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Deutsches Reich.
Berlin, 17. April. Der Bruder der deutschen Kaiserin, Herzog Ernst Günther zu Schleswig-Holstein, hat sich auf Schloß Ebenthal mit der Prinzessin Marie Dorothea von Loburg verlobt.
Ausland.
Ro«, 17. April. Wie das Journal „Avanti" versichert, beschloß der Papst, im nächsten geheimen Confistortum eine Allocution über die Orient frage zu halten. Er werde erklären, die katholischen Kirchen beider Riten im Orient unter den vereinigten Schutz Englands, Frankreichs und Oestcrreich-UngarnS stellen zu wollen.
Pari», 17. April. „Politique Colonial" meldet aus Athen: Ein Abgesandter des Sultans sei in Athen eingetroffen, und verhandle im Auftrage des Sultans mit dem Könige selbst, wobei folgende Vorschläge deS Sultan» gemacht worden seien: Kreta bleibt ein osficieller Theil deS türkischen Reiches. Die Insel werde durch griechische Truppen besetzt. Der König ernennt einen General Gouverneur, der als Vasall der Türkei von dieser seine Investitur erhält. Griechenland verpflichtet sich dabei, die Rechte der Türkei auf deren europäische Besitzungen anzuerkennen, während der Sultan verspricht, eineGrenz-Regulirung zwischen der Türkei und Griechenland vorzunehmen. König Georg ist geneigt, diese Bedingungen anzunehmen und beauftragt seinen Gesandten in Lon- stantinopel, Erkundigungen einzuzieheu, ob diese Vorschläge de» SulianS ernst zu nehmen find.
Pari», 17. April. Dem „Petit Journal" zufolge ist in der Nähe von Lhamberh ein Deutscher unter dem Verdacht der Spionage verhaftet worden.
Athen, 18. April. Die türkischen Truppen haben Anameluua genommen, dagegen konnten fie Katameluna nicht nehmen, sondern wurden auf die Straße von Elaffona zurück« gedrängt. Beim Paffe Reveni fand ein heftiger Kampf statt. Die Türken machten zwei griechische Geschütze gefechtßunsähig, die Griechen nahmen eine ganze türkische Batterie. Drei höhere griechische Offiziere find gefallen. Beträchtliche griechische Streitkräfte marschiren gegen Menexe. — Auf der ganzen Linie von Arta ist Geschützfeuer zu hören.
Kauea, 17. April. Auf Anordnung der Geschwaderchefs werden die Anführer des Angriffes, welchen die Türken am 13. d. gegen die Aufständischen richteten, nach Rhodos übergeführt. Admiral Canevaro begibt fich nach Hiera« Petra, um die Mohamedaner, welche daselbst Unruhen hervorgerufen haben, einzuschiffen. In der Stadt werden Nachforschungen angestellt, um die den Griechen gestohlenen Werthsachen aufzufinden.
$»lff$ telegraphische» Lorrospsvde«t«BVrviM.
Loudon, 19. April. Meldung deS Reuter'schen BureauS. Eine Depesche vom Fuße deS Meluna-Pasies vom 18. d. M., 10 Uhr Vormittags, meldet: Seit der letzten Nacht wüthet ein verzweifelter Kampf im Meluna-Passe, an dem über 20 000 Mann theilnahmen. Die Türken haben beinahe den ganzen Paß genommen- da aber die Griechen ihre Stellungen auf den Höhen noch halten, ist der Kampf btS jetzt noch nicht entschieden.
London, 19. April. Der „Times" wird aus dem türkischen Hauptquartier vom 18. d. M., 11 Uhr Vormittags gemeldet: Der verzweifelte Kampf dauert fort, '.die Türken find bis auf geringe Entfernung gegen die Grenze vorgedrungen- eine ungeheure Menge von Munition ist verbraucht worden, doch find bis jetzt nur Wenige gefallen, vielleicht 150 Mann auf beiden Seiten. Wahrscheinlich wird der Kampf heute Abend auf kurze Zeit ausgesetzt werden, um den Soldaten Ruhe zu geben, da dieselben 30 Stunden ohne Nahrung und Schlaf fechtend zugebracht haben.
London, 19. April. Der bei der türkischen Armee befindliche Specialcorrespondent de» Reuter'schen BureauS telegraphirt aus Elassona von Sonntag Abend 7 Uhr, daß der ganze Meluna-Paß sich im Besitze der Türken befindet, welche zwei griechische Blockhäuser durch einen Bajonettangriff erstürmten.
Depeschen deS Bureau »Herold."
Berlin, 19. April. Der Kaiser empfing gestern den StaatSsecrrtär Marschall zu längerem Vortrage.
Berlin, 19. April. Die türkische Regierung hat die deutsche Regierung ersucht, die Jntereffen der türkischen Unterthanen in Griechenland durch ihren Gesandten in Athen
wahrnehmen zu laffen, da sie ihren diplomatischen Vertreter auS Athen abberufen habe.
Wien, 19. April. Die Kriegserklärung von Seiten der Türkei ist hier vollständig überraschend gekommen, da man bis zum letzten Augenblick immer noch der Ansicht war, daß es zu keinem Kriege kommen würde.
Rom, 19. April. Die Kriegserklärung ruft hier große Ueberraschung hervor. Die Regierung beabsichtigt, ihre Truppen und Schiffe von Kreta zurückzuziehen, da eine Blokade nunmehr gegen da» Völkerrecht verstoße.
Pari», 19. April. Der „Figaro" meldet auS Konstantinopel, Fuad Pascha temisstontrte als Marschall, ebenso seine drei Söhne. Fuad war der tüchtigste Marschall, auf welchen die Tütkei zählte.
Loudon, 19. April. Die „Times" melden aus dem türkischen Hauptquartier, daß der Kampf an der thessalischen Grenze bereit» seit 30 Stunden währt.
Athen, 19. April. Eine außerordentliche Sitzung der Deputirtenkammer wurde gestern Vormittag abgehalten. In derselben gab Ministerpräsident DelyanniS eine detaillirte Schilderung der Vorgänge der letzten Tage und führt au», daß die Türkei allein die Schuld daran trage, wenn Griechenland jetzt die Waffen ergreife. Unter dem Beifall der ganzen Kammer erklärte Delhannis, die Türkei habe Griechenland den Krieg erklärt und Griechenland habe denselben angenommen. In Athen herrscht eine ungeheure Begeisterung. Die letzten Truppen, welche sich noch hier befanden, ebenso die letzten Jahrgänge sind nach der Grenze abgegangen. Der türkische Gesandte hat seine Päffe erhalten und sich nach Konstantinopel begeben,
Athen, 19. April. Die Kammer nahm alle von der Regierung vorgeschlagrnen Maßnahmen an und vertagte fich auf unbestimmte Zeit. — Nach Meldungen aus Larissa dauert der Kampf an der Grenze auf der ganzen Linie fort. Prevesa ist halb zerstört, B'glia wurde ebenfalls von griechischen Truppen besetzt. Mehrere türkische Batterien find von den Griechen genommen worden. Eine griechische Brigade cernirt Meluna.
Athen, 19. April. Die griechische Regierung, welche Werth darauf legt, zu betonen, daß sie btS zum letzten Augenblick an ihren friedlichen Bestrebungen festzuhalten suchte, gibt auS diesem Grunde ihren Correspondenten ein Bild über die Vorgänge in den letzten Tagen. Die türkischen Truppen versuchten am Freitag Abend einen Angriff auf die auf einem Hügel gelegene Ortschaft AnalipoiS, wurden aber von Seiten der Griechen zurückgeworftn. AnalipoiS ist ein Oertchen, welches in der neutralen Zone gelegen ist und nur im Sommer von Hirten bewohnt wird, augenblicklich also sich ohne Einwohner befindet. Dieses Vorgehen der Türken allein bedeutet schon einen Friedensbruch. Die griechischen Truppen, welche die Annäherung der Türken bemerkt hatten, besetzten AnalipoiS und konnten dem Ansturm der Türken erfolgreich Widerstand leisten. Am SamStag früh 5 Uhr wurde ein zweiter Angriff von Setten der Türken unternommen, aber ebenfalls zurückgeschlagen. Im Laufe deS Samstag fand alsdann der Ministerrath statt, in welchem beschlossen wurde, an Griechenland den Krieg zu erklären. Um 11 Uhr Abends wurde dem griechischen Gesandten in Konstantinopel die Kriegserklärung übergeben. In derselben wird nicht nur gesagt, daß der griechische Gesandte in Konstantinopel und der türkische Gesandte in Athen die Hauptstädte sofort zu verlaffen hätten und daß sämmtliche Consulate aufgehoben seien, sondern es wird vor allen Dingen festgesetzt, daß die gekämmten griechischen Unterthanen innerhalb 14 Tagen die Türkei zu verlaffen hätten. ES bedeutet diese» eine ungeheuere Schädigung einer großen Zahl griechischer Unterthanen, die ihre zweite Heimath in der Türkei gefunden haben. Ohne daß nur die türkijche Kriegserklärung allgemein bekannt war, feuerte am Sonntag das türkische Fort Prevesa auf den griechischen Dampfer „Macedonieu", der den Golf von Prevesa verließ und bohrte daS Schiff, welche» viele Passagiere und Fracht an Bord hatte, tu den Grund. ES bedeutet dies ebenfalls eine Verletzung deS Völkerrechts, wogegen Griechenland energisch protestiren müffe, denn erst im Laufe deS Sonntag überbrachte der türkische Gesandte in Athen der griechischen Regierung die Kriegserklärung seiner Regierung. Die Antwort Griechenlands, welche hierauf ertheilt wurde, betont in ziemlich energischer Weise den fried- lichen Standpunkt, welchen Griechenland von jeher eingenommen habe und stellt fest, daß die griechischen Truppen in den letzten Tagen wiederholt gezwungen waren, Angriffe der türkischen Truppenmacht zurückzuschlagen.
Athen, 19. April. AIS der griechische Dampfer „Mace- donien" in den Hafen von Ambracia einlief, feuerten die Türken von Prevesa aus auf den Dampfer und bohrten ihn
in den Grund. Die Mannschaft konnte bi» auf den Kapitän, welcher schwer verwundet wurde, gerettet werden. Al» die Nachricht von diesem Vorgänge in Athen eiulief, gab die griechische Regierung Befehl, daß die Flotte Prevesa zehn Stunden lang bombardiren solle, waö seit gestern Mittag geschah. Ein Theil von Prevesa ist vollständig zerstört. Die Einwohner hatten den Ort vorher verlaffen.
Athen, 19. April. Die Regierung wird mittelst einer Note den Mächten mittheilen, daß, nachdem alleProvocationen und die Kriegserklärung seiterS der Türkei erfolgt, Griechenland jede Verantwortung ablehnen und sich nunmehr bloS von militärischen Rücksichten leiten lassen wird. Ueber weitere Kämpfe wird noch berichtet, daß die Griechen sich des Moner- Passes bemächtigt haben und auf der ganzen Linie siegreich geblieben sind. Zwischen Melema und Hegero haben die Griechen zehn türkische Posten erobert. Edhem Pascha versuchte einen Vorstoß gegen den Rovenui Paß mit 12000 Mann. Die griechischen Kanonenboote „Ambrakia" und „Athen" bombardirten erfolgreich das Fort Skafidaka. Gegen Prevesa marschirt ein größere» griechische» CorpS, so daß dasselbe dem vereinten Ansturm der Land- und Seemacht nicht Stand halten dürfte. Sobald der Ort gefallen, wird die griechische Flotte einen Handstreich gegen Salonickt unternehmen.
Konstanttuopel, 19. April. Dem griechischen Gesandten sind die Päffe zugestellt. Derselbe hat Konstantinopel verlaffen. Die griechischen Hoheitszeichen an der griechischen Gesandtschaft wurden entfernt. Die Pforte richtete eine Circular Note an die Mächte, in welcher fie Griechenland für alle Folgen, die deffrn provokatorische» Borgehen nach sich ziehen werde, die Verantwortung zuschiebt. Sie verfolge, indem sie zur Offensive dort vorgehe, keine GroberungSschritte, was fie damit beweisen wolle, daß fie bereit fei, ihre Truppen zurückzuziehen, wenn vaffelbe auch von Griechenland sowohl an der thessalischen Grenze wie in Kreta geschehe.
Konstanttuopel, 19. April. In der Nacht von SamStag auf Sonntag beschloß der Miuisterrath, an Griechenland den Krieg zu erklären, wovon dem griechischen Gesandten Hierselbst Mittheilung gemacht wurde.
Berlin, 20. April. Major v. Krosigk, der persönliche Adjutant deS Prinzen Friedrich Leopold, wurde am SamStag an das Sterbebett seiner Mutter nach Halle a. d. S. gerufen. Als seine Mutter eben verschieden war, sank auch er an ihrem Bette leblo» nieder, ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht.
Leipzig, 20. April. Die italienischen Studenten trafen gestern Bormittag auß Berlin hier ein und wurden am Bahnhose von Vertretern der hiesigen Studentenschaft empfangen.
Wie», 20. April. Nach Informationen deS „Fremdenblattes" stehen an der Grenze 93,000 Griechen und 90,000 Türken.
Pari», 20. April. Infolge deS Ersuchens deS griechischen Gesandten in Konstantinopel hat der französische Botschafter Cambor die katholischen Griechen im türkischen Reich unter seinen Schutz genommen.
Atheu, 20. April. DaS Bombardement von Prevesa durch die griechischen Schiffe hat gestern Früh lOVa Uhr begonnen. Die türkische Besatzung ergab fich. Die Regierung notificirte den Mächten den türkischen Angriff und ersuchte dieselben, ihre Streitkräfte von Kreta zurückzuziehen, damit Griechenland auf der Insel, al» einer türkischen Besitzung, nicht in seiner ActionS-Freiheit behindert werde.
WB. Koustautiuopel, 20. April. Da» Wiener Corre- spondenzbureau bezeichnet baß Gerücht von einer Schlacht bei Larissa und die Einnahme Lariflaß für officiell unbestätigt.
WB. Athen, 20. April. Havaß-Meldung. Die Türken wurden bei Repeni Nezero geschlagen, sie hatten starke Verluste. Zwei griechische Brigaden gehen auf verschiedenen Wegen auf Damassi vor. Wie verlautet, hatten dieselben bereit» mehrere strategische Punkte bei Damassi besetzt.
WB. Larista, 20. April. Havaßmeldung. Die Griechen eroberten Grittovawi zurück.
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Gietzeu, den 20. April 1897.
♦♦ Die verstossenen Osterseiertage haben in Bezug auf die Witterung nicht daS gebracht, was allgemein erwartet wurde: Heiteres, zu Ausflügen einladendes Wetter. Der erste Feiertag war ein kritischer Tag allererster Ord-


