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21.7.1897 Zweites Blatt
 
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Wr. 168 Zweites Blatt. Mittwoch dm 21 Juli

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Sießeu, de» 20. Juli.

* Au» dem Handelskammer Bericht. De» im Handels- kammer-Bertcht für 1896 enthaltenen Berichten über That- sachen entnehmen wir zum Schluß folgendes auf Grund der von den einzelnen Brauchen eingelaufenen Berichte Erstattete:

Papierhandel. Trotz der höheren Rohstoffpreise, des Aufschlages für Holz zur Herstellung von Holzschliff und Zellstoff, einem überwiegenden Factor der Rohstoffe für die Papterfabrtkatiou, find die Preise nicht in die Höhe gegangen. Vielmehr ist ein Rückgang vieler Papiersorten gegen daS Vorjahr zu verzeichnen, der sich jedoch in Anbetracht der schon gedrückten Preise nur in kleinem Rahmen bewegte. Die im Laufe deS Jahres von größeren Fabriken in Aussicht genommenen Aufschläge für ordinäre und mittlere Papier- sotten kamen kaum zur Ausführung. Im Detailhandel ist wohl gegen das Vorjahr in der zweiten Hälfte eine kleine Vefferung zu verzeichnen. Insbesondere ist eine stete Zu­nahme der Verwendung befferer Papierqualitäten für Bureau- uflb Packzwecke fühlbar, wie auch im Allgemeinen selbst in den kleineren Geschäften al» Fortschritt die Anlage von Registraturen und sonstigen praktischen Bureaueinrichtungen hervorzuhebeu ist. Durch die fortwährend erscheinenden Neu­heiten der LuxuSpapierbranche, einem vielseitigen Zweige der Papierfabrikatton, wird daS Jntereffe des Publikums wach gehalten und hierdurch der Papierhändler einigermaßen für sonstige Nachtheile entschädigt. Im Wesentlichen aber leidet da» Platzgeschaft außerordentlich unter dem wachsenden An­gebot der comptoirbesuchenden Papterretseuden und der Versandtgeschäfte, welche den Bedarf in Papieren und Pappen zu Pack- und Etnschlagzweckeu, Briefpapieren, CouvertS und sonstigen Drucksachen sehr absorbiren, ohne gegen die Platz- geschäste Bortheile zu bieten. In der Regel ist die Preis­differenz in der Größe deS Auftrages, der den auswärtigen Lieferanten gegenüber den Platzgeschäften ertheilt wird, zu suchen; auf der anderen Seite ist dieselbe öfters schwierig zu unterscheiden, da bei kleinen Schwankungen die Beurtheilung der Preise meist eine größere Fachkenntniß bedingt. ES läge im Jntereffe de» allgemeinen Geschäftes, da wo keine persön­liche Rücksichten durch Gegengeschäfte zu Grunde liegen, auSwärt» zu kaufen, stets bet Bedarf die Platzgeschäfte mit- cori curriren zu laffen, da ohne Zweifel diese ebenso leistungs­fähig sein dürften. Der beste Beweis dafür ist, daß bei Vergebung der Papierlieferungen hiesiger Aemter und Ver-

Feuilleton.

Ist Bier im Sommer gesund?

Von Dr. Hans Fröhlich.

(Nachdruck verboten.)

Gerade in der heißen Jahreszeit hört man so ver- schirdeue Ansichten darüber, ob Biertrinken gesund sei oder nicht. Bei weitem am zuträglichsten daS steht ganz ent* Icdieden sest find im Sommer limonadenartige und bis- »eilen kohleosäurehaltige Getränke. Alle alkoholischen machen über kurz oder lang schlaff und heiß. In Weingegenden ist drm Bier noch leichter Wein mit Sodawaffer vorzuziehen. Da eS aber nun einmal sehr viele Biertrinker gibt, die auch im Sommer ihr Lteblingsgetränk durchaus nicht entbehren vollen, obgleich fie bisweilen ungünstige Wirkungen desselben auf ihr Wohlbefinden empfinden, so wollen wir wenigstens tlnige hygienische Winke geben, wie man fich vor GesundheitS- ftädtgungen durch Bier im Sommer schützen kann.

Derjenige Bestandtheil, welcher das Bier in der heißen Jahreszeit erst wahrhaft trinkbar und durstlöschend macht, die Kohlensäure. Ihr Procentgehalt beträgt 0,1 bis 0,8. Ihr ist die erfrischende und die Verdauung fördernde Eigen- siaft deS Bieres zu verdanken. Wie erfrischend kohleosäure- t ltige Getränke find, wiffen wir von dem Genuß deS tzsdawafferS und des au» doppeltkohlensaurem Natron und Leinstetnsäure verfertigten sogen. Brausepulvers. Während tie Kohlensäure für unsere Lungen, also in der EinathmungS- lüft, schädlich ist, übt fie in unserem Magen auf dessen Nerven, sowie auf unser ganze» Nervensystem einen sehr vohlthueuden Einfluß aus. Ersteres lernen wir kennen, ttmn fich beim Genuß sehr kohlensäurehaltiger Getränke die Kohlensäure in die AthmungSluft mischt, uns in die Nase ziehe und unsfoft den Athem benimmt" - letzteres durch die llfr-ischende, allgemein anregende Wirkung derselben Getränke, lom n unser Magen schlecht diSponirt, wir überhaupt erschlafft mb ermattet find. Somit ist eS beim Bier ein Haupt* nsoiderniß, die Kohlensäure, die» so wichtige, aber fich auch

waltungen, die zum Theil auch tu auswärtigen Zeitungen ausgeschrieben und von auswärtigen Händlern submittirt werden, infolge der stets billigeren Offerten diese hiefigen Händlern übertragen worden find.

Rauch- und Kautabak. Die abgelaufene Geschäfts- Periode reiht fich dem Vorjahre ohne beffernde Erscheinungen an. Die Fabrikation für Kautabak war gut beschäftigt und hat eS den Anschein, daß Kautabak namentlich von der Arbeiterbevölkerung weiter als billigstes Genußmittel bevorzugt wird. Der seit Jahren unverkennbare Rückgang im Eonsum von Rauchtabak, besonders von besseren Pfeifentabaken, nimmt langsam zu; die Heranwachsende ländliche und Arbeiter-Jugend wendet sich leider der Cigarre oder Cigarrette zu. Der Ausfall der überseeischen Rohtabak-Ernten war für die Rauch* tabakfabrikation sehr wenig befriedigend, die Marktlage da­gegen recht hoch, sodaß trotz zeitweisen Preisrückgangs für die zur Verwendung kommenden Surrogate (Rippen auS der heimischen Cigarrenfabrikation) bessere Resultate nicht zu erzielen waren, zumal die Aufwendungen für Erhaltung deS früheren Umsatzes fich naturgemäß immer wehren. Die ländliche Arbeiterbevölkerung scheint der Beschäftigung in der Cigarren-Jndustrie, welche ihr leicht, auch oft sogar in den Heimathorten geboten ist, den Vorzug zu geben und wird es immer schwieriger, einen leistungSsähigen und zuverlässigen Arbeiterstand sür die Rauch- und Kautabak-Jndustrie heran­zubilden.

Schirmbranche. Das Jahr 1896 kann nicht als ungünstig bezeichnet werden- dies ist einerseits den Wetter- verhältniffen zuzuschreibeu, andererseits aber dem durch die Handelsverträge ermöglichten Export. Es dürfte bei weiteren Abschlüssen von Handelsverträgen die Schirmbranche nicht als nebensächlich behandelt werden, da weitere bedeutende Industriezweige: u. A. Stahl- und Srofffabrikation mit ihr verbunden find.

Tuchhandel en groß. Das Geschäft entwickelte fich im Laufe des Frühjahres recht günstig, Waare, namentlich bessere Fabrikate, war um diese Zeit sogar knapp, da viele Fabrikanten auf Monate hinaus auf Lieferung beschäftigt waren. Nach dem Frühjahrsgeschäft trat ein Rückschlag ein, der fast den ferneren Theil deS Jahres anhielt. Der Zwischenhandel ist im Großen und Ganzen recht schwierig­es fällt schwer, bei den Kunden die früheren Commissionen zu erhalten, da sich die Concurrenz der Versandthäuser, die jedem Schneider Collectionen inS Haus senden, bei den an­sässigen Kaufleuten recht sühlbar macht.

leicht verflüchtigende Agen», ihm zu erhalten im Faß und im Glase bis zum Munde des Trinkers.

Leider wird hiergegen viel gesündigt. Um nicht schon während deS Gährens zu viel Kohlensäure zu verlieren, läßt man daS Bier in den Gärbottichen nie vollständig auSgähren, sondern sucht noch in den Lagerfässern eine schwache Nach- gährung zu erhalten. Findet dieselbe nicht statt, so ist daS Biertobt", eS hatkein Leben" mehr. Um die Kohlen­säure in todtem oder abgestandenem Bier zu ersetzen, wandte man nun hauptsächlich die Spritzhähne am Schenkfaß zum Einspritzen von Lust an. Die» ist aber eine große Unsitte und nur eine Vorspiegelung falscher Thatsachen. Denn an­statt der gesunden reinen Kohlensäure erhalt daS Bier da­durch die ungesunde, unreine Schenkstubenluft beigemengt. Auch die Bierdruckapparate, die Bierpresfionen, haben viele Mängel, obgleich jetzt nach den bindenden Vorschriften vom 26. Februar und 29. December 1880 die Luft dazu nicht mehr aus der Schenkstube entnommen werden darf, sondern nur von außen. Aber auch diese atmosphärische Luft ist nicht immer rein und es werden alle Nachtheile erst vollständig gehoben durch Anwendung der Kohlensäure, insbesondere der coucentrirten flüssigen Kohlensäure al» Druckmittel.

Bei allen edlen Bieren, die aus den besten Stoffen be- rettet und lange genug gelagert sind, ist die Abnahme de» Kvhlensäuregehalte» kaum bemerkbar, bei gewöhnlichen Bieren dagegen, die weniger Zeit aus Lager gewesen find, nimmt die Kohlensäure viel rascher ab. Die ersten Gläser de» Fasse» find immer am frischesten. Daher daS Frohlocken der Gäste, wenn daS erfreuliche Klopfen beim Anstecken eines neuen Fasses ertönt. Ein allgemeines, lang ausgedehntes Ah" erschallt, das Gespräch wird unterbrochen, de» Trinkers Mienen klären sich auf und mit Todesverachtung trinkt jeder seinen schäbigen Rest. Bei allen Biersorten aber find die allerletzten Gläser, etwa 34, geradezu ungenießbar und selbst die stumpfeste Zunge wird daS schmecken. Wie wehrt man fich nun gegen solch ungesunde» Zeug und gegen die Habsucht deS Wirthe», der auch die Grundsuppe zu Geld

Uhrenhandel. Dem gemeinschaftlichen Bericht vieler hiesiger Uhrmacher entnehmen wir: Der Geschäftsgang in 1896 war nicht gut. Der Hauptumsatz bestand in billiger Waare, welche früher vom Publikum weder gekauft noch gesucht wurde. Ihre Ursache hat diese Erscheinung wohl hauptsächlich in den marktschreierischen Angeboten auswärtiger Versandtgeschäfte, durch welche der Umsatz in der Branche von Jahr zu Jahr zurückgeht. Der Haufirhandel mit billigen Uhren wird trotz deS bestehenden Verbotes, § 56 pos. 3 der Gewerbe-Ordnung, im Geheimen, z. B. an Bahnhöfen, größeren Werkstätten usw. vielfach weiterbetrieben und wird deshalb eine scharfe Controle Seitens der Sicherheitsorgane sehr gewünscht.

Citeratur tint ttaoft

- Professor mein» -Biblische Geschichte sür die ersse« Schuljahre^, die vor Jahresfrist in dem Verlag von E. Roth dahier erschienen ist, erfreut sich einer vergleichsweis raschen Ver­breitung. Nachdem der genannte Leitfaden Zulassung für die Vor­schulen der höheren Lehranstalten im Grotzherzogthum Hessen ge­funden hatte, ist er bald in einer ganzen Anzahl derartiger Schulen eingeführt worden, so u. A. in den Vorschulen deS Gymnasiums und der höheren Töchterschule zu Gießen. Neuerdings hat das Be- ztrksprästdtum zu Metz auf Antrag des dortigen ConfistortumS die Einführung in dm Schulen des Conststorialbezirks Metz genehmigt. Eine interessante Besprechung des Büchleins findet fich in dem alt- katholischen Organ, demDeutschen Merkur". Sie stammt aus der Feder des Pfarrers Steinwachs. Der Recensmt glaubt in dem Buch sein Ideal des biblischen Geschichtsunterrichts erreicht zu sehen, ist der Meinung, daß es sich für den Gebrauch beim altkatholischen Unterricht ebenso gut eigne, wie für evangelische Schulen, falls nur gewisse Gebete in den für altkatholische Schüler bestimmten Exem­plaren diejenige Form erhallen, wie sie bei Altkatholiken üblich fei, und verspricht sich viel von der gemeinsamen Benutzung derartiger arundlegenden Lehrbücher. Es ist sehr erfreulich, daß das ge­diegene Werk so viel Anerkennung findet.

- »Der Stein der Weisend Das soebm erschienene 20. Heft der populär wissenschaftlichen Halbmonatschrift diese» Namms enthält:Fermentwirkungen";Die Alpenthäler" (mit 7 Abbild.); Die Bewegungsursachen der Raketen";Phosphorescenzstrahlen und die Photographie des Unsichtbaren" (mit 8 Abbildungen); Sprache und Schrift;"Naturwissenschaftliche Mittheilungen". Außerdem im Notizenthetl (mit zusammen 20 Abbildungen):An der Wiege eines großen Geistes",Anwmdung von Kälte im Molkerei­wesen und die Taselglatzfabrikatton". Den Beschluß bildm Notizen für Haus und Hof, Bücherbesprechungen u. A. m.Der Stein der Weisen" (A. Harilebens Verlag, Wien), der seine Leser über alle neueren Erfahrungen und Erfindungen auf dem Laufmden erhält und dessm Hefte mit vielen tnstructtven Abbildungen ausgestattet sind, erscheint in halbmonatlichen Heften zum Preise von 30 kr. (50 Pf.) und ist in jeder Buchhandlung erhältlich.

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machen will? ES gibt zum Glück für die Gäste, zum Schreck für die Wirthe ein untrügliches Zeichen für dasLetzte vom Faß". Beim Einschänkeu nämlich gerathen eine Menge Luftbläschen mit in das Bier und verursachen eine scheinbare Trübung der oberen Schichten. Wenn diese Trübung in auf und ab wogender Bewegung rasch verschwindet, dann hat daS Bier noch genügende Kohlensäure, wenn die Trübung aber fich still im Glase verhält und nur ganz langsam ver­schwindet, dann gebe mau e» kaltblütig zurück. Dann ist der Trunk kein Labsal mehr, sondern ein Trübsal. Dann ver­dient daS Bier wirklich den characteristischen NamenDivi- deudenjauche". Am längsten hält fich die Kohlensäure im kalten Bier- daher stelle man daS Glas nie in die Sonne. Thöricht ist auch da« Wärmen des Bieres, wenn man fich im Magen nicht so recht wohl sühlt oder etwa- erhitzt ist. Mau nehme ganz kleine Schlucke und behalte fie einen Augen­blick im Munde, damit fich daS Bier dort erwärmt, aber nicht die für den Magen so werthvolle Kohlensäure verloren geht. Ist man erhitzt, so möge man erst einige Bissen essen. Höchsten» wenn man ein Halsleiden hat, ist daS Wärmen deS Biere» etwas zu entschuldigen, weil eS durchaus nicht rathsam ist, daß das kalte Bier mit dem entzündeten Halse in Berührung kommt. Am besten aber läßt man dann da» Biertrinken ganz. Auch beim Einschänken muß der Wirth darauf achten, daß möglichst wenig Kohlensäure verloren geht. Er dars da» GlaS nicht tief halten und be» Bier- strahl mit voller Kraft einlaufen lassen, denn sonst verfliegt die Kohlensäure und an ihrer Stelle wird Stubenluft bei­gemengt. DaS Bier soll vielmehr an der inneren Wandung des Glase» langsam herunterlaufen. Als wahre Vorbilder des regelrechten Einschänkeu» kann man die richtigen Berlioer Weißbierwirthe hinstellen, welche mit großer Meisterschaft da» Weißbier an der Glaswand langsam hinabgießen und so nur wenig Kohlensäure preiSgeben. Die recht kohlensäure- haltigen Biere find namentlich im Sommer sehr gesund und wohlthuend. Eine Hauptrolle unter ihnen spielt da» Ber­liner Weißbier.