordvete Grillenberger, welcher gestern Nachmittag vom Schlage gerührt wurde, ist bereit» 6*/2 Uhr Abend» im Krankenhause gestorben, ohne da» Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Die Aerzte constatirten verschiedene Todesursachen und zwar Springen der Blutgefäße und all- maligen Bluterguß in» Gehirn.
Wien, 20. Oktober. Der Schachspieler En gisch ist hier an Gehirnlähmung gestorben.
Petersburg, 20. October. Nach der Rückkehr des Zaren sollen Veränderungen in der Besetzung der Bot- schafterposten tu London und Pari« vorgenommen werden.
H. Darmstadt, 20. October. Kaiser Wilhelm trifft Donnerstag Nachmittag 5 Uhr hier ein und reift Abend» wieder nach Potsdam.
CocaUs Mitt provinzielles.
Gießen, den 20. October 1897.
** Kirchliche Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigft geruht, dem Pfarr- Verwalter Ludwig Gußmann zu Kirchberg, Decanat Gießen, die evangelische Pfarrstelle daselbst und dem Pfarrer Valentin Zatzmann zu Altenschlirf die evangelische Pfarr- stelle zu Schornsheim, Decanat Oppenheim, zu Übertragen.
•• Stadttheater. Auf vielfachen Wunsch wird am Donnerstag im hiesigen Stadttheater Schönthan und Koppel-Ellfelds dreiactige» Lustspiel „Renaissance" aufgejllhrt.


